Warum ich meinen Kindern niemals sage „Hau zurück!“

Bestimmt kennst auch du Situationen wie diese nur zu gut: dein Kind kommt weinend auf dich zugelaufen und beschwert sich über ein anderes Kind, das es an den Haaren gezogen, geschubst, getreten, geschlagen oder sonst wie unschön behandelt hat. Natürlich klopft sofort der elterliche Beschützerinstinkt an deine Herzenstür, der Vergeltung für die körperlichen und seelischen Verletzungen deines geliebten kleinen Schatzes einfordern möchte. „Hau zurück!“ scheint da oft ein elterlicher Reflex zu sein. Warum ich meinen Kindern diesen Rat jedoch nicht mit auf den Weg gebe, hat gute Gründe, wie ich finde.

Natürlich möchte ich, dass sich meine Kinder gegen Ungerechtigkeiten wehren, sich verteidigen können und sich nicht alles gefallen lassen. Mir geht es nur um die Art und Weise, wie sie lernen, sich zu wehren. Ich persönlich möchte nicht, dass meine Söhne ihre Fäuste einsetzen, um ihren Standpunkt klar zu machen.

Wehren oder abwehren?

Es gibt für mich einen grundlegenden Unterschied zwischen den Begriffen „sich wehren“ und „abwehren“. Wenn ich Schläge, Tritte oder sonstige Angriffe auf meine Person instinktiv abwehre, um möglichst nicht verletzt zu werden, ist das eine völlig natürliche Reaktion.

Wenn ich hingegen den anderen aktiv haue, also nicht als natürliche Reaktion der Abwehr, sondern weil ich meinem Gegenüber zeigen möchte, dass ich „das auch kann“, dann wehre ich mich mehr oder weniger präventiv bzw. im Nachhinein. Nicht um mich unmittelbar instinktiv zu schützen, sondern ganz bewusst. Im juristischen Sinne würde ein solches Verhalten doch auch nicht als Notwehr durchgehen!!?!

„Hau zurück!“, aber fang nicht selbst an?!?

Wenn ich Gewalt generell ablehne, so bedeutet das doch auch, dass ich nicht möchte, dass mein Kind andere schlägt. Warum sollte es dann in Ordnung sein, dass mein Kind zurück schlägt? Macht das „zurück“ die Handlung an sich akzeptabel? Für mich nicht. Schlagen geht nicht – egal ob der eine anfängt oder die andere!

Nicht zurück zu hauen heißt nicht, dass man schwächer ist. 

Ganz im Gegenteil. Wenn mein Sohn zu mir kommt und sich darüber beklagt, dass ein anderes Kind ihn geschlagen hat, dann erkläre ihm, dass er klar und deutlich sagen soll, dass er das nicht möchte und das Kind damit aufhören soll. Wenn es das nicht tut, steht es meinem Sohn frei, sich aus der Situation zurück zu ziehen, Abstand zu nehmen. Mein 5Jähriger kann sich auf diese Weise im Kindergarten sehr gut abgrenzen. Er geht generell Kindern, die schlagen, aus dem Weg und sucht die Nähe zu anderen. So würde ich das selbst auch tun. Wenn Erwachsene ihre „Fäuste sprechen lassen“, finden wir das inakzeptabel. Dies bei Kindern zu fördern, erscheint dagegen Vielen als völlig normal.

Rangeleien, Balgen, Raufen fallen in eine andere Kategorie.

Ich möchte betonen, dass ich kindliche Raufereien und Rangeleien in eine andere Kategorie einordne. Dabei geht es ja um natürliches Kräftemessen, Körperkontakt und ähnliches, bei dem alle Beteiligten einverstanden sind und gleichermaßen profitieren.

Ich möchte, dass meine Kinder sich mit Worten zu wehren wissen, nicht mit Gewalt. Deshalb bekommen sie von mir niemals den Rat „Hau zurück!“ mit auf den Weg.

Wir wehren uns, aber wir schlagen nicht. 

 

Alles Liebe,

Deine

Tamara_Schrift

 

 

 

 

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Deine

Tamara_Schrift

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Liebe Mamas!Pregnant

Heute möchte ich mit euch einen Text aus Khalil Gibrans „Der Prophet“ teilen, den ich persönlich sehr berührend finde. Er passt, wie ich finde, sehr gut zu einer achtsamen und bindungsorientierten Form der Erziehung und Eltern-Kind-Beziehung, die das Kind als individuelles Wesen mit eigenen Bedürfnissen, Gedanken und Werten schätzt und respektiert.  ♥

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter

der Sehnsucht des Lebens

nach sich selbst.

Sie kommen durch euch,

aber sie sind nicht von euch,

und auch wenn sie bei euch sind, gehören sie euch nicht.

Ihr könnt ihnen eure Liebe geben,

aber nicht eure Gedanken,

weil sie ihre eigenen Gedanken haben.

Ihr könnt ihren Körpern eine Behausung geben,

aber nicht ihren Seelen,

weil ihre Seelen im Haus von  morgen wohnen,

welches ihr nicht betreten könnt,

noch nicht einmal in euren Träumen.

Ihr könnt versuchen,

wie sie zu sein,

aber versucht nicht sie euch anzugleichen,

das Leben geht nicht rückwärts,

noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen,

von denen eure Kinder

als lebende Pfeile abgeschossen werden.

Der Bogenschütze sieht das Ziel

auf dem Pfad der Unendlichkeit,

und Er biegt euch mit Seiner Kraft,

damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Möge das Gebogenwerden

in des Schützen Hand

Freude in euch auslösen.

So wie Er den fliegenden Pfeil liebt,

so liebt Er auch den Bogen,

der fest steht.

Eure

Tamara_Schrift

Die Kuh, die weinte

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„Die Kuh, die weinte“ ist eine wunderbare (wahre) Geschichte des buddhistischen Mönchs Ajahn Brahm über die Bedeutung des „Sich-kümmerns“. Nicht nur in Zeiten wie diesen ist es angebracht, sich in andere Lebewesen hineinzuversetzen, sich umeinander „zu kümmern“. Unsere Welt wäre um Vieles schöner, wenn die Menschheit empathischer wäre…


Als ich einmal etwas früher zum Meditationsunterricht in die Haftanstalt kam, wartete ein Gefangener auf mich, den ich zuvor noch nie gesehen hatte. Er war ein Hüne mit wildem Haar und Bart und jeder Menge Tätowierungen auf den Armen. Die Narben in seinem Gesicht verrieten mir, dass er schon so manchen Streit ausgefochten hatte. Er sah so Furcht erregend aus, dass ich mich fragte, warum ausgerechnet dieser Kerl das Meditieren erlernen wollte. Er war so gar nicht der Typ dafür. Aber darin hatte ich mich gründlich geirrt. Er erzählte mir von einem Vorfall, den er ein paar Tage zuvor erlebt und der ihn höllisch erschreckt hatte.

Mit starkem irischen Akzent erzählte er mir von seiner Kindheit in den brennenden Straßen von Belfast. Als Siebenjähriger war er zum ersten Mal Opfer einer Messerstecherei geworden. Ein älterer Schüler, ein bekannter Schläger, forderte ihn auf, das Geld herauszurücken, das er fürs Mittagessen von zu Hause mitgebracht hatte. Der kleine Junge weigerte sich. Der Ältere zog ein langes Messer und stellte die Frage noch einmal. Der Kleine glaubte, dass der andere nur bluffte und lehnte wieder ab. Ein drittes Mal fragte der Schläger nicht. Er trieb einfach das Messer in den Arm des Siebenjährigen, zog es dann wieder heraus und ging ungerührt davon.
Der Mann erzählte mir, dass er völlig geschockt das Schulgelände verließ und zum Haus seines Vaters in der Nachbarschaft rannte. Blut strömte seinen Arm hinunter. Sein arbeitsloser Vater sah sich die Wunde kurz an und ging dann mit seinem Sohn in die Küche. Aber nicht etwa, um die Wunde zu verarzten. Der Vater zog eine Schublade auf, ergriff ein großes Küchenmesser, drückte es seinem Sohn in die Hand und forderte ihn auf, zur Schule zurückzukehren und damit den anderen Jungen zu stechen. So war er erzogen worden. Wenn er nicht so groß und stark geworden wäre, hätte er wahrscheinlich schon vor langem das Zeitliche gesegnet.
Diese Haftanstalt war eine Gefängnis-Farm. Häftlinge mit kurzen Strafen und jene, die nach einer langen Freiheitsstrafe kurz vor der Entlassung standen, sollten dort auf das Leben danach vorbereitet werden. Einige erhielten damit die Gelegenheit, eine landwirtschaftliche Ausbildung zu absolvieren. Außerdem versorgte die Ernte dieser Farm alle Gefängnisse bei Perth mit Nahrungsmitteln, wodurch die Kosten niedrig gehalten werden konnten.
Genau wie die australischen Bauern, die außer Getreide und Gemüse auch Kühe, Schafe und Schweine züchten, hatte sich diese Farm ebenfalls auf all diese landwirtschaftlichen Tätigkeiten verlegt. Aber im Gegensatz zu den anderen Farmen, betrieb dieser Gefängnisbauernhof auch seinen eigenen Schlachthof.
Jeder Häftling musste einen Job auf der Farm übernehmen. Es war nicht zu übersehen, dass sich die Insassen um die Arbeit im Schlachthof rissen. Sie war vor allem bei den gewalttätigen Männern äußerst beliebt, die besonders gern die Arbeit des Abschlachtens verrichteten. Um diesen Job musste man regelrecht kämpfen.
Der Mann beschrieb mir den Schlachthof. Es gab starke Gitter aus Edelstahl, die am Eingang weit auseinander gesetzt waren, aber innerhalb des Gebäudes immer näher zusammenliefen, bis sie so schmal waren, dass nur ein Tier hindurchpasste. Neben diesem schmalen Gang stand er als Schlachter mit seinem Bolzenschussgerät auf einem Podest. Kühe, Schweine oder Schafe wurden mit Hunden und Stöcken in den Edelstahl-Trichter getrieben. Er berichtete, dass alle Tiere schrien, jedes auf seine Weise, und jedes versuchte zu flüchten. Die Tiere rochen den Tod, hörten den Tod, spürten den Tod. Wenn das Tier an dem Podest angelangt war, krümmte und wand es sich und stieß laute, klagende Töne aus. Obwohl ein Schuss aus seinem Bolzenschussgerät einen riesigen Bullen auf der Stelle hätte töten können, stand kein Tier so still, dass er auf Anhieb genau zielen konnte. Also fiel der erste Schuss, um das Tier zu betäuben und der zweite, um es zu töten. Ein Schuss zur Betäubung, ein Schuss zur Tötung. Ein Tier nach dem anderen. Jeden Tag aufs Neue.
Der Ire wurde ziemlich aufgeregt, denn jetzt wollte er von dem Vorfall berichten, den er nur wenige Tage zuvor erlebt und der ihn so aus der Fassung gebracht hatte. Er begann zu fluchen und sagte wiederholt: »Es ist die Gott verdammte Wahrheit.« Er hatte Angst, dass ich ihm nicht glauben würde.
An jenem Tag brauchten die Gefängnisse nahe Perth Rindfleisch. Also wurden Kühe geschlachtet. Ein Schuss zur Betäubung, ein Schuss zur Tötung. Er hatte schon eine große Anzahl von Tieren erledigt, als eine Kuh auf eine Weise herankam, wie er es noch nie zuvor erlebt hatte.

Diese Kuh war still. Sie schnaufte nicht einmal. Mit gesenktem Kopf näherte sie sich langsam dem Podest, ohne dass auch nur der geringste Druck auf sie ausgeübt werden musste. Am Ziel blieb sie ganz ruhig stehen. Sie tobte nicht, wand sich nicht, brüllte nicht und versuchte auch nicht zu flüchten. Auf einmal hob sie langsam den Kopf und starrte ihren Henker bewegungslos an.
Der Ire hatte so etwas noch nie erlebt. Er war vollkommen verwirrt, konnte weder sein Bolzenschussgerät auf die Kuh richten noch ihrem Blick ausweichen. Die Kuh schien direkt in sein Innerstes hineinzuschauen. Zeit und Raum waren für ihn verschwunden. Er konnte mir nicht sagen, wie lange die Kuh diesen Blickkontakt aufrechterhielt, aber dann entdeckte er etwas, das ihn weitaus mehr erschütterte.
Im linken Auge der Kuh, oberhalb des unteren Augenlids, begann sich Wasser zu sammeln. Es wurde immer mehr. Irgendwann lief das Auge über und das Wasser tröpfelte heraus, rollte langsam über ihre Wange und bildete eine glitzernde Tränenkette. Längst verschlossene Türen begannen sich in seinem Herzen zu öffnen. Ungläubig beobachtete er, dass jetzt auch das rechte Auge der Kuh nass wurde und sich dort so viel Wasser ansammelte, dass bald darauf ein zweiter Tränenstrom floss.

Die Kuh weinte. Da brach der Mann zusammen.
Er sagte mir, dass er sein Bolzenschussgerät auf den Boden geworfen und den Wachen fluchend zugebrüllt hatte, dass sie mit ihm tun könnten, was sie wollten, »ABER DIESE KUH WIRD NICHT STERBEN!«

Er sagte mir, dass er jetzt Vegetarier sei.
Die Geschichte stimmte. Andere Häftlinge der Gefängnis-Farm bezeugten sie mir gegenüber. Die Kuh, die weinte, hatte einem der gewalttätigsten Männer gezeigt, was »mitfühlen« bedeutet.

Ajahn Brahm, übersetzt von Martina Kempff

Das Indianerzelt

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Urlaub auf dem Land bei der Uroma ist Abenteuer pur für meine kleinen Männer. Sie können die Haustür aufmachen und in den riesigen Garten stürmen, den ehemaligen Stall des 300 Jahre alten Bauernhofes erkunden, das viele Holz, das überall herumliegt, weil die Uroma es zum Heizen und teilweise auch zum Kochen braucht, für diverse Spiele wie Aufeinandertürmen, Schlichten, in Kisten Packen und Herumtragen uvm. verwenden. Sie finden ständig irgendein Utensil, das erkundet und in seinen vielen Funktionen ausgiebig getestet werden will. So kann ein simples Stück Seil die Kinder einen ganzen Vormittag lang beschäftigen. Der kleine Bruder zieht es umher wie eine Nachziehente, der große Bruder knotet es überall fest, baut damit Fallen und fesselt seinen kleinen Bruder oder den Papa. Ein Besen wird zum Reiten benutzt, die zahlreichen Pflanzen und Blumen der Uroma mit Liebe und Ausdauer gegossen. Zum Glück ist es gerade sehr heiß und Wasser von pflanzlicher Seite überaus erwünscht.

Als wir an einem Nachmittag vom Badeteich zurückkommen, klagt mein kleiner dennoch über Langeweile. Auch wenn er es im ersten Moment nicht annehmen kann, versichere ich ihm, dass es durchaus gut ist, sich mal zu langweilen. Nachdem er einige Minuten missmutig seiner Langweile frönt, hat er offenbar einen Geistesblitz. Wie aus heiterem Himmel packt ihn die Kreativität und er beginnt, ein Indianerzelt zu bauen. Sein Papa hilft ihm dabei, die Holzstöcke oben zusammenzubinden und die Decke zu befestigen, alles andere macht mein Sohnemann selbst.

Ich staune wieder einmal, wie kreativ und euphorisch Kinder sein können, wenn sie etwas von sich aus tun, aus eigenem Antrieb und mit Ideen, die aus ihren kleinen Köpfen entwachsen, ohne irgendeinen äußeren Einfluss. Die Freude, die dabei entsteht, ist unermesslich und echt.

Ich habe den Moment, mein Kind bei diesem erfüllenden Erleben beobachten zu dürfen, einfach nur genossen und mich von seiner Freude anstecken lassen.

Einer der vielen wunderschönen kleinen Momente mit meinen Kindern, den ich achtsam und dankbar mit ihnen teilen durfte.

Das Sterben der Hummel

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Neulich am Spielplatz fiel meinen kleinen Männern eine am Boden liegende Hummel auf, die sich seltsam bewegte. Erst rotierte sie wie betrunken im Kreis, dann wurden ihre Bewegungen langsamer, bis sie schließlich auf dem Rücken liegend verendete. Dieser ganze Prozess des Sterbens dauerte etwa 40 Minuten, in denen wir zu dritt daneben saßen, beobachteten und redeten.

Mein kleiner Mann dachte zuerst, die Hummel ruhe sich nur aus. Wahrscheinlich sei sie müde und hier sei ihre Couch, auf der sie sich zum Ausruhen hingelegt habe, meinte er. Mein kleinster Mann war ebenso fasziniert von dem, was er sah und hörte, redete seinem großen Bruder alles nach und suchte bei mir immer wieder Bestätigung für seine Annahmen. „Ist die Biene verletzt?“, wollte er immer wieder wissen. (Dass es sich hierbei um eine Hummel und weder um eine Biene, noch um eine Wespe handelte, war ein Irrtum, der sich durch die gesamte Konversation durchzog.)

Ich erklärte, dass die Hummel wohl verletzt oder krank sei, es ihr nicht gut gehe.

„Die Biene beißt!“, schrie mein Kleinster. Ihn hatte nur zwei Tage zuvor eine Hummel in den Fuß gebissen.

„Das ist eine Hummel!“, schrie darauf sein Bruder. „Die Biene beißt nicht, die sticht!“

Mein kleiner Mann wurde vor mehreren Wochen von einer Biene gestochen, auch diese schmerzvolle Erinnerung ist nicht vergessen. Er hat seitdem großen Respekt vor Bienen und allen fliegenden Tierchen, die so ähnlich wie Bienen aussehen. „Die sind böse, stimmt´s Mama?“ sagt er daher. „Nein, Bienen sind nicht böse.“, antworte ich. „Sie haben einfach Angst und dann stechen sie. Stell dir mal vor, wie groß wir in ihren Augen sind. Würden wir auf solche Riesen treffen, würden wir auch stechen, wenn wir könnten.“ Das leuchtet ein, Verständnis ist in seinem Gesicht zu erkennen.

Nebenher werden die Bewegungen der Hummel immer langsamer, nur noch an ihrem Körper ist eine schwache Atembewegung zu erkennen.

„Nicht draufsteigen!“ wird zwischendurch immer wieder von einem der beiden Jungs gebrüllt, was den jeweils anderen, der das Stückchen Wiese gerade zu durchqueren versucht, nervös nach der Hummel schauen und mitten im Gehen aufhüpfen lässt. Beide wissen: wir töten keine Tiere, sei es auch noch so ein kleines Insekt. Draufsteigen ist also Tabu.

Als es mit der Hummel sichtlich zu Ende geht, sind wir drei automatisch demütig ruhig und schauen zu. Schließlich stellen wir ihren Tod fest. „Das war schon eine Oma Hummel“, erklärt der Große dem Kleinen. „Die war schon alt.“

Als das Tierchen regungslos liegen bleibt, kommt mir eine Idee. „Wollen wir die Hummel jetzt begraben?“

Die Jungs sind begeistert dabei und so graben wir ein kleines Loch in die Kieselsteine, ich lege die Hummel hinein und wir schütten das Loch wieder zu. Ein winziger Ast mit einem Blatt dient als Kreuz. Ich spreche ein paar Abschiedworte und erkläre: „Jetzt ist sie im Hummel-Himmel.“

Daraufhin will mein Großer wissen, was den ein solcher sei und wieso man da hinkommt. Ich beantworte seine Fragen so gut ich kann, merke dabei aber auch, wie schwer es mir fällt, zu erklären. Es gibt also einen Himmel, wo wir nach dem Tod hinkommen. Gott ist auch da. Was macht er da? Warum werden wir dann begraben? Ist Gott in der Kirche gestorben? (Mein kleiner Mann weiß, dass es in der Kirche einen gewissen Mann am Kreuz gibt und hat daraus seine eigenen Schlüsse gezogen) Was macht Gott im Himmel? Fressen die Hummel jetzt die Ameisen?“ Fragen über Fragen ergeben sich in weiterer Folge und so philosophiere ich mit meinem 4jährigen Sohn über „Gott und die Welt“…

Dieses Erlebnis mag vielleicht klein und unbedeutend erscheinen. Ich habe dabei aber sehr viel Nähe zu meinen Kindern gespürt, wir waren alle drei voll und ganz hier, miteinander, haben gemeinsam erlebt. Es war ein schönes Gefühl. Die freudigen Gesichter meiner Kinder haben mein eigenes Gefühl widergespiegelt.

Diese Situation hat mir wieder gezeigt: wenn man sich auf die Welt der kleinen Leute einlässt, wird man in vielerlei Weise beschenkt!

Angebot

 Die Herzenspädagogische Familienbegleitung und -beratung für dich

Kostenloses Informationsgespräch

Hast du Interesse, bist aber noch unsicher, ob die Herzenspädagogische Familienberatung etwas für dich ist? Möchtest du mich persönlich kennen lernen und dir ein besseres Bild von meiner Arbeit machen?

Bei einem kostenlosen Infogespräch erkläre ich dir vorab, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte, du kannst mir schon einmal in Umrissen erzählen, worum es geht und dir so einen besseren Eindruck machen.

Anfrage unter: jungbauer@erziehungskiste.net 

Einzelsetting

Beim Einzelsetting komme ich zu dir nach Hause*. Auf diese Weise ersparst du dir die Wegzeit und kannst in deiner gewohnten familiären Umgebung über die Themen sprechen, die dir am Herzen liegen. Dein/e Kind/er  ist/sind dabei sehr willkommen und erwünscht.

*Auf Wunsch können wir die Beratung auch gern bei mir machen.

Kosten: 70€ für das Erstgespräch (Dauer: 90 Minuten)

50€ für jede weitere Einheit (1 Einheit = 60 Minuten)

Gruppensetting

Wenn du eine Freundin mit ähnlichen Problemen hast oder mehrere andere Eltern findest, die Interesse daran haben, zu einem speziellen pädagogischen Thema mehr zu erfahren, so biete ich auch Gruppenbegleitungen an. Gruppengröße: 2 bis maximal 5 Eltern.

Ort: bei dir zu Hause, auf Wunsch auch bei mir möglich.

Kosten: 70€ pro Einheit (1 Einheit = 60 Minuten)

Email Beratung

Diese hat den Vorteil der zeitlichen Flexibilität. Du schreibst mir unter jungbauer@erziehungskiste.net, wann es sich für dich am besten einrichten lässt und erhältst von mir so rasch wie möglich eine ausführliche Antwort. Die Online Begleitung erfolgt über einen Zeitraum von 4 Wochen, in dem ich dich zu sämtlichen Fragen online begleite. Sie ist kostengünstiger, da bei dieser Variante die Wegzeit für mich wegfällt.

Starttermin der Online Beratung ist das Datum des Zahlungseingangs.

Kosten: 60€ für die erste Einheit (1 Einheit = 1 Monat)

50€ für jede weitere Einheit

Online Sprechstunde

Vorteile der Online Sprechstunde:

  • – die zeitliche Flexibilität: du entscheidest, wann du dir Zeit nehmen möchtest. Zusätzliche Wegzeiten fallen weg, es bleibt mehr Raum für das Wesentliche.
  • – schriftliche Beratung kommt schneller auf den Punkt: sich schriftlich auszudrücken bedarf schon einer gewissen gedanklichen Vorbereitung – ich überlege erst, dann schreibe ich. Dadurch erspart man sich viel „zwischen den Zeilen“.
  • – Vorteile gegenüber der Email Beratung: die sofortige Beantwortung deiner Fragen, die Möglichkeit zum live Austausch (so sind Rückfragen direkt möglich anstatt zeitversetzt).
  • – Da die Online Sprechstunde in 30 Minuten Einheiten buchbar ist, kannst du sie auch gut für Fragen zwischendurch nutzen.

Wie funktioniert die Online Sprechstunde?

Du schreibst mir eine Email unter jungbauer@erziehungskiste.net oder rufst mich an (siehe Kontaktdaten rechte Spalte) und wir vereinbaren einen Termin, der für dich passt. Die Online Sprechstunde findet entweder über einen privaten Chat (dessen Link ich dir jeweils zusende), telefonisch oder via Skype statt.

Damit wir so bald wie möglich loslegen können, bitte ich dich, mir in der Zwischenzeit die Kosten für die Beratungseinheit auf mein Konto zu überweisen.

Kosten: 20€ pro Einheit (1 Einheit = 30 Minuten)


Sozialtarif: 

Hast du dringend Bedarf an pädagogischer Beratung, befindest dich aber in einer finanziell schwierigen Lage? Ich biete laufend eine gewisse Anzahl von Plätzen mit Sozialtarif an. Einfach nachfragen!


Hinweis: In jedem Fall behandle ich deine Daten absolut vertraulich, die Beratung erfolgt unter Datenschutz und auf Wunsch auch anonym. 

Außerdem in der Erziehungskiste:

Mein Online Kursangebot

Interesse?

Dann schicke mir ein Mail an jungbauer@erziehungskiste.net 

 

 

Ich freu mich auf ein Kennenlernen!

Uta Künkler: Montessori, Waldorf und Co. – Reformschulen im Überblick

Montessori-Schulen arbeiten ohne Zensuren. Als Zeugnisse erhalten die Schüler zum Halbjahr sowie zum Jahresende Leistungsberichte in Schriftform. Zudem wird für jeden Schüler ein so genannter IzEL-Bogen geführt, der den individuellen Entwicklungs- und Lernprozess dokumentiert. Dieser bildet den Lernfortschritt sowie das Sozial- und Arbeitsverhalten der Schüler sehr detailliert ab, ohne ihn in Schulnoten zu verpacken.

Auch im Montessori-Kindergarten oder -Kinderhaus steht die Ausbildung von Selbstständigkeit und Eigenverantwortung ganz oben. Auch hier bestimmen die Kinder selbst, womit sie sich beschäftigen und über welchen Zeitraum sie das tun. Sie lernen ihre persönlichen Fähigkeiten (ein-)schätzen, werden in ihrer Selbstständigkeit gefördert und gefordert und lernen, Entscheidungen zu treffen. Sie werden als Menschen ganzheitlich wahrgenommen, akzeptiert und geachtet. Die vorhandenen Materialien im Montessori-Kindergarten regen zum Erforschen an und bieten den Kindern altersgerechte Bewegungsanreize.

Uta Künkler ist Bildungsexpertin und Redakteurin für besser-bilden, ein Online-Magazin zu den Themen Bildung, Schule, Familie und Erziehung samt Ratgeber und Mutter-Blog. Was gibt es für alternative Schulkonzepte? Welche Schule ist die richtige für mein Kind? Auf ihrer Webseite gibt’s die Antwort.

An dieser Stelle gibt Uta uns einen Überblick über die wichtigsten Reformschulen. Nicht immer muss es eine traditionelle Schulform sein, die gut für das Kind passt. Manchmal ist eine alternative Wahl die bessere Möglichkeit. 


Montessori, Waldorf und Co. – Reformschulen im Überblick

Montessori, Waldorf, Jenaplan und wie sie alle heißen – die reformpädagogischen Konzepte sind Trend. Allerorts werden (Privat-) Schulen gegründet, die einen Gegenentwurf zur staatlichen Regelschule darstellen wollen. Und immer mehr Eltern und Schüler wenden sich ihnen zu, trotz nicht immer günstigem Schulgeld entscheiden sich viele Familien für alternative Schulen. Sie wünschen sich einen besseren Lehrerschlüssel, mehr Individualität und weniger Leistungsdruck. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff Montessoripädagogik? Und wie lernen die Kinder an einer Waldorfschule?

Montessori

Die Pädagogik nach der Ärztin Dr. Maria Montessori ist über 100 Jahre alt, feiert aber heute ein großartiges Comeback. Montessori-Schulen und Montessori-Kindergärten schießen seit einigen Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum aus dem Boden. Das erklärte Ziel von Einrichtungen mit Montessori-Konzept ist Bildung durch Freude an Leistung, durch Motivation, Eigeninitiative und individualisiertes Lernen.

An einer Montessori-Schule arbeiten Kinder und Lehrer ohne Notendruck, ohne Frontalunterricht und Gleichschritt, dafür mit Achtsamkeit und Respekt für den persönlichen Entwicklungsstand eines jeden Schülers. Den Kindern stehen Lernmaterialien zur Verfügung, die zur Eigenbeschäftigung anregen und Selbstkontrolle ermöglichen. Jeder Schüler folgt dabei seinem eigenen Lerntempo. In jahrgangsdurchmischten Klassen lernen die Kinder nicht nur im fachlichen, sondern besonders auch im sozialen Bereich voneinander. Die Entwicklung von Selbstständigkeit, Mut und Eigenverantwortung der Kinder steht im Zentrum der Bildung in Montessori-Schulen.

Montessori-Schulen arbeiten ohne Zensuren. Als Zeugnisse erhalten die Schüler zum Halbjahr sowie zum Jahresende  Leistungsberichte in  Schriftform. Zudem wird für jeden Schüler ein so genannter IzEL-Bogen geführt, der den individuellen Entwicklungs- und Lernprozess dokumentiert. Dieser bildet den Lernfortschritt sowie das Sozial- und Arbeitsverhalten der Schüler sehr detailliert ab, ohne ihn in Schulnoten zu verpacken.

Auch im Montessori-Kindergarten oder -Kinderhaus steht die Ausbildung von Selbstständigkeit und Eigenverantwortung ganz oben. Auch hier bestimmen die Kinder selbst, womit sie sich beschäftigen und über welchen Zeitraum sie das tun. Sie lernen ihre persönlichen Fähigkeiten (ein-)schätzen, werden in ihrer Selbstständigkeit gefördert und gefordert und lernen, Entscheidungen zu treffen. Sie werden als Menschen ganzheitlich wahrgenommen, akzeptiert und geachtet. Die vorhandenen Materialien im Montessori-Kindergarten regen zum Erforschen an und bieten den Kindern altersgerechte Bewegungsanreize.

In der Montessori-Schule und im Montessori-Kindergarten ist die Rolle der Erwachsenen die von achtsamen Beobachtern, die Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Sie ermuntern das Kind, Schwierigkeiten selbst zu überwinden. Ein zentraler Montessori-Leitsatz lautet: „Hilf mir, es selbst zu tun.“

Waldorf

Grundlage der Waldorfpädagogik ist eine ganzheitliche Entwicklung von Körper, Geist und Seele. Die Anthroposophie ihres Begründers Rudolf Steiner (1861 – 1925) geht von einer Dreigliedrigkeit des Menschen aus: das Denken, das Fühlen und das Wollen. In der Waldorfschule oder Rudolf-Steiner-Schule und im Waldorfkindergarten werden handwerklich-künstlerische Fähigkeiten besonders gefördert.

Der Unterricht in der Waldorfschule umfasst im Wesentlichen zwei Blöcke. Der je nach Schule etwa zweistündige Hauptunterricht konzentriert sich als so genannter Epochen-Unterricht jeweils für mehrere Wochen auf ein Schulfach wie beispielsweise Mathematik oder Schreiben. Im zweiten Block, dem Fachunterricht, werden Fremdsprachen und künstlerische Fächer wie Gymnastik, Handarbeit, Musik sowie die Tanz- und Bewegungskunst Eurythmie gelehrt. Waldorfschulen arbeiten ohne Zensuren. Die Schüler können folglich auch nicht „sitzen bleiben“ oder eine Klasse wiederholen. Der Lehrplan einer Waldorfschule oder Rudolf-Steiner-Schule sieht vor, den Unterricht weitestgehend auf den kindlichen Reifeprozess abzustimmen. Das heißt, in den ersten Schuljahren wird viel Wert auf Bildhaftigkeit und Anschaulichkeit im Vermitteln der Lerninhalte gelegt. In der Mittelstufe, etwa ab der neunten Klasse, rückt dann der wissenschaftliche Unterricht mehr in den Mittelpunkt.

Im Waldorfkindergarten werden das soziale Miteinander, das kreative und zweckfreie Spiel mit (Natur-)Materialien sowie Rollenspiele besonders gefördert. Dem Kind soll Raum und Zeit zur eigenen Entfaltung geboten werden. Große Bedeutung kommt Waldorfkindergarten dem Tagesrhythmus, dem Jahreskalender und den Festtagen zu. Dem Miteinander liegt in Kindergarten und Schule und bestenfalls auch im Elternhaus das Menschenbild der von Rudolf Steiner entwickelten Antroposophie („Weisheit vom Menschen“) zugrunde.

Ein zentrales Bildungselement bei Rudolf Steiner ist die Nachahmung und Wiederholung. Der Vorbildrolle des Erwachsenen wird in Waldorfeinrichtungen daher besonders hohe Bedeutung beigemessen. Ein Waldorflehrer begreift sich als Begleiter der individuellen Entwicklung ihrer Schüler.

An Waldorfschulen gibt es – zumindest bis zur zehnten Klasse – keine klassischen Zensuren. In Zeugnissen werden der individuelle Lernfortschritt und das Bemühen des Schülers möglichst detailliert abgebildet. In jährlichen Berichtszeugnissen in Wortform erhalten die Eltern einen ausführlichen Einblick in die verschiedenen Unterrichtsinhalte und die individuellen Entwicklungsschritte ihres Kindes. „Sitzenbleiben“ ist in der Waldorfschule nicht möglich.

Ab der zehnten Klasse gibt es auch in der Waldorfschule neben dem Berichtszeugnis eines mit klassischen Schulnoten. In der Mittelstufe sind neben Tests auch Präsentationen der Schüler vor dem Klassen- bzw. Schulverband wie Referate oder künstlerische Darstellungen üblich.

Freinet

Freinet-Schulen sind vor allem im romanischen Raum verbreitet. Freinet-Pädagogik verfolgt vier zentrale Ziele: freie Persönlichkeitsentfaltung, Selbstverantwortlichkeit, Zusammenarbeit und kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft. Klassen oder Gruppen werden von Erwachsenen und Kindern als selbstverwaltete Kooperative geführt, Entscheidungen trifft die Gemeinschaft. Zwar hat der französische Pädagoge Célestin Freinet sein Konzept ursprünglich für Schulen entwickelt. Aber mittlerweile arbeiten auch immer mehr Kindergärten und Tagesstätten im deutschsprachigen Raum nach dem Freinet-Ansatz.

Unterricht an Freinet-Schulen verläuft nicht lehrergelenkt, sondern von den Schülern selbstbestimmt. Das Vertrauen in die Kinder ist eine wichtige Grundlage der Freinet-Pädagogik. Die Schüler bestimmen weitgehend selbst, womit und wie lange sie sich beschäftigen. Individuelle sowie klasseninterne Tages- und Wochenpläne spielen ebenso wie Projektwochen und Feierlichkeiten der Schulgemeinschaft eine große Rolle. Das Klassenzimmer ist – ähnlich wie an Montessorischulen – in einzelne Arbeitsbereiche, so genannte Ateliers, aufgeteilt. Ihre Ergebnisse stellen sie anschließend der – meist jahrgangsgemischten – Klassengemeinschaft vor. Eine typische Einrichtung an Freinet-Schulen ist die Schuldruckerei. Freinet-Schulen setzen nicht auf Noten und Zeugnisse, sondern auf individuelle Arbeitspläne und Wochen- bzw. Jahresbilanzen.

Auch im Freinet-Kindergarten ist die aktive Beteiligung an der Tagesgestaltung zentrales Element. Die Kinder entscheiden gemeinsam mit den Erwachsenen, was die Gruppe am jeweiligen Tag unternimmt. In einer Morgenkonferenz werden Vorschläge zum Programm diskutiert und der Tagesablauf entschieden.

Sudbury

Demokratie, Recht, Freiheit und Verantwortung sind die großen Werte, die Sudbury-Schulen hochhalten. Weltweit bestehen derzeit knapp 40 Schulen, die sich am Sudbury-Modell orientieren. Dieses geht zurück auf die 1968 in Massachusetts gegründete Sudbury Valley School.

Sudbury-Schulen sind demokratisch organisiert. Das heißt, herkömmliche Unterrichtsmethoden werden durch Selbstbestimmung der Schüler ersetzt. Es gibt keine Noten und keinen Zwang, weder feste Klassen noch Pausenzeiten. Denn man ist davon überzeugt, dass Kinder und Jugendliche, die von Natur aus neugierig seien, auf selbstbestimmte Weise am effektivsten lernen. Das Lernen erfordere ein Umfeld ohne Druck und Angst, dafür mit umso mehr Freiheit und Fehlerakzeptanz. In altersgemischten Gruppen lernen die Schüler miteinander und voneinander, überwiegend, indem sie spielen, sich unterhalten, anderen zusehen oder lesen.

Auch in der Schulorganisation wird Demokratie in Form von Mitbestimmung groß geschrieben. Auf Vollversammlungen entscheiden Kinder, Eltern und Lehrer gemeinsam über alle schulrelevanten Belange.

Jenaplan

Selbstständiges, spielerisches Lernen und gemeinschaftliches Zusammenarbeiten und -leben in einem jahrgangsgemischten Gruppenverbund sind Kernelemente der Jenaplan-Pädagogik. Der Unterricht an Jenaplan-Schulen erfolgt schülermitbestimmt, fächerübergreifend und zum Teil epochal, das heißt, über einen bestimmten Zeitraum hinweg wird jeweils ein Themengebiet intensiv bearbeitet.

Der Schulalltag an Jenaplan-Schulen gliedert sich in fächerübergreifenden Kernunterricht (mindestens 100 Minuten täglich), Freiarbeit und Fachunterricht in Kursform. In Grundschulen sollen Schüler in so genannten Schulwohnstuben spielerisch an Lerninhalte herangeführt werden. Innerhalb des Gruppenverbunds soll eine familienähnliche Situation geschaffen werden. Die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus ist eine Grundvoraussetzung der Jenaplan-Pädagogik. Daher stehen die Schulstuben Familienangehörigen jederzeit offen. Eltern werden als Mitarbeiter am Bildungsprozess begriffen, die sich in den Schulalltag einbringen sollen.

Ein typisches Element ist das Gespräch im großen Kreis unter der Leitung der Schüler selbst. Zu Wochenbeginn und –ende sollen im Idealfall gemeinsame Feste stattfinden. Im Grundkonzept von Peter Petersen gehen das Gespräch, das Feiern, das Spielen und das Arbeiten Hand in Hand. Jenaplan-Schulen verzichten auf Zensuren. An deren Stelle tritt ein Leistungsbericht, in den auch die Eigenwahrnehmung des Schülers und die Beurteilung durch Gruppenkameraden mit einfließen.

Jenaplan-Schulen sind überwiegend als Ganztagsschulen angelegt. Zwar zieht sich die Unterrichtszeit mitunter bis in die späten Nachmittagsstunden hinein. Diese wird aber – unter anderem durch ein gemeinsames spätes Frühstück und ein gemeinsames Mittagessen – immer wieder aufgelockert und unterbrochen.

Gastbeitrag von Uta Künkler,

 besser-bilden.de

Auch Kinder haben Rechte!

Im März 2015 wurde in Österreich ein Beschluss erlassen, der die uneingeschränkte Geltung der Kinderrechtskonvention der UN ermöglicht:

Karmasin: „Uneingeschränkte Geltung der Kinderrechtekonvention in Österreich ist richtiger Schritt“

Wien (OTS) – Mit dem heutigen Beschluss des Ministerrats zur Zurückziehung der Vorbehalte zu den Art 13, 15 und 17 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes stellt die Bundesregierung die Weichen für die uneingeschränkte Geltung der Kinderrechtekonvention in Österreich.

„In zu vielen Ländern der Welt werden Kinderrechte immer noch nicht als das angesehen was sie sind: unverhandelbare Menschenrechte. Es gibt 2,2 Milliarden Kinder auf der Welt, also 2,2 Milliarden gute Gründe, uns für die Umsetzung der Kinderrechte einzusetzen. Daher freue ich mich besonders, dass Österreich nun alle Vorbehalte zurückgezogen und somit die uneingeschränkte Geltung der UN-Kinderrechtekonvention eingeführt hat“, verkündete Familien- und Jugendministerin Sophie Karmasin.

Die bei der Ratifikation der Kinderrechtskonvention abgegebenen Vorbehalte im Jahr 1992 bezogen sich auf die Meinungsfreiheit des Kindes sowie die Informations-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit. Die heute beschlossene Zurückziehung der Vorbehalte stellt ein erstes Ergebnis des im Jahr 2012 eingerichteten Kinderrechte-Monitoring-Prozesses dar und ist ein entscheidender Schritt zur umfassenden Implementierung der Kinderrechtekonvention in Österreich, wie vom UN-Kinderrechteausschuss in Genf wiederholt gefordert.

Mit der Zurücknahme der Vorbehalte wird nicht nur den wiederholten Empfehlungen des UN-Kinderrechtsausschusses, sondern auch dem evolutiv-dynamischen Charakter der Menschenrechte in Österreich Rechnung getragen. Dem entspricht auch die international vielbeachtete Verankerung der zentralen Grundsätze der Kinderrechtekonvention im Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern vom 20. Jänner 2011.

Verfassungsgesetzlich verankert sind darin insbesondere das Recht auf eine gewaltfreie Kindheit (Art. 5), das Recht des Kindes auf angemessene Beteiligung und Berücksichtigung seiner Meinung in seinen eigenen Angelegenheiten und das für die gesamte Rechts- und Sozialordnung geltende Kindeswohlvorrangigkeitsprinzip (Art. 1).

Damit die in Gesetzen verbrieften Rechte nicht nur auf dem Papier stehen, sondern real Wirkung im Leben junger Menschen zeigen, ist in der allgemeinen Öffentlichkeit auch ein entsprechendes Bewusstsein für die Achtung der Persönlichkeitsrechte von Kindern und für ihren Schutz vor Übergriffen und Gewalt zu schaffen. „Ich möchte mit Bewusstseinsbildung darauf aufmerksam machen, dass wir zu gewaltfreier Erziehung in Österreich kommen. Jede und jeder von uns kann dazu beitragen – allein in dem er hinschaut anstatt wegzuschauen. Denn Gewalt darf niemals Teil der Erziehung sein. Die sogenannte „g’sunde Watschn“ ist niemals gesund sondern immer nur falsch und abzulehnen!“ betonte Karmasin abschließend.

(gefunden auf http://www.kinderrechte.gv.at/)

Diese Änderung ist gut und richtig. Kinder haben Rechte. Beispielsweise ein Recht auf Zuwendung, Respekt und seelisches Wohlbefinden. Denn diese Aspekte sind für das kindliche Überleben und die kindliche Entwicklung nach Remo H. Largo sogar NOCH wichtiger als das Stillen der rein körperlichen Bedürfnisse wie jenes nach Nahrung.

Kinder haben das Recht darauf, ohne Gewalt aufzuwachsen. Gewalt fängt dabei nicht erst bei Schlägen, Tritten oder sexuellem Missbrauch an. Wie Karmasin richtig sagt, ist auch schon die berüchtigte „g´sunde Watsch´n“ oder der „Klaps auf den Po“ eine Gewalthandlung und folglich abzulehnen (siehe auch Gewaltfreie Erziehung).

Es kann gar nicht oft genug betont werden. Gewalt hat in der Erziehung nichts zu suchen!!! Jeder Erwachsene, der Gewalt an einem Kind ausübt, macht sich strafbar! Leider gibt es noch keine exakte gesetzliche Abgrenzung, die bereits „kleinere“ Gewalthandlungen klar mit einschließt. Ich denke, und hoffe, auch das wird irgendwann geändert werden.

Das Problem ist heute immer noch, dass die Gesellschaft zumindest solche „kleineren“ Gewalthandlungen akzeptiert. Klar – jemand, der sein Kind quer über den Spielplatz prügelt, ist völlig unakzeptabel. Das zumindest sieht der Großteil der Erwachsenen inzwischen ein. Aber so eine kleine Ohrfeige, die schadet ja nicht… denken leider immer noch viele Menschen.

Noch vor ein, zwei Generationen war Gewalt in der Kindererziehung noch vollkommen akzeptiert. Kinder hatten zu gehorchen und die Eltern hatten die absolute Macht, was sie auch schlagkräftig demonstrierten. Inzwischen ist man sich zumindest in den Erziehungswissenschaften zum Glück weitgehend einig darüber, dass Gewalt dem Kind schadet und daher gänzlich abzulehnen ist. Viele unterschiedliche Richtungen vertreten heute diesen Standpunkt. Und dennoch gibt es immer noch viele Menschen, die an der „g´sunden Watsch´n“ festhalten.

Warum ist das so? 

Um dies zu verstehen, muss man weiter zurück gehen. Die Generationen vor uns wurden noch geschlagen und haben wiederum ihre eigenen Kinder geschlagen. Gewalttätiges Verhalten wird von Generation zu Generation weiter gegeben. Wer Gewalt erlebt, wird entweder selbstdestruktiv (also schadet sich selbst, indem er die seelischen Verletzungen verbirgt und mehr oder weniger gut damit fertig wird) oder wird selbst gewalttätig. Dass daher die Gewalt inzwischen in der Kindererziehung „ausgemerzt“ worden wäre, ist einfach unmöglich. Zu tief sind die Wurzeln, zu frisch immer noch die Wunden.

Wie aber lässt sich das elterliche Gewaltverhalten beeinflussen?

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich niemanden verurteile. Wie gesagt: Gewaltverhalten ist „erlernt“, also jemand, der sein Kind schlägt, hat es selbst so vorgelebt bekommen und wurde dadurch geprägt. In dieser Hinsicht sind die Täter immer gleichzeitig auch Opfer.

ABER: ich denke auch, dass Erwachsene – im Gegensatz zu Kindern! – die ausgereifte Fähigkeit besitzen, ihr aktuelles Verhalten zu reflektieren. Wir können uns bewusst machen, dass unser Verhalten nicht richtig ist. Immerhin wird heutzutage kaum jemand behaupten können, noch nie davon gehört zu haben, dass Gewalt Kindern nachhaltigen Schaden zufügt. Es ist also notwendig, sich selbst die eigenen Fehler bewusst zu machen und einzugestehen. Dies ist der erste und wohl wichtigste Schritt. Denn sobald dieser getan ist, ist auch die Bereitschaft zu Veränderung gegeben. Und dann kann man etwas tun, ggf. Hilfe in Anspruch nehmen und an sich arbeiten.

Leider sind viele Menschen (noch) nicht dazu bereit, sich ihre Fehler einzugestehen. Wenn ich Eltern höre, die behaupten, dass ihre Kinder ihnen „auf der Nase herumtanzen“, sie „vom Ungehorsam ihrer Kinder genug haben“ oder ähnliche Aussagen, so wird daraus eines ersichtlich: diese Eltern schieben die Verantwortung, die eigentlich bei ihnen liegt, auf ihre Kinder! Kinder werden nicht „böse“ geboren, sind nicht „ungehorsam“, weil sie uns Eltern quälen wollen. Kein Kind „reizt“ seine Eltern aus Bösartigkeit!! Es liegt IMMER in den Händen der Eltern, wie ein Kind sich verhält. Jedes Kind wird immer wieder mal Grenzen seines Verhaltens austesten, das ist gut und wichtig für ihre Entwicklung. Aber sie tun es nicht, weil sie uns Eltern den letzten Nerv rauben wollen.

Damit möchte ich nicht den Eltern die Schuld zuschieben für ihr eigenes Verhalten. Vieles, was unsere Kinder von uns lernen (und sie lernen ja bekanntlich in den ersten Lebensjahren fast ausschließlich durch Beobachtung), vermitteln wir ihnen unbewusst. Durch die Art und Weise beispielsweise, wie wir mit anderen Menschen umgehen. Eltern sind sich also vieler ihrer Verhaltensweisen nicht einmal selbst bewusst.

Doch wenn ich mein Kind schlage, verletze ich es nicht nur körperlich und seelisch, sondern ich vermittle ihm dadurch gleichzeitig immer auch: Gewalt ist in Ordnung. Egal, ob ich verbal versuche, etwas anderes rüberzubringen. Die indirekte Message sitzt. Wenn ich von meinem Kind respektvoll behandelt werden möchte, so muss ich zuerst ihm Respekt zollen. Erwarte ich, dass mein Kind sich anderen Menschen gegenüber höflich und liebenswürdig verhält, so liegt es zuerst an mir, ihm dieses Verhalten vorzuleben. Insofern tragen wir Eltern also auch die Verantwortung für das Verhalten unserer Kinder.

Ich finde es fürchterlich traurig, wenn ich mitbekomme, wie manche Eltern ihre Kinder behandeln, die Schuld einzig beim Kind suchen und blind sind für ihre eigenen Fehler.

Ich bin keine Über-Mama, das habe ich nie behauptet. Ich habe auch meine Fehler, und ich stehe zu ihnen. Ich versuche meinen Kindern ein gutes Vorbild zu sein. Gewalt lehne ich strikt ab – auch die sogenannte „g´sunde Watsch´n“. Ob ich eine gute Mutter bin, können nur meine Söhne beurteilen. Aber ich denke, ich bin gut genug. Ich übernehme meine Verantwortung und versuche, meinen Kindern eine glückliche Kindheit zu ermöglichen, auf die sie mit Freude zurückblicken können, wenn sie selbst erwachsen sind.

Ich bin der Meinung, dass alle Eltern das Beste für ihre Kinder wollen. Doch das Beste zu wollen und dieses Beste in ein entsprechendes (Erziehungs-) Verhalten umzusetzen sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Es geht mir nicht darum, mit dem Finger auf Eltern zu zeigen oder jemanden zu verurteilen. Alle Eltern lieben ihre Kinder. Doch nicht alle können diese Liebe in der Form zum Ausdruck bringen, die gesund für das Kind ist.

 

 Tamara Jungbauer

Die Bedürfnisse unserer Kinder

20150418_144931Damit ein Kind sich wohlfühlt und ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln kann, benötigt es unter anderem Geborgenheit. Diese erfährt es, indem sein individuelles Bedürfnis nach körperlicher Nähe ausreichend gestillt wird. Die jeweiligen Bedürfnisse sind dabei nicht nur von Kind zu Kind unterschiedlich, sondern verändern sich auch mit jeder Entwicklungsperiode. Ein Kind, das im Kindergartenalter sehr schüchtern ist und viel körperliche Nähe seiner Bezugspersonen braucht, kann etwa im Schulalter wesentlich mehr Selbstbewusstsein und damit ein geringeres Bedürfnis nach Nähe zu seinen Eltern haben.

Neben der Geborgenheit spielen auch Zuwendung (weniger durch wortreiche Beteuerungen als vielmehr durch gemeinsames Erleben), soziale Anerkennung (das Gefühl, bedingungslos akzeptiert zu werden; mit der Zeit nimmt die soziale Anerkennung durch Gleichaltrige immer mehr zu), sowie die Möglichkeit, sich seinen körperlichen und psychischen Fähigkeiten entsprechend zu entwickeln und von sich aus etwas leisten zu können, eine entscheidende Rolle. Eltern, die auf die individuellen Bedürfnisse in eben genannten Bereichen hinreichend eingehen und ihr Kind nicht für seine Leistungen, sondern für seine (von ihm ausgehenden) Bemühungen und Anstrengungen loben, vermitteln ihm auf diese Weise das Gefühl,  bedingungslos geliebt zu werden.

Eine große Herausforderung dabei ist es zumeist, die kindlichen Bedürfnisse als solche überhaupt erst zu erkennen. Wir Eltern tragen intuitiv die Fähigkeit in uns, auf unser Neugeborenes einzugehen, uns ihm anzupassen und dadurch unsere Zuneigung zu ihm auszudrücken. Mit der Zeit verlieren aber viele Eltern das Gespür für die Bedürfnisse ihres Kindes und vertrauen mehr auf irgendwelche Ratgeber als auf ihre eigene Intuition. Dabei sind ihre Beobachtungsgabe und ihr Einfühlungsvermögen als Eltern die einzig wahren „Ratgeber“, wenn es um das Wohlergehen ihres Kindes geht.

Wie lassen sich die individuellen Bedürfnisse des Kindes feststellen?

Zunächst einmal können wir Eltern, wie bereits erwähnt, unser Kind genau beobachten. Bei der Sauberkeitserziehung etwa gilt es, genau darauf zu achten, ob es bereits von sich aus Interesse für das Thema zeigt. Möchte es mit uns Eltern mit auf die Toilette gehen? Kommentiert es, wenn es gerade in die Windel macht? Möchte es auch schon ohne Windel gehen wie sein älterer Bruder? Wenn ja, können wir Eltern langsam beginnen, ihm anzubieten, sich mal auf Klo oder Töpfchen zu setzen. Wenn es keinerlei Anzeichen gibt, dann ist das Kind noch nicht reif dafür, trocken zu werden und wir sollten mit diesbezüglichen Angeboten warten. Generell gilt, wenn wir uns dazu entschließen, ein Angebot zu setzen, so sollten wir genau darauf achten, wie das Kind darauf reagiert. Wenn es etwa durch Mimik oder Körperhaltung Ablehnung ausdrückt, so sollte uns dies bereits Antwort genug sein.

Nur wenn wir das Verhalten sowie die Bedürfnisse unseres Kindes ernst nehmen, kann dieses sich bedingungslos akzeptiert fühlen. Wenn es weint, möchte es nicht zu hören kriegen, dass sein Schmerz „eh nicht so schlimm“ sei. Wir nehmen die kleinen Leute nur dann ernst, wenn wir auf sie eingehen und da sind, ohne ihre Gefühle mit unseren eigenen Bewertungen zu brandmarken und herabzuwürdigen.

Um ein besseres Verständnis für die kindliche Entwicklung zu bekommen, ist es sinnvoll, sich entsprechende Kenntnisse darüber anzueignen. So können eventuelle falsche Erwartungen oder Vorstellungen verhindert werden.

Wie verhält sich mein Kind? Schläft es nachts unruhig, so könnte es sein, dass sein Schlafbedarf gedeckt ist und es hilft, des Tagesschlaf zu reduzieren. Zeigt es in gewissen Situationen immer ein ähnliches Verhalten, etwa mit aggressiver Tendenz? Hier könnte es helfen, genau zu beobachten, welche Situationen es sind, wo vielleicht Frustrationen im Kind entstehen, die es auf derartige Weise abbauen muss.

Ein Kind benötigt vertrauensvolle Bezugspersonen, die jederzeit verfügbar und in ihrem Verhalten beständig sind. Das elterliche Verhalten sollte dabei den individuellen Bedürfnissen und Eigenheiten des Kindes entsprechen. Das Kind muss das Gefühl haben, seine Eltern sind jederzeit da und geben ihm den nötigen Rückhalt, ohne es dabei aber einzuengen. Da, wo es entsprechende Kompetenz hat, darf das Kind selbst bestimmen. In jenen Bereichen, in denen das Kind noch nicht selbst entscheiden kann, liegt es an uns Eltern, die Verantwortung zu übernehmen. Kompetenzen zugestehen, wo das Kind noch nicht die entsprechenden Voraussetzungen in seiner Entwicklung dazu mitbringt, führt zu Überforderung.

Leider denken immer noch viele Menschen, Kinder könnten dadurch, dass man ihre Bedürfnisse ernst nimmt und auf sie eingeht, zu sehr verwöhnt werden. Das ist jedoch ein Irrtum. Nur wenn ihre Bedürfnisse angemessen befriedigt werden, können sie sich positiv entwickeln. Kinder, deren Bedürfnisse hingegen nicht ausreichend erfüllt werden, sind fordernd und in ihrem Verhalten auffällig.

Wenn die eigenen Umstände unzureichend sind, wird es umso schwieriger.

Überall da, wo die Bedürfnisse eines Kindes nicht ausreichend befriedigt werden, kann es zu verschiedenen Reaktionen beim Kind kommen. In erster Linie wird auf die Dauer das kindliche Wohlbefinden und sein Selbstwertgefühl beeinträchtigt. Werden seine Bedürfnisse weiterhin nicht erkannt und angemessen befriedigt, so kann das Kind, indem es aktiv versucht, auf seine Bedürfnisse aufmerksam zu machen, Veränderungen in seinem Verhalten zeigen. Je nach individueller Veranlagung wird es dabei entweder ein auffälliges (beispielsweise aggressives) Verhalten, psychosomatische Symptome oder im Bereich seiner Entwicklung (oder Leistung) Einbußen aufweisen. Kinder, deren Bedürfnisse ausreichend Befriedigung erfahren, sind in der Regel glückliche Kinder, deren Erziehung weitgehend unproblematisch verläuft.

Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die zu einer mangelnden Befriedigung der kindlichen Bedürfnisse führen können. Armut, Krankheit oder Trennung der Eltern, übersteigerte Erwartungen, eigene ungünstige Kindheitserfahrungen, Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, Beziehungsprobleme, alleinerziehende Eltern, große Kinderzahl, fehlende Kontakte zu Gleichaltrigen, Über- oder Unterforderung in der Schule sind nur einige davon, die ich an dieser Stelle erwähnen möchte. Meist wirken mehrere solcher Risikofaktoren zusammen, verstärken sich mitunter gegenseitig und machen es den betreffenden Bezugspersonen somit außerordentlich schwer, sich angemessen auf das Kind einzulassen. In solchen Fällen ist es sicherlich ratsam, Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen. Dem Kind zuliebe.

Doch auch wenn wir das Glück haben, von solchen ungünstigen Bedingungen verschont zu sein, haben wir dennoch viel zu tun, wenn wir unserer elterlichen Verantwortung gerecht werden wollen. Jedes Kind möchte sich aus einem inneren Drang heraus entwickeln. Kinder sind von Natur aus wissbegierig, neugierig und lernfreudig. Dabei bringt jedes kleine Wesen andere, individuelle, Voraussetzungen mit. Während ein Kind mit einem Jahr gehen kann, lässt sich ein anderes 20 Monate Zeit. Ein Kind spricht bereits mit zwei Jahren sehr viel, während ein weiteres mit drei Jahren erst langsam damit anfängt. Jedes Kind hat außerdem andere Begabungen, die im Laufe der Zeit zum Vorschein kommen. Es gibt kein Patentrezept für alle Kinder, das uns Eltern genau aufzeigt, wie sich die unterschiedlichen Bedürfnisse ausreichend befriedigen lassen. Wir Eltern haben die herausfordernde Aufgabe, bei unseren Kindern selbst herauszufinden, was sie zu welchem Zeitpunkt von uns benötigen. Unser Bauchgefühl, unser Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft, jederzeit da zu sein, wenn unser Kind uns braucht, sind uns dabei wertvolle Begleiter.

„Es gibt keine problematischen Kinder, sondern nur problematische Eltern.“

(A.S. Neill)

Quelle: Remo H. Largo – Kinderjahre


Tamara Jungbauer