Keine Erziehung ist auch keine Lösung – vom Dschungel der Erziehungsstile und dem Druck, alles richtig zu machen.

Erziehung ist ein Prozess, der sich stetig weiter entwickelt. Er findet in der Beziehung zwischen Eltern und Kind statt. Es ist also eigentlich gar nicht möglich, nicht zu erziehen. Doch wie diese Erziehung genau aussehen soll, darüber scheiden sich heute wirklich viele Geister. Eltern haben es so schwer wie noch nie, sich darüber klar zu werden, wie sie ihr Kind denn nun erziehen wollen.

Doch erst mal zur Begriffsklärung.

Für mich bedeutet Erziehung zunächst einmal Arbeit an mir, als Mutter, selbst. Um meinem Kind meine eigenen Werte vermitteln und weitergeben zu können, muss ich mir erst einmal selbst darüber im Klaren sein, welche Werte und Normen für mich gelten und wo meine persönlichen Grenzen liegen.

Wir als Eltern lernen, wenn wir in Beziehung zu unserem Kind treten, auch viel über uns selbst, überdenken und definieren zum Teil unsere Anschauungen und Verhaltensweisen neu, reflektieren unser Handeln, lernen unsere eigenen Grenzen immer wieder neu kennen. Wir wachsen sozusagen mit unserem Kind mit.

In diesem Erziehungsprozess, der ja in Wahrheit nichts anderes ist als ein wechselseitiger Lernprozess, haben wir Eltern jederzeit die Möglichkeit zu Reflexion und Veränderung. Wir Eltern lernen mit dem Elternsein stetig dazu. Dass es dabei neben den vielen schönen Momenten des Elterndaseins auch immer wieder zu Unsicherheiten, Hilflosigkeit und dem Gefühl, komplett zu versagen, kommen kann, ist also vollkommen natürlich. Wir sind schließlich nicht perfekt. Fehler gehören dazu, wir sollen und dürfen sie machen. Dies anzunehmen, nimmt uns sehr viel Druck von den elterlichen Schultern.

Autoritär? Antiautoritär? Laissez-faire? Montessori? Waldorf? Pikler? Ohne Gewalt! Partnerschaftlich? Oder doch so wie Herr Juul meint: als „Leitwolf“?  Was ist denn nun „richtig“?

Es gibt inzwischen so viele unterschiedliche Meinungen und Richtungen zum Thema Erziehung, dass einem schwindlig werden könnte. Während noch vor rund 100 Jahren jeder wusste, was mit „Erziehung“ gemeint ist und wie eine solche auszusehen hat, haben sich in den letzten Jahrzehnten unzählige Strömungen entwickelt. Das ist einerseits sehr gut, denn wir sind uns ja heute darüber im Klaren, dass die Erziehung zu striktem Gehorsam eben nicht das ist, was Kindern eine gesunde Entwicklung ermöglicht.

Andererseits bewirken diese vielen unterschiedlichen und zum Teil sehr kontroversen Richtungen auch, dass viele Eltern verunsichert sind und Angst haben, etwas so grundlegend falsch zu machen, dass sie ihrem Kind dauerhaft ernsten Schaden zufügen könnten.

Manche Expertinnen und Experten meinen, Kindern Grenzen zu setzen wäre wichtig, andere legen das Thema Grenzen so aus, als wären diese an sich ein autoritäres Mittel, um sich Kinder untertan zu machen. Es gibt auch Expertinnen, die beim Begriff „Grenze“ aufschreien, aber bei genauerer Betrachtung selbst für ebensolche Grenzen eintreten, diese Tatsache eben nur anders benennen. Dies zu überblicken und zu erkennen, ist für Laien nicht immer einfach.

So werden Montessoris (ohne Frage gute) Ansätze teilweise solcherart in die Praxis umgesetzt, dass die Kinderzimmer der Kleinsten schon mit Fördermaterial vollgefüllt werden, was bei genauerer Betrachtung eigentlich dem Grundgedanken Montessoris erst recht widerspricht: nämlich das Kind nicht zu „überfördern“, sondern es sich seinem Tempo und Bedarf entsprechend einfach entwickeln zu lassen.

Ohne Frage meinen es die Betreffenden nur gut – aber wohl aus dem Hintergrund heraus, dass sie unter dem Druck, es besonders gut machen zu wollen, es dann doch übertreiben.

Eine weitere Entwicklung, die mich persönlich regelrecht verärgert ist die, dass Lob heutzutage gern generell verteufelt wird- ohne dabei zu berücksichtigen, dass Kinder Individuen mit unterschiedlichen Bedürfnissen sind. Viele hochsensitiven Kinder beispielsweise brauchen vermehrt Lob und Bestätigung, weil sie von Natur aus dazu neigen, an sich selbst zu zweifeln. Wenn deren Eltern sich davon „überzeugen“ lassen, dass zu viel Lob generell mehr schadet als nutzt und sie deshalb ihr Lob zu sehr einschränken, kann dies also dem Wohl ihres hochsensitiven Kindes letztlich erst recht abträglich sein.

Manche sogenannten Expertinnen und Experten in Erziehungssachen gehen sogar so weit, zu behaupten, wir bräuchten eine Ent-ziehung von der Er-ziehung. Das halte ich persönlich für unsinnig bis gefährlich.

Ich sehe immer mehr Eltern, die sich kaum noch trauen, ihrem kleinen Schatz gegenüber ein klares „Nein“ auszusprechen.

Mütter, die lieber nachgeben, um ihr Kind in dem jeweiligen Moment nicht zu enttäuschen, als dass sie eine Grenze setzen, die dem kindlichen Wohl letztendlich sehr zugute kommen würde. Ich sehe der heutigen Entwicklung, die „weg von der Erziehung“ geht, mit großer Skepsis und Sorge entgegen.

Meiner Ansicht nach ist Erziehung eine natürliche Notwendigkeit. Wie bereits erwähnt, können wir gar nicht nicht erziehen. Erziehung bedeutet für mich auch, dass wir Eltern unseren Teil der Verantwortung übernehmen – nämlich in allen Belangen, in denen das Kind noch auf unsere Erfahrung und Fürsorge angewiesen ist.

Ent-ziehen wir uns dieser Verantwortung, so werden aus unseren Kindern verunsicherte, tyrannische und letztlich hilflose kleine Wesen, die sich in weiterer Folge zu narzißtischen, egoistischen Erwachsenen mit geringem Selbstwert entwickeln. Chronische Überforderung durch ein zu hohes Maß an Verantwortung wirkt sich negativ auf Kinder aus.

Deswegen bereitet mir der heutige Trend zur partnerschaftlichen Erziehung Bauchschmerzen.

Wenn wir unsere Kinder als „Partner“ behandeln, so rauben wir ihnen ihre Kindheit. Wir entziehen uns dadurch unserer Verantwortung und legen diese dem Kind auf. Es soll Entscheidungen treffen, für die es noch gar nicht reif ist. Das überfordert es dauerhaft, was seiner aktuellen und zukünftigen gesunden Entwicklung abträglich ist.

Den Druck, perfekt zu sein, loslassen.

Der englische Psychoanalytiker und Kinderarzt Donald Winnicott prägte Anfang des 20. Jahrhunderts den Begriff der sogenannten „good enough mother“, also der „ausreichend guten Mutter“. Damit ist gemeint, dass Kinder keine perfekte Mutter (respektive Vater) brauchen, sondern eine Mutter, die „ausreichend gut“ ist, um die Bedürfnisse ihres Kindes zu befriedigen. Nur so kann es, laut Winnicott, dem Kind zum gegebenen Zeitpunkt auch gelingen, sich auf natürliche Weise von seiner Mutter abzulösen, um die von ihm zu erfüllenden Aufgaben selbst bewältigen zu können.

Anstatt uns an irgendwelche vorgefertigten Erziehungsstile anzupassen und kategorische Regeln zu befolgen, die angeblich bei jedem Kind wirken, sollten wir also diesen Druck, perfekte Eltern sein zu wollen, los- und uns lieber auf unser Kind einlassen. 

Die Welt, in der wir leben, ist bekanntlich nicht perfekt. Wir Eltern sind es auch nicht und sollen es auch nicht sein wollen. Echt und greifbar zu sein, Fehler zu machen und zu selbigen zu stehen – das ist viel besser als „perfekt“ zu sein. Wichtig ist, dass wir authentisch bleiben und das, was wir von unseren Kindern erwarten, auch selbst vorleben. So, wie wir wollen, dass unsere Kinder sich verhalten, sollten wir es zuerst selbst tun!

Was sagt der Bauch?

Eine wesentliche Rolle in der Erziehung und somit in der Eltern-Kind-Beziehung spielt meiner Meinung nach, die Intuition. Heute fällt es vielen Eltern schwer, Zugang zu selbiger zu finden. Wir sind ständig von anderen Menschen umgeben, die alle irgendwelche, oft festgesetzten, Meinungen haben und diese gerne kundtun.

Sobald ein Kind da ist, wird man als Mutter oder Vater regelrecht bombardiert mit den Meinungen anderer (zumeist) Eltern. Doch nicht jeder, der selbst Kinder hat, ist allein deshalb automatisch Experte in Sachen Kindererziehung. Jemand, der die eigenen Erfahrungen direkt auf die Erziehung eines anderen Kindes umlegt, bestätigt damit nur, dass er in Wahrheit wenig Ahnung von der Materie hat.

Ich habe im Laufe meines Mamadaseins gelernt, Ratschläge und Meinungen in Bezug auf das Thema Kindererziehung sehr bewusst zu filtern. Ich nehme das, was ich als richtig, gut oder sinnvoll erachte, für mich mit – all das, was aber nicht mit meiner eigenen Meinung oder meinem Bauchgefühl vereinbar ist, lasse ich einfach so stehen.

Ich picke mir sozusagen von überall die Rosinen für meine eigene Erziehungsweise heraus.

Doch genau darum geht es auch bei der Intuition: sich eben nicht ständig durch andere Meinungen oder Aussagen verunsichern zu lassen. Wenn wir stattdessen lernen, wieder mehr auf unser Bauchgefühl zu hören, so werden wir nicht nur unabhängig von den Meinungen anderer Menschen, sondern gewinnen auch mehr Sicherheit in Hinblick auf die Art und Weise, wie wir unser Kind erziehen wollen. Und wir tun automatisch auch das jeweils „Richtige“ – oder besser gesagt: das, wofür wir uns dann entscheiden, kann nicht grundsätzlich falsch sein!

Mein Fazit: Intuition und Authentizität anstelle rigider Erziehungsstile

Ich sehe so viele Eltern, die sich angesichts dieser Flut an Erziehungsströmungen kaum noch zurecht finden, die sich verirren und beeinflusst fühlen durch all diese Meinungen, die in tausend Richtungen tendieren und allesamt behaupten, „es“ zu wissen.

Pickt euch eure Rosinen aus dem Kuchen!

Ich selbst habe schon aufgrund meiner Ausbildung viel zum Thema Erziehung gelesen und gehört und manche Richtungen für mich als eher sinnvoll auserkoren, während ich andere, meinen eigenen Anschauungen zuwider laufende Strömungen für mich ausschließe.

Ich persönlich finde, dass Maria Montessori, Jesper Juul, Rebecca Wild, Remo H. Largo, Jan Uwe Rogge und noch einige andere herausragende Pädagoginnen und Pädagogen mehr in vielen Standpunkten sehr vertretbare Ansätze bringen. Meine Erziehungsweise ist durch viele ihrer Gedanken beeinflusst. Wohlgemerkt: beeinflusst, aber nicht bestimmt.

Ich warne Eltern heute davor, sich zu sehr auf die Meinung irgendwelcher Ratgeber oder Experten zu fokussieren.

Nicht alles, was Herr Juul oder Frau Montessori und all ihre Vertreter sag(t)en, können wir 1:1 auf die Erziehung unseres Kindes umlegen. Dies ist weder sinnvoll noch möglich, denn sowohl wir Eltern als auch unsere Kinder sind individuelle Wesen mit eigenen Persönlichkeitsstrukturen, Erfahrungen und Anschauungen. Uns zu sehr auf irgendwelche vorgefertigten Erziehungsstile zu beschränken, widerspricht unserer Natur, macht uns zu Marionetten einer künstlichen Erziehung, die letztendlich nichts oder kaum mehr etwas mit kindgerecht und bindungsorientiert zu tun hat.

Stattdessen ist es meiner Ansicht nach wichtig, dass wir auf unser Bauchgefühl vertrauen, unserem Herzen folgen und dabei menschliche Vorbilder bleiben, die greifbar sind, zu ihren Fehlern stehen und ihre Kinder mit Respekt behandeln. Bei Unsicherheiten ist es sinnvoller, sich an eine Expertin bzw. einen Experten zu wenden, die oder der die Familie persönlich beraten und begleiten und damit auf die Personen individuell eingehen kann anstatt Ratgeber und vorgefertigte Meinungen zu befolgen, die kategorisch denken (müssen) und niemals für alle Eltern und deren Kinder gelten können.

Alles Liebe,

Deine

Tamara_Schrift

 

Der leise Tod des Schnullers – wie wir ihn dann doch noch los wurden, ganz von allein!

Der „Nulli“, wie er von meinem kleinsten Mann genannt wurde, war bis vor Kurzem noch eine liebe Gewohnheit, die er scheinbar nicht mehr loswerden wollte. Doch Neulich kam es dann ganz plötzlich doch ganz anders. Ohne Stress. Ganz von allein. 

Mein kleinster Mann ist drei Jahre alt. Er hatte von Anfang an einen Schnuller, vorwiegend zum Schlafen. Er war kein „Dauernuckler“, aber in gewissen Situationen, in denen er sich selbst beruhigen musste, und im Bett war der Nuckel einfach wichtig.

Projekt „Schnullibaum“

Seine Kindergartenbetreuerin machte letztes Jahr einen Vorschlag, der mir gefiel und den ich ausprobieren wollte. Sie riet mir, einen bestimmten Baum oder eine Pflanze auszuwählen, an der mein Sohn jene Schnuller, auf die er verzichten wollte, mit einer Schnur befestigen sollte, um sie „anderen Babys zu schenken“, die ihn noch dringender brauchten. Über Nacht würden diese dann „geholt“ (sprich: Mama vergräbt sie tief unten im Mülleimer). Das taten wir dann auch und mein Sohn hing euphorisch nach und nach all seine Schnuller an die Pflanze. Es hatten sich ja so einige angesammelt, also ging das Spielchen eine Weile so.

Beim letzten Schnuller allerdings verging meinem Kleinsten die Lust und er beschloss, dass die anderen Babys bereits genug abbekommen hatten. „Das ist meiner.“, stellte er fest und damit war die Diskussion für ihn beendet.

Der letzte „Nulli“

Dieser letzte Schnuller blieb uns im vergangenen Jahr treu erhalten. Er war schon abgewetzt, im wahrsten Sinne des Wortes: ausgelutscht, vergilbt und am Ende hatte er auch schon ein kleines Loch im Sauger. Aber mein Sohn behandelte ihn wie einen kostbaren Schatz. Wenn man ihn fragte, ob er ihn wirklich noch brauche, sagte er fest entschlossen „Ja!“ und basta.

Nebenbei machten wir aber auch klar, dass wir keinen neuen Schnuller mehr anschafften. Der letzte Schnuller war und blieb der letzte, das war ihm bewusst. Er passte entsprechend gut auf ihn auf.

Wir drängten ihn nicht, seinen „Nulli“ endlich wegzuwerfen. Immer wieder mal fragten wir nach, ob er ihn wirklich noch brauche, wenn er ihn mal wieder irgendwo verloren hatte und verzweifelt suchte. Immer wieder fand er ihn (oder wir taten es) und er war darüber selig. Ihm diesen „Schatz“ einfach wegzunehmen wäre niemals in Frage gekommen.

Verloren – wiedergefunden – wieder verloren

Als er dann neulich abends seinen Schnuller nicht fand und mein Mann das Suchen irgendwann aufgegeben hatte (ich war an diesem Abend gerade nicht da), schlief er dann problemlos ohne ihn ein. Am nächsten Morgen fand er ihn dann doch wieder und nuckelte gleich nachträglich drauf los. Als er ihn dann kurz darauf wieder suchte und ich ihn schließlich fand, beschloss ich, ein wenig nachzuhelfen. Ich versteckte ihn an einem sicheren Ort und bis zum Schlafengehen abends war er vergessen. Als wir ihn dann abends wieder nicht „fanden“, schlief er ein weiteres Mal problemlos ohne ihn.

Und dann ist er gestorben…

Das war für mich Zeichen genug, dass er bereit ist, seinen „Nulli“ loszuwerden. Am nächsten Tag sagte er abends zu mir: „Der Nulli ist weg, den finden wir nicht mehr.“ Als ich daraufhin sagte „Ja, der war auch schon sehr, sehr alt. Das war ein richtiger Opa – Schnuller.“, mussten wir beide lachen.

„Ja, der hat schon ein Loch gehabt.“, gab mein Sohn zu Bedenken.

„Genau. Bestimmt hat er sich irgendwie davon geschlichen, der wollte nicht mehr genuckelt werden. Viel zu alt war der schon.“, sagte ich.

Er: „Ja, der war gaaaanz alt. Der ist sicher schon gestorben.“

Ich: „Mhm..und was machen wir da jetzt?“

Er: „Jetzt lassen wir ihn in Ruhe.“

Kinder lösen ihre Probleme selbst

Das ist eines von jenen Erlebnissen, die mich immer wieder faszinieren und begeistern. Kinder nehmen sich die Zeit, die sie brauchen, wenn wir sie lassen. Sie machen sich ihre eigenen Gedanken, wenn wir ihnen nicht unsere aufdrängen.

Mein Sohn ließ seinen Schnuller alt werden, um ihn dann eines natürlichen Todes sterben zu lassen. Das konnte er akzeptieren, damit konnte er letztlich leben. Dadurch wurde der Abschied möglich.

Eine lieb gewordene Gewohnheit loszuwerden, ist für uns alle schwer. Gerade Kinder brauchen ihre Zeit und wenn wir darauf vertrauen, dass sie zu gegebenem Zeitpunkt – eben zu ihrer Zeit – das tun, was zu tun ist, dann werden sie es auch machen. In ihrem Tempo.

Was sie von uns brauchen, ist Geduld, Verständnis und Zeit. Wir können sie begleiten, ihnen Anregungen geben und letztlich auch ein bisschen nachhelfen, wenn der Zeitpunkt da ist. Am wichtigsten jedoch ist unser Vertauen in sie. Damit schaffen sie alles.

Hast du Fragen oder möchtest du deine Erlebnisse teilen? Dann schreib mir doch, ich freu mich!

Deine

Tamara_Schrift

 

3 Tipps, wie du mehr Achtsamkeit in deinen Alltag bringst!

20150418_150240.jpgWenn du meinen Blog verfolgst, wirst du schon erkannt haben, dass Achtsamkeit für mich einen großen Stellenwert hat – im Leben generell, aber gerade auch im Alltag mit Kindern. Achtsam den gegenwärtigen Moment leben zu können, ist DIE Grundvoraussetzung für Glück. Deswegen möchte ich dir heute ein paar Tipps in diese Richtung geben.

Wer kennt das nicht? Die Aufgaben des täglichen Lebens mit Kindern sind vielschichtig, komplex und erfordern nicht nur enormes Organisationstalent, Management und ein hohes Maß an Flexibilität (um uns jederzeit auf die aktuellen Umstände und auftauchenden Schwierigkeiten einzustellen), sondern – und ganz besonders – auch viel Energie und Kraft.

Der Schlüssel liegt im Moment

Wenn wir also nicht sorgfältig mit unseren Energiereserven umgehen, kann es schnell passieren, dass wir überfordert sind und wir nur noch auf Sparflamme laufen.Unter solchen Voraussetzungen jedoch bleiben die Gelassenheit und Geduld, die wir im Umgang mit unseren kleinen Leuten so dringend brauchen, auf der Strecke. Wir werden ungeduldig, gereizt, neigen zu Überreaktionen und tun uns schwer damit, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, das da wäre: das Hier und Jetzt. Dieser Moment.

Denn wenn wir genauer darüber nachdenken, dann besteht das Leben ja nur aus einer Aneinanderreihung von Momenten. Die Vergangenheit ist vorbei und kann nicht mehr geändert werden, die Zukunft ist noch weit weg und ebenso wenig beeinflussbar. Alles, was wir also haben, ist das JETZT. Und genau darauf sollten wir uns, so oft es geht, konzentrieren.

Auch ein kleiner Schritt zeigt seine Wirkung!

Das bedeutet nicht, dass wir andauernd präsent sind oder sein müssen. Das ist auch gar nicht möglich. Aber je öfter wir es schaffen, einzelne Momente einzufangen, sie festzuhalten und ganz da zu sein, je mehr wir Achtsamkeit in unser Leben bringen, desto intensiver wird sie uns beeinflussen. Das kann schon mit einem kleinen Ritual täglich beginnen, das keinen extra Zeitaufwand bedeutet, und kann bis hin zu Meditation reichen, die unseren Geist befreit und reinigt.

Seitdem ich begonnen habe, Achtsamkeit in mein Leben zu bringen, spüre ich die Veränderung. Manchmal gelingt es mir besser, dann wiederum habe ich Phasen, in denen es mir schwer fällt, präsent zu sein. Aber – und ich denke, darauf kommt es letztlich an – ich bin zumindest in kleinen Dosen hier und da und auch in einigen festen Ritualen, die ich inzwischen habe, achtsamer und präsenter.

3 Tipps, wie du mehr Achtsamkeit in dein Leben bringen kannst

1 Dein Kind als Anker

Als ich damit begonnen habe, Achtsamkeit zu üben, tat ich zunächst einmal nur eines: wann immer ich Momente zur Verfügung hatte, in denen ich mich voll und ganz meinem Sohn widmen konnte, nutzte ich diese dazu, meine Gedanken abzuschalten und mich ganz dem Augenblick hinzugeben. Ich beobachtete meinen kleinen Mann, war ganz bei ihm, versetzte mich in seine aktuelle Gefühls- und Erlebniswelt und stellte meine eigenen Probleme, Sorgen und Gedanken in den Hintergrund. Ich lachte mit meinem Kind, freute mich mit ihm, versuchte die Welt mit seinen Augen zu sehen.

Diese Momente waren und sind für mich vollkommen. In ihnen spüre ich reines Glück. Auch heute noch versuche ich solche Momente zu genießen und aufzusaugen. Mit Kindern Zeit zu verbringen, ermöglicht uns durchaus, achtsam zu sein. Wenn wir all die Aufgaben des Alltags mal kurz beiseite schieben können und uns auf den Moment einlassen, ist das pure Achtsamkeit, die noch dazu die Beziehung zu unseren Kindern stärkt, die Nähe erzeugt.

2 Dankbar sein

Wir neigen dazu, uns stets auf das zu konzentrieren, was vielleicht noch besser laufen könnte. Ständig haben wir Ziele, Pläne und Träume, die wir verfolgen und von denen wir uns erhoffen, dass sie uns das große Glück vor die Füße legen. Leider vergessen wir dabei allzu oft, dankbar für das zu sein, was wir bereits haben.

Ich habe mir ein kleines Dankbarkeitsritual angewöhnt, das ich jeden Abend mit meinen Kindern ausführe:

Nach der Gute-Nacht-Geschichte werfen wir noch einmal einen Blick auf den vergangenen Tag, indem wir darüber sprechen, was wir gemacht haben und was davon uns besonders gut gefallen hat. Wir bedanken uns für den Tag und für die schönen Momente, die er uns gebracht hat. Auf diese Weise schließen wir gemeinsam den Tag ab, bringen ihn zu einem guten Ende und üben uns in Dankbarkeit, die eine der Grundvoraussetzungen dafür ist, glücklich sein zu können.

Erst wenn wir dankbar sind für das, was wir haben und sind, können wir wirklich glücklich sein. Solange wir nur nach den „Sternen“ greifen, verpassen wir das wahre Glück, das im Hier und Jetzt liegt.

Wenn du möchtest, kannst du auch beispielsweise einmal die Woche aufschreiben, wofür du selbst in letzter Zeit dankbar warst. Nimm dir vor, an einem fixen Tag in der Woche deine persönliche Dankesliste zu machen. Du wirst sehen, es tut gut!

3 Atmen

Wenn du einen Schritt weiter gehen möchtest, dann versuche zumindest zehn Minuten täglich Ruhe zu finden, um dich ganz deiner Atmung hinzugeben.

Leg dich hin oder setze dich auf einen Stuhl und beobachte deinen Atem. Konzentriere dich auf deine Ein- und Ausatmung und erkunde, wie sich dabei dein Bauch hebt und senkt, wie die Luft durch deine Nase strömt und sich deine Brust füllt. Du beobachtest deine Atmung als würdest du dir selbst von außen zusehen, ohne sie verändern zu wollen. Du nimmst sie wahr, bewertest sie jedoch nicht (z.B. indem du denkst „ich atme zu schnell/zu flach/zu hektisch“ etc.).

Auftauchende Gedanken nimmst du wahr, schiebst sie jedoch ohne Bewertung einfach beiseite. Du kannst etwa, wenn du merkst, dass ein Gedanke auftaucht oder du abgedriftet bist, diesen Gedanken einfach kurz benennen („Denken“ oder „Gedanke“) und lässt ihn sogleich weiter ziehen. Ich stelle mir meistens vor, die Gedanken ziehen weiter wie Wolken am Himmel oder sie werden wie von Scheibenwischern einfach weg gewischt. Dann konzentrierst du dich wieder auf deinen Atem.

Viele Menschen denken, dass sie beim Meditieren keine Gedanken mehr haben dürfen. Dies gelingt vielleicht buddhistischen Mönchen, aber ist nicht das absolute Ziel, das es für dich zu erreichen gilt. Gedanken kommen immer wieder hoch, das gilt es zu akzeptieren – unser Gehirn lässt sich nicht einfach so abdrehen. Wichtig ist nur, dass wir sie neutral wahrnehmen und zur Seite schieben, ohne ihnen eine Wertung aufs Auge zu drücken wie z.B. „jetzt hab ich schon wieder gedacht“ oder „heute kann ich einfach nicht abschalten“ etc. Einfach wegschieben und wieder aufs Atmen konzentrieren.

Probier es doch mal aus 🙂

… und wenn du Lust hast, schreib mir über deine Erfahrungen!

Alles Liebe,

Deine

Tamara_Schrift

 

Mag. Sonja Redl-Gerstenbräun: „Über Gefühle, Instinkte und die Stimmen von außen, die meinen, man solle alles anders machen“

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Mag. Sonja Redl (*1987) lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter und ihren Hunden in Tirol. Sie hat Germanistik studiert und bis zur Karenz als Projektleiterin und Deutschtrainerin im Integrationsbereich gearbeitet. Sie beschäftigt sich seit der Geburt ihrer Tochter mir Themen wie Tragen, Stillen, Stoffwickeln und Bindungsorientierter Erziehung.

Sonja schreibt heute aus ihrer Sicht als Mama, worauf es in ihren Augen ankommt in der Kindererziehung und welche Erfahrungen sie selbst in ihrer Mutterrolle bisher gemacht hat.

Danke dafür, liebe Sonja!


Über Gefühle, Instinkt und die Stimmen von außen, die meinen, man solle alles anders machen

Ich bin Mutter einer 10 Monate alten Tochter, die mir jeden Tag aufs Neue zeigt, wie einfach das Leben sein könnte, wenn wir unseren Instinkten und dem berühmt- berüchtigten Bauchgefühl öfter mal trauen würden.

Aber beginnen wir von Anfang an. Ich wurde schwanger. Freudig geplant, nach dem Studium, nach der Hochzeit – ehrlich, Hollywood hätte es nicht kitschiger und romantischer schreiben können – aber ich muss immer sehr lachen, wenn mir diese Idylle wieder bewusst wird, da mein Mann und ich definitiv die unromantischsten Menschen sind, die ich so kenne. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle auch kurz uns beschreiben, damit ihr euch ein Bild machen könnt. Er, DER Mann meines Lebens, ist beinahe zwei Meter groß, ordentlich tätowiert, fuhr, als wir uns kennenlernten, ein tolles Motorrad, hört ganz böse Metal- Musik und steht auf Horrorfilme. Ich, fast einen halben Meter kürzer, damals altersbedingt noch nicht bunt, selbiger Musikgeschmack und ziemlich nerdy, was Bücher betrifft. Wir kamen, sahen und die Liebe siegte- oder so ähnlich. Jedenfalls sind wir seit 11 Jahren ein ziemlich abgedrehtes, dafür aber umso glücklicheres Paar.

So…und vor beinahe 2 Jahren war es dann so weit- uns war langweilig, wir wollten nicht mehr ausschlafen, die durchzechten Nächte waren lange vorüber. Was also tun? Genau, wir planten Nachwuchs. Ende November zog Krümel in meinen Bauch ein, Ende August erblickte dann die kleine Hexe mit einiger Verspätung das Licht der Welt und stellt seither alles auf den Kopf.

In unserem Freundeskreis war ich so ziemlich die erste, die diesen neuen Lebensabschnitt erleben durfte. Das Glück war mir hold, ich erlebte eine wundervolle, störungsfreie Schwangerschaft, eine Woche nach dem errechneten Termin unternahmen wir noch (mit Baby im Bauch, versteht sich) eine kleine Wanderung – ich war also bis zum Schluss absolut fit und guter Dinge. Keine nervigen Anrufe von Verwandten und Freunden, kaum gut gemeinte Ratschläge, kaum bemitleidende Blicke. Aber warum ging es mir genau so und nicht anders? Viele der Frauen, die ich in diversen Kursen für Schwangere traf, waren genervt, genervt und nochmal genervt – von allen Seiten wurde auf sie eingeredet, „tu‘ dies, lass‘ jenes…“ – viele von euch werden das vermutlich auch kennen.

Was lief bei mir eigentlich falsch? 😉 Es war eigentlich ganz einfach. Ich lernte schon während der Schwangerschaft das Prinzip des selektiven Hörens anzuwenden (übrigens auch sehr beliebt bei Kindern und/oder Männern, die diverse Hausarbeiten verrichten sollen 😉 ). Wann immer mir jemand was über die Schrecken der Geburt erzählte, wurde ich sozusagen taub. Manchmal sagte ich auch deutlich, dass mich das einfach nicht interessiert und ich es nicht hören will.

Ich freute mich auf die Geburt. Ich las in der Schwangerschaft kein einziges Buch darüber, zog keinen Ratgeber zur Rate, hörte auf keinen der selbsternannten Experten, die immer und überall ungefragt ihre Meinung kundtun müssen. Ich vertraute auf mich. Auf meinen Körper. Mein Körper ist dazu geschaffen, Kinder zu gebären. Punkt, aus, ENDE. So einfach war das. Ich war und bin der festen Überzeugung, dass mein Körper mir zeigt, was ich wann zu tun habe.

So geschah es dann auch. Ich hatte einen vorzeitigen Blasensprung, bis die Geburt in Gang kam, vergingen fast 24 Stunden. Weitere sechs Stunden später war unsere Hexe in meinen Armen – unkompliziert, ohne Interventionen – einfach so. Es war also genau so gekommen, wie ich mir das auch vorgestellt habe – mein Körper leitete meinen Geist an – oder umgekehrt…wer weiß das schon so genau. Das kleine Wesen schlüpfte sanft und leise (ich war es eher weniger 😉 ), war innerhalb weniger Minuten dank gekonntem Hebammengriff an meiner Brust angedockt, nuckelte zufrieden vor sich hin und schlief ganz sanft ein, während rund um mich herum die Schweinerei beseitigt wurde.

Ja, ich wollte stillen – Gedanken hatte ich mir aber nie großartig darüber gemacht. Wird schon klappen, bin dafür gebaut. Und wieder kam es genau so. Stillstart ohne Schwierigkeiten, mein Kind stillte die ersten Wochen stundenlang und ich ruhte mich währenddessen aus. Es dauerte keine Woche, bis ich quasi wieder durchschlief, während die kleine Hexe zufrieden an der Brust hing.

Mittlerweile sind 10 Monate vergangen und mein Kind wird noch gestillt. Bestimmt bleibt uns die Stillbeziehung auch noch ein weiteres Jahr erhalten. Wir werden sehen, wie sich alles entwickelt – aber ich vertraue darauf, dass mein Kind weiß, was es braucht und sich irgendwann selbst abstillen wird. Ohne Zwang und Druck von außen.

Im Rückbildungskurs hörte ich oft erschöpfte Mütter jammern, weil ihre Babys nicht durchschliefen, sich nicht ablegen ließen, schlecht einschliefen – die ganze Palette an Problemen eben, die jede frischgebackene Mutter kennt. Meine Tochter wohnte sozusagen die ersten 8 Wochen im Tragetuch. Ich nahm sie überallhin mit, erledigte die Hausarbeit mit ihr im Tuch, legte sie kaum ab. Sie war zufrieden, ich war es auch – alles wunderbar, oder?

Das soll nicht heißen, dass wir keine Probleme hatten oder haben, immer alles wunderbar läuft , meine Tochter wie durch ein Wunder das bravste Kind der Welt ist oder ich die perfekte Supermama bin. Ganz im Gegenteil, auch bei uns läuft es manchmal unrund und es gibt Nächte, die mein Kind dauernuckelnd an der Brust verbringt. Allerdings erleichtern mir Tragetuch, Familienbett und Stillen das Leben erheblich. Wenn die kleine Hexe einmal Verstärkung an der Zwergenfront in Form eines Geschwisterchens bekommt, bin ich mir sicher, dass vor allem das Tragetuch mir die nötige Flexibilität verleihen wird, um sowohl dem Nähebedürfnis eines Neugeborenens als auch dem Spieltrieb einer 2-, 3- oder 4- jährigen nachkommen zu können. Möglicherweise etwas unausgeschlafen – denn sind wir uns ehrlich, den Schlaf, den wir als kinderlose Frauen hatten, bekommen wir wohl nie wieder zurück – aber man gewöhnt sich an weniger Schlaf und spätestens nach ein paar Wochen mit Baby findet man einen Rhythmus, um nicht nur zu überleben, sondern das Leben auch wieder zu genießen. Bis zum nächsten Schub oder zur nächsten Phase. Oder bis zum nächsten Zahn.

Mittlerweile ist sie natürlich höchst mobil und eine richtige wilde Hummel, aber auch sie hat Tage, an denen irgendwie so gar nichts klappt, sie nur getragen werden möchte, an der Brust hängt oder sonst einfach anhänglich ist. Ich bin ja in der glücklichen Position, zu Hause sein zu dürfen. Wenn sie also sehr viel Nähe braucht, bekommt sie die eben. Ich putze heute noch am liebsten mit ihr im Tragetuch auf dem Rücken (wer weiß, was ihr sonst so einfällt 😉 ).

So…und wenn ich das alles so erzähle, kommen wieder die Stimmen, die meinen „Um Himmels Willen, das Kind bekommst du NIE WIEDER aus eurem Bett“, „Waaaaas??? Ihr stillt immer noch???“, „Wie kannst du das Kind immer tragen?? Die wird später auch immer nur getragen werden wollen“ – ihr kennt bestimmt solche oder ähnliche Kommentare. Wisst ihr, was mir da unglaublich hilft? Sarkasmus. Ironie. Und zu guter letzt natürlich wieder selektives Hören 😉 .

Worauf ich hinauswill, ist einfach – hört auf euer Bauchgefühl und nicht auf das, was andere sagen. Wenn ihr das Gefühl habt, euer Kind möchte getragen werden- tragt es! Wenn ihr fühlt, dass euer Kind Nähe braucht – gebt sie ihm. Nicht die anderen kennen euer Kind – ihr selbst kennt es am allerbesten. Und ihr selbst müsst mit eurem Kind Tag für Tag leben. Hört auf eure innere Stimme, auf euer Bauchgefühl – vertraut eurem Instinkt und nicht irgendwelchen Erziehungsratgebern.

Es gibt Tage, da stoße ich an meine Grenzen. Da möchte ich nur ganz schnell weg, mal eine Stunde raus, ohne Kind – und garantiert hat an diesem Tag die Oma keine Zeit, der Mann ist außer Haus – es bleibt mir also nichts anderes übrig, als irgendwie damit klar zu kommen. Und gerade dann, wenn ich kurz vorm Durchdrehen bin, macht meine kleine Hexe irgendetwas so unfassbar Niedliches, dass alle Strapazen vergessen sind und ich sofort neue Energie habe.

Und wisst ihr was? Fast immer, wenn es bei uns irgendwie unrund läuft, habe ich irgendwo aufgeschnappt, dass man in dieser oder jener Situation irgendwas Bestimmtes machen (oder lassen) soll – und ich denke mir „na gut, vielleicht klappt es ja“ (denn leider bin ja auch ich nicht immer ganz frei von äußeren Einflüssen). Ratet mal? Klappt nicht. Jedes Mal, wenn ich nicht auf mein Gefühl höre, läuft es unrund.

Wir sind Mütter und wollen nur das beste für unsere Zwerge. So viel steht fest. Ob Stillen oder Flasche, Familienbett oder eigenes Zimmer, ob Tragen oder Kinderwagen – es spielt keine Rolle. Macht nur einfach das, was ihr für richtig haltet – und zwar nicht, weil es irgendwo steht, weil es irgendjemand sagt- sondern schlicht und einfach, weil ihr fühlt, dass es richtig ist.

Natürlich gibt es Tage, an denen alles schief läuft, man sich fragt, warum man sich das eigentlich antut, man sich einfach nur wünscht, das Kind würde endlich schlafen. Diese Tage kommen und gehen und werden uns alle durch die gesamte Kindheit begleiten. Normalerweise gehen solche Tage aber auch wieder vorbei. Wenn ihr wirklich mal nicht weiterwisst oder dauerhaft in der Krise steckt, dann holt euch bitte Hilfe. Sei es bei Oma & Opa, die euch durch einen kleinen Spaziergang mit dem Baby ein bisschen Zeit für Geschwisterkind/ Haushalt/ in Ruhe duschen verschaffen oder auch bei schwerwiegenderen Problemen, die nicht durch eine Stunde babyfrei gelöst werden können, wirklich professionelle Hilfe in Form von (je nach Problem) Hebamme, Stillberaterin, Schreiambulanz, Hausarzt, Psychologe. Was mir persönlich immer hilft, ist einfach mal kurz so richtig auskotzen bei gleichgesinnten Mamas. Mamas, die, wie ich, bedürfnisorientiert erziehen möchten – und manchmal merken, wie anstrengend das sein kann.

Ein Kind zu bekommen und zu erziehen ist kein Spaziergang. Es ist anstrengend, mühsam, schlafrauben. Zumindest zeitweise. Aber es ist auch das wundervollste, was ich bisher erlebt habe und ich hoffe, euch geht es auch so.

In diesem Sinne – genießt das Leben als MUTTER, genießt eure Kinder und lernt zu vertrauen – euch selbst und euren Kindern, denn sie wissen sehr wohl, was sie tun 🙂

Text und Foto: Mag. Sonja Redl-Gerstenbräun