HS oder AD(H)S???

Das Thema Hochsensitivität steckt noch in den Kinderschuhen. So wissen heute bei weitem immer noch nicht alle PädagogInnen und TherapeutInnen (ausreichend) darüber Bescheid. Die Folge ist, dass viele Kinder, die eigentlich hochsensibel sind, die Diagnose AD(H)S gestellt bekommen.

Es ist tatsächlich so, dass Hochsensitivität und AD(H)S einige Parallelen aufweisen, die eine Verwechslung (speziell, wenn zu wenig Wissen über HS vorhanden ist) durchaus realistisch erscheinen lassen. Kinder beider Gruppen wirken beispielsweise leicht ablenkbar oder oft „nicht bei der Sache“ oder haben Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen.

AD(H)S kann wissenschaftlich belegt und durch Testverfahren von Fachleuten nachgewiesen werden, was bei HS (noch) nicht möglich ist.

Unterschiede und Parallelen erkennen

Allerdings stecken hinter ähnlichen Merkmalen bei genauerer Betrachtung unterschiedliche Ursachen und auch deren Ausprägung und die dahinterliegenden Beweggründe des jeweiligen Verhaltens sind different – sofern das Fachpersonal über HS Bescheid weiß und eine entsprechende Unterscheidung und Abgrenzung überhaupt in Betracht zieht.

Folgende Gegenüberstellung zeigt die Parallelen und Unterschiede recht deutlich auf:*

Hochsensitivität:

  • oft in Gedanken versunken und darum nicht bei der Sache
  • kann in ruhigem Umfeld lange und konzentriert arbeiten
  • kann Prioritäten setzen und Ablenkungen aushalten/widerstehen
  • kommt bei Ablenkung schnell wieder zurück auf die ursprüngliche Tätigkeit
  • kann die langfristigen Konsequenzen seines Handelns einschätzen und sich darauf einstellen
  • kann sich nur schwer entscheiden, nach langem Abwägen der Vor- und Nachteile

AD(H)S:

  • leicht ablenkbar, sprunghaft im Verhalten
  • braucht viel Abwechslung, sucht sie notfalls
  • hat Probleme, Prioritäten zu setzen und einzuhalten
  • hat Probleme, von allein zur ursprünglichen Tätigkeit zurückzukehren („vergessen“)
  • hat Probleme, die Konsequenzen seines Handelns zu überblicken und sich dauerhaft darauf einzustellen
  • Probleme bei Entscheidungsfindung, gibt oft dem stärksten Impuls nach

*aus „Mit feinen Sensoren“ (Dirk und Christa Lüling, Asaph Verlag, Lüdenscheid 2016.)

Hat mein Kind AD(H)S??

Wenn du dir unsicher bist, ob das auffällige Verhalten deines Kindes tatsächlich auf AD(H)S zurückzuführen ist oder du vermutest, es könnte eine Hochsensibilität dahinter stecken, dann such dir professionelle Unterstützung!

Ein Kind, das hochsensitiv ist und fälschlicherweise die Diagnose AD(H)S bekommt, wird falsch behandelt. Ein einfühlsames Hinschauen, Beobachten und Annehmen können dir dabei helfen, sicherzugehen. Während echte AD(H)S einer entsprechenden Behandlung bedarf, ist HS ein Wesenszug, der nicht krankhaft ist. Alles, was ein Herzenskind braucht ist Akzeptanz, Verständnis und Unterstützung, um mit seiner Gabe angemessen umgehen zu lernen. Es braucht das Gefühl, angenommen und „richtig“ zu sein, so wie es ist. Es muss lernen, sich abzugrenzen, sich seine Auszeiten zu nehmen und die eigenen „Antennen“ hin und wieder einzufahren, um nicht überfordert zu werden von der Flut an Sinneseindrücken, die oft auf es einströmt.

Der erste Schritt, deinem Kind zu helfen, ist die Erkenntnis.

Alles Liebe,

Deine

Tamara_Schrift