„Liebe allein ist nicht genug“

 

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„Liebe allein ist nicht genug – Der Herzenspädagogische Ansatz für eine positive Beziehung zu deinem Kind“

Mein Erziehungsbuch für Eltern, die die Beziehung zu ihrem Kind stärken möchten. Für Eltern, die eine bindungsorientierte Eltern-Kind-Beziehung anstreben und ihre Kinder in Geborgenheit wachsen lassen wollen, damit sie zu zufriedenen, glücklichen, selbstbewussten und selbständigen Wesen heranreifen können. Es soll bewusst kein „Ratgeber“ für Eltern sein, sondern eine Inspiration zur Veränderung, zur Arbeit an sich selbst.

Buchrücken:

„Erziehung beginnt bei uns Eltern.
Das Herzenspädagogische Konzept stellt die Eltern-Kind-Beziehung in den Mittelpunkt der Erziehung. Eine positive Beziehung zu unseren Kindern beruht auf Geborgenheit, Empathie, Respekt und Authentizität. Wir Eltern wahren dabei unsere eigenen ebenso wie die Grenzen unseres Kindes, begleiten es achtsam dabei, sich seiner Natur gemäß entwickeln und selbständig werden zu können.
Nur mit dem Herzen können wir erkennen, was unsere Kinder wirklich brauchen und ihre Bedürfnisse angemessen befriedigen. Anstatt vom Kind zu verlangen, dass es sich an unsere Wünsche anpasst, sollten wir uns vielmehr an die Bedürfnisse des Kindes anpassen.
Liebe zu empfinden ist nicht genug. Sie in liebevolles Verhalten umzuwandeln ist das, was wirklich zählt.“

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung…………………………………………………………….6

Von der Er-Ziehung zur Eltern-Kind-Beziehung……………9

Das Herzenspädagogische Konzept……………………………12

Ausreichend gut ist besser als perfekt………………………..39

Erziehung einst und heute………………………………………44

Gewalt in der Erziehung………………………………………….51

Lob und Strafe……………………………………………………..65

Kindliche Bedürfnisse…………………………………………….75

Die primären Aufgaben der Eltern……………………………..81

Die Sprache kindlichen Verhaltens……………………………98

Danksagung………………………………………………………..111

 

Leseprobe:

 

Bereits Maria Montessori hat darauf hingewiesen, dass der Erzieher sich zunächst selbst innerlich vorbereiten muss:

„Nimm erst den Balken aus dem eigenen Auge, und du vermagst auch den Splitter aus den Augen des Kindes zu nehmen.“

 (in „Kinder sind anders“, S. 207, Klett-Cotta, Stuttgart, 2009.)

 Wenn wir also die Beziehung zu unseren Kindern fruchtbar gestalten wollen, so bedeutet dies immer auch Arbeit an uns selbst. Nur wenn wir uns unserer eigenen Fehler, Werte und Vorstellungen, unserer persönlichen Grenzen und Wünsche bewusst sind, können wir diese auch unserem Kind gegenüber authentisch vertreten.

Nur wenn wir bereit sind, uns unsere eigenen Schwächen einzugestehen, ist es möglich, unserem Kind ein geeignetes Vorbild zu sein, an dem es sich orientieren kann. Die beiden Grundübel einer gelingenden Erziehung sind nach Montessori Stolz und Zorn. Stolz macht es oft unmöglich, uns unsere eigenen Fehler einzugestehen. Zorn blendet uns und lässt uns die Realität nur schwer erkennen. Erst wenn wir uns von diesen beiden oft vorherrschenden Gefühlen befreien, kann demnach Erziehung gelingen.

Selbstreflexion ist der erste Schritt in eine bessere Eltern – Kind – Beziehung.

Elternsein bedeutet auch, sich selbst darüber bewusst zu werden, was man seinem Kind weitergeben möchte. Immer wieder kommen bei uns auch Erinnerungen an die eigene Kindheit hoch. So denken wir automatisch darüber nach, wie wir selbst erzogen wurden und was wir beim eigenen Kind alles ähnlich oder anders machen möchten als es die eigenen Eltern taten.Meist gehen wir relativ unbedacht und wenig reflektiert in unsere Elternrolle. Daran ist auch nichts verwerflich, denn immerhin weiß keine Mutter und kein Vater vorab, was die Geburt eines Kindes mit sich bringt und wie sie einen selbst verändert. Bei allen Vorstellungen, die man vorher hatte, ist die Realität doch meist eine völlig andere. Im Vorhinein lässt sich nicht ausreichend erfassen, wie sehr solch ein kleines Wesen die eigene Welt auf den Kopf stellt, sie durcheinander wirbelt und schließlich gänzlich neu wieder zusammenfügt.

Kinder bringen tief schlummernde, bis dahin gut versteckte Eigenschaften ans Tageslicht, von denen wir bislang kaum etwas ahnten. So merkt manch ein Elternteil, dass er in Situationen der Hilflosigkeit oder Wut plötzlich rumbrüllt wie es der eigene Vater immer tat. Ein anderer stellt fest, dass er sich in solchen Situationen gern in sich selbst zurückzieht oder sein Kind bestraft, so wie er selbst von seiner Mutter bestraft wurde.

Also sage ich STOP.

Trete gedanklich einen Schritt zurück, um in weiterer Folge gelassener und bewusst handeln zu können.

Wenn ich die Geduld verliere und mich selbst rumbrüllen höre, kann ich auf diese Weise feststellen: ich klinge ja wie meine eigene Mutter. Das möchte ich eigentlich nicht, immerhin habe ich diese Momente als Kind sehr negativ in Erinnerung.Wie ich bereits erwähnt habe, werden wir Menschen stark durch unser Unbewusstes gesteuert. Es ist absolut natürlich, dass uns das, was wir in unserem bisherigen Leben (und hier vor allen Dingen in der Kindheit) erlebt haben, prägt. Diese Prägung können wir nicht beeinflussen, sie wirkt auf uns ein und formt uns. Sie macht uns zu dem, was wir heute sind. Was wir aber tun können, ist Selbstreflexion zu üben. In Situationen, in denen wir nicht mehr Herr bzw. Frau der Lage sind, kurz innezuhalten und zu überlegen: was mache ich gerade und möchte ich dieses Verhalten meinem Kind wirklich vorleben?

Wir Eltern sind die ersten und wichtigsten Bezugspersonen für unser Kind. Wir sind seine Vorbilder und tragen in dieser Funktion die Verantwortung dafür, was wir ihm weitergeben, was wir ihm vermitteln und wie wir mit ihm umgehen wollen. Wir sind es, die jetzt das Kind prägen. Durch die Art und Weise, wie wir es behandeln und wie wir uns in verschiedensten Situationen verhalten.

ollen wir, dass unser Kind zufrieden und selbstbewusst ist, so liegt es an uns, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass es sich auf eben diese Weise entwickeln kann. Dies geschieht in erster Linie durch unsere Vorbildrolle. In weiterer Folge braucht es eine entsprechende Begleitung und Umgebung, die es nicht nach eigenen Maßstäben und Vorstellungen formen will, sondern es ihm ermöglicht, sich seiner Natur gemäß zu entwickeln.

Ein Kind, das sich seinem inneren Bauplan gemäß entwickeln darf, ist ein zufriedenes Kind. Es spürt, was es braucht und bekommt überall dort Grenzen aufgezeigt, wo es von aktuellen Wünschen bestimmt wird, die ihm auf lange Sicht nicht zuträglich sind oder wo es sonst wie Gefahr läuft, sich selbst oder anderen zu schaden. Es fühlt sich selbstbestimmt und – seinen Fähigkeiten entsprechend – selbständig.

Helfen ist nicht immer eine Hilfe.

Oftmals sind wir Eltern dazu geneigt, dem Kind „zu Hilfe“ zu eilen. Es kommt nicht auf Anhieb an einen Gegenstand und schon rücken wir diesen ein Stückchen näher an es heran. Es versucht, auf einen Stuhl zu klettern und wir sind sofort da, um es ein wenig anzuschieben. Das gemeinsame Gehen wird durch unser Tempo vorgegeben, anstatt dass wir uns dem Tempo des Kindes anpassen würden. Dies alles sind Eingriffe in die Selbständigkeit des Kindes. Das Kind erlebt unsere Handlungen nicht als Hilfe, sondern als Beweis, dass es selbst nicht fähig ist. Was wir also in Wahrheit erreichen, ist das Gegenteil von dem, was wir bezwecken wollen: ein negativer Einfluss auf das Selbstwertgefühl unseres Kindes. Wir berauben es der Möglichkeit des Erlebens, etwas selbst geschafft zu haben. Dabei wäre dies die größte Motivation und Stärkung des Selbstwertgefühls, die das Kind in solchen Situationen erleben kann.

Wir Erwachsenen sind dazu geneigt, immer alles schnell zu machen. Dinge müssen schließlich erledigt werden. Wir sind gestresst. Für unsere Kinder bedeutet dies, dass sie sich tagtäglich an unser Tempo anpassen müssen. Uns fehlt ja schließlich die Zeit, uns auf das Kind einzustellen, seinen Rhythmus anzunehmen.

In unserer schnelllebigen Zeit ist es sehr schwierig, sich nicht von der rasanten Geschwindigkeit um sich herum mitreißen zu lassen. Wir sehen Mütter, die arbeiten gehen, ihre Kinder nachmittags von einem „Spieldate“ oder Kurs zum nächsten begleiten und ganz nebenbei schaffen sie es auch noch, sich beruflich weiterzubilden, zu stricken, sich mit Freundinnen zu treffen und Sport zu machen. Wenn wir selbst das Gefühl haben, mit solchen Menschen nicht mithalten zu können, geraten wir mitunter in einen Schnellzug, der uns zwar viele Dinge gleichzeitig erledigen und erleben lässt, der jedoch das, was im Hier und Jetzt wichtig ist, an uns vorüberziehen lässt.

Weniger ist oft einfach mehr.

Was am Ende zählt, ist nämlich nicht, wie viel wir erledigen und was wir alles leisten konnten. Worauf es letztlich ankommt, ist nur eines: die Qualität der Zeit, die wir mit unseren Kindern verbringen. Unsere Kinder haben ein Recht darauf, ausreichend Zeit für ruhige Momente zu erhalten. Wir müssen nicht ihre gesamte Freizeit verplanen, genauso wenig wie unsere eigene. Es ist wichtig, dass wir auch zur Ruhe kommen, denn nur wenn wir ganz bei uns sein können, finden wir auch Zugang zu unserer Intuition, zu unserer Phantasie und Kreativität und können den Moment wirklich intensiv genießen. Dies gilt für Erwachsene ebenso wie für Kinder.

Die kleinen Leute spüren – noch lange bevor sie sich selbst darüber bewusst sind – sehr deutlich, was ihre Eltern bewegt und ob sie ausgeglichen oder permanent gestresst sind. Der Stress der Eltern wirkt sich ungünstig auf das Kind aus: einerseits, weil es dadurch selbst unruhig wird und auf der anderen Seite, weil es diese Verhaltensweisen, die sich bei seinen Eltern in Stress auswirken, auch selbst verinnerlicht und in Hinsicht auf das eigene Erwachsenenleben geprägt wird.

Bei kleinen Kindern reicht es oft schon aus, wenn wir unsere Handlungen etwas langsamer ausführen, damit sie folgen können. Das Kind lernt vor allem durch Beobachtung. Worte sind begleitende Erklärungen, worauf es aber in erster Linie ankommt, sind unsere Taten. Wenn ich etwa meinem Kind vermitteln möchte, wie man einen Drachen bastelt, so wird es mit meinen Worten allein nicht viel anfangen können. Wenn ich aber die einzelnen Schritte langsam ausführe, im Tempo meines Kindes, so werden meine Worte beinahe überflüssig. Dann sind meine Handlungen Erklärung genug.

So verhält es sich auch bei alltäglichen Aufgaben. Wir neigen dazu, immer viel zu reden, zu erklären, zu ermahnen, zu drohen und zu schimpfen. Würden wir hingegen sparsamer mit unseren Worten umgehen und mehr (dem kindlichen Tempo und Bedürfnis entsprechend) handeln, so würden wir uns eine Menge Ärger ersparen.

Wenn ich beispielsweise nicht möchte, dass mein einjähriges Kind die Vitrine mit den Gläsern aus dem Erbe der Urstrumpftante öffnet, so kann ich entweder ein verbales Verbot aussprechen. Dieses wird mit höchster Wahrscheinlichkeit missachtet werden, weil die Neugier auf dieses Objekt einfach zu groß ist. Oder ich kann mich selbst vor die Vitrine stellen und eine Art lebende Schranke verkörpern, die dem Kind (auch ohne zusätzliche Worte) vermittelt: hier geht es jetzt für dich nicht weiter. Diese zweite Variante ist in aller Regel die effektivere.

In weiterer Folge färben unsere ruhigen, langsamen Bewegungen und Handlungen auch auf unsere Kinder ab.

Ein Kind, das permanent von Stress und Hektik umgeben ist, wird selbst auch Schwierigkeiten entwickeln, ruhig zu agieren. Montessori sieht in der kindlichen Beherrschung der eigenen Bewegungen in Form eines individuellen Rhythmus Zeichen für eine normale Entwicklung. Sie geht davon aus, dass es auch bei Kindern zu einer gesunden Verhaltensweise gehört,  sich ruhig auf eine Handlung konzentrieren und ruhige, bedächtige Bewegungen ausführen, lange an einer Stelle verharren und ein Objekt anstarren zu können, um es vollkommen zu erfassen. Kinder, die übermäßig lebhaft von einem zum anderen Gegenstand eilen und sich nicht auf eine Sache konzentrieren können, zeigen demnach Verhaltensweisen, die abnorm bzw. auffällig sind.

„Nein, nicht einmal in den Monaten der Schwangerschaft und in den Stunden der Geburt gehört das Kind dir.“

 (Janusz Korczak in „Wie man ein Kind lieben soll“, S. 3, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen/Bristol, 1969.)

Wir neigen dazu, von „unseren“ Kindern zu sprechen. Wie bereits Korczak betonte, ist das Kind nichts anderes als das Ergebnis von bereits vorhanden gewesenen Teilen der Natur, die wir Eltern schließlich zusammengefügt haben. Wir messen uns das Recht zu, unsere Kinder als Besitz zu begreifen und sie dementsprechend zu behandeln. Gleichzeitig erwarten wir von ihnen indirekt oder direkt eine Dankbarkeit dafür, dass wir ihnen ihr Leben „geschenkt“ haben. Die Kinder sollen uns, überspitzt formuliert, als ihre unmittelbaren Götter anbeten, als die wir uns fühlen, weil wir sie ja immerhin „geschaffen“ haben. In Wahrheit aber sind wir nur das Werkzeug der Natur, die alle Rohstoffe dafür zur Verfügung stellt, damit neues Leben entstehen kann.

Wir fordern also vom Kind, so Korczak, Dankbarkeit für etwas, das uns nicht zusteht. Auch die Erde sei der Sonne nicht dankbar, weil diese scheine. Warum also sollte das Kind uns dankbar sein? Wir haben es geboren, daher hat es sich nach unseren Wünschen zu richten, uns zu gehorchen und sich uns anzupassen?

Woher nehmen wir uns dieses Recht, dermaßen über das Kind bestimmen zu dürfen?

Kinder sind Menschen. Sie sind Erwachsene, die körperlich und geistig noch nicht ausgereift und ohne jegliche Erfahrung sind. Aber sie tragen einen inneren Bauplan in sich, der erfüllt werden will. Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Kinder nicht formen wollen, sie nicht fremdbestimmen und ihnen nicht unseren Willen aufzwingen. Damit sie sich ihrer eigenen Natur gemäß entwickeln können, müssen wir sie als gleichwertige Menschen anerkennen, die von sich aus danach streben, sich zu entwickeln und zu eigenständigen Wesen heranzureifen.

Wir Eltern sollten uns als Begleiter unserer Kinder begreifen, nicht als ihre Lehrmeister. Wir haben die Aufgabe, ihnen beim Wachsen zuzusehen, sie auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben zu begleiten und ihnen überall da, wo notwendig und sinnvoll, unsere Grenzen aufzeigen.

Eltern, die ihrem Kind Geborgenheit vermitteln, indem sie es als Mensch mit all seinen Stärken und Schwächen lieben und ihm ausreichend Zuwendung schenken, unabhängig davon, was es leistet, schaffen beste Voraussetzungen für ein gesundes psychisches und physisches Wohlbefinden im Kind.

 

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