Mein persönlicher Zugang

Hochsensitivität (oder auch Hochsensibilität genannt)  ist keine Krankheit. Sie ist eine Gabe.

Die Hälfte meiner Familie ist hochsensitiv. Als direkt und indirekt Betroffene ist das Thema für mich von großer Bedeutung. Seitdem mir bewusst ist, dass ich ein – wie ich es nenne – Herzensmensch bin, lebe ich anders. Die Erkenntnis war wie eine Erlösung. Ich weiß jetzt, warum ich bin wie ich bin und kann mich besser akzeptieren. Ich versuche die negativen Auswirkungen meiner Hochsensitivität anzunehmen und mich bewusster abzugrenzen. Ich nehme mir die für mich notwendigen Auszeiten und achte generell mehr auf das, was ich brauche. Außerdem versuche ich meinen Sohn entsprechend zu begleiten und zu unterstützen, damit er möglichst früh lernt, mit seiner erhöhten Sensitivität umzugehen.

Ich selbst habe in meiner Kindheit genau das Gegenteil davon erlebt: ich wurde in meiner erhöhten Sensibilität nicht (ausreichend) angenommen, fühlte mich „anders“ und „falsch“. Im Laufe meines Lebens hat dies fatale Konsequenzen mit sich gezogen. Ich schlitterte in einen ewigen Kreislauf aus Angst, Depression, übermäßiger Anpassung an die Erwartungen meiner Umgebung und chronischer Erschöpfung, sodass ich den Zugang zu meinem wahren Selbst beinahe gänzlich verlor. Die Erkenntnis meiner eigenen Hochsensitivität hat mir geholfen, mich selbst zu finden, meine Andersartigkeit zu akzeptieren, sie schätzen und mit ihr angemessen umgehen zu lernen. Heute lebe ich bewusster in Achtsamkeit und Dankbarkeit und möchte anderen Menschen aufgrund meiner eigenen Erfahrungen dabei helfen, ihren Weg zu finden, um mit einer angeborenen Hochsensitivität angemessen umzugehen, sie als Teil der eigenen Persönlichkeit zu akzeptieren und wertzuschätzen.

Herzensmenschen sind anders. Sie sind keine besseren Menschen, aber sie nehmen die Welt intensiver wahr. 

Da der Anteil von Herzensmenschen nur ca. 1/3 der Gesamtbevölkerung ausmacht, ist die Welt nicht für sie ausgerichtet. So müssen wir Betroffenen uns ständig an eine Umgebung anpassen, die uns überfordert und leider wenig bis keine Rücksicht auf unsere Bedürfnisse nimmt. Dies ist auch der Hauptgrund dafür, weshalb hochsensitive Menschen unter Leidensdruck geraten: sie lernen, sich anzupassen und ihre eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken. Sie denken, mit ihnen stimmt etwas nicht, weil sie nicht so sind wie die „Anderen“ (weniger sensitiven Menschen). So entwickeln Herzensmenschen leider oft einen geringen Selbstwert, geraten in eine Spirale aus Druck, (Versagens-)Angst und Verzweiflung und enden nicht selten in Depressionen und Angststörungen. 

Diese Erkrankungen und Störungen sind jedoch nur die Auswirkungen eines wenig unterstützenden und akzeptierenden Umfeldes. Hochsensitivität selbst ist keine Krankheit. Wenn wir sie schätzen und mit ihr angemessen umgehen lernen, wird sie zu einer wunderbaren Gabe.

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Foto: Fotalia