Vorlesen vs. Fernsehen

Fernsehen

Durch den Kontakt mit anderen Eltern weiß ich: das Thema Fernsehen ist ein nicht zu vernachlässigendes in der Kindererziehung. Die meisten von uns besitzen zumindest einen Fernseher, die Kleinen bekommen also früher oder später automatisch mit, dass dieses Gerät in wunderbaren Farben, Geräuschen und Bildern erstrahlt, wenn man es einschaltet. Doch wie gehen wir am besten damit um, ab wann darf ein Kind fernsehen, wie oft und wie lange ist erlaubt und welche Inhalte sind kindgerecht?

Zunächst einmal ist es wichtig zu sagen, dass Fernsehen nicht verteufelt werden sollte. Bei richtigem Umgang mit dem Thema können Kinder durchaus auch davon profitieren, tragen aber auf jeden Fall keinen Schaden davon.

Wie gehen wir also am besten damit um?

Kinder unter zwei Jahren sollten bestmöglich noch nicht fernsehen. Sie können den Inhalt dessen, was sie gezeigt bekommen, noch nicht verstehen und sind mit den Reizen schlichtweg überfordert. In diesem Alter möchten Kinder die Welt um sie herum noch vielmehr ertasten, was man auch daran erkennen kann, dass sie gern den Fernseher angreifen wollen. Auch begreifen sie noch nicht den Unterschied zwischen Realität und der Welt, die sich auf dem Bildschirm abspielt. Sogenanntes Babyfernsehen, eine derartige passive Berieselung, bei der das Baby keinerlei körperliche Wahrnehmung erlebt, die in dieser Zeit aber vorherrschend wichtig ist, ist meiner Meinung nach komplett abzulehnen.

Im Alter von 2-3 Jahren beginnt das Kind sich auf den Fernseher zu konzentrieren, kann langsam auch kurzen Inhalten folgen und möchte verstehen, was passiert. Es wird empfohlen, Kinder zwischen 2 und 5 Jahren maximal eine halbe Stunde am Tag fernsehen zu lassen. Ich denke, der Richtwert ist gut. Mein kleiner Mann darf mit 4 Jahren aber ab und zu auch mal bis zu einer Stunde fernsehen, dafür aber bei weitem nicht täglich. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass er Phasen hat, in denen er am liebsten täglich fernsehen möchte und dann wieder lange Zeit kein Interesse zeigt. Ich erlaube es ihm in der Regel durchschnittlich 1-2 mal pro Woche für jeweils ca 30 Minuten.

Die Inhalte müssen in jedem Fall kindgerecht sein – d.h. die Handlung dem Alter entsprechend nachvollziehbar, gewaltfrei und sollte das Kind nicht überfordern. Individuell wird jedes Kind außerdem gewisse Themen haben, die es vielleicht eher ängstigen und auf die entsprechend verzichtet werden sollte. Mein Sohn etwa fürchtet sich im Fernsehen vor Hexen. Das Thema kommt also bei uns nicht in Frage. Generell sehen meine Kinder nur ausgewählte DVDs oder Inhalte aus dem Internet, keine Fernsehsendungen. Wann immer möglich, sitze ich außerdem mit dabei oder befinde mich zumindest im selben Raum, sodass ich mitbekomme, was am Bildschirm passiert und auftretende inhaltliche Fragen beantworten kann bzw. wir gemeinsam über die Geschichte sprechen können.

Ab dem Volksschulalter gilt eine maximale Fernsehzeit von einer Stunde am Tag. Auch in diesem Alter können Kinder noch nicht einwandfrei zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Die Handlung eines ganzen Filmes können sie noch nicht nachvollziehen, sie springen noch von Bild zu Bild. Auf gewalttätige Inhalte sollte weiterhin verzichtet werden, diese können oft nur schlecht verarbeitet werden.

Auch die Frage nach dem Wann? ist nicht ganz unwesentlich. Morgens vor dem Kindergarten oder der Schule ist fernsehen sicherlich ungeeignet. Abends vor dem Schlafengehen kann das Kind aufwühlen und folglich das Einschlafen erschweren. Während den Mahlzeiten sollte Fernsehen ohnehin ein Tabu sein. Die geeignetste Zeit ist wohl der Nachmittag, etwa nach Erledigen der Hausaufgaben oder nachdem das Kind sich am Spielplatz ausgetobt hat.

Ich denke außerdem, dass ein Fernseher im Kinderzimmer nichts verloren hat. Kinder sollten auch nicht Fernsehsendungen für Erwachsene mit ansehen dürfen. Ich habe vor einer Weile einen Vater sagen hören, dass sein (etwa vierjähriger) Sohn abends nicht ins Bett zu kriegen sei und bis in die Morgenstunden hinein CSI Folgen im Fernsehen anschaue. Das ist sicher ein Extremfall, aber deshalb nicht weniger erschreckend und bedarf keiner weiteren Worte.

Ein erhöhter Fernsehkonsum (in frühen Jahren ab etwa 2 Stunden täglich) kann zu schwerwiegenden Problemen führen wie etwa Lernschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten, Schlafproblemen, Ängsten oder Übergewicht. Ein gesunder Umgang mit dem Thema ist also mehr als angebracht.

Vorlesen

Kinder lieben Geschichten. Bücher sind schon für die allerkleinsten interessant. Angefangen beim Fühlbuch, über das Fingerguckloch-Buch, das Bilderbuch, Gute-Nacht-Geschichten-Buch, zum Wimmelbuch und Märchenbuch bis hin zu den – je nach Alter entsprechend kurzen oder langen – diversesten Geschichten. Es gibt heute eine riesige Auswahl, die Vielfalt ist so groß, dass wirklich für jeden Geschmack und für jedes Alter etwas dabei ist. Jedes Kind liebt es, Bücher anzusehen, Geschichten vorgelesen zu bekommen.

Bei meinen Kinder haben Bücher von Anfang an einen großen Stellenwert. Zu Beginn wurde in den Bilderbüchern geblättert, sobald das Interesse für eine Geschichte da war, wurde das allabendliche Vorlesen zum Ritual, das nicht mehr wegzudenken ist. Meine beiden kleinen Männer freuen sich jeden Abend auf ihre Gute Nacht Geschichte. Sie gehört dazu, ist fester Bestandteil unseres Abendrituals. Auch tagsüber lesen wir öfters mal zwischendurch ein Buch gemeinsam. Bücher bereichern unsere gesamte Familie.

Was sind die Vorzüge des Vorlesens?

Vorlesen ist wichtig und wertvoll für die Entwicklung unserer Kinder. Sie werden dadurch in ihrer Sprachentwicklung gefördert, ihre Phantasie wird angeregt, die Konzentrationsfähigkeit und familiäre Bindung gestärkt.

Beim Betrachten, Erzählen und Vorlesen erwerben Kinder neben Wortschatz und Kenntnissen sprachlicher Strukturen auch Wissen darüber, mit welchen Wörtern Gegenstände benannt werden. Sie lernen Welten kennen, die außerhalb ihres unmittelbaren Erfahrungshorizontes existieren oder vorstellbar sind. Kinder nehmen neue Gegenstände wahr, denen sie in ihrem Alltag eventuell nicht oder nicht häufig begegnen, z. B. die Tiere auf dem Bauernhof, die Kinder aus der Stadt nur selten oder gar nicht selbst erleben können.

Vorlesen fördert außerdem die Empathie des Kindes, also die Fähigkeit, sich in andere Lebewesen hineinzuversetzen.

Studien haben gezeigt, dass die Lesekompetenz von 15 Jährigen, denen von früh an vorgelesen wurde, unabhängig von ihrem sozioökonomischen Status, weitaus höher ist als die von Gleichaltrigen, denen nicht vorgelesen wurde.

Vorlesen hat also rundum positive Effekte auf unsere Kinder. Wir fördern dadurch ihre Entwicklung auf vielerlei Weise, und ganz nebenbei stärkt es unsere Beziehung zueinander und vermittelt ihnen Geborgenheit.

Fernsehen vs. Vorlesen

Mein Fazit zu dem Thema lautet also: Vorlesen hat ausschließlich positive Effekte auf unsere Kinder, deshalb ist es wichtig und richtig, dass wir ihnen so viel wie möglich vorlesen.

Fernsehen birgt bei falschem Umgang auch zahlreiche negative Folgen. Hier zählt also, wie so oft im Leben: mit Maß und Ziel. Wenn wir Fernsehen nutzen, um unseren Kindern eine „lebendigere“ Form der Geschichtenerzählung zu bieten, mit Themen, die ihrem Alter und Entwicklungsstand entsprechen und die sie in positiver Form anregen, so ist gegen ein bisschen Fernsehen ab und zu sicher nichts einzuwenden. Im Vergleich ist aber auf jedem Fall dem Vorlesen der Vorzug zu geben.

In diesem Sinne gibt es hier einen Buchtipp: die Bücherreihe um Lieselotte, der Postkuh, ist für die ganze Familie bereichernd. Tolle Bilder, lustige Texte und viele kleine Einzelheiten, die auch die Erwachsenen erheitern.

Viel Freude beim gemeinsamen Lesen!


Tamara Jungbauer

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