Von mütterlichen (online Rivalinnenkämpfen) und grenzenloser Erziehung

Bloggen braucht starke Ellbogen

Lange ist es her, dass ich auf dieser Seite einen Beitrag veröffentlicht habe. In letzter Zeit jedoch spüre ich so einen starken Impuls, etwas auszusprechen, das mich schon lange und immer wieder beschäftigt und verfolgt. Auch auf die Gefahr hin, dass wieder einige Leserinnen auf die Barrikaden gehen. Im Vorfeld möchte ich betonen, dass ich niemanden hier persönlich angreifen möchte. Genau das stört mich auch sehr am Bloggen in diesem Bereich und ist mit einer der Hauptgründe, weshalb ich mich davon zurückgezogen habe. Mit Ausnahmen wie dieser hier 🙂

Viele Mütter fühlen sich schnell angegriffen, wenn sie etwas über Kindererziehung lesen und viele Mamas sind von vornherein in einer Verteidigungsposition. Als müsste jede andauernd der Welt da draußen „beweisen“, dass sie die wahre Übermutter ist, die weiß, wie der Hase läuft und jeder gleich eine auf den Deckel haut, die es wagt, eine andere Meinung zu formulieren. Das finde ich anstrengend und nervig. Ich habe meinen Blog gegründet, um Müttern eine Stütze zu bieten, wenn sie danach suchen und nicht, um mich angreifen zu lassen für die Meinung, die ich vertrete. Zu schnell wird man jedoch angesichts des Dickichts an Elternblogs in eine solche Verteidigungsposition gedrängt. Wie neulich, als ich wider besseren Wissens aus Erfahrung nach langem mal wieder auf einen Hilferuf einer Mutter in einer dieser Müttergruppen geantwortet habe.

Meine Beobachtung: viele Eltern verwechseln heute Grenzenlosigkeit mit Liebe

Immer wieder beobachte ich, wie Mütter sich schwer tun, ihren Kindern gegenüber eigene Grenzen aufzuzeigen. Kinder werden immer mehr dazu getrieben, Entscheidungen zu treffen, die eigentlich ihre Verantwortung übersteigen. Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter können noch nicht selbst entscheiden, wann sie ins Bett gehen sollen, um ausreichend Schlaf zu bekommen oder was sie essen sollen, um eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu gewährleisten. Auch wie oft und was sie fernsehen obliegt noch nicht ihrem Verantwortungsbereich. Kinder sollen da entscheiden dürfen, wo sie bereits kompetent sind. Alles andere überfordert sie auf Dauer.

Die Folgen: Hilflose Eltern

Ich erlebe dann Eltern, die aus völliger Hilflosigkeit jeden Abend dieselben Probleme haben, ihr Kind endlich zum Schlafen zu bringen. Eltern, die sich wundern, dass ihr Kind nichts Gesundes isst, während sie ihm zwischendurch und kurz vor dem Essen noch Süßigkeiten erlauben. Ich erlebe Kinder, die ständig im Mittelpunkt stehen wollen, weil sie es nicht gewohnt sind, auch mal Kompromisse einzugehen oder ein Nein zu verkraften. Diese Kinder gelten dann oft fälschlicherweise als sehr „selbstbewusst“ – in Wahrheit steckt jedoch der Drang dahinter, so wie von den Eltern auch von anderen Mitmenschen immer das zu bekommen, was sie wollen.

Und wehe jenen, die sich den kleinen Herrschern in den Weg stellen! Das ertragen deren Eltern nämlich überhaupt nicht. Auch wenn sie eigentlich sehr sozial und liberal eingestellt sind: wenn es um das eigene Kind geht, ist alles anders. Es wird dann gern übersehen, dass der eigene Sprössling andere Kinder dirigiert, manipuliert und dabei auch gern die eigenen Fäuste einsetzt. Kriegt es dann – oh Wunder! – selbst mal etwas ab, wird das Gegenüber schnell mal angeklagt, denn die kleine Prinzessin/der kleine Prinz trägt doch niemals die Schuld!

Ich schreibe hier natürlich etwas überspitzt, aber die Tendenz vieler Eltern heute ist tatsächlich eine weg von jeglichen Grenzen und hin zu zu viel Freiheit, die für Kinder schlichtweg überfordernd wirkt.

Eltern sein, nicht Kumpels!

Ich bin keine Übermutter und ich hab die Weisheit, wie man Kinder erzieht, auch nicht mit dem Löffel gegessen. Ich mache tagtäglich Fehler, ich schreie hier und da mal rum und bereue es danach zutiefst. Ich spiele nicht in jeder freien Minute mit meinen Kindern und ich nehme mir bewusst Auszeiten im Alltag, denn anders würden meine Kräfte nicht bis zum Abend ausreichen. Meine Kinder dürfen viel selbst entscheiden und ich rede viel mit ihnen – auch und gerade über meine Grenzen. Ich nehme sie ernst in ihren Bedürfnissen, gleichzeitig nehme ich aber auch meine eigenen Bedürfnisse ernst. Ich habe meine Kinder niemals schreien lassen. Im Alter zwischen 3-4 Jahren aber habe ich ihnen dazu verholfen (bis dahin war immer entweder mein Mann oder ich bis zum Einschlafen bei ihnen), selbst in den Schlaf zu finden, wobei wir seit jeher ein sehr festes und ausgeprägtes Abendritual haben. Überhaupt haben wir sehr feste Rituale wie beispielsweise das gemeinsame Essen bei Tisch. Das ist fester Bestandteil unseres Alltags und verbindet uns. Auch diese Dinge fallen unter das Thema „Grenzen“, denn natürlich ist erst uns Eltern die Wichtigkeit solcher Rituale bewusst, damit wir sie unseren Kindern vermitteln können. Diese nehmen sie aber letztlich dankend an und fordern sie mit der Zeit auch selbst ein. Kinder brauchen Eltern, die klare Grenzen haben und keine Kumpels, die Entscheidungen auf der gleichen Ebene erwarten dürfen.

Meine Kinder sind sehr respektvoll im Umgang mit anderen Menschen und Tieren und das ist für mich – neben der Selbständigkeit – eines der wichtigsten Ziele von Erziehung überhaupt. 

Eltern, die ihren Kindern immer alles recht machen wollen und sich kaum trauen, nein zu sagen, hindern ihre Kinder letztlich auch daran, ihre Selbständigkeit (die sich ja nicht in Stufen, sondern permanent entwickelt) zu erlangen. Sie halten sie an der kurzen Leine, denn wenn mein Kind mich noch mit 6 Jahren am Bett sitzend braucht, um in den Schlaf zu finden, so ist es von mir abhängig. Es fühlt sich dadurch schwach und unselbständig. Lernt es hingegen mit liebevoller Begleitung, selbst einzuschlafen, wohl wissend, dass die Eltern nebenan und stets verfügbar sind, wenn es sie wirklich braucht, so ist es unabhängig und wahrhaft selbständig. 

Ich bin nicht perfekt und keine Übermutter, aber ich bin authentisch und wenn ich damit anderen Müttern ein Vorbild sein kann, freut mich das. Diejenigen, die damit nichts anfangen können, dürfen sich gerne andere Wege suchen. Dann aber bitte ohne gleich in den persönlichen Angriff überzugehen. Besser wäre eine gesunde Portion Selbstreflexion.

 

Danke an meine Leserinnen und alles Liebe weiterhin!

Eure Tamara

Keine Erziehung ist auch keine Lösung – vom Dschungel der Erziehungsstile und dem Druck, alles richtig zu machen.

Erziehung ist ein Prozess, der sich stetig weiter entwickelt. Er findet in der Beziehung zwischen Eltern und Kind statt. Es ist also eigentlich gar nicht möglich, nicht zu erziehen. Doch wie diese Erziehung genau aussehen soll, darüber scheiden sich heute wirklich viele Geister. Eltern haben es so schwer wie noch nie, sich darüber klar zu werden, wie sie ihr Kind denn nun erziehen wollen.

Doch erst mal zur Begriffsklärung.

Für mich bedeutet Erziehung zunächst einmal Arbeit an mir, als Mutter, selbst. Um meinem Kind meine eigenen Werte vermitteln und weitergeben zu können, muss ich mir erst einmal selbst darüber im Klaren sein, welche Werte und Normen für mich gelten und wo meine persönlichen Grenzen liegen.

Wir als Eltern lernen, wenn wir in Beziehung zu unserem Kind treten, auch viel über uns selbst, überdenken und definieren zum Teil unsere Anschauungen und Verhaltensweisen neu, reflektieren unser Handeln, lernen unsere eigenen Grenzen immer wieder neu kennen. Wir wachsen sozusagen mit unserem Kind mit.

In diesem Erziehungsprozess, der ja in Wahrheit nichts anderes ist als ein wechselseitiger Lernprozess, haben wir Eltern jederzeit die Möglichkeit zu Reflexion und Veränderung. Wir Eltern lernen mit dem Elternsein stetig dazu. Dass es dabei neben den vielen schönen Momenten des Elterndaseins auch immer wieder zu Unsicherheiten, Hilflosigkeit und dem Gefühl, komplett zu versagen, kommen kann, ist also vollkommen natürlich. Wir sind schließlich nicht perfekt. Fehler gehören dazu, wir sollen und dürfen sie machen. Dies anzunehmen, nimmt uns sehr viel Druck von den elterlichen Schultern.

Autoritär? Antiautoritär? Laissez-faire? Montessori? Waldorf? Pikler? Ohne Gewalt! Partnerschaftlich? Oder doch so wie Herr Juul meint: als „Leitwolf“?  Was ist denn nun „richtig“?

Es gibt inzwischen so viele unterschiedliche Meinungen und Richtungen zum Thema Erziehung, dass einem schwindlig werden könnte. Während noch vor rund 100 Jahren jeder wusste, was mit „Erziehung“ gemeint ist und wie eine solche auszusehen hat, haben sich in den letzten Jahrzehnten unzählige Strömungen entwickelt. Das ist einerseits sehr gut, denn wir sind uns ja heute darüber im Klaren, dass die Erziehung zu striktem Gehorsam eben nicht das ist, was Kindern eine gesunde Entwicklung ermöglicht.

Andererseits bewirken diese vielen unterschiedlichen und zum Teil sehr kontroversen Richtungen auch, dass viele Eltern verunsichert sind und Angst haben, etwas so grundlegend falsch zu machen, dass sie ihrem Kind dauerhaft ernsten Schaden zufügen könnten.

Manche Expertinnen und Experten meinen, Kindern Grenzen zu setzen wäre wichtig, andere legen das Thema Grenzen so aus, als wären diese an sich ein autoritäres Mittel, um sich Kinder untertan zu machen. Es gibt auch Expertinnen, die beim Begriff „Grenze“ aufschreien, aber bei genauerer Betrachtung selbst für ebensolche Grenzen eintreten, diese Tatsache eben nur anders benennen. Dies zu überblicken und zu erkennen, ist für Laien nicht immer einfach.

So werden Montessoris (ohne Frage gute) Ansätze teilweise solcherart in die Praxis umgesetzt, dass die Kinderzimmer der Kleinsten schon mit Fördermaterial vollgefüllt werden, was bei genauerer Betrachtung eigentlich dem Grundgedanken Montessoris erst recht widerspricht: nämlich das Kind nicht zu „überfördern“, sondern es sich seinem Tempo und Bedarf entsprechend einfach entwickeln zu lassen.

Ohne Frage meinen es die Betreffenden nur gut – aber wohl aus dem Hintergrund heraus, dass sie unter dem Druck, es besonders gut machen zu wollen, es dann doch übertreiben.

Eine weitere Entwicklung, die mich persönlich regelrecht verärgert ist die, dass Lob heutzutage gern generell verteufelt wird- ohne dabei zu berücksichtigen, dass Kinder Individuen mit unterschiedlichen Bedürfnissen sind. Viele hochsensitiven Kinder beispielsweise brauchen vermehrt Lob und Bestätigung, weil sie von Natur aus dazu neigen, an sich selbst zu zweifeln. Wenn deren Eltern sich davon „überzeugen“ lassen, dass zu viel Lob generell mehr schadet als nutzt und sie deshalb ihr Lob zu sehr einschränken, kann dies also dem Wohl ihres hochsensitiven Kindes letztlich erst recht abträglich sein.

Manche sogenannten Expertinnen und Experten in Erziehungssachen gehen sogar so weit, zu behaupten, wir bräuchten eine Ent-ziehung von der Er-ziehung. Das halte ich persönlich für unsinnig bis gefährlich.

Ich sehe immer mehr Eltern, die sich kaum noch trauen, ihrem kleinen Schatz gegenüber ein klares „Nein“ auszusprechen.

Mütter, die lieber nachgeben, um ihr Kind in dem jeweiligen Moment nicht zu enttäuschen, als dass sie eine Grenze setzen, die dem kindlichen Wohl letztendlich sehr zugute kommen würde. Ich sehe der heutigen Entwicklung, die „weg von der Erziehung“ geht, mit großer Skepsis und Sorge entgegen.

Meiner Ansicht nach ist Erziehung eine natürliche Notwendigkeit. Wie bereits erwähnt, können wir gar nicht nicht erziehen. Erziehung bedeutet für mich auch, dass wir Eltern unseren Teil der Verantwortung übernehmen – nämlich in allen Belangen, in denen das Kind noch auf unsere Erfahrung und Fürsorge angewiesen ist.

Ent-ziehen wir uns dieser Verantwortung, so werden aus unseren Kindern verunsicherte, tyrannische und letztlich hilflose kleine Wesen, die sich in weiterer Folge zu narzißtischen, egoistischen Erwachsenen mit geringem Selbstwert entwickeln. Chronische Überforderung durch ein zu hohes Maß an Verantwortung wirkt sich negativ auf Kinder aus.

Deswegen bereitet mir der heutige Trend zur partnerschaftlichen Erziehung Bauchschmerzen.

Wenn wir unsere Kinder als „Partner“ behandeln, so rauben wir ihnen ihre Kindheit. Wir entziehen uns dadurch unserer Verantwortung und legen diese dem Kind auf. Es soll Entscheidungen treffen, für die es noch gar nicht reif ist. Das überfordert es dauerhaft, was seiner aktuellen und zukünftigen gesunden Entwicklung abträglich ist.

Den Druck, perfekt zu sein, loslassen.

Der englische Psychoanalytiker und Kinderarzt Donald Winnicott prägte Anfang des 20. Jahrhunderts den Begriff der sogenannten „good enough mother“, also der „ausreichend guten Mutter“. Damit ist gemeint, dass Kinder keine perfekte Mutter (respektive Vater) brauchen, sondern eine Mutter, die „ausreichend gut“ ist, um die Bedürfnisse ihres Kindes zu befriedigen. Nur so kann es, laut Winnicott, dem Kind zum gegebenen Zeitpunkt auch gelingen, sich auf natürliche Weise von seiner Mutter abzulösen, um die von ihm zu erfüllenden Aufgaben selbst bewältigen zu können.

Anstatt uns an irgendwelche vorgefertigten Erziehungsstile anzupassen und kategorische Regeln zu befolgen, die angeblich bei jedem Kind wirken, sollten wir also diesen Druck, perfekte Eltern sein zu wollen, los- und uns lieber auf unser Kind einlassen. 

Die Welt, in der wir leben, ist bekanntlich nicht perfekt. Wir Eltern sind es auch nicht und sollen es auch nicht sein wollen. Echt und greifbar zu sein, Fehler zu machen und zu selbigen zu stehen – das ist viel besser als „perfekt“ zu sein. Wichtig ist, dass wir authentisch bleiben und das, was wir von unseren Kindern erwarten, auch selbst vorleben. So, wie wir wollen, dass unsere Kinder sich verhalten, sollten wir es zuerst selbst tun!

Was sagt der Bauch?

Eine wesentliche Rolle in der Erziehung und somit in der Eltern-Kind-Beziehung spielt meiner Meinung nach, die Intuition. Heute fällt es vielen Eltern schwer, Zugang zu selbiger zu finden. Wir sind ständig von anderen Menschen umgeben, die alle irgendwelche, oft festgesetzten, Meinungen haben und diese gerne kundtun.

Sobald ein Kind da ist, wird man als Mutter oder Vater regelrecht bombardiert mit den Meinungen anderer (zumeist) Eltern. Doch nicht jeder, der selbst Kinder hat, ist allein deshalb automatisch Experte in Sachen Kindererziehung. Jemand, der die eigenen Erfahrungen direkt auf die Erziehung eines anderen Kindes umlegt, bestätigt damit nur, dass er in Wahrheit wenig Ahnung von der Materie hat.

Ich habe im Laufe meines Mamadaseins gelernt, Ratschläge und Meinungen in Bezug auf das Thema Kindererziehung sehr bewusst zu filtern. Ich nehme das, was ich als richtig, gut oder sinnvoll erachte, für mich mit – all das, was aber nicht mit meiner eigenen Meinung oder meinem Bauchgefühl vereinbar ist, lasse ich einfach so stehen.

Ich picke mir sozusagen von überall die Rosinen für meine eigene Erziehungsweise heraus.

Doch genau darum geht es auch bei der Intuition: sich eben nicht ständig durch andere Meinungen oder Aussagen verunsichern zu lassen. Wenn wir stattdessen lernen, wieder mehr auf unser Bauchgefühl zu hören, so werden wir nicht nur unabhängig von den Meinungen anderer Menschen, sondern gewinnen auch mehr Sicherheit in Hinblick auf die Art und Weise, wie wir unser Kind erziehen wollen. Und wir tun automatisch auch das jeweils „Richtige“ – oder besser gesagt: das, wofür wir uns dann entscheiden, kann nicht grundsätzlich falsch sein!

Mein Fazit: Intuition und Authentizität anstelle rigider Erziehungsstile

Ich sehe so viele Eltern, die sich angesichts dieser Flut an Erziehungsströmungen kaum noch zurecht finden, die sich verirren und beeinflusst fühlen durch all diese Meinungen, die in tausend Richtungen tendieren und allesamt behaupten, „es“ zu wissen.

Pickt euch eure Rosinen aus dem Kuchen!

Ich selbst habe schon aufgrund meiner Ausbildung viel zum Thema Erziehung gelesen und gehört und manche Richtungen für mich als eher sinnvoll auserkoren, während ich andere, meinen eigenen Anschauungen zuwider laufende Strömungen für mich ausschließe.

Ich persönlich finde, dass Maria Montessori, Jesper Juul, Rebecca Wild, Remo H. Largo, Jan Uwe Rogge und noch einige andere herausragende Pädagoginnen und Pädagogen mehr in vielen Standpunkten sehr vertretbare Ansätze bringen. Meine Erziehungsweise ist durch viele ihrer Gedanken beeinflusst. Wohlgemerkt: beeinflusst, aber nicht bestimmt.

Ich warne Eltern heute davor, sich zu sehr auf die Meinung irgendwelcher Ratgeber oder Experten zu fokussieren.

Nicht alles, was Herr Juul oder Frau Montessori und all ihre Vertreter sag(t)en, können wir 1:1 auf die Erziehung unseres Kindes umlegen. Dies ist weder sinnvoll noch möglich, denn sowohl wir Eltern als auch unsere Kinder sind individuelle Wesen mit eigenen Persönlichkeitsstrukturen, Erfahrungen und Anschauungen. Uns zu sehr auf irgendwelche vorgefertigten Erziehungsstile zu beschränken, widerspricht unserer Natur, macht uns zu Marionetten einer künstlichen Erziehung, die letztendlich nichts oder kaum mehr etwas mit kindgerecht und bindungsorientiert zu tun hat.

Stattdessen ist es meiner Ansicht nach wichtig, dass wir auf unser Bauchgefühl vertrauen, unserem Herzen folgen und dabei menschliche Vorbilder bleiben, die greifbar sind, zu ihren Fehlern stehen und ihre Kinder mit Respekt behandeln. Bei Unsicherheiten ist es sinnvoller, sich an eine Expertin bzw. einen Experten zu wenden, die oder der die Familie persönlich beraten und begleiten und damit auf die Personen individuell eingehen kann anstatt Ratgeber und vorgefertigte Meinungen zu befolgen, die kategorisch denken (müssen) und niemals für alle Eltern und deren Kinder gelten können.

Alles Liebe,

Deine

Tamara_Schrift

 

Der leise Tod des Schnullers – wie wir ihn dann doch noch los wurden, ganz von allein!

Der „Nulli“, wie er von meinem kleinsten Mann genannt wurde, war bis vor Kurzem noch eine liebe Gewohnheit, die er scheinbar nicht mehr loswerden wollte. Doch Neulich kam es dann ganz plötzlich doch ganz anders. Ohne Stress. Ganz von allein. 

Mein kleinster Mann ist drei Jahre alt. Er hatte von Anfang an einen Schnuller, vorwiegend zum Schlafen. Er war kein „Dauernuckler“, aber in gewissen Situationen, in denen er sich selbst beruhigen musste, und im Bett war der Nuckel einfach wichtig.

Projekt „Schnullibaum“

Seine Kindergartenbetreuerin machte letztes Jahr einen Vorschlag, der mir gefiel und den ich ausprobieren wollte. Sie riet mir, einen bestimmten Baum oder eine Pflanze auszuwählen, an der mein Sohn jene Schnuller, auf die er verzichten wollte, mit einer Schnur befestigen sollte, um sie „anderen Babys zu schenken“, die ihn noch dringender brauchten. Über Nacht würden diese dann „geholt“ (sprich: Mama vergräbt sie tief unten im Mülleimer). Das taten wir dann auch und mein Sohn hing euphorisch nach und nach all seine Schnuller an die Pflanze. Es hatten sich ja so einige angesammelt, also ging das Spielchen eine Weile so.

Beim letzten Schnuller allerdings verging meinem Kleinsten die Lust und er beschloss, dass die anderen Babys bereits genug abbekommen hatten. „Das ist meiner.“, stellte er fest und damit war die Diskussion für ihn beendet.

Der letzte „Nulli“

Dieser letzte Schnuller blieb uns im vergangenen Jahr treu erhalten. Er war schon abgewetzt, im wahrsten Sinne des Wortes: ausgelutscht, vergilbt und am Ende hatte er auch schon ein kleines Loch im Sauger. Aber mein Sohn behandelte ihn wie einen kostbaren Schatz. Wenn man ihn fragte, ob er ihn wirklich noch brauche, sagte er fest entschlossen „Ja!“ und basta.

Nebenbei machten wir aber auch klar, dass wir keinen neuen Schnuller mehr anschafften. Der letzte Schnuller war und blieb der letzte, das war ihm bewusst. Er passte entsprechend gut auf ihn auf.

Wir drängten ihn nicht, seinen „Nulli“ endlich wegzuwerfen. Immer wieder mal fragten wir nach, ob er ihn wirklich noch brauche, wenn er ihn mal wieder irgendwo verloren hatte und verzweifelt suchte. Immer wieder fand er ihn (oder wir taten es) und er war darüber selig. Ihm diesen „Schatz“ einfach wegzunehmen wäre niemals in Frage gekommen.

Verloren – wiedergefunden – wieder verloren

Als er dann neulich abends seinen Schnuller nicht fand und mein Mann das Suchen irgendwann aufgegeben hatte (ich war an diesem Abend gerade nicht da), schlief er dann problemlos ohne ihn ein. Am nächsten Morgen fand er ihn dann doch wieder und nuckelte gleich nachträglich drauf los. Als er ihn dann kurz darauf wieder suchte und ich ihn schließlich fand, beschloss ich, ein wenig nachzuhelfen. Ich versteckte ihn an einem sicheren Ort und bis zum Schlafengehen abends war er vergessen. Als wir ihn dann abends wieder nicht „fanden“, schlief er ein weiteres Mal problemlos ohne ihn.

Und dann ist er gestorben…

Das war für mich Zeichen genug, dass er bereit ist, seinen „Nulli“ loszuwerden. Am nächsten Tag sagte er abends zu mir: „Der Nulli ist weg, den finden wir nicht mehr.“ Als ich daraufhin sagte „Ja, der war auch schon sehr, sehr alt. Das war ein richtiger Opa – Schnuller.“, mussten wir beide lachen.

„Ja, der hat schon ein Loch gehabt.“, gab mein Sohn zu Bedenken.

„Genau. Bestimmt hat er sich irgendwie davon geschlichen, der wollte nicht mehr genuckelt werden. Viel zu alt war der schon.“, sagte ich.

Er: „Ja, der war gaaaanz alt. Der ist sicher schon gestorben.“

Ich: „Mhm..und was machen wir da jetzt?“

Er: „Jetzt lassen wir ihn in Ruhe.“

Kinder lösen ihre Probleme selbst

Das ist eines von jenen Erlebnissen, die mich immer wieder faszinieren und begeistern. Kinder nehmen sich die Zeit, die sie brauchen, wenn wir sie lassen. Sie machen sich ihre eigenen Gedanken, wenn wir ihnen nicht unsere aufdrängen.

Mein Sohn ließ seinen Schnuller alt werden, um ihn dann eines natürlichen Todes sterben zu lassen. Das konnte er akzeptieren, damit konnte er letztlich leben. Dadurch wurde der Abschied möglich.

Eine lieb gewordene Gewohnheit loszuwerden, ist für uns alle schwer. Gerade Kinder brauchen ihre Zeit und wenn wir darauf vertrauen, dass sie zu gegebenem Zeitpunkt – eben zu ihrer Zeit – das tun, was zu tun ist, dann werden sie es auch machen. In ihrem Tempo.

Was sie von uns brauchen, ist Geduld, Verständnis und Zeit. Wir können sie begleiten, ihnen Anregungen geben und letztlich auch ein bisschen nachhelfen, wenn der Zeitpunkt da ist. Am wichtigsten jedoch ist unser Vertauen in sie. Damit schaffen sie alles.

Hast du Fragen oder möchtest du deine Erlebnisse teilen? Dann schreib mir doch, ich freu mich!

Deine

Tamara_Schrift

 

FKK am Wasserspielplatz – „Mama, was macht der Mann da??“

20160813_163013Heute möchte ich eine kleine Anekdote aus dem – manchmal wahrhaft irren – Familienalltag mit euch teilen 🙂 Neulich war ich nämlich mit meinen Männern am Wasserspielplatz. Das Wetter war perfekt – nicht zu heiß und nicht zu kalt – und obwohl es ein Samstag war, hielt sich die Besucherzahl stark in Grenzen. Eine Familie jedoch fiel dann doch so sehr aus dem Rahmen, dass mir beinahe zwanzig andere Besucher stattdessen lieber gewesen wären. Doch erst mal alles der Reihe nach.

Meine Männer waren gerade dabei, den Spielplatz zu entdecken und ich hatte endlich mal ein paar Minuten für mich. Ich beobachtete das Bild, das sich mir darbot, schnupperte an der frischen Luft und begab mich in die Waagrechte, um den Moment vollkommen auszukosten. Da hörte ich plötzlich einen Satz, der meiner Entspannung ein abruptes Ende setzte.

Läusealarm!

„Ich muss dann bald heim, ich hab noch einen Berg Wäsche zu waschen wegen all der Läuse und Wurmeier und dem ganzen Zeugs…“ Ich drehte mich in die Richtung, aus der ich die Stimme vernommen hatte. Der Satz kam von einer Mutter, die mit ihrem Mann, ihren drei Kindern und einer Freundin mit deren Kind hier waren. Zwei der Kinder spielten gerade in unmittelbarer Umgebung  meiner Jungs und kurz darauf gesellte sich auch noch der Vater mit dem Kleinsten (was für ein prächtiger Lockenkopf!) auf das Boot zu meinen Jungs. Nun ja, meine Entspannung wich einer kleinen Unruhe. Läuse? Wurmeier? Bitte nicht!!!

Als ich etwas später dann mit meinen Söhnen auf besagtem Boot stand, hörte ich die Frau am Telefon noch berichten, dass sie einem ihrer Kinder die Haare abgeschert hatte wegen der Läuse (ja, der kleine Glatzkopf spielte die ganze Zeit mit meinen Kindern oder zumindest rund um sie herum).

Ich beruhigte mich damit, dass Läuse ja in der Regel nur durch sehr nahen Körperkontakt und meines Wissens nach auch nicht übers Wasser übertragbar waren. Ich muss hinzufügen, wir hatten letztes Jahr über den Kindergarten einmal Läuse abbekommen und dieses Erlebnis reicht mir einmal im Leben. Nur damit du meine aufkeimende Panik nachvollziehen kannst 😉

Einmal waschen bitte!

Die Familie war dann schließlich dabei, langsam aufzubrechen. Frau Mutter ruft noch schnell ihre zwei Ältesten zusammen mit den Worten „Kommt, gehen wir uns noch schnell waschen, bevor wir gehen!“ Ich dachte, sie würde die Duschen anzielen, aber da tänzelte sie schon – einzig mit einem Bikinihöschen bekleidet – an mir vorbei und ließ sich in das ca. 20 cm hohe eiskalte Wasser des Spielplatzes fallen, ribbelte sich einmal schnell über ihren unbekleideten Körper und war wieder draußen. Ihre Kinder taten es ihr gleich.

Ich muss dazu sagen: gleich daneben gibt es offene Duschen, die ideal für solche körperlichen Reinigungen sind. Noch dazu hatten sie ihre Decken direkt neben den Duschen aufgelegt, also übersehen haben konnte sie sie auf keinen Fall. Aber ok, ich dachte mir eben meinen Teil und widmete mich wieder meiner selbst.

Und dann kam es noch dicker…

Mama, Freundin und alle ihnen eigenen Kinder waren bereits gereinigt und aus dem Spielplatz draußen, als der Familienvater plötzlich in Richtung Wasser spazierte. Ganz gemütlich in seiner Badehose und mit Handtuch um die Schulter. Ich ahnte schon, was gleich passierte. Aber es kam noch besser.

Herr Papa zog sich nun in aller Seelenruhe aus – wie gesagt: bis dahin war er zumindest noch in Badehose – und setzte sich gänzlich nackt ins Eiswasser, so als würde er seine private Badewanne besteigen. Ich und alle anderen Besucher konnten nicht anders als mit offenen Mündern auf diese skurrile Szene zu starren. Es war ähnlich  einem schrecklichen Unfall, bei dem man einfach nicht wegschauen kann…

„Bitte, wos is´n mit dem los?“

Einen Augenblick später hörte ich hinter mir zwei in Uniformen bekleidete Radfahrer ankommen, die diese sich uns allen darbietende Szene auch nicht fassen konnten. Sie bremsten sich ein und stürmten den Spielplatz, gingen sofort zu dem Vater und stellten ihn zur Rede.

Ich muss dazu sagen: die Situation stellte sich ihnen natürlich noch um einiges drastischer dar, denn der Mann war völlig alleine, seine Familie war ja schon längst über alle Berge und so war alles, was die Uniformierten sahen ein Nackter im Kinderbecken.

„Sind ja eh keine Kinder mehr da!“

Der Mann tat mir dann fast schon ein bisschen leid, denn er hatte ja wirklich enormes Pech, dass gerade in dem Moment, als er es sich so richtig gemütlich im Kinderbecken machen wollte, diese Parkwächter vorbei kamen. Seine Behauptung, dass gar keine Kinder mehr da seien, war wohl reine Notwehr. Mit gesenktem Haupt und blitzschnell bekleidet verließ er sogleich den Spielplatz.

„Mama, was macht der Mann da?“

Angesichts der Situation – ein (nackter) Mann, den alle Leute anstarren und der dann auch noch von zwei Männern in Uniform (für Kinder natürlich sofort als Polizisten eingestuft) laut und verärgert des Platzes verwiesen wird – waren natürlich meine Kinder sehr neugierig und wollten wissen, was da los ist.

Mein kleiner Mann fragte nach, aber mir fiel es wirklich schwer, ihm eine passende Antwort zu geben, da ich schließlich vor Lachen weinend da stand und nicht fassen konnte, wie absurd das Leben manchmal sein kann :-)))

Habt ihr auch schon ähnlich skurrile Situationen mit euren Zwergen gemeinsam erlebt? Dann schickt mir eure Anekdoten doch, verlinkt sie hier oder auf meiner Facebook Seite!! Ich freu mich auf lustige Geschichten 🙂

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Eure

Tamara_Schrift

„Brav hat er gegessen!“ – wenn traditionelle und moderne Erziehungsansichten aufeinander prallen

Hands of generations

Neulich war ich mit meinen Männern am Land, um die Uroma der kleinen Leute zu besuchen. Es ist jedes Mal wieder eine spannende Herausforderung für mich, die traditionell durch die Kriegs- und Nachkriegszeit geprägte Einstellung der Uroma mitzuerleben und mit ihr umzugehen. 

Mein großer Mann meint, sie hätte sich eh schon „gebessert“, sie halte sich schon viel mehr zurück als zu der Zeit, in der er noch Kind war. Dennoch: sie lässt immer noch oft genug erkennen, was sie für richtig und falsch hält in Sachen Kindererziehung. Und dass sich ihre Meinung nicht mit unserer deckt, wissen wohl beide Seiten.

„Sei brav und iss deinen Teller auf.“

Dieser Satz tut mir gleich doppelt weh. Einerseits weil er generell den Eindruck vermittelt, dass es darum geht, „brav“ zu sein, sprich: zu tun, was die großen Leute sagen, zu gehorchen, um geliebt zu werden. Andererseits weil das Kind damit aufgefordert ist, aufzuessen – unabhängig vom eigenen Hunger- und Sättigungsgefühl.

Dass die Uroma seinem kleinen Bruder verbal applaudierte, weil der „so brav“ seine Palatschinke gegessen hatte, forderte meinen kleinen Mann heraus. So nahm er sich noch eine vierte Palatschinke (obwohl er vorher schon sagte, er sei fertig) die er dann auch beim besten Willen nicht mehr aufessen konnte, nur um die alte Dame zu erfreuen.

Es schmerzt mir in der Seele, wenn ich sehe, was meine Kinder tun, um die urgroßmütterliche Anerkennung zu erhalten. Kinder haben unglaublich feine Antennen, sie merken sofort, was „von ihnen erwartet“ wird und wollen nur zu gern diese Erwartungen erfüllen.

„Zu meiner Zeit hätt´s das nicht gegeben!“

Die Uroma ist natürlich auch der Meinung, Kinder müssten bei Tisch sitzen bleiben bis alle fertig gegessen haben (bei uns zuhause dürfen die kleinen Leute aufstehen, wenn sie beide fertig sind), sie haben sich „gut zu benehmen“, wenn sie sich verletzen, dann „hätten sie besser aufpassen sollen“, auf Weinen ohne „ersichtlichen Grund“ reagiert sie mit Worten wie „na is ja nix, bist ja ein großer Bub, musst ja ned weinen“. Dass ein Kind beim Haare schneiden nicht still sitzen bleiben möchte, kann sie nicht nachvollziehen; dass ein Kind nicht verstehen kann, warum es bei einer Pflanze Blätter abrupfen darf, dies aber bei einer anderen uromaliche Schimpftiraden auslöst, ist ihr schleierhaft.

Und dass von Männern jeglichen Alters keinerlei Hilfe im Haushalt erwartet wird, weil die Frauen für diesen Bereich zuständig sind, versteht sich von selbst. Ganz nebenbei bemerkt.

Die Uroma denkt eben: ein Kind muss „sich benehmen“, und aus.

Woher das kommt, ist bei näherer Betrachtung nicht weiter verwunderlich. Sie ist in der Zwischenkriegszeit geboren, hat den zweiten Weltkrieg mit allem drum und dran miterlebt. Zu dieser Zeit ging es dem Regime vor allem um eines: die Menschen sollten der Führung blind gehorchen. Nachdenken, in Frage stellen, Kritisieren oder Aufbegehren waren nicht erwünscht. Nebenbei gab es nicht genügend zu essen, man musste an allen Ecken und Enden sparen, die Existenz vieler Menschen war gefährdet, die Stimmung von Angst geprägt. Dies alles spiegelte sich natürlich auch in der Kindererziehung wider.

 

Die Eltern hatten das Sagen, die Kinder nicht zu hinterfragen, sondern schlicht zu befolgen. Die Bedürfnisse der kleinen Leute wurden nicht groß beachtet. Gefühle waren fehl am Platz – die Menschen mussten lernen, hart zu werden. Anders hätten sie ihr Schicksal wohl nicht verkraften können. Kinder sollten vor allem eines: nach außen hin „anständiges Benehmen“ an den Tag legen, um vorzeigbar zu sein. Sie mussten Befehle befolgen, mit anpacken und viel zu viel Verantwortung übernehmen. Kinder, die in einer derartigen Umwelt aufwachsen, lernen von klein auf, dass ihre Bedürfnisse nicht zählen, dass emotionale Härte und Strenge wichtig sind zum Überleben und „brav“ zu sein die einzige Möglichkeit ist, ein Stückchen Anerkennung zu bekommen. Die Erwachsenen wiederum machten sich ihre Kinder gefügig, was hätten sie auch anderes tun können, aufgrund der äußeren Umstände? Als diese Kinder dann erwachsen wurden, war es für sie selbstverständlich, diese Werte auch ihren Kindern weiterzugeben, siehe Uroma.

Erst die folgende Generation fing langsam an, dies in Frage zu stellen (Stichwort: „68er“) und spürte erstmals den Wunsch, es anders zu machen. Aber die traditionellen Werte blitzen auch heute noch in vielen Familienstrukturen auf. Auch meine Eltern vertreten sie noch in vielerlei Hinsicht, ich bin mit vielen Anschauungen aus der „guten alten Zeit“ aufgewachsen, wurde dadurch „geprägt“. Erst seit meinem Studium wurde ich mir dessen bewusst, dass es auch Alternativen gibt und ich habe angefangen, mich moderneren Sichtweisen zuzuwenden, die weit mehr meinen eigenen Vorstellungen von Erziehung entsprechen. Auch ich habe dabei immer wieder gemerkt (bzw. merke es manchmal immer noch), dass es nicht immer einfach ist, aus alten Mustern, mit denen man selbst aufgewachsen ist, auszubrechen.

 

Wir können uns heute nicht anmaßen, über die Menschen zu urteilen, die in einer Zeit leben mussten, in der Krieg und Hungersnot herrschten; in der es darum ging, sich anzupassen, um zu überleben. Ich kann die Uroma ja irgendwo verstehen. Kann nachvollziehen, warum sie so denkt, wie sie eben denkt. Ihre Überzeugungen sind total kontrovers zu den meinigen, aber ich respektiere sie trotzdem. Und wenn mir ihre Bemerkungen, die sich an meine Kinder richten, zu weit gehen, schreite ich ein.

Das ist aber nur selten notwendig, denn (meine) Kinder sind nicht dumm. Sie können klar unterscheiden, wer was sagt und wo was gilt. So reicht allein schon ein Blick zwischen meinem kleinen Mann und mir, der zeigt, was wir beide wissen: die Regeln hier sind nicht unsere – zuhause ist es ohnehin anders.

Erziehung heute ist eben anders als damals.

Heute sind wir an einem Punkt angelangt, an dem es ein breites Spektrum von Meinungen und Arten der Kindererziehung gibt. Die meisten von ihnen zielen auf einen respektvollen und liebevollen Umgang mit Kindern ab, stellen die kindlichen Bedürfnisse in den Vordergrund. Eltern sehen sich immer mehr als Begleiter ihrer Kinder. Das Machtgefälle löst sich zunehmend auf. Eltern nutzen ihre von Natur aus gegebene Macht über das Kind nicht mehr dazu, es zu blindem Gehorsam zu erziehen. Auch Kinder dürfen heute „mitreden“, was lange Zeit nicht erlaubt war.

Eine negative Folge des breiten Spektrums an Erziehungsmethoden ist jedoch die Orientierungslosigkeit vieler Eltern. Früher war allen klar, wie ein Kind erzogen werden muss. Das „gute Benehmen“ war oberstes Ziel der Kindererziehung. Heute gibt es unglaublich viele unterschiedliche Methoden und Meinungen, die akzeptiert sind und sich in vielen Bereichen oft sehr ähnlich sind, manchmal aber auch in komplett gegensätzliche Richtungen tendieren. Sich in diesem „Erziehungsdschungel“ seine eigene Sicherheit in Bezug auf die Art und Weise, wie man sein Kind erziehen möchte, zu bewahren bzw. eine solche zu finden, ist für viele Eltern schwierig.

Was mich aber in meiner Meinung, dass es sinnvoll ist, die traditionelle Erziehung durch modernere Sichtweisen zu ersetzen, bekräftigt hat, ist das Ergebnis. Ich möchte keine Kinder, die blind gehorchen und das Gefühl haben, sie werden geliebt, wenn sie sich gut benehmen. Kinder, die in ihrem Erwachsenenleben noch mit den Folgen ihrer Erziehung zu kämpfen haben. Ich möchte meinen Kindern vielmehr eine Mutter sein, die ihre Bedürfnisse erkennt und bestmöglich auf sie eingeht. Ich will meinen Kindern die Sicherheit vermitteln, geliebt zu werden –bedingungslos. Es wäre schön, wenn sie später einmal sagen können: meine Eltern sind ein gutes Vorbild, so möchte ich es bei meinen Kindern auch machen. Zumindest im Großen und Ganzen.

Wie gesagt, ich respektiere auch die Sichtweise von Uroma und Co. Aber warum sollten wir nicht aus den Fehlern der früheren Generationen lernen und neue Wege einschlagen?

Wieder zurück daheim erstaunte mich mein kleiner Mann dann wieder einmal. Als wir mit dem Abendessen fertig waren und sein kleiner Bruder etwas auf dem Teller übrig gelassen hatte, sagte er plötzlich mit breitem Grinsen „Na, da hat er aber heute NICHT BRAV gegessen!“. Er hatte ganz offenbar verstanden, dass die Ansichten der Uroma nicht unsere sind, ohne dass wir es ihm groß erklären hatten müssen. Und wir alle mussten herzhaft über seine Aussage lachen…

 

Foto: Fotalia

Text: Tamara Jungbauer


„Mit diesem Beitrag nehme ich am Eltern Blog Award 2016 teil: www.scoyo.de/eltern/scoyo-lieblinge/blog-award/eltern-blog-award-bewerben.“

 

 

Warum ich meinen Kindern niemals sage „Hau zurück!“

Bestimmt kennst auch du Situationen wie diese nur zu gut: dein Kind kommt weinend auf dich zugelaufen und beschwert sich über ein anderes Kind, das es an den Haaren gezogen, geschubst, getreten, geschlagen oder sonst wie unschön behandelt hat. Natürlich klopft sofort der elterliche Beschützerinstinkt an deine Herzenstür, der Vergeltung für die körperlichen und seelischen Verletzungen deines geliebten kleinen Schatzes einfordern möchte. „Hau zurück!“ scheint da oft ein elterlicher Reflex zu sein. Warum ich meinen Kindern diesen Rat jedoch nicht mit auf den Weg gebe, hat gute Gründe, wie ich finde.

Natürlich möchte ich, dass sich meine Kinder gegen Ungerechtigkeiten wehren, sich verteidigen können und sich nicht alles gefallen lassen. Mir geht es nur um die Art und Weise, wie sie lernen, sich zu wehren. Ich persönlich möchte nicht, dass meine Söhne ihre Fäuste einsetzen, um ihren Standpunkt klar zu machen.

Wehren oder abwehren?

Es gibt für mich einen grundlegenden Unterschied zwischen den Begriffen „sich wehren“ und „abwehren“. Wenn ich Schläge, Tritte oder sonstige Angriffe auf meine Person instinktiv abwehre, um möglichst nicht verletzt zu werden, ist das eine völlig natürliche Reaktion.

Wenn ich hingegen den anderen aktiv haue, also nicht als natürliche Reaktion der Abwehr, sondern weil ich meinem Gegenüber zeigen möchte, dass ich „das auch kann“, dann wehre ich mich mehr oder weniger präventiv bzw. im Nachhinein. Nicht um mich unmittelbar instinktiv zu schützen, sondern ganz bewusst. Im juristischen Sinne würde ein solches Verhalten doch auch nicht als Notwehr durchgehen!!?!

„Hau zurück!“, aber fang nicht selbst an?!?

Wenn ich Gewalt generell ablehne, so bedeutet das doch auch, dass ich nicht möchte, dass mein Kind andere schlägt. Warum sollte es dann in Ordnung sein, dass mein Kind zurück schlägt? Macht das „zurück“ die Handlung an sich akzeptabel? Für mich nicht. Schlagen geht nicht – egal ob der eine anfängt oder die andere!

Nicht zurück zu hauen heißt nicht, dass man schwächer ist. 

Ganz im Gegenteil. Wenn mein Sohn zu mir kommt und sich darüber beklagt, dass ein anderes Kind ihn geschlagen hat, dann erkläre ihm, dass er klar und deutlich sagen soll, dass er das nicht möchte und das Kind damit aufhören soll. Wenn es das nicht tut, steht es meinem Sohn frei, sich aus der Situation zurück zu ziehen, Abstand zu nehmen. Mein 5Jähriger kann sich auf diese Weise im Kindergarten sehr gut abgrenzen. Er geht generell Kindern, die schlagen, aus dem Weg und sucht die Nähe zu anderen. So würde ich das selbst auch tun. Wenn Erwachsene ihre „Fäuste sprechen lassen“, finden wir das inakzeptabel. Dies bei Kindern zu fördern, erscheint dagegen Vielen als völlig normal.

Rangeleien, Balgen, Raufen fallen in eine andere Kategorie.

Ich möchte betonen, dass ich kindliche Raufereien und Rangeleien in eine andere Kategorie einordne. Dabei geht es ja um natürliches Kräftemessen, Körperkontakt und ähnliches, bei dem alle Beteiligten einverstanden sind und gleichermaßen profitieren.

Ich möchte, dass meine Kinder sich mit Worten zu wehren wissen, nicht mit Gewalt. Deshalb bekommen sie von mir niemals den Rat „Hau zurück!“ mit auf den Weg.

Wir wehren uns, aber wir schlagen nicht. 

 

Alles Liebe,

Deine

Tamara_Schrift

 

 

 

 

„Sag schön`Guten Tag´!“ – warum du dein Kind nicht zu „Höflichkeiten“ drängen solltest!

Es gibt sie immer wieder und bei jedem Kind: Situationen, in denen wir Eltern das Gefühl haben, unser Kind sollte doch bitte etwas sagen: „Guten Tag“, „Auf Wiedersehen“, „Bitte“ oder „Danke“ zum Beispiel. Es gehört sich doch schließlich so, oder? Wenn wir der redefreudigen Nachbarin begegnen, sollte doch auch unser Kind zumindest ein Wort des Grußes über die plötzlich zusammengepressten Lippen bringen, der Höflichkeit halber? Aber ist dem wirklich so oder überschreiten wir dabei nicht eine Grenze, die wesentlich bedeutsamer ist als jene gesellschaftlichen Vorgaben: nämlich die persönliche Grenze unseres Kindes?

Wir alle sind als Kind selbst darauf hingewiesen worden: sag schön bitte und danke, sei höflich und grüße immer freundlich. Das gehört sich einfach so. Natürlich ist es nicht von der Hand zu weisen: Höflichkeit ist eine gesellschaftliche Grundregel. Höfliche Umgangsformen machen soziales Miteinander nicht nur angenehmer, sondern überhaupt erst möglich. Demzufolge ist es auch wichtig, dass wir unseren Kindern möglichst früh diese Regeln vermitteln, damit sie lernen, was in verschiedenen Situationen von ihnen gesellschaftlich erwartet wird.

Motivieren ja, drängen nein.

Kleine Kinder lernen großteils durch Beobachtung. Das heißt, so wie wir uns in den unterschiedlichsten Situationen verhalten, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen, hat Einfluss auf das Verhalten unserer Kinder. Wenn wir respektvoll mit anderen umgehen, höflich und freundlich sind, werden auch unsere Kinder zu höflichen Menschen heranwachsen.

Dies bedeutet nicht, dass die kleinen Leute, sobald sie sich verbal auch nur halbwegs gut ausdrücken können, beginnen, dieses an uns beobachtete Verhalten selbst anzuwenden. Sie beobachten erst einmal und irgendwann werden sie selbst entsprechend handeln. Was wir dabei tun können ist, ihnen ein positives Beispiel zu sein. Wir können sie dazu motivieren, sich zu bedanken, wenn sie etwas bekommen, um etwas zu bitten, wenn sie etwas haben wollen usw. indem wir ihnen sagen, was wir von ihnen erwarten. Was wir allerdings nicht tun sollten ist, sie zu drängen oder gar für mangelnde Höflichkeit zu bestrafen.

Jedes Kind braucht seine Zeit.

Manche Kinder haben weniger Schwierigkeiten damit, etwa laut zu grüßen, als andere. Viele Kinder verstummen regelrecht, wenn sie angesprochen werden oder wenn sie das Gefühl haben, es wird von ihnen erwartet, dass sie etwas (Bestimmtes) sagen sollen. Dabei ist es oftmals weder Schüchternheit noch Angst oder Eigensinnigkeit, die die kleinen Menschen vom Reden abhalten. Vielmehr geht es darum, dass manche Kinder länger brauchen, ausgiebiger beobachten müssen, um sich mit Situationen und Menschen „anzufreunden“. Gerade besonders aufdringliche Menschen wie die redselige Nachbarin von nebenan oder die liebe Urstrumpftante, die die Kleinen mit tausend Fragen überhäufen, sie ungefragt in die Wangen kneifen, weil sie so süß sind usw. haben es da oft sehr schwer, wirklich Zugang zu den Kindern zu finden. Bei näherer Betrachtung ist dies auch vollkommen nachvollziehbar. Auch ich möchte nicht von der netten Nachbarin angetatscht werden.

Die kindlichen Grenzen achten.

Kinder haben, wie wir Erwachsenen auch, ihre persönlichen Grenzen. Sie haben das Recht darauf, sich erst einmal ausreichend ein Bild der Person bzw. Situation machen zu dürfen, ehe sie entscheiden, ob sie sich öffnen wollen oder eben nicht. Wenn die lästige Nachbarin das Kind verbal überhäuft -„Ja hallo, wie geht´s dir denn? Na, du bist aber wieder groß geworden!Wo gehst du denn hin? Warst du im Kindergarten heute? Na, warum sagst denn nix??“ – und es dabei vielleicht auch noch am Kopf tätschelt oder ähnliches, dann ist es doch kein Wunder, dass das Kind verstummt!

Ich habe es schon oft erlebt: Kinder öffnen sich, wenn man ihnen die Freiheit gibt, selbst zu entscheiden. Wenn ich dem Kind zeige, ich bin da und du kannst jederzeit zu mir kommen, so wird es viel eher bereit sein, sich zu öffnen, als wenn ich es mit Fragen zuschütte, ihm nicht von der Seite weiche und mich ihm sonst wie aufdränge.

Kinder brauchen Zeit. Sie wollen selbst entscheiden, wen sie wann an sich heran lassen. Überschreitet man ihre Grenzen immer wieder, indem man sie dazu anhält, dass sie mit Leuten sprechen, von denen sie sich überrollt fühlen oder bei denen sie sich (noch) nicht sicher genug fühlen, so zwingt man sie, ihre eigenen Grenzen zu missachten. Auf Dauer wird dadurch die kindliche Integrität verletzt.

Ein Gleichgewicht finden.

Wichtig erscheint mir daher, dass wir unseren Kindern ein gutes Vorbild sind und ihre persönlichen Grenzen respektieren und achten. Wir können sie auf ein Bitte und Danke hinweisen, wenn sie von uns etwas wollen. Wir können ihnen erklären, wann wir andere grüßen oder was wir in verschiedenen Situationen sagen, um die Höflichkeit zu wahren und das Miteinander zu ermöglichen. Noch besser als alles Erklären und Reden ist aber – wie so oft in der Erziehung – unsere Vorbildwirkung. Was wir tun und wie wir selbst uns verhalten ist Maßstab für das Verhalten unserer Kinder.

Und wenn sie dazu bereit sind, werden sie dieses Verhalten auch selbst in die Tat umsetzen.

Wie sag ich´s der aufdringlichen Nachbarin?

Ich als Mama komme immer wieder in Situationen, in denen meine kleinen Männer verstummen. Anfangs tat ich mir sehr schwer damit. „Warum redet er denn nix, ist er schüchtern?“ ist ein sehr beliebter Satz von Menschen wie der aufdringlichen Nachbarin. Während ich früher nicht wusste, was ich darauf sagen sollte, ist meine Antwort jetzt meist kurz und klar: „Nein, er braucht halt einfach seine Zeit.“ Manchmal füge ich dann auch noch ein „Und das ist auch ganz normal.“ hinzu, in die Richtung meines Sohnes gewandt.

Wenn meine kleinen Männer nicht reden wollen, übernehme ich das halt in solchen Situationen für sie. Dann sag ich eben „Danke“ für das Zuckerl, das sie bekommen, oder beantworte die Fragen, die an meine Kinder gerichtet sind an ihrer Stelle. Es ist nicht immer einfach, Verständnis und Geduld zu haben, den kleinen Leuten Zeit zu geben. Aber wir sollten ihre Grenzen akzeptieren. Sie reden eben dann, wenn es für sie passt. Das ist auch völlig in Ordnung so, eigentlich.

 

Deine

Tamara_Schrift

 

 

 

 


Foto: Fotalia

Ist mein Kind hochsensibel?

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Deine

Tamara_Schrift

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Liebe Mamas!Pregnant

Heute möchte ich mit euch einen Text aus Khalil Gibrans „Der Prophet“ teilen, den ich persönlich sehr berührend finde. Er passt, wie ich finde, sehr gut zu einer achtsamen und bindungsorientierten Form der Erziehung und Eltern-Kind-Beziehung, die das Kind als individuelles Wesen mit eigenen Bedürfnissen, Gedanken und Werten schätzt und respektiert.  ♥

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter

der Sehnsucht des Lebens

nach sich selbst.

Sie kommen durch euch,

aber sie sind nicht von euch,

und auch wenn sie bei euch sind, gehören sie euch nicht.

Ihr könnt ihnen eure Liebe geben,

aber nicht eure Gedanken,

weil sie ihre eigenen Gedanken haben.

Ihr könnt ihren Körpern eine Behausung geben,

aber nicht ihren Seelen,

weil ihre Seelen im Haus von  morgen wohnen,

welches ihr nicht betreten könnt,

noch nicht einmal in euren Träumen.

Ihr könnt versuchen,

wie sie zu sein,

aber versucht nicht sie euch anzugleichen,

das Leben geht nicht rückwärts,

noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen,

von denen eure Kinder

als lebende Pfeile abgeschossen werden.

Der Bogenschütze sieht das Ziel

auf dem Pfad der Unendlichkeit,

und Er biegt euch mit Seiner Kraft,

damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Möge das Gebogenwerden

in des Schützen Hand

Freude in euch auslösen.

So wie Er den fliegenden Pfeil liebt,

so liebt Er auch den Bogen,

der fest steht.

Eure

Tamara_Schrift

Das Indianerzelt

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Urlaub auf dem Land bei der Uroma ist Abenteuer pur für meine kleinen Männer. Sie können die Haustür aufmachen und in den riesigen Garten stürmen, den ehemaligen Stall des 300 Jahre alten Bauernhofes erkunden, das viele Holz, das überall herumliegt, weil die Uroma es zum Heizen und teilweise auch zum Kochen braucht, für diverse Spiele wie Aufeinandertürmen, Schlichten, in Kisten Packen und Herumtragen uvm. verwenden. Sie finden ständig irgendein Utensil, das erkundet und in seinen vielen Funktionen ausgiebig getestet werden will. So kann ein simples Stück Seil die Kinder einen ganzen Vormittag lang beschäftigen. Der kleine Bruder zieht es umher wie eine Nachziehente, der große Bruder knotet es überall fest, baut damit Fallen und fesselt seinen kleinen Bruder oder den Papa. Ein Besen wird zum Reiten benutzt, die zahlreichen Pflanzen und Blumen der Uroma mit Liebe und Ausdauer gegossen. Zum Glück ist es gerade sehr heiß und Wasser von pflanzlicher Seite überaus erwünscht.

Als wir an einem Nachmittag vom Badeteich zurückkommen, klagt mein kleiner dennoch über Langeweile. Auch wenn er es im ersten Moment nicht annehmen kann, versichere ich ihm, dass es durchaus gut ist, sich mal zu langweilen. Nachdem er einige Minuten missmutig seiner Langweile frönt, hat er offenbar einen Geistesblitz. Wie aus heiterem Himmel packt ihn die Kreativität und er beginnt, ein Indianerzelt zu bauen. Sein Papa hilft ihm dabei, die Holzstöcke oben zusammenzubinden und die Decke zu befestigen, alles andere macht mein Sohnemann selbst.

Ich staune wieder einmal, wie kreativ und euphorisch Kinder sein können, wenn sie etwas von sich aus tun, aus eigenem Antrieb und mit Ideen, die aus ihren kleinen Köpfen entwachsen, ohne irgendeinen äußeren Einfluss. Die Freude, die dabei entsteht, ist unermesslich und echt.

Ich habe den Moment, mein Kind bei diesem erfüllenden Erleben beobachten zu dürfen, einfach nur genossen und mich von seiner Freude anstecken lassen.

Einer der vielen wunderschönen kleinen Momente mit meinen Kindern, den ich achtsam und dankbar mit ihnen teilen durfte.