Von mütterlichen (online Rivalinnenkämpfen) und grenzenloser Erziehung

Bloggen braucht starke Ellbogen

Lange ist es her, dass ich auf dieser Seite einen Beitrag veröffentlicht habe. In letzter Zeit jedoch spüre ich so einen starken Impuls, etwas auszusprechen, das mich schon lange und immer wieder beschäftigt und verfolgt. Auch auf die Gefahr hin, dass wieder einige Leserinnen auf die Barrikaden gehen. Im Vorfeld möchte ich betonen, dass ich niemanden hier persönlich angreifen möchte. Genau das stört mich auch sehr am Bloggen in diesem Bereich und ist mit einer der Hauptgründe, weshalb ich mich davon zurückgezogen habe. Mit Ausnahmen wie dieser hier 🙂

Viele Mütter fühlen sich schnell angegriffen, wenn sie etwas über Kindererziehung lesen und viele Mamas sind von vornherein in einer Verteidigungsposition. Als müsste jede andauernd der Welt da draußen „beweisen“, dass sie die wahre Übermutter ist, die weiß, wie der Hase läuft und jeder gleich eine auf den Deckel haut, die es wagt, eine andere Meinung zu formulieren. Das finde ich anstrengend und nervig. Ich habe meinen Blog gegründet, um Müttern eine Stütze zu bieten, wenn sie danach suchen und nicht, um mich angreifen zu lassen für die Meinung, die ich vertrete. Zu schnell wird man jedoch angesichts des Dickichts an Elternblogs in eine solche Verteidigungsposition gedrängt. Wie neulich, als ich wider besseren Wissens aus Erfahrung nach langem mal wieder auf einen Hilferuf einer Mutter in einer dieser Müttergruppen geantwortet habe.

Meine Beobachtung: viele Eltern verwechseln heute Grenzenlosigkeit mit Liebe

Immer wieder beobachte ich, wie Mütter sich schwer tun, ihren Kindern gegenüber eigene Grenzen aufzuzeigen. Kinder werden immer mehr dazu getrieben, Entscheidungen zu treffen, die eigentlich ihre Verantwortung übersteigen. Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter können noch nicht selbst entscheiden, wann sie ins Bett gehen sollen, um ausreichend Schlaf zu bekommen oder was sie essen sollen, um eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu gewährleisten. Auch wie oft und was sie fernsehen obliegt noch nicht ihrem Verantwortungsbereich. Kinder sollen da entscheiden dürfen, wo sie bereits kompetent sind. Alles andere überfordert sie auf Dauer.

Die Folgen: Hilflose Eltern

Ich erlebe dann Eltern, die aus völliger Hilflosigkeit jeden Abend dieselben Probleme haben, ihr Kind endlich zum Schlafen zu bringen. Eltern, die sich wundern, dass ihr Kind nichts Gesundes isst, während sie ihm zwischendurch und kurz vor dem Essen noch Süßigkeiten erlauben. Ich erlebe Kinder, die ständig im Mittelpunkt stehen wollen, weil sie es nicht gewohnt sind, auch mal Kompromisse einzugehen oder ein Nein zu verkraften. Diese Kinder gelten dann oft fälschlicherweise als sehr „selbstbewusst“ – in Wahrheit steckt jedoch der Drang dahinter, so wie von den Eltern auch von anderen Mitmenschen immer das zu bekommen, was sie wollen.

Und wehe jenen, die sich den kleinen Herrschern in den Weg stellen! Das ertragen deren Eltern nämlich überhaupt nicht. Auch wenn sie eigentlich sehr sozial und liberal eingestellt sind: wenn es um das eigene Kind geht, ist alles anders. Es wird dann gern übersehen, dass der eigene Sprössling andere Kinder dirigiert, manipuliert und dabei auch gern die eigenen Fäuste einsetzt. Kriegt es dann – oh Wunder! – selbst mal etwas ab, wird das Gegenüber schnell mal angeklagt, denn die kleine Prinzessin/der kleine Prinz trägt doch niemals die Schuld!

Ich schreibe hier natürlich etwas überspitzt, aber die Tendenz vieler Eltern heute ist tatsächlich eine weg von jeglichen Grenzen und hin zu zu viel Freiheit, die für Kinder schlichtweg überfordernd wirkt.

Eltern sein, nicht Kumpels!

Ich bin keine Übermutter und ich hab die Weisheit, wie man Kinder erzieht, auch nicht mit dem Löffel gegessen. Ich mache tagtäglich Fehler, ich schreie hier und da mal rum und bereue es danach zutiefst. Ich spiele nicht in jeder freien Minute mit meinen Kindern und ich nehme mir bewusst Auszeiten im Alltag, denn anders würden meine Kräfte nicht bis zum Abend ausreichen. Meine Kinder dürfen viel selbst entscheiden und ich rede viel mit ihnen – auch und gerade über meine Grenzen. Ich nehme sie ernst in ihren Bedürfnissen, gleichzeitig nehme ich aber auch meine eigenen Bedürfnisse ernst. Ich habe meine Kinder niemals schreien lassen. Im Alter zwischen 3-4 Jahren aber habe ich ihnen dazu verholfen (bis dahin war immer entweder mein Mann oder ich bis zum Einschlafen bei ihnen), selbst in den Schlaf zu finden, wobei wir seit jeher ein sehr festes und ausgeprägtes Abendritual haben. Überhaupt haben wir sehr feste Rituale wie beispielsweise das gemeinsame Essen bei Tisch. Das ist fester Bestandteil unseres Alltags und verbindet uns. Auch diese Dinge fallen unter das Thema „Grenzen“, denn natürlich ist erst uns Eltern die Wichtigkeit solcher Rituale bewusst, damit wir sie unseren Kindern vermitteln können. Diese nehmen sie aber letztlich dankend an und fordern sie mit der Zeit auch selbst ein. Kinder brauchen Eltern, die klare Grenzen haben und keine Kumpels, die Entscheidungen auf der gleichen Ebene erwarten dürfen.

Meine Kinder sind sehr respektvoll im Umgang mit anderen Menschen und Tieren und das ist für mich – neben der Selbständigkeit – eines der wichtigsten Ziele von Erziehung überhaupt. 

Eltern, die ihren Kindern immer alles recht machen wollen und sich kaum trauen, nein zu sagen, hindern ihre Kinder letztlich auch daran, ihre Selbständigkeit (die sich ja nicht in Stufen, sondern permanent entwickelt) zu erlangen. Sie halten sie an der kurzen Leine, denn wenn mein Kind mich noch mit 6 Jahren am Bett sitzend braucht, um in den Schlaf zu finden, so ist es von mir abhängig. Es fühlt sich dadurch schwach und unselbständig. Lernt es hingegen mit liebevoller Begleitung, selbst einzuschlafen, wohl wissend, dass die Eltern nebenan und stets verfügbar sind, wenn es sie wirklich braucht, so ist es unabhängig und wahrhaft selbständig. 

Ich bin nicht perfekt und keine Übermutter, aber ich bin authentisch und wenn ich damit anderen Müttern ein Vorbild sein kann, freut mich das. Diejenigen, die damit nichts anfangen können, dürfen sich gerne andere Wege suchen. Dann aber bitte ohne gleich in den persönlichen Angriff überzugehen. Besser wäre eine gesunde Portion Selbstreflexion.

 

Danke an meine Leserinnen und alles Liebe weiterhin!

Eure Tamara

Kommt dann eh kein Böser??

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Mein kleiner Mann liebt Geschichten von Räubern, Gespenstern, Monstern, Hexen und Helden. Er spielt gerne den Batman oder lässt seine Ritter die Burg gegen Eindringlinge verteidigen, bringt als Polizist die „Bösen“ ins Gefängnis und wenn es brennt, dann kommt er als Feuerwehrmann zum Einsatz.

Kinder beginnen mit ca. drei Jahren, sich intensiv mit ihrer eigenen Phantasie zu beschäftigen, sie zu entwickeln und stetig zu erweitern. Märchen und andere Geschichten, die magische Inhalte vermitteln und dabei noch genügend Spielraum lassen für eigene Phantasien, gewinnen nun an Bedeutung. Das Spielverhalten des Kindes verändert sich – so werden Rollenspiele wichtig, um Szenen aus dem Alltag oder aus Geschichten immer wieder „durchzuspielen“ und neu aufzurollen, und zwar so lange, bis das Kind sie vollständig verarbeiten konnte.

Diese magische Phase, die bis ins zehnte Lebensjahr hinein andauert, ist eine Zeit der Phantasie, der Magie und Zauberei. Monster und Gespenster werden als real erlebt, auch wenn es sie nur in Geschichten gibt. Rationales Beschwichtigen damit verbundener Gefühle ist ebenso unwirksam wie unangebracht. Es hilft dem Kind nicht, gesagt zu bekommen, dass es diese Monster nicht gibt. Tatsache ist, das Kind erlebt sie als existierend – ob nun in der Realität oder nur in seiner Phantasie macht dabei keinen allzu großen Unterschied.

Die kindlichen Ängste ernst nehmen

Es ist also wichtig, dem Kind zu vermitteln, dass wir es ernst nehmen. Die Monster mögen zwar nicht real sein, die Ängste des Kindes jedoch sind es. Was zählt ist also, sie anzuerkennen und ihnen Raum zu geben.

Wenn das Kind von einem Monster oder ähnlichem spricht, kann es helfen, genauer nachzufragen: wie sieht es aus? Wie groß ist es? Welche Farbe hat es? Was macht es denn?

Auf diese Weise erfährt das Kind, dass es ernst genommen wird. Gleichzeitig werden viele Ängste kleiner, indem man ihnen einen Namen oder ein Gesicht gibt. Wir können das Kind auch dazu ermuntern, dass es sein Monster malt, wenn das verbale Beschreiben vielleicht schwer fällt.

Was wir jedoch vermeiden sollten ist, kindliche Ängste  mit Aussagen wie „da ist doch kein Monster“, „ist doch nicht schlimm“ oder ähnlichem abzutun.

Monsterfresserpuppe und Bösen-Falle

Es ist schon eine Weile her, dass ich mit meinem kleinen Mann zusammen eine Monsterfresserpuppe gebastelt habe. Sie liegt immer in seinem Bett und frisst – wie der Name schon sagt – alle Monster auf, die sich nächtens ins Kinderzimmer wagen.

Bei einem Gespräch mit ihm neulich erfuhr ich, dass es „die Bösen“ sind, die ihm zur Zeit am meisten zu schaffen machen – konkret: Diebe, Einbrecher und Räuber, die in unsere Wohnung eindringen könnten. Also haben wir gemeinsam überlegt und schließlich eine Falle gebaut: wir haben eine Schuhschachtel verziert, ein Loch in den Deckel geschnitten und mein Sohn hat noch einen Zettel drauf geschrieben: „Liebe Böse, hier habt ihr schönes Essen“ – ein Lockruf sozusagen 🙂

Dann noch einen Stein mit einem selbst erfundenen Zauberspruch belegt, in die Kiste gelegt – zusammen mit einer Decke aus Filz, denn wir wollen ja nicht, dass die Bösen es allzu ungemütlich haben und ein paar Süßigkeiten – und fertig war die Falle! Ach ja, zur Erklärung für alle, denen das Prinzip der Falle unbekannt ist: durch den Zauberstein werden die „Bösen“ klein wie eine Kartoffel und in die Kiste gezaubert, wo sie dann gefangen sind. Am nächsten Morgen können sie dann wieder in die Natur gelassen werden, denn – wie mein kleiner Mann feststellte – „die kommen dann nicht wieder“.

Kindern ihren eigenen Weg zur Angstbewältigung zugestehen

Wir können Kindern dabei helfen, ihre Ängste durchzustehen, sie dabei begleiten und bei Bedarf Trost spenden. Allerdings ist es auch wichtig Vertrauen in sie zu haben. Kinder finden ihren Weg, mit Ängsten fertig zu werden, auch wenn wir diesen oft nicht (gleich) verstehen können. So wie ein Kind seinen Kuschelhasen überall hin mitschleppt, wird ein anderes Kind zeitweilig einen imaginären Begleiter erfinden, wieder ein anderes braucht dafür den Schnuller noch ein Weilchen länger. Die Arten der Kinder, mit ihren Ängsten umzugehen, sind vielfältig und wertvoll. Deshalb sollten wir ihnen vertrauen und ihnen ihre eigenen Mittel und Wege lassen.

Fazit: Die Ängste von Kindern immer ernst nehmen. Vertrauen in die Kinder haben, sie dabei begleiten und ihnen ihren eigenen Weg mit ihrer Angst umzugehen, zugestehen.

Eure

Tamara_Schrift

Ich kann nicht schlafen!

Birgit von Mutti´s Nähkästchen hat uns Familienbloggerinnen in ihrer Rubrik #fragmama dazu aufgerufen, etwas zum Thema Schlafen beizusteuern. Dem möchte ich hiermit gerne nachkommen.


 

20130617_141906Schlafen ist ja so eine Sache, wenn man Kinder hat. Bei meinem ersten Sohn kriegte ich ein Jahr lang kaum ein Auge zu, alle ein bis zwei Stunden – beim kleinsten Schnupfen auch gern öfter – wurden mein Mann und ich geweckt. Ich zum Stillen. Er zum Rumtragen oder Bauch massieren. Durchgeschlafen hat der kleine Mann dann mit drei Jahren. Heute ist er fünf und das abendliche Einschlafen ist problemlos. Bei seinem kleinen Bruder lief es schlaftechnisch von Anfang an deutlich besser.

Sie schlafen inzwischen zusammen im Stockbett und wir haben seit jeher ein festes Abendritual: Erst geht es ab ins Bad zwecks nötiger Hygienemaßnahmen. Dann Pyjama anziehen und Gute Nacht Geschichten aussuchen. Anschließend liest Papa den beiden im Bett noch vor, danach kommt meist Mama, um noch mit beiden Jungs zu „beten“. Wir nennen es so, aber in Wahrheit ist es mehr ein Dankbarkeitsritual: wir lassen den Tag Revue passieren, erinnern uns gemeinsam an schöne Momente oder erzählen uns davon, wenn wir sie nicht gemeinsam erlebt haben, sind dankbar für sie und für unser Leben generell. Danach wird das Licht ausgemacht und die Tür bleibt offen, damit das Licht von draußen hinein leuchtet.

Bis auf Ausnahmen (wenn mein kleinster Mann nochmal nach uns ruft) funktioniert das in der Regel sehr gut. Ich denke, es ist wichtig, dass die Schlafsituation für alle passt – also für das Kind, aber auch für die Eltern. Ich kann nicht schlafen, wenn ein rotierendes Kind neben, auf und über mir liegt. Ein Familienbett kommt daher für mich nicht in Frage. Meine Kinder bekommen aber auf anderem Weg die Zuneigung und Nähe, die ihnen die Sicherheit gibt, vertrauensvoll einschlafen zu können. Es gibt, wie immer, kein Patentrezept. Wir können nur individuell entscheiden, was das Kind braucht, um in einen entspannten Schlaf zu finden.


 

Wie geht es euch mit diesem Thema? Habt ihr Schwierigkeiten, Tipps oder wollt ihr einfach erzählen, wie es bei euch läuft? Ich freu mich auf eure Antworten!

Eure

Tamara_Schrift

 

Angebot

 Die Herzenspädagogische Familienbegleitung und -beratung für dich

Kostenloses Informationsgespräch

Hast du Interesse, bist aber noch unsicher, ob die Herzenspädagogische Familienberatung etwas für dich ist? Möchtest du mich persönlich kennen lernen und dir ein besseres Bild von meiner Arbeit machen?

Bei einem kostenlosen Infogespräch erkläre ich dir vorab, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte, du kannst mir schon einmal in Umrissen erzählen, worum es geht und dir so einen besseren Eindruck machen.

Anfrage unter: jungbauer@erziehungskiste.net 

Einzelsetting

Beim Einzelsetting komme ich zu dir nach Hause*. Auf diese Weise ersparst du dir die Wegzeit und kannst in deiner gewohnten familiären Umgebung über die Themen sprechen, die dir am Herzen liegen. Dein/e Kind/er  ist/sind dabei sehr willkommen und erwünscht.

*Auf Wunsch können wir die Beratung auch gern bei mir machen.

Kosten: 70€ für das Erstgespräch (Dauer: 90 Minuten)

50€ für jede weitere Einheit (1 Einheit = 60 Minuten)

Gruppensetting

Wenn du eine Freundin mit ähnlichen Problemen hast oder mehrere andere Eltern findest, die Interesse daran haben, zu einem speziellen pädagogischen Thema mehr zu erfahren, so biete ich auch Gruppenbegleitungen an. Gruppengröße: 2 bis maximal 5 Eltern.

Ort: bei dir zu Hause, auf Wunsch auch bei mir möglich.

Kosten: 70€ pro Einheit (1 Einheit = 60 Minuten)

Email Beratung

Diese hat den Vorteil der zeitlichen Flexibilität. Du schreibst mir unter jungbauer@erziehungskiste.net, wann es sich für dich am besten einrichten lässt und erhältst von mir so rasch wie möglich eine ausführliche Antwort. Die Online Begleitung erfolgt über einen Zeitraum von 4 Wochen, in dem ich dich zu sämtlichen Fragen online begleite. Sie ist kostengünstiger, da bei dieser Variante die Wegzeit für mich wegfällt.

Starttermin der Online Beratung ist das Datum des Zahlungseingangs.

Kosten: 60€ für die erste Einheit (1 Einheit = 1 Monat)

50€ für jede weitere Einheit

Online Sprechstunde

Vorteile der Online Sprechstunde:

  • – die zeitliche Flexibilität: du entscheidest, wann du dir Zeit nehmen möchtest. Zusätzliche Wegzeiten fallen weg, es bleibt mehr Raum für das Wesentliche.
  • – schriftliche Beratung kommt schneller auf den Punkt: sich schriftlich auszudrücken bedarf schon einer gewissen gedanklichen Vorbereitung – ich überlege erst, dann schreibe ich. Dadurch erspart man sich viel „zwischen den Zeilen“.
  • – Vorteile gegenüber der Email Beratung: die sofortige Beantwortung deiner Fragen, die Möglichkeit zum live Austausch (so sind Rückfragen direkt möglich anstatt zeitversetzt).
  • – Da die Online Sprechstunde in 30 Minuten Einheiten buchbar ist, kannst du sie auch gut für Fragen zwischendurch nutzen.

Wie funktioniert die Online Sprechstunde?

Du schreibst mir eine Email unter jungbauer@erziehungskiste.net oder rufst mich an (siehe Kontaktdaten rechte Spalte) und wir vereinbaren einen Termin, der für dich passt. Die Online Sprechstunde findet entweder über einen privaten Chat (dessen Link ich dir jeweils zusende), telefonisch oder via Skype statt.

Damit wir so bald wie möglich loslegen können, bitte ich dich, mir in der Zwischenzeit die Kosten für die Beratungseinheit auf mein Konto zu überweisen.

Kosten: 20€ pro Einheit (1 Einheit = 30 Minuten)


Sozialtarif: 

Hast du dringend Bedarf an pädagogischer Beratung, befindest dich aber in einer finanziell schwierigen Lage? Ich biete laufend eine gewisse Anzahl von Plätzen mit Sozialtarif an. Einfach nachfragen!


Hinweis: In jedem Fall behandle ich deine Daten absolut vertraulich, die Beratung erfolgt unter Datenschutz und auf Wunsch auch anonym. 

Außerdem in der Erziehungskiste:

Mein Online Kursangebot

Interesse?

Dann schicke mir ein Mail an jungbauer@erziehungskiste.net 

 

 

Ich freu mich auf ein Kennenlernen!

Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS)

ADHS ist eine hyperkinetische Störung, für die es in der Regel bereits vor dem 6. Lebensjahr erste Anzeichen gibt. Es handelt sich dabei um eine Art von Erkrankung, die sich oft nur schwer diagnostizieren lässt. Je stärker die Symptome, desto dringender ist der Behandlungsbedarf.

Laut Weltgesundheitsorganisation ist die Gesundheit eines Menschen „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens“. In diesem Sinne ist ADHS dann behandlungsbedürftig, wenn die Ausprägung der Symptome zu einer deutlichen Beeinträchtigung im Leistungs- und Sozialbereich führen, der Betroffene darunter leidet oder gar weitere psychische Störungen (Suchtgefahr, Depressionen, Aggressivität) die Folge sein können.

Die Kernsymptome von ADHS sind Hyperaktivität, mangelnde Aufmerksamkeit und Impulsivität – wobei Ausprägung und Gewichtung individuell unterschiedlich sind.

ADHS liegt (nur) vor, wenn

  1. unaufmerksames und impulsives Verhalten mit oder ohne deutliche Hyperaktivität ausgeprägt ist
  2. nicht dem Alter und Entwicklungsstand entspricht und
  3. zu deutlicher Beeinträchtigung in verschiedenen sozialen Bezugssystemen und im Leistungsbereich von Schule und Beruf führt.

(Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder-und Jugendärzte e.V.)

Die Unaufmerksamkeit und Ablenkbarkeit, das (unbeabsichtigte) Abdriften in neue Gefilde zeigt sich in allen Lebensbereichen. Manchmal auch nur im Kopf. Irgendein Stichwort, und man ist mit den Gedanken völlig woanders und hört gar nicht mehr zu.

Das hyperaktive Verhalten ist anhaltend und kann durch Verbote oder den sozialen Kontext (d.h. wenn es in Situationen absolut nicht passt) kaum beeinflusst werden.

Wichtig ist, dass immer Alter, Reife und Temperament berücksichtigt werden. Für ein gesundes, junges, lebendiges Kind ist es „normal“, dass es sich gerne bewegt, springt und hüpft (auch auf den Betten oder über Tisch und Bänke).

Es kommt also nicht auf die „Wildheit“ an,

  • sondern auf die mangelnde Selbstkontrolle der Aktivitäten und
  • die Umtriebigkeit und Ziellosigkeit dabei und
  • dass das Verhalten im Bezug auf Alter und Entwicklung im deutlichen Missverhältnis steht.

Es geht hier um die Menschen, denen die altersentsprechende Impulskontrolle trotz guten Willens nicht gelingt und die dadurch in Schule, Beruf und Privatleben in große Schwierigkeiten kommen. Es geht um die, die immer ins gleiche „Fettnäpfchen“ treten und daran leiden.

Die Gefahr ist nur, dass durch die sozialen Folgen und Reaktion der Mitmenschen, sich zusätzlich noch weitere psychische Störungen einstellen.

Probleme, die sich für die Betroffenen im Alltag ergeben:

  • Einschlafprobleme
  • Stören im Unterricht
  • Krakelige Schrift, Ungeschicklichkeit
  • Permanentes Grenzen Austesten
  • Geringe Frustrationstoleranz
  • Lernschwierigkeiten, Schulprobleme
  • Mangelnde Ausdauer
  • Aufgedrehtsein
  • Soziale Beziehungsstörung  (Aggressivität, Angeberei, Überempfindlichkeit)
  • Entwicklungsverzögerung

Kinder mit ADHS zeigen aber auch eine Vielzahl positiver Wesenszüge:

Viele von ihnen haben

  • einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf andere bezogen
  • eine spontane, ausgesprochene emphatische Hilfsbereitschaft
  • eine ausgeprägte Offenheit für alles Mögliche
  • oft eine große Liebe zu Tieren und zur Natur
  • reagieren, wenn es wirklich drauf ankommt, prompt und meist souverän
  • erkennen übersensibel (und oft mit intuitiver Begabung) Stimmungen bei ihm bekannten Menschen (wenn sie nicht selbst übererregt sind)
  • sind harmoniebedürftig, mögen schöne Farben und Formen um sich herum
  • sind oft äußerst kreativ
  • haben häufig eine guten Orientierungssinn
  • sind oft begeisterungsfähig und schnell von etwas fasziniert
  • sind ist nach einem Streit nicht nachtragend, wenn sich der Streitpartner ernsthaft entschuldigt hat (auch noch nach Jahren!)

Aufstellung nach Cordula Neuhaus in „Lass mich, doch verlass mich nicht“

Jesper Juul hat zum Thema ADHS ein interessantes Interview in einem Standard Artikel gegeben. Er stellt dabei einen direkten Zusammenhang zwischen unserem oftmals gestressten Lebensstil sowie der Durchstrukturierung des kindlichen Alltags und der Entstehung von ADHS her. Dass Stress auch unsere Kinder krank machen kann halte ich für sehr wahrscheinlich. Viele Eltern glauben, dass sie die  Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen oder die ihre Kinder als Freizeit erleben, komplett durchgeplant und organisiert werden muss. Von „freier Zeit“ bleibt für die Kinder dann oftmals kein Spielraum, um wirklich frei zu spielen, sich auch ab und zu mal zu langweilen, um Kreativität überhaupt erst entwickeln zu können.

Die Ursachen für ADHS sind noch nicht vollkommen erforscht. Hinsichtlich der Diagnose gibt es heute viel Skepsis – das Schlagwort „Modediagnose“ wird in diesem Zusammenhang sehr oft verwendet. ADHS als Diagnose gibt es schon seit langer Zeit; der Umstand aber, dass in den letzten Jahren scheinbar immer mehr Kinder unter dieser Störung leiden und oftmals mit Medikamenten behandelt werden, gibt vielen Menschen zu denken. Wie bereits erwähnt, ist eine entsprechende Diagnose nicht immer klar und eindeutig zu stellen. Nicht jedes zappelige, termperamentvolle Kind hat ADHS.

Auch hinsichtlich der Behandlung dieser Erkrankung gibt es unterschiedliche Therapieformen – von Psychotherapie, verhaltenstherapeutischen und aufmerksamkeitsfördernden Methoden bis hin zu medikamentöser Therapie. Ich habe vor einiger Zeit eine interessante Reportage auf 3Sat zu dem Thema gesehen. Hier findet sich der Link dazu.

Bestimmt ist für einige Kinder eine medikamentöse Therapie sinnvoll und notwendig. Ich frage mich aber, ob es nicht für viele Kinder sinnvollere Wege gibt, mit den Symptomen von ADHS umzugehen, ihre Aufmerksamkeit zu stärken und ihre Hyperaktivität in die richtigen Bahnen zu lenken. Die Reportage zeigt mehrere betroffene Kinder mit ihren Familien und die Wege, wie diese mit der Erkrankung umgehen und auf welche Art und Weise die Kinder behandelt werden.


Tamara Jungbauer