Von mütterlichen (online Rivalinnenkämpfen) und grenzenloser Erziehung

Bloggen braucht starke Ellbogen

Lange ist es her, dass ich auf dieser Seite einen Beitrag veröffentlicht habe. In letzter Zeit jedoch spüre ich so einen starken Impuls, etwas auszusprechen, das mich schon lange und immer wieder beschäftigt und verfolgt. Auch auf die Gefahr hin, dass wieder einige Leserinnen auf die Barrikaden gehen. Im Vorfeld möchte ich betonen, dass ich niemanden hier persönlich angreifen möchte. Genau das stört mich auch sehr am Bloggen in diesem Bereich und ist mit einer der Hauptgründe, weshalb ich mich davon zurückgezogen habe. Mit Ausnahmen wie dieser hier 🙂

Viele Mütter fühlen sich schnell angegriffen, wenn sie etwas über Kindererziehung lesen und viele Mamas sind von vornherein in einer Verteidigungsposition. Als müsste jede andauernd der Welt da draußen „beweisen“, dass sie die wahre Übermutter ist, die weiß, wie der Hase läuft und jeder gleich eine auf den Deckel haut, die es wagt, eine andere Meinung zu formulieren. Das finde ich anstrengend und nervig. Ich habe meinen Blog gegründet, um Müttern eine Stütze zu bieten, wenn sie danach suchen und nicht, um mich angreifen zu lassen für die Meinung, die ich vertrete. Zu schnell wird man jedoch angesichts des Dickichts an Elternblogs in eine solche Verteidigungsposition gedrängt. Wie neulich, als ich wider besseren Wissens aus Erfahrung nach langem mal wieder auf einen Hilferuf einer Mutter in einer dieser Müttergruppen geantwortet habe.

Meine Beobachtung: viele Eltern verwechseln heute Grenzenlosigkeit mit Liebe

Immer wieder beobachte ich, wie Mütter sich schwer tun, ihren Kindern gegenüber eigene Grenzen aufzuzeigen. Kinder werden immer mehr dazu getrieben, Entscheidungen zu treffen, die eigentlich ihre Verantwortung übersteigen. Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter können noch nicht selbst entscheiden, wann sie ins Bett gehen sollen, um ausreichend Schlaf zu bekommen oder was sie essen sollen, um eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu gewährleisten. Auch wie oft und was sie fernsehen obliegt noch nicht ihrem Verantwortungsbereich. Kinder sollen da entscheiden dürfen, wo sie bereits kompetent sind. Alles andere überfordert sie auf Dauer.

Die Folgen: Hilflose Eltern

Ich erlebe dann Eltern, die aus völliger Hilflosigkeit jeden Abend dieselben Probleme haben, ihr Kind endlich zum Schlafen zu bringen. Eltern, die sich wundern, dass ihr Kind nichts Gesundes isst, während sie ihm zwischendurch und kurz vor dem Essen noch Süßigkeiten erlauben. Ich erlebe Kinder, die ständig im Mittelpunkt stehen wollen, weil sie es nicht gewohnt sind, auch mal Kompromisse einzugehen oder ein Nein zu verkraften. Diese Kinder gelten dann oft fälschlicherweise als sehr „selbstbewusst“ – in Wahrheit steckt jedoch der Drang dahinter, so wie von den Eltern auch von anderen Mitmenschen immer das zu bekommen, was sie wollen.

Und wehe jenen, die sich den kleinen Herrschern in den Weg stellen! Das ertragen deren Eltern nämlich überhaupt nicht. Auch wenn sie eigentlich sehr sozial und liberal eingestellt sind: wenn es um das eigene Kind geht, ist alles anders. Es wird dann gern übersehen, dass der eigene Sprössling andere Kinder dirigiert, manipuliert und dabei auch gern die eigenen Fäuste einsetzt. Kriegt es dann – oh Wunder! – selbst mal etwas ab, wird das Gegenüber schnell mal angeklagt, denn die kleine Prinzessin/der kleine Prinz trägt doch niemals die Schuld!

Ich schreibe hier natürlich etwas überspitzt, aber die Tendenz vieler Eltern heute ist tatsächlich eine weg von jeglichen Grenzen und hin zu zu viel Freiheit, die für Kinder schlichtweg überfordernd wirkt.

Eltern sein, nicht Kumpels!

Ich bin keine Übermutter und ich hab die Weisheit, wie man Kinder erzieht, auch nicht mit dem Löffel gegessen. Ich mache tagtäglich Fehler, ich schreie hier und da mal rum und bereue es danach zutiefst. Ich spiele nicht in jeder freien Minute mit meinen Kindern und ich nehme mir bewusst Auszeiten im Alltag, denn anders würden meine Kräfte nicht bis zum Abend ausreichen. Meine Kinder dürfen viel selbst entscheiden und ich rede viel mit ihnen – auch und gerade über meine Grenzen. Ich nehme sie ernst in ihren Bedürfnissen, gleichzeitig nehme ich aber auch meine eigenen Bedürfnisse ernst. Ich habe meine Kinder niemals schreien lassen. Im Alter zwischen 3-4 Jahren aber habe ich ihnen dazu verholfen (bis dahin war immer entweder mein Mann oder ich bis zum Einschlafen bei ihnen), selbst in den Schlaf zu finden, wobei wir seit jeher ein sehr festes und ausgeprägtes Abendritual haben. Überhaupt haben wir sehr feste Rituale wie beispielsweise das gemeinsame Essen bei Tisch. Das ist fester Bestandteil unseres Alltags und verbindet uns. Auch diese Dinge fallen unter das Thema „Grenzen“, denn natürlich ist erst uns Eltern die Wichtigkeit solcher Rituale bewusst, damit wir sie unseren Kindern vermitteln können. Diese nehmen sie aber letztlich dankend an und fordern sie mit der Zeit auch selbst ein. Kinder brauchen Eltern, die klare Grenzen haben und keine Kumpels, die Entscheidungen auf der gleichen Ebene erwarten dürfen.

Meine Kinder sind sehr respektvoll im Umgang mit anderen Menschen und Tieren und das ist für mich – neben der Selbständigkeit – eines der wichtigsten Ziele von Erziehung überhaupt. 

Eltern, die ihren Kindern immer alles recht machen wollen und sich kaum trauen, nein zu sagen, hindern ihre Kinder letztlich auch daran, ihre Selbständigkeit (die sich ja nicht in Stufen, sondern permanent entwickelt) zu erlangen. Sie halten sie an der kurzen Leine, denn wenn mein Kind mich noch mit 6 Jahren am Bett sitzend braucht, um in den Schlaf zu finden, so ist es von mir abhängig. Es fühlt sich dadurch schwach und unselbständig. Lernt es hingegen mit liebevoller Begleitung, selbst einzuschlafen, wohl wissend, dass die Eltern nebenan und stets verfügbar sind, wenn es sie wirklich braucht, so ist es unabhängig und wahrhaft selbständig. 

Ich bin nicht perfekt und keine Übermutter, aber ich bin authentisch und wenn ich damit anderen Müttern ein Vorbild sein kann, freut mich das. Diejenigen, die damit nichts anfangen können, dürfen sich gerne andere Wege suchen. Dann aber bitte ohne gleich in den persönlichen Angriff überzugehen. Besser wäre eine gesunde Portion Selbstreflexion.

 

Danke an meine Leserinnen und alles Liebe weiterhin!

Eure Tamara

Keine Erziehung ist auch keine Lösung – vom Dschungel der Erziehungsstile und dem Druck, alles richtig zu machen.

Erziehung ist ein Prozess, der sich stetig weiter entwickelt. Er findet in der Beziehung zwischen Eltern und Kind statt. Es ist also eigentlich gar nicht möglich, nicht zu erziehen. Doch wie diese Erziehung genau aussehen soll, darüber scheiden sich heute wirklich viele Geister. Eltern haben es so schwer wie noch nie, sich darüber klar zu werden, wie sie ihr Kind denn nun erziehen wollen.

Doch erst mal zur Begriffsklärung.

Für mich bedeutet Erziehung zunächst einmal Arbeit an mir, als Mutter, selbst. Um meinem Kind meine eigenen Werte vermitteln und weitergeben zu können, muss ich mir erst einmal selbst darüber im Klaren sein, welche Werte und Normen für mich gelten und wo meine persönlichen Grenzen liegen.

Wir als Eltern lernen, wenn wir in Beziehung zu unserem Kind treten, auch viel über uns selbst, überdenken und definieren zum Teil unsere Anschauungen und Verhaltensweisen neu, reflektieren unser Handeln, lernen unsere eigenen Grenzen immer wieder neu kennen. Wir wachsen sozusagen mit unserem Kind mit.

In diesem Erziehungsprozess, der ja in Wahrheit nichts anderes ist als ein wechselseitiger Lernprozess, haben wir Eltern jederzeit die Möglichkeit zu Reflexion und Veränderung. Wir Eltern lernen mit dem Elternsein stetig dazu. Dass es dabei neben den vielen schönen Momenten des Elterndaseins auch immer wieder zu Unsicherheiten, Hilflosigkeit und dem Gefühl, komplett zu versagen, kommen kann, ist also vollkommen natürlich. Wir sind schließlich nicht perfekt. Fehler gehören dazu, wir sollen und dürfen sie machen. Dies anzunehmen, nimmt uns sehr viel Druck von den elterlichen Schultern.

Autoritär? Antiautoritär? Laissez-faire? Montessori? Waldorf? Pikler? Ohne Gewalt! Partnerschaftlich? Oder doch so wie Herr Juul meint: als „Leitwolf“?  Was ist denn nun „richtig“?

Es gibt inzwischen so viele unterschiedliche Meinungen und Richtungen zum Thema Erziehung, dass einem schwindlig werden könnte. Während noch vor rund 100 Jahren jeder wusste, was mit „Erziehung“ gemeint ist und wie eine solche auszusehen hat, haben sich in den letzten Jahrzehnten unzählige Strömungen entwickelt. Das ist einerseits sehr gut, denn wir sind uns ja heute darüber im Klaren, dass die Erziehung zu striktem Gehorsam eben nicht das ist, was Kindern eine gesunde Entwicklung ermöglicht.

Andererseits bewirken diese vielen unterschiedlichen und zum Teil sehr kontroversen Richtungen auch, dass viele Eltern verunsichert sind und Angst haben, etwas so grundlegend falsch zu machen, dass sie ihrem Kind dauerhaft ernsten Schaden zufügen könnten.

Manche Expertinnen und Experten meinen, Kindern Grenzen zu setzen wäre wichtig, andere legen das Thema Grenzen so aus, als wären diese an sich ein autoritäres Mittel, um sich Kinder untertan zu machen. Es gibt auch Expertinnen, die beim Begriff „Grenze“ aufschreien, aber bei genauerer Betrachtung selbst für ebensolche Grenzen eintreten, diese Tatsache eben nur anders benennen. Dies zu überblicken und zu erkennen, ist für Laien nicht immer einfach.

So werden Montessoris (ohne Frage gute) Ansätze teilweise solcherart in die Praxis umgesetzt, dass die Kinderzimmer der Kleinsten schon mit Fördermaterial vollgefüllt werden, was bei genauerer Betrachtung eigentlich dem Grundgedanken Montessoris erst recht widerspricht: nämlich das Kind nicht zu „überfördern“, sondern es sich seinem Tempo und Bedarf entsprechend einfach entwickeln zu lassen.

Ohne Frage meinen es die Betreffenden nur gut – aber wohl aus dem Hintergrund heraus, dass sie unter dem Druck, es besonders gut machen zu wollen, es dann doch übertreiben.

Eine weitere Entwicklung, die mich persönlich regelrecht verärgert ist die, dass Lob heutzutage gern generell verteufelt wird- ohne dabei zu berücksichtigen, dass Kinder Individuen mit unterschiedlichen Bedürfnissen sind. Viele hochsensitiven Kinder beispielsweise brauchen vermehrt Lob und Bestätigung, weil sie von Natur aus dazu neigen, an sich selbst zu zweifeln. Wenn deren Eltern sich davon „überzeugen“ lassen, dass zu viel Lob generell mehr schadet als nutzt und sie deshalb ihr Lob zu sehr einschränken, kann dies also dem Wohl ihres hochsensitiven Kindes letztlich erst recht abträglich sein.

Manche sogenannten Expertinnen und Experten in Erziehungssachen gehen sogar so weit, zu behaupten, wir bräuchten eine Ent-ziehung von der Er-ziehung. Das halte ich persönlich für unsinnig bis gefährlich.

Ich sehe immer mehr Eltern, die sich kaum noch trauen, ihrem kleinen Schatz gegenüber ein klares „Nein“ auszusprechen.

Mütter, die lieber nachgeben, um ihr Kind in dem jeweiligen Moment nicht zu enttäuschen, als dass sie eine Grenze setzen, die dem kindlichen Wohl letztendlich sehr zugute kommen würde. Ich sehe der heutigen Entwicklung, die „weg von der Erziehung“ geht, mit großer Skepsis und Sorge entgegen.

Meiner Ansicht nach ist Erziehung eine natürliche Notwendigkeit. Wie bereits erwähnt, können wir gar nicht nicht erziehen. Erziehung bedeutet für mich auch, dass wir Eltern unseren Teil der Verantwortung übernehmen – nämlich in allen Belangen, in denen das Kind noch auf unsere Erfahrung und Fürsorge angewiesen ist.

Ent-ziehen wir uns dieser Verantwortung, so werden aus unseren Kindern verunsicherte, tyrannische und letztlich hilflose kleine Wesen, die sich in weiterer Folge zu narzißtischen, egoistischen Erwachsenen mit geringem Selbstwert entwickeln. Chronische Überforderung durch ein zu hohes Maß an Verantwortung wirkt sich negativ auf Kinder aus.

Deswegen bereitet mir der heutige Trend zur partnerschaftlichen Erziehung Bauchschmerzen.

Wenn wir unsere Kinder als „Partner“ behandeln, so rauben wir ihnen ihre Kindheit. Wir entziehen uns dadurch unserer Verantwortung und legen diese dem Kind auf. Es soll Entscheidungen treffen, für die es noch gar nicht reif ist. Das überfordert es dauerhaft, was seiner aktuellen und zukünftigen gesunden Entwicklung abträglich ist.

Den Druck, perfekt zu sein, loslassen.

Der englische Psychoanalytiker und Kinderarzt Donald Winnicott prägte Anfang des 20. Jahrhunderts den Begriff der sogenannten „good enough mother“, also der „ausreichend guten Mutter“. Damit ist gemeint, dass Kinder keine perfekte Mutter (respektive Vater) brauchen, sondern eine Mutter, die „ausreichend gut“ ist, um die Bedürfnisse ihres Kindes zu befriedigen. Nur so kann es, laut Winnicott, dem Kind zum gegebenen Zeitpunkt auch gelingen, sich auf natürliche Weise von seiner Mutter abzulösen, um die von ihm zu erfüllenden Aufgaben selbst bewältigen zu können.

Anstatt uns an irgendwelche vorgefertigten Erziehungsstile anzupassen und kategorische Regeln zu befolgen, die angeblich bei jedem Kind wirken, sollten wir also diesen Druck, perfekte Eltern sein zu wollen, los- und uns lieber auf unser Kind einlassen. 

Die Welt, in der wir leben, ist bekanntlich nicht perfekt. Wir Eltern sind es auch nicht und sollen es auch nicht sein wollen. Echt und greifbar zu sein, Fehler zu machen und zu selbigen zu stehen – das ist viel besser als „perfekt“ zu sein. Wichtig ist, dass wir authentisch bleiben und das, was wir von unseren Kindern erwarten, auch selbst vorleben. So, wie wir wollen, dass unsere Kinder sich verhalten, sollten wir es zuerst selbst tun!

Was sagt der Bauch?

Eine wesentliche Rolle in der Erziehung und somit in der Eltern-Kind-Beziehung spielt meiner Meinung nach, die Intuition. Heute fällt es vielen Eltern schwer, Zugang zu selbiger zu finden. Wir sind ständig von anderen Menschen umgeben, die alle irgendwelche, oft festgesetzten, Meinungen haben und diese gerne kundtun.

Sobald ein Kind da ist, wird man als Mutter oder Vater regelrecht bombardiert mit den Meinungen anderer (zumeist) Eltern. Doch nicht jeder, der selbst Kinder hat, ist allein deshalb automatisch Experte in Sachen Kindererziehung. Jemand, der die eigenen Erfahrungen direkt auf die Erziehung eines anderen Kindes umlegt, bestätigt damit nur, dass er in Wahrheit wenig Ahnung von der Materie hat.

Ich habe im Laufe meines Mamadaseins gelernt, Ratschläge und Meinungen in Bezug auf das Thema Kindererziehung sehr bewusst zu filtern. Ich nehme das, was ich als richtig, gut oder sinnvoll erachte, für mich mit – all das, was aber nicht mit meiner eigenen Meinung oder meinem Bauchgefühl vereinbar ist, lasse ich einfach so stehen.

Ich picke mir sozusagen von überall die Rosinen für meine eigene Erziehungsweise heraus.

Doch genau darum geht es auch bei der Intuition: sich eben nicht ständig durch andere Meinungen oder Aussagen verunsichern zu lassen. Wenn wir stattdessen lernen, wieder mehr auf unser Bauchgefühl zu hören, so werden wir nicht nur unabhängig von den Meinungen anderer Menschen, sondern gewinnen auch mehr Sicherheit in Hinblick auf die Art und Weise, wie wir unser Kind erziehen wollen. Und wir tun automatisch auch das jeweils „Richtige“ – oder besser gesagt: das, wofür wir uns dann entscheiden, kann nicht grundsätzlich falsch sein!

Mein Fazit: Intuition und Authentizität anstelle rigider Erziehungsstile

Ich sehe so viele Eltern, die sich angesichts dieser Flut an Erziehungsströmungen kaum noch zurecht finden, die sich verirren und beeinflusst fühlen durch all diese Meinungen, die in tausend Richtungen tendieren und allesamt behaupten, „es“ zu wissen.

Pickt euch eure Rosinen aus dem Kuchen!

Ich selbst habe schon aufgrund meiner Ausbildung viel zum Thema Erziehung gelesen und gehört und manche Richtungen für mich als eher sinnvoll auserkoren, während ich andere, meinen eigenen Anschauungen zuwider laufende Strömungen für mich ausschließe.

Ich persönlich finde, dass Maria Montessori, Jesper Juul, Rebecca Wild, Remo H. Largo, Jan Uwe Rogge und noch einige andere herausragende Pädagoginnen und Pädagogen mehr in vielen Standpunkten sehr vertretbare Ansätze bringen. Meine Erziehungsweise ist durch viele ihrer Gedanken beeinflusst. Wohlgemerkt: beeinflusst, aber nicht bestimmt.

Ich warne Eltern heute davor, sich zu sehr auf die Meinung irgendwelcher Ratgeber oder Experten zu fokussieren.

Nicht alles, was Herr Juul oder Frau Montessori und all ihre Vertreter sag(t)en, können wir 1:1 auf die Erziehung unseres Kindes umlegen. Dies ist weder sinnvoll noch möglich, denn sowohl wir Eltern als auch unsere Kinder sind individuelle Wesen mit eigenen Persönlichkeitsstrukturen, Erfahrungen und Anschauungen. Uns zu sehr auf irgendwelche vorgefertigten Erziehungsstile zu beschränken, widerspricht unserer Natur, macht uns zu Marionetten einer künstlichen Erziehung, die letztendlich nichts oder kaum mehr etwas mit kindgerecht und bindungsorientiert zu tun hat.

Stattdessen ist es meiner Ansicht nach wichtig, dass wir auf unser Bauchgefühl vertrauen, unserem Herzen folgen und dabei menschliche Vorbilder bleiben, die greifbar sind, zu ihren Fehlern stehen und ihre Kinder mit Respekt behandeln. Bei Unsicherheiten ist es sinnvoller, sich an eine Expertin bzw. einen Experten zu wenden, die oder der die Familie persönlich beraten und begleiten und damit auf die Personen individuell eingehen kann anstatt Ratgeber und vorgefertigte Meinungen zu befolgen, die kategorisch denken (müssen) und niemals für alle Eltern und deren Kinder gelten können.

Alles Liebe,

Deine

Tamara_Schrift

 

Der leise Tod des Schnullers – wie wir ihn dann doch noch los wurden, ganz von allein!

Der „Nulli“, wie er von meinem kleinsten Mann genannt wurde, war bis vor Kurzem noch eine liebe Gewohnheit, die er scheinbar nicht mehr loswerden wollte. Doch Neulich kam es dann ganz plötzlich doch ganz anders. Ohne Stress. Ganz von allein. 

Mein kleinster Mann ist drei Jahre alt. Er hatte von Anfang an einen Schnuller, vorwiegend zum Schlafen. Er war kein „Dauernuckler“, aber in gewissen Situationen, in denen er sich selbst beruhigen musste, und im Bett war der Nuckel einfach wichtig.

Projekt „Schnullibaum“

Seine Kindergartenbetreuerin machte letztes Jahr einen Vorschlag, der mir gefiel und den ich ausprobieren wollte. Sie riet mir, einen bestimmten Baum oder eine Pflanze auszuwählen, an der mein Sohn jene Schnuller, auf die er verzichten wollte, mit einer Schnur befestigen sollte, um sie „anderen Babys zu schenken“, die ihn noch dringender brauchten. Über Nacht würden diese dann „geholt“ (sprich: Mama vergräbt sie tief unten im Mülleimer). Das taten wir dann auch und mein Sohn hing euphorisch nach und nach all seine Schnuller an die Pflanze. Es hatten sich ja so einige angesammelt, also ging das Spielchen eine Weile so.

Beim letzten Schnuller allerdings verging meinem Kleinsten die Lust und er beschloss, dass die anderen Babys bereits genug abbekommen hatten. „Das ist meiner.“, stellte er fest und damit war die Diskussion für ihn beendet.

Der letzte „Nulli“

Dieser letzte Schnuller blieb uns im vergangenen Jahr treu erhalten. Er war schon abgewetzt, im wahrsten Sinne des Wortes: ausgelutscht, vergilbt und am Ende hatte er auch schon ein kleines Loch im Sauger. Aber mein Sohn behandelte ihn wie einen kostbaren Schatz. Wenn man ihn fragte, ob er ihn wirklich noch brauche, sagte er fest entschlossen „Ja!“ und basta.

Nebenbei machten wir aber auch klar, dass wir keinen neuen Schnuller mehr anschafften. Der letzte Schnuller war und blieb der letzte, das war ihm bewusst. Er passte entsprechend gut auf ihn auf.

Wir drängten ihn nicht, seinen „Nulli“ endlich wegzuwerfen. Immer wieder mal fragten wir nach, ob er ihn wirklich noch brauche, wenn er ihn mal wieder irgendwo verloren hatte und verzweifelt suchte. Immer wieder fand er ihn (oder wir taten es) und er war darüber selig. Ihm diesen „Schatz“ einfach wegzunehmen wäre niemals in Frage gekommen.

Verloren – wiedergefunden – wieder verloren

Als er dann neulich abends seinen Schnuller nicht fand und mein Mann das Suchen irgendwann aufgegeben hatte (ich war an diesem Abend gerade nicht da), schlief er dann problemlos ohne ihn ein. Am nächsten Morgen fand er ihn dann doch wieder und nuckelte gleich nachträglich drauf los. Als er ihn dann kurz darauf wieder suchte und ich ihn schließlich fand, beschloss ich, ein wenig nachzuhelfen. Ich versteckte ihn an einem sicheren Ort und bis zum Schlafengehen abends war er vergessen. Als wir ihn dann abends wieder nicht „fanden“, schlief er ein weiteres Mal problemlos ohne ihn.

Und dann ist er gestorben…

Das war für mich Zeichen genug, dass er bereit ist, seinen „Nulli“ loszuwerden. Am nächsten Tag sagte er abends zu mir: „Der Nulli ist weg, den finden wir nicht mehr.“ Als ich daraufhin sagte „Ja, der war auch schon sehr, sehr alt. Das war ein richtiger Opa – Schnuller.“, mussten wir beide lachen.

„Ja, der hat schon ein Loch gehabt.“, gab mein Sohn zu Bedenken.

„Genau. Bestimmt hat er sich irgendwie davon geschlichen, der wollte nicht mehr genuckelt werden. Viel zu alt war der schon.“, sagte ich.

Er: „Ja, der war gaaaanz alt. Der ist sicher schon gestorben.“

Ich: „Mhm..und was machen wir da jetzt?“

Er: „Jetzt lassen wir ihn in Ruhe.“

Kinder lösen ihre Probleme selbst

Das ist eines von jenen Erlebnissen, die mich immer wieder faszinieren und begeistern. Kinder nehmen sich die Zeit, die sie brauchen, wenn wir sie lassen. Sie machen sich ihre eigenen Gedanken, wenn wir ihnen nicht unsere aufdrängen.

Mein Sohn ließ seinen Schnuller alt werden, um ihn dann eines natürlichen Todes sterben zu lassen. Das konnte er akzeptieren, damit konnte er letztlich leben. Dadurch wurde der Abschied möglich.

Eine lieb gewordene Gewohnheit loszuwerden, ist für uns alle schwer. Gerade Kinder brauchen ihre Zeit und wenn wir darauf vertrauen, dass sie zu gegebenem Zeitpunkt – eben zu ihrer Zeit – das tun, was zu tun ist, dann werden sie es auch machen. In ihrem Tempo.

Was sie von uns brauchen, ist Geduld, Verständnis und Zeit. Wir können sie begleiten, ihnen Anregungen geben und letztlich auch ein bisschen nachhelfen, wenn der Zeitpunkt da ist. Am wichtigsten jedoch ist unser Vertauen in sie. Damit schaffen sie alles.

Hast du Fragen oder möchtest du deine Erlebnisse teilen? Dann schreib mir doch, ich freu mich!

Deine

Tamara_Schrift

 

FKK am Wasserspielplatz – „Mama, was macht der Mann da??“

20160813_163013Heute möchte ich eine kleine Anekdote aus dem – manchmal wahrhaft irren – Familienalltag mit euch teilen 🙂 Neulich war ich nämlich mit meinen Männern am Wasserspielplatz. Das Wetter war perfekt – nicht zu heiß und nicht zu kalt – und obwohl es ein Samstag war, hielt sich die Besucherzahl stark in Grenzen. Eine Familie jedoch fiel dann doch so sehr aus dem Rahmen, dass mir beinahe zwanzig andere Besucher stattdessen lieber gewesen wären. Doch erst mal alles der Reihe nach.

Meine Männer waren gerade dabei, den Spielplatz zu entdecken und ich hatte endlich mal ein paar Minuten für mich. Ich beobachtete das Bild, das sich mir darbot, schnupperte an der frischen Luft und begab mich in die Waagrechte, um den Moment vollkommen auszukosten. Da hörte ich plötzlich einen Satz, der meiner Entspannung ein abruptes Ende setzte.

Läusealarm!

„Ich muss dann bald heim, ich hab noch einen Berg Wäsche zu waschen wegen all der Läuse und Wurmeier und dem ganzen Zeugs…“ Ich drehte mich in die Richtung, aus der ich die Stimme vernommen hatte. Der Satz kam von einer Mutter, die mit ihrem Mann, ihren drei Kindern und einer Freundin mit deren Kind hier waren. Zwei der Kinder spielten gerade in unmittelbarer Umgebung  meiner Jungs und kurz darauf gesellte sich auch noch der Vater mit dem Kleinsten (was für ein prächtiger Lockenkopf!) auf das Boot zu meinen Jungs. Nun ja, meine Entspannung wich einer kleinen Unruhe. Läuse? Wurmeier? Bitte nicht!!!

Als ich etwas später dann mit meinen Söhnen auf besagtem Boot stand, hörte ich die Frau am Telefon noch berichten, dass sie einem ihrer Kinder die Haare abgeschert hatte wegen der Läuse (ja, der kleine Glatzkopf spielte die ganze Zeit mit meinen Kindern oder zumindest rund um sie herum).

Ich beruhigte mich damit, dass Läuse ja in der Regel nur durch sehr nahen Körperkontakt und meines Wissens nach auch nicht übers Wasser übertragbar waren. Ich muss hinzufügen, wir hatten letztes Jahr über den Kindergarten einmal Läuse abbekommen und dieses Erlebnis reicht mir einmal im Leben. Nur damit du meine aufkeimende Panik nachvollziehen kannst 😉

Einmal waschen bitte!

Die Familie war dann schließlich dabei, langsam aufzubrechen. Frau Mutter ruft noch schnell ihre zwei Ältesten zusammen mit den Worten „Kommt, gehen wir uns noch schnell waschen, bevor wir gehen!“ Ich dachte, sie würde die Duschen anzielen, aber da tänzelte sie schon – einzig mit einem Bikinihöschen bekleidet – an mir vorbei und ließ sich in das ca. 20 cm hohe eiskalte Wasser des Spielplatzes fallen, ribbelte sich einmal schnell über ihren unbekleideten Körper und war wieder draußen. Ihre Kinder taten es ihr gleich.

Ich muss dazu sagen: gleich daneben gibt es offene Duschen, die ideal für solche körperlichen Reinigungen sind. Noch dazu hatten sie ihre Decken direkt neben den Duschen aufgelegt, also übersehen haben konnte sie sie auf keinen Fall. Aber ok, ich dachte mir eben meinen Teil und widmete mich wieder meiner selbst.

Und dann kam es noch dicker…

Mama, Freundin und alle ihnen eigenen Kinder waren bereits gereinigt und aus dem Spielplatz draußen, als der Familienvater plötzlich in Richtung Wasser spazierte. Ganz gemütlich in seiner Badehose und mit Handtuch um die Schulter. Ich ahnte schon, was gleich passierte. Aber es kam noch besser.

Herr Papa zog sich nun in aller Seelenruhe aus – wie gesagt: bis dahin war er zumindest noch in Badehose – und setzte sich gänzlich nackt ins Eiswasser, so als würde er seine private Badewanne besteigen. Ich und alle anderen Besucher konnten nicht anders als mit offenen Mündern auf diese skurrile Szene zu starren. Es war ähnlich  einem schrecklichen Unfall, bei dem man einfach nicht wegschauen kann…

„Bitte, wos is´n mit dem los?“

Einen Augenblick später hörte ich hinter mir zwei in Uniformen bekleidete Radfahrer ankommen, die diese sich uns allen darbietende Szene auch nicht fassen konnten. Sie bremsten sich ein und stürmten den Spielplatz, gingen sofort zu dem Vater und stellten ihn zur Rede.

Ich muss dazu sagen: die Situation stellte sich ihnen natürlich noch um einiges drastischer dar, denn der Mann war völlig alleine, seine Familie war ja schon längst über alle Berge und so war alles, was die Uniformierten sahen ein Nackter im Kinderbecken.

„Sind ja eh keine Kinder mehr da!“

Der Mann tat mir dann fast schon ein bisschen leid, denn er hatte ja wirklich enormes Pech, dass gerade in dem Moment, als er es sich so richtig gemütlich im Kinderbecken machen wollte, diese Parkwächter vorbei kamen. Seine Behauptung, dass gar keine Kinder mehr da seien, war wohl reine Notwehr. Mit gesenktem Haupt und blitzschnell bekleidet verließ er sogleich den Spielplatz.

„Mama, was macht der Mann da?“

Angesichts der Situation – ein (nackter) Mann, den alle Leute anstarren und der dann auch noch von zwei Männern in Uniform (für Kinder natürlich sofort als Polizisten eingestuft) laut und verärgert des Platzes verwiesen wird – waren natürlich meine Kinder sehr neugierig und wollten wissen, was da los ist.

Mein kleiner Mann fragte nach, aber mir fiel es wirklich schwer, ihm eine passende Antwort zu geben, da ich schließlich vor Lachen weinend da stand und nicht fassen konnte, wie absurd das Leben manchmal sein kann :-)))

Habt ihr auch schon ähnlich skurrile Situationen mit euren Zwergen gemeinsam erlebt? Dann schickt mir eure Anekdoten doch, verlinkt sie hier oder auf meiner Facebook Seite!! Ich freu mich auf lustige Geschichten 🙂

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Eure

Tamara_Schrift

„Mama, ich mag dir was erzählen!“ – wie wir unser Abendritual entwickelt haben und warum es für uns nicht mehr wegzudenken ist.

schlafenEs gab Zeiten, da war das Einschlafen meines ersten Sohnes mit viel Zeit und Geduld verbunden. Letztere zu behalten, war nicht immer einfach. Heute ist er 5 und mein kleinster Mann 3 und ich liebe unser abendliches Zu-Bett-geh-Ritual!

Ich habe von Anfang an darauf geachtet, Regelmäßigkeit und viel Geborgenheit in das abendliche Zu-Bett-geh-Ritual zu bringen. Als sie noch klein waren, versuchten wir die Abfolge der hygienischen Maßnahmen, das Pyjama-anziehen, verbunden mit Massagen und Liedern zu gestalten. Je älter unsere Kinder wurden, desto wichtiger wurden die allabendlichen Geschichten.

Feste Abläufe geben Halt und Sicherheit.

Auch heute noch haben wir unsere festen Abläufe, wenn es abends heißt: „Schlafenszeit!“ Wir putzen die Zähne, waschen die Kinder, dann ziehen sie ihre Pyjamas an und suchen Bücher aus. Meist liest Papa die Geschichten vor, während sie zu dritt im (inzwischen recht engen) unteren Teil des Stockbettes liegen.

„Mama, wir wollen beten!“

Nach dem Lesen „beten“ wir. Wir nennen es so obwohl es kein Beten im eigentlichen Sinne ist. Wir lassen unseren Tag Revue passieren, sprechen über die Erlebnisse, die wir hatten, und sagen Worte der Dankbarkeit. Ich mache dies mit den Kindern einzeln, weil sie das so möchten. Während mein kleinster Mann mit wenigen Worten und viel Kuscheln zufrieden den Tag beendet, braucht mein kleiner Mann im Moment besonders viel Gespräch vor dem Schlafen.

Abendliche Gespräche stärken unsere Beziehung.

Er möchte wissen, was ich gemacht habe, um mir anschließend zu erzählen, was er erlebt hat. Meist kommen dabei Geschichten und Gedanken zutage, die wir uns während des Tages so nicht erzählen können. Vor dem Schlafen fühlen wir uns einander ganz nah und verbunden. Geheimnisse werden auf diese Weise vertrauensvoll geteilt und am Ende gleitet mein Sohn glücklich ins Land der Träume und ich ebenso glücklich hinaus ins Wohnzimmer. Manchmal stelle ich dann erst fest, dass ich gerade eine halbe Stunde mit meinem Sohn geplaudert habe. Dabei fühlte es sich nicht halb so lang an…

Ich möchte unser Abendritual nicht missen und kann nur allen Eltern dazu raten, ein – ganz individuelles, für sie und ihre Kinder – passendes zu entwickeln. Es bereichert alle Beteiligten, gibt den Kindern Geborgenheit stärkt ihr Vertrauen und die Beziehung zueinander. 

 

Alles Liebe,

Deine

Tamara_Schrift

 

 

 

 

„Sag schön`Guten Tag´!“ – warum du dein Kind nicht zu „Höflichkeiten“ drängen solltest!

Es gibt sie immer wieder und bei jedem Kind: Situationen, in denen wir Eltern das Gefühl haben, unser Kind sollte doch bitte etwas sagen: „Guten Tag“, „Auf Wiedersehen“, „Bitte“ oder „Danke“ zum Beispiel. Es gehört sich doch schließlich so, oder? Wenn wir der redefreudigen Nachbarin begegnen, sollte doch auch unser Kind zumindest ein Wort des Grußes über die plötzlich zusammengepressten Lippen bringen, der Höflichkeit halber? Aber ist dem wirklich so oder überschreiten wir dabei nicht eine Grenze, die wesentlich bedeutsamer ist als jene gesellschaftlichen Vorgaben: nämlich die persönliche Grenze unseres Kindes?

Wir alle sind als Kind selbst darauf hingewiesen worden: sag schön bitte und danke, sei höflich und grüße immer freundlich. Das gehört sich einfach so. Natürlich ist es nicht von der Hand zu weisen: Höflichkeit ist eine gesellschaftliche Grundregel. Höfliche Umgangsformen machen soziales Miteinander nicht nur angenehmer, sondern überhaupt erst möglich. Demzufolge ist es auch wichtig, dass wir unseren Kindern möglichst früh diese Regeln vermitteln, damit sie lernen, was in verschiedenen Situationen von ihnen gesellschaftlich erwartet wird.

Motivieren ja, drängen nein.

Kleine Kinder lernen großteils durch Beobachtung. Das heißt, so wie wir uns in den unterschiedlichsten Situationen verhalten, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen, hat Einfluss auf das Verhalten unserer Kinder. Wenn wir respektvoll mit anderen umgehen, höflich und freundlich sind, werden auch unsere Kinder zu höflichen Menschen heranwachsen.

Dies bedeutet nicht, dass die kleinen Leute, sobald sie sich verbal auch nur halbwegs gut ausdrücken können, beginnen, dieses an uns beobachtete Verhalten selbst anzuwenden. Sie beobachten erst einmal und irgendwann werden sie selbst entsprechend handeln. Was wir dabei tun können ist, ihnen ein positives Beispiel zu sein. Wir können sie dazu motivieren, sich zu bedanken, wenn sie etwas bekommen, um etwas zu bitten, wenn sie etwas haben wollen usw. indem wir ihnen sagen, was wir von ihnen erwarten. Was wir allerdings nicht tun sollten ist, sie zu drängen oder gar für mangelnde Höflichkeit zu bestrafen.

Jedes Kind braucht seine Zeit.

Manche Kinder haben weniger Schwierigkeiten damit, etwa laut zu grüßen, als andere. Viele Kinder verstummen regelrecht, wenn sie angesprochen werden oder wenn sie das Gefühl haben, es wird von ihnen erwartet, dass sie etwas (Bestimmtes) sagen sollen. Dabei ist es oftmals weder Schüchternheit noch Angst oder Eigensinnigkeit, die die kleinen Menschen vom Reden abhalten. Vielmehr geht es darum, dass manche Kinder länger brauchen, ausgiebiger beobachten müssen, um sich mit Situationen und Menschen „anzufreunden“. Gerade besonders aufdringliche Menschen wie die redselige Nachbarin von nebenan oder die liebe Urstrumpftante, die die Kleinen mit tausend Fragen überhäufen, sie ungefragt in die Wangen kneifen, weil sie so süß sind usw. haben es da oft sehr schwer, wirklich Zugang zu den Kindern zu finden. Bei näherer Betrachtung ist dies auch vollkommen nachvollziehbar. Auch ich möchte nicht von der netten Nachbarin angetatscht werden.

Die kindlichen Grenzen achten.

Kinder haben, wie wir Erwachsenen auch, ihre persönlichen Grenzen. Sie haben das Recht darauf, sich erst einmal ausreichend ein Bild der Person bzw. Situation machen zu dürfen, ehe sie entscheiden, ob sie sich öffnen wollen oder eben nicht. Wenn die lästige Nachbarin das Kind verbal überhäuft -„Ja hallo, wie geht´s dir denn? Na, du bist aber wieder groß geworden!Wo gehst du denn hin? Warst du im Kindergarten heute? Na, warum sagst denn nix??“ – und es dabei vielleicht auch noch am Kopf tätschelt oder ähnliches, dann ist es doch kein Wunder, dass das Kind verstummt!

Ich habe es schon oft erlebt: Kinder öffnen sich, wenn man ihnen die Freiheit gibt, selbst zu entscheiden. Wenn ich dem Kind zeige, ich bin da und du kannst jederzeit zu mir kommen, so wird es viel eher bereit sein, sich zu öffnen, als wenn ich es mit Fragen zuschütte, ihm nicht von der Seite weiche und mich ihm sonst wie aufdränge.

Kinder brauchen Zeit. Sie wollen selbst entscheiden, wen sie wann an sich heran lassen. Überschreitet man ihre Grenzen immer wieder, indem man sie dazu anhält, dass sie mit Leuten sprechen, von denen sie sich überrollt fühlen oder bei denen sie sich (noch) nicht sicher genug fühlen, so zwingt man sie, ihre eigenen Grenzen zu missachten. Auf Dauer wird dadurch die kindliche Integrität verletzt.

Ein Gleichgewicht finden.

Wichtig erscheint mir daher, dass wir unseren Kindern ein gutes Vorbild sind und ihre persönlichen Grenzen respektieren und achten. Wir können sie auf ein Bitte und Danke hinweisen, wenn sie von uns etwas wollen. Wir können ihnen erklären, wann wir andere grüßen oder was wir in verschiedenen Situationen sagen, um die Höflichkeit zu wahren und das Miteinander zu ermöglichen. Noch besser als alles Erklären und Reden ist aber – wie so oft in der Erziehung – unsere Vorbildwirkung. Was wir tun und wie wir selbst uns verhalten ist Maßstab für das Verhalten unserer Kinder.

Und wenn sie dazu bereit sind, werden sie dieses Verhalten auch selbst in die Tat umsetzen.

Wie sag ich´s der aufdringlichen Nachbarin?

Ich als Mama komme immer wieder in Situationen, in denen meine kleinen Männer verstummen. Anfangs tat ich mir sehr schwer damit. „Warum redet er denn nix, ist er schüchtern?“ ist ein sehr beliebter Satz von Menschen wie der aufdringlichen Nachbarin. Während ich früher nicht wusste, was ich darauf sagen sollte, ist meine Antwort jetzt meist kurz und klar: „Nein, er braucht halt einfach seine Zeit.“ Manchmal füge ich dann auch noch ein „Und das ist auch ganz normal.“ hinzu, in die Richtung meines Sohnes gewandt.

Wenn meine kleinen Männer nicht reden wollen, übernehme ich das halt in solchen Situationen für sie. Dann sag ich eben „Danke“ für das Zuckerl, das sie bekommen, oder beantworte die Fragen, die an meine Kinder gerichtet sind an ihrer Stelle. Es ist nicht immer einfach, Verständnis und Geduld zu haben, den kleinen Leuten Zeit zu geben. Aber wir sollten ihre Grenzen akzeptieren. Sie reden eben dann, wenn es für sie passt. Das ist auch völlig in Ordnung so, eigentlich.

 

Deine

Tamara_Schrift

 

 

 

 


Foto: Fotalia

Ist mein Kind hochsensibel?

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Deine

Tamara_Schrift

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Liebe Mamas!Pregnant

Heute möchte ich mit euch einen Text aus Khalil Gibrans „Der Prophet“ teilen, den ich persönlich sehr berührend finde. Er passt, wie ich finde, sehr gut zu einer achtsamen und bindungsorientierten Form der Erziehung und Eltern-Kind-Beziehung, die das Kind als individuelles Wesen mit eigenen Bedürfnissen, Gedanken und Werten schätzt und respektiert.  ♥

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter

der Sehnsucht des Lebens

nach sich selbst.

Sie kommen durch euch,

aber sie sind nicht von euch,

und auch wenn sie bei euch sind, gehören sie euch nicht.

Ihr könnt ihnen eure Liebe geben,

aber nicht eure Gedanken,

weil sie ihre eigenen Gedanken haben.

Ihr könnt ihren Körpern eine Behausung geben,

aber nicht ihren Seelen,

weil ihre Seelen im Haus von  morgen wohnen,

welches ihr nicht betreten könnt,

noch nicht einmal in euren Träumen.

Ihr könnt versuchen,

wie sie zu sein,

aber versucht nicht sie euch anzugleichen,

das Leben geht nicht rückwärts,

noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen,

von denen eure Kinder

als lebende Pfeile abgeschossen werden.

Der Bogenschütze sieht das Ziel

auf dem Pfad der Unendlichkeit,

und Er biegt euch mit Seiner Kraft,

damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Möge das Gebogenwerden

in des Schützen Hand

Freude in euch auslösen.

So wie Er den fliegenden Pfeil liebt,

so liebt Er auch den Bogen,

der fest steht.

Eure

Tamara_Schrift

Das Sterben der Hummel

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Neulich am Spielplatz fiel meinen kleinen Männern eine am Boden liegende Hummel auf, die sich seltsam bewegte. Erst rotierte sie wie betrunken im Kreis, dann wurden ihre Bewegungen langsamer, bis sie schließlich auf dem Rücken liegend verendete. Dieser ganze Prozess des Sterbens dauerte etwa 40 Minuten, in denen wir zu dritt daneben saßen, beobachteten und redeten.

Mein kleiner Mann dachte zuerst, die Hummel ruhe sich nur aus. Wahrscheinlich sei sie müde und hier sei ihre Couch, auf der sie sich zum Ausruhen hingelegt habe, meinte er. Mein kleinster Mann war ebenso fasziniert von dem, was er sah und hörte, redete seinem großen Bruder alles nach und suchte bei mir immer wieder Bestätigung für seine Annahmen. „Ist die Biene verletzt?“, wollte er immer wieder wissen. (Dass es sich hierbei um eine Hummel und weder um eine Biene, noch um eine Wespe handelte, war ein Irrtum, der sich durch die gesamte Konversation durchzog.)

Ich erklärte, dass die Hummel wohl verletzt oder krank sei, es ihr nicht gut gehe.

„Die Biene beißt!“, schrie mein Kleinster. Ihn hatte nur zwei Tage zuvor eine Hummel in den Fuß gebissen.

„Das ist eine Hummel!“, schrie darauf sein Bruder. „Die Biene beißt nicht, die sticht!“

Mein kleiner Mann wurde vor mehreren Wochen von einer Biene gestochen, auch diese schmerzvolle Erinnerung ist nicht vergessen. Er hat seitdem großen Respekt vor Bienen und allen fliegenden Tierchen, die so ähnlich wie Bienen aussehen. „Die sind böse, stimmt´s Mama?“ sagt er daher. „Nein, Bienen sind nicht böse.“, antworte ich. „Sie haben einfach Angst und dann stechen sie. Stell dir mal vor, wie groß wir in ihren Augen sind. Würden wir auf solche Riesen treffen, würden wir auch stechen, wenn wir könnten.“ Das leuchtet ein, Verständnis ist in seinem Gesicht zu erkennen.

Nebenher werden die Bewegungen der Hummel immer langsamer, nur noch an ihrem Körper ist eine schwache Atembewegung zu erkennen.

„Nicht draufsteigen!“ wird zwischendurch immer wieder von einem der beiden Jungs gebrüllt, was den jeweils anderen, der das Stückchen Wiese gerade zu durchqueren versucht, nervös nach der Hummel schauen und mitten im Gehen aufhüpfen lässt. Beide wissen: wir töten keine Tiere, sei es auch noch so ein kleines Insekt. Draufsteigen ist also Tabu.

Als es mit der Hummel sichtlich zu Ende geht, sind wir drei automatisch demütig ruhig und schauen zu. Schließlich stellen wir ihren Tod fest. „Das war schon eine Oma Hummel“, erklärt der Große dem Kleinen. „Die war schon alt.“

Als das Tierchen regungslos liegen bleibt, kommt mir eine Idee. „Wollen wir die Hummel jetzt begraben?“

Die Jungs sind begeistert dabei und so graben wir ein kleines Loch in die Kieselsteine, ich lege die Hummel hinein und wir schütten das Loch wieder zu. Ein winziger Ast mit einem Blatt dient als Kreuz. Ich spreche ein paar Abschiedworte und erkläre: „Jetzt ist sie im Hummel-Himmel.“

Daraufhin will mein Großer wissen, was den ein solcher sei und wieso man da hinkommt. Ich beantworte seine Fragen so gut ich kann, merke dabei aber auch, wie schwer es mir fällt, zu erklären. Es gibt also einen Himmel, wo wir nach dem Tod hinkommen. Gott ist auch da. Was macht er da? Warum werden wir dann begraben? Ist Gott in der Kirche gestorben? (Mein kleiner Mann weiß, dass es in der Kirche einen gewissen Mann am Kreuz gibt und hat daraus seine eigenen Schlüsse gezogen) Was macht Gott im Himmel? Fressen die Hummel jetzt die Ameisen?“ Fragen über Fragen ergeben sich in weiterer Folge und so philosophiere ich mit meinem 4jährigen Sohn über „Gott und die Welt“…

Dieses Erlebnis mag vielleicht klein und unbedeutend erscheinen. Ich habe dabei aber sehr viel Nähe zu meinen Kindern gespürt, wir waren alle drei voll und ganz hier, miteinander, haben gemeinsam erlebt. Es war ein schönes Gefühl. Die freudigen Gesichter meiner Kinder haben mein eigenes Gefühl widergespiegelt.

Diese Situation hat mir wieder gezeigt: wenn man sich auf die Welt der kleinen Leute einlässt, wird man in vielerlei Weise beschenkt!

Kommt dann eh kein Böser??

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Mein kleiner Mann liebt Geschichten von Räubern, Gespenstern, Monstern, Hexen und Helden. Er spielt gerne den Batman oder lässt seine Ritter die Burg gegen Eindringlinge verteidigen, bringt als Polizist die „Bösen“ ins Gefängnis und wenn es brennt, dann kommt er als Feuerwehrmann zum Einsatz.

Kinder beginnen mit ca. drei Jahren, sich intensiv mit ihrer eigenen Phantasie zu beschäftigen, sie zu entwickeln und stetig zu erweitern. Märchen und andere Geschichten, die magische Inhalte vermitteln und dabei noch genügend Spielraum lassen für eigene Phantasien, gewinnen nun an Bedeutung. Das Spielverhalten des Kindes verändert sich – so werden Rollenspiele wichtig, um Szenen aus dem Alltag oder aus Geschichten immer wieder „durchzuspielen“ und neu aufzurollen, und zwar so lange, bis das Kind sie vollständig verarbeiten konnte.

Diese magische Phase, die bis ins zehnte Lebensjahr hinein andauert, ist eine Zeit der Phantasie, der Magie und Zauberei. Monster und Gespenster werden als real erlebt, auch wenn es sie nur in Geschichten gibt. Rationales Beschwichtigen damit verbundener Gefühle ist ebenso unwirksam wie unangebracht. Es hilft dem Kind nicht, gesagt zu bekommen, dass es diese Monster nicht gibt. Tatsache ist, das Kind erlebt sie als existierend – ob nun in der Realität oder nur in seiner Phantasie macht dabei keinen allzu großen Unterschied.

Die kindlichen Ängste ernst nehmen

Es ist also wichtig, dem Kind zu vermitteln, dass wir es ernst nehmen. Die Monster mögen zwar nicht real sein, die Ängste des Kindes jedoch sind es. Was zählt ist also, sie anzuerkennen und ihnen Raum zu geben.

Wenn das Kind von einem Monster oder ähnlichem spricht, kann es helfen, genauer nachzufragen: wie sieht es aus? Wie groß ist es? Welche Farbe hat es? Was macht es denn?

Auf diese Weise erfährt das Kind, dass es ernst genommen wird. Gleichzeitig werden viele Ängste kleiner, indem man ihnen einen Namen oder ein Gesicht gibt. Wir können das Kind auch dazu ermuntern, dass es sein Monster malt, wenn das verbale Beschreiben vielleicht schwer fällt.

Was wir jedoch vermeiden sollten ist, kindliche Ängste  mit Aussagen wie „da ist doch kein Monster“, „ist doch nicht schlimm“ oder ähnlichem abzutun.

Monsterfresserpuppe und Bösen-Falle

Es ist schon eine Weile her, dass ich mit meinem kleinen Mann zusammen eine Monsterfresserpuppe gebastelt habe. Sie liegt immer in seinem Bett und frisst – wie der Name schon sagt – alle Monster auf, die sich nächtens ins Kinderzimmer wagen.

Bei einem Gespräch mit ihm neulich erfuhr ich, dass es „die Bösen“ sind, die ihm zur Zeit am meisten zu schaffen machen – konkret: Diebe, Einbrecher und Räuber, die in unsere Wohnung eindringen könnten. Also haben wir gemeinsam überlegt und schließlich eine Falle gebaut: wir haben eine Schuhschachtel verziert, ein Loch in den Deckel geschnitten und mein Sohn hat noch einen Zettel drauf geschrieben: „Liebe Böse, hier habt ihr schönes Essen“ – ein Lockruf sozusagen 🙂

Dann noch einen Stein mit einem selbst erfundenen Zauberspruch belegt, in die Kiste gelegt – zusammen mit einer Decke aus Filz, denn wir wollen ja nicht, dass die Bösen es allzu ungemütlich haben und ein paar Süßigkeiten – und fertig war die Falle! Ach ja, zur Erklärung für alle, denen das Prinzip der Falle unbekannt ist: durch den Zauberstein werden die „Bösen“ klein wie eine Kartoffel und in die Kiste gezaubert, wo sie dann gefangen sind. Am nächsten Morgen können sie dann wieder in die Natur gelassen werden, denn – wie mein kleiner Mann feststellte – „die kommen dann nicht wieder“.

Kindern ihren eigenen Weg zur Angstbewältigung zugestehen

Wir können Kindern dabei helfen, ihre Ängste durchzustehen, sie dabei begleiten und bei Bedarf Trost spenden. Allerdings ist es auch wichtig Vertrauen in sie zu haben. Kinder finden ihren Weg, mit Ängsten fertig zu werden, auch wenn wir diesen oft nicht (gleich) verstehen können. So wie ein Kind seinen Kuschelhasen überall hin mitschleppt, wird ein anderes Kind zeitweilig einen imaginären Begleiter erfinden, wieder ein anderes braucht dafür den Schnuller noch ein Weilchen länger. Die Arten der Kinder, mit ihren Ängsten umzugehen, sind vielfältig und wertvoll. Deshalb sollten wir ihnen vertrauen und ihnen ihre eigenen Mittel und Wege lassen.

Fazit: Die Ängste von Kindern immer ernst nehmen. Vertrauen in die Kinder haben, sie dabei begleiten und ihnen ihren eigenen Weg mit ihrer Angst umzugehen, zugestehen.

Eure

Tamara_Schrift