Von mütterlichen (online Rivalinnenkämpfen) und grenzenloser Erziehung

Bloggen braucht starke Ellbogen

Lange ist es her, dass ich auf dieser Seite einen Beitrag veröffentlicht habe. In letzter Zeit jedoch spüre ich so einen starken Impuls, etwas auszusprechen, das mich schon lange und immer wieder beschäftigt und verfolgt. Auch auf die Gefahr hin, dass wieder einige Leserinnen auf die Barrikaden gehen. Im Vorfeld möchte ich betonen, dass ich niemanden hier persönlich angreifen möchte. Genau das stört mich auch sehr am Bloggen in diesem Bereich und ist mit einer der Hauptgründe, weshalb ich mich davon zurückgezogen habe. Mit Ausnahmen wie dieser hier 🙂

Viele Mütter fühlen sich schnell angegriffen, wenn sie etwas über Kindererziehung lesen und viele Mamas sind von vornherein in einer Verteidigungsposition. Als müsste jede andauernd der Welt da draußen „beweisen“, dass sie die wahre Übermutter ist, die weiß, wie der Hase läuft und jeder gleich eine auf den Deckel haut, die es wagt, eine andere Meinung zu formulieren. Das finde ich anstrengend und nervig. Ich habe meinen Blog gegründet, um Müttern eine Stütze zu bieten, wenn sie danach suchen und nicht, um mich angreifen zu lassen für die Meinung, die ich vertrete. Zu schnell wird man jedoch angesichts des Dickichts an Elternblogs in eine solche Verteidigungsposition gedrängt. Wie neulich, als ich wider besseren Wissens aus Erfahrung nach langem mal wieder auf einen Hilferuf einer Mutter in einer dieser Müttergruppen geantwortet habe.

Meine Beobachtung: viele Eltern verwechseln heute Grenzenlosigkeit mit Liebe

Immer wieder beobachte ich, wie Mütter sich schwer tun, ihren Kindern gegenüber eigene Grenzen aufzuzeigen. Kinder werden immer mehr dazu getrieben, Entscheidungen zu treffen, die eigentlich ihre Verantwortung übersteigen. Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter können noch nicht selbst entscheiden, wann sie ins Bett gehen sollen, um ausreichend Schlaf zu bekommen oder was sie essen sollen, um eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu gewährleisten. Auch wie oft und was sie fernsehen obliegt noch nicht ihrem Verantwortungsbereich. Kinder sollen da entscheiden dürfen, wo sie bereits kompetent sind. Alles andere überfordert sie auf Dauer.

Die Folgen: Hilflose Eltern

Ich erlebe dann Eltern, die aus völliger Hilflosigkeit jeden Abend dieselben Probleme haben, ihr Kind endlich zum Schlafen zu bringen. Eltern, die sich wundern, dass ihr Kind nichts Gesundes isst, während sie ihm zwischendurch und kurz vor dem Essen noch Süßigkeiten erlauben. Ich erlebe Kinder, die ständig im Mittelpunkt stehen wollen, weil sie es nicht gewohnt sind, auch mal Kompromisse einzugehen oder ein Nein zu verkraften. Diese Kinder gelten dann oft fälschlicherweise als sehr „selbstbewusst“ – in Wahrheit steckt jedoch der Drang dahinter, so wie von den Eltern auch von anderen Mitmenschen immer das zu bekommen, was sie wollen.

Und wehe jenen, die sich den kleinen Herrschern in den Weg stellen! Das ertragen deren Eltern nämlich überhaupt nicht. Auch wenn sie eigentlich sehr sozial und liberal eingestellt sind: wenn es um das eigene Kind geht, ist alles anders. Es wird dann gern übersehen, dass der eigene Sprössling andere Kinder dirigiert, manipuliert und dabei auch gern die eigenen Fäuste einsetzt. Kriegt es dann – oh Wunder! – selbst mal etwas ab, wird das Gegenüber schnell mal angeklagt, denn die kleine Prinzessin/der kleine Prinz trägt doch niemals die Schuld!

Ich schreibe hier natürlich etwas überspitzt, aber die Tendenz vieler Eltern heute ist tatsächlich eine weg von jeglichen Grenzen und hin zu zu viel Freiheit, die für Kinder schlichtweg überfordernd wirkt.

Eltern sein, nicht Kumpels!

Ich bin keine Übermutter und ich hab die Weisheit, wie man Kinder erzieht, auch nicht mit dem Löffel gegessen. Ich mache tagtäglich Fehler, ich schreie hier und da mal rum und bereue es danach zutiefst. Ich spiele nicht in jeder freien Minute mit meinen Kindern und ich nehme mir bewusst Auszeiten im Alltag, denn anders würden meine Kräfte nicht bis zum Abend ausreichen. Meine Kinder dürfen viel selbst entscheiden und ich rede viel mit ihnen – auch und gerade über meine Grenzen. Ich nehme sie ernst in ihren Bedürfnissen, gleichzeitig nehme ich aber auch meine eigenen Bedürfnisse ernst. Ich habe meine Kinder niemals schreien lassen. Im Alter zwischen 3-4 Jahren aber habe ich ihnen dazu verholfen (bis dahin war immer entweder mein Mann oder ich bis zum Einschlafen bei ihnen), selbst in den Schlaf zu finden, wobei wir seit jeher ein sehr festes und ausgeprägtes Abendritual haben. Überhaupt haben wir sehr feste Rituale wie beispielsweise das gemeinsame Essen bei Tisch. Das ist fester Bestandteil unseres Alltags und verbindet uns. Auch diese Dinge fallen unter das Thema „Grenzen“, denn natürlich ist erst uns Eltern die Wichtigkeit solcher Rituale bewusst, damit wir sie unseren Kindern vermitteln können. Diese nehmen sie aber letztlich dankend an und fordern sie mit der Zeit auch selbst ein. Kinder brauchen Eltern, die klare Grenzen haben und keine Kumpels, die Entscheidungen auf der gleichen Ebene erwarten dürfen.

Meine Kinder sind sehr respektvoll im Umgang mit anderen Menschen und Tieren und das ist für mich – neben der Selbständigkeit – eines der wichtigsten Ziele von Erziehung überhaupt. 

Eltern, die ihren Kindern immer alles recht machen wollen und sich kaum trauen, nein zu sagen, hindern ihre Kinder letztlich auch daran, ihre Selbständigkeit (die sich ja nicht in Stufen, sondern permanent entwickelt) zu erlangen. Sie halten sie an der kurzen Leine, denn wenn mein Kind mich noch mit 6 Jahren am Bett sitzend braucht, um in den Schlaf zu finden, so ist es von mir abhängig. Es fühlt sich dadurch schwach und unselbständig. Lernt es hingegen mit liebevoller Begleitung, selbst einzuschlafen, wohl wissend, dass die Eltern nebenan und stets verfügbar sind, wenn es sie wirklich braucht, so ist es unabhängig und wahrhaft selbständig. 

Ich bin nicht perfekt und keine Übermutter, aber ich bin authentisch und wenn ich damit anderen Müttern ein Vorbild sein kann, freut mich das. Diejenigen, die damit nichts anfangen können, dürfen sich gerne andere Wege suchen. Dann aber bitte ohne gleich in den persönlichen Angriff überzugehen. Besser wäre eine gesunde Portion Selbstreflexion.

 

Danke an meine Leserinnen und alles Liebe weiterhin!

Eure Tamara

Der leise Tod des Schnullers – wie wir ihn dann doch noch los wurden, ganz von allein!

Der „Nulli“, wie er von meinem kleinsten Mann genannt wurde, war bis vor Kurzem noch eine liebe Gewohnheit, die er scheinbar nicht mehr loswerden wollte. Doch Neulich kam es dann ganz plötzlich doch ganz anders. Ohne Stress. Ganz von allein. 

Mein kleinster Mann ist drei Jahre alt. Er hatte von Anfang an einen Schnuller, vorwiegend zum Schlafen. Er war kein „Dauernuckler“, aber in gewissen Situationen, in denen er sich selbst beruhigen musste, und im Bett war der Nuckel einfach wichtig.

Projekt „Schnullibaum“

Seine Kindergartenbetreuerin machte letztes Jahr einen Vorschlag, der mir gefiel und den ich ausprobieren wollte. Sie riet mir, einen bestimmten Baum oder eine Pflanze auszuwählen, an der mein Sohn jene Schnuller, auf die er verzichten wollte, mit einer Schnur befestigen sollte, um sie „anderen Babys zu schenken“, die ihn noch dringender brauchten. Über Nacht würden diese dann „geholt“ (sprich: Mama vergräbt sie tief unten im Mülleimer). Das taten wir dann auch und mein Sohn hing euphorisch nach und nach all seine Schnuller an die Pflanze. Es hatten sich ja so einige angesammelt, also ging das Spielchen eine Weile so.

Beim letzten Schnuller allerdings verging meinem Kleinsten die Lust und er beschloss, dass die anderen Babys bereits genug abbekommen hatten. „Das ist meiner.“, stellte er fest und damit war die Diskussion für ihn beendet.

Der letzte „Nulli“

Dieser letzte Schnuller blieb uns im vergangenen Jahr treu erhalten. Er war schon abgewetzt, im wahrsten Sinne des Wortes: ausgelutscht, vergilbt und am Ende hatte er auch schon ein kleines Loch im Sauger. Aber mein Sohn behandelte ihn wie einen kostbaren Schatz. Wenn man ihn fragte, ob er ihn wirklich noch brauche, sagte er fest entschlossen „Ja!“ und basta.

Nebenbei machten wir aber auch klar, dass wir keinen neuen Schnuller mehr anschafften. Der letzte Schnuller war und blieb der letzte, das war ihm bewusst. Er passte entsprechend gut auf ihn auf.

Wir drängten ihn nicht, seinen „Nulli“ endlich wegzuwerfen. Immer wieder mal fragten wir nach, ob er ihn wirklich noch brauche, wenn er ihn mal wieder irgendwo verloren hatte und verzweifelt suchte. Immer wieder fand er ihn (oder wir taten es) und er war darüber selig. Ihm diesen „Schatz“ einfach wegzunehmen wäre niemals in Frage gekommen.

Verloren – wiedergefunden – wieder verloren

Als er dann neulich abends seinen Schnuller nicht fand und mein Mann das Suchen irgendwann aufgegeben hatte (ich war an diesem Abend gerade nicht da), schlief er dann problemlos ohne ihn ein. Am nächsten Morgen fand er ihn dann doch wieder und nuckelte gleich nachträglich drauf los. Als er ihn dann kurz darauf wieder suchte und ich ihn schließlich fand, beschloss ich, ein wenig nachzuhelfen. Ich versteckte ihn an einem sicheren Ort und bis zum Schlafengehen abends war er vergessen. Als wir ihn dann abends wieder nicht „fanden“, schlief er ein weiteres Mal problemlos ohne ihn.

Und dann ist er gestorben…

Das war für mich Zeichen genug, dass er bereit ist, seinen „Nulli“ loszuwerden. Am nächsten Tag sagte er abends zu mir: „Der Nulli ist weg, den finden wir nicht mehr.“ Als ich daraufhin sagte „Ja, der war auch schon sehr, sehr alt. Das war ein richtiger Opa – Schnuller.“, mussten wir beide lachen.

„Ja, der hat schon ein Loch gehabt.“, gab mein Sohn zu Bedenken.

„Genau. Bestimmt hat er sich irgendwie davon geschlichen, der wollte nicht mehr genuckelt werden. Viel zu alt war der schon.“, sagte ich.

Er: „Ja, der war gaaaanz alt. Der ist sicher schon gestorben.“

Ich: „Mhm..und was machen wir da jetzt?“

Er: „Jetzt lassen wir ihn in Ruhe.“

Kinder lösen ihre Probleme selbst

Das ist eines von jenen Erlebnissen, die mich immer wieder faszinieren und begeistern. Kinder nehmen sich die Zeit, die sie brauchen, wenn wir sie lassen. Sie machen sich ihre eigenen Gedanken, wenn wir ihnen nicht unsere aufdrängen.

Mein Sohn ließ seinen Schnuller alt werden, um ihn dann eines natürlichen Todes sterben zu lassen. Das konnte er akzeptieren, damit konnte er letztlich leben. Dadurch wurde der Abschied möglich.

Eine lieb gewordene Gewohnheit loszuwerden, ist für uns alle schwer. Gerade Kinder brauchen ihre Zeit und wenn wir darauf vertrauen, dass sie zu gegebenem Zeitpunkt – eben zu ihrer Zeit – das tun, was zu tun ist, dann werden sie es auch machen. In ihrem Tempo.

Was sie von uns brauchen, ist Geduld, Verständnis und Zeit. Wir können sie begleiten, ihnen Anregungen geben und letztlich auch ein bisschen nachhelfen, wenn der Zeitpunkt da ist. Am wichtigsten jedoch ist unser Vertauen in sie. Damit schaffen sie alles.

Hast du Fragen oder möchtest du deine Erlebnisse teilen? Dann schreib mir doch, ich freu mich!

Deine

Tamara_Schrift

 

„Mama, ich mag dir was erzählen!“ – wie wir unser Abendritual entwickelt haben und warum es für uns nicht mehr wegzudenken ist.

schlafenEs gab Zeiten, da war das Einschlafen meines ersten Sohnes mit viel Zeit und Geduld verbunden. Letztere zu behalten, war nicht immer einfach. Heute ist er 5 und mein kleinster Mann 3 und ich liebe unser abendliches Zu-Bett-geh-Ritual!

Ich habe von Anfang an darauf geachtet, Regelmäßigkeit und viel Geborgenheit in das abendliche Zu-Bett-geh-Ritual zu bringen. Als sie noch klein waren, versuchten wir die Abfolge der hygienischen Maßnahmen, das Pyjama-anziehen, verbunden mit Massagen und Liedern zu gestalten. Je älter unsere Kinder wurden, desto wichtiger wurden die allabendlichen Geschichten.

Feste Abläufe geben Halt und Sicherheit.

Auch heute noch haben wir unsere festen Abläufe, wenn es abends heißt: „Schlafenszeit!“ Wir putzen die Zähne, waschen die Kinder, dann ziehen sie ihre Pyjamas an und suchen Bücher aus. Meist liest Papa die Geschichten vor, während sie zu dritt im (inzwischen recht engen) unteren Teil des Stockbettes liegen.

„Mama, wir wollen beten!“

Nach dem Lesen „beten“ wir. Wir nennen es so obwohl es kein Beten im eigentlichen Sinne ist. Wir lassen unseren Tag Revue passieren, sprechen über die Erlebnisse, die wir hatten, und sagen Worte der Dankbarkeit. Ich mache dies mit den Kindern einzeln, weil sie das so möchten. Während mein kleinster Mann mit wenigen Worten und viel Kuscheln zufrieden den Tag beendet, braucht mein kleiner Mann im Moment besonders viel Gespräch vor dem Schlafen.

Abendliche Gespräche stärken unsere Beziehung.

Er möchte wissen, was ich gemacht habe, um mir anschließend zu erzählen, was er erlebt hat. Meist kommen dabei Geschichten und Gedanken zutage, die wir uns während des Tages so nicht erzählen können. Vor dem Schlafen fühlen wir uns einander ganz nah und verbunden. Geheimnisse werden auf diese Weise vertrauensvoll geteilt und am Ende gleitet mein Sohn glücklich ins Land der Träume und ich ebenso glücklich hinaus ins Wohnzimmer. Manchmal stelle ich dann erst fest, dass ich gerade eine halbe Stunde mit meinem Sohn geplaudert habe. Dabei fühlte es sich nicht halb so lang an…

Ich möchte unser Abendritual nicht missen und kann nur allen Eltern dazu raten, ein – ganz individuelles, für sie und ihre Kinder – passendes zu entwickeln. Es bereichert alle Beteiligten, gibt den Kindern Geborgenheit stärkt ihr Vertrauen und die Beziehung zueinander. 

 

Alles Liebe,

Deine

Tamara_Schrift

 

 

 

 

„Sag schön`Guten Tag´!“ – warum du dein Kind nicht zu „Höflichkeiten“ drängen solltest!

Es gibt sie immer wieder und bei jedem Kind: Situationen, in denen wir Eltern das Gefühl haben, unser Kind sollte doch bitte etwas sagen: „Guten Tag“, „Auf Wiedersehen“, „Bitte“ oder „Danke“ zum Beispiel. Es gehört sich doch schließlich so, oder? Wenn wir der redefreudigen Nachbarin begegnen, sollte doch auch unser Kind zumindest ein Wort des Grußes über die plötzlich zusammengepressten Lippen bringen, der Höflichkeit halber? Aber ist dem wirklich so oder überschreiten wir dabei nicht eine Grenze, die wesentlich bedeutsamer ist als jene gesellschaftlichen Vorgaben: nämlich die persönliche Grenze unseres Kindes?

Wir alle sind als Kind selbst darauf hingewiesen worden: sag schön bitte und danke, sei höflich und grüße immer freundlich. Das gehört sich einfach so. Natürlich ist es nicht von der Hand zu weisen: Höflichkeit ist eine gesellschaftliche Grundregel. Höfliche Umgangsformen machen soziales Miteinander nicht nur angenehmer, sondern überhaupt erst möglich. Demzufolge ist es auch wichtig, dass wir unseren Kindern möglichst früh diese Regeln vermitteln, damit sie lernen, was in verschiedenen Situationen von ihnen gesellschaftlich erwartet wird.

Motivieren ja, drängen nein.

Kleine Kinder lernen großteils durch Beobachtung. Das heißt, so wie wir uns in den unterschiedlichsten Situationen verhalten, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen, hat Einfluss auf das Verhalten unserer Kinder. Wenn wir respektvoll mit anderen umgehen, höflich und freundlich sind, werden auch unsere Kinder zu höflichen Menschen heranwachsen.

Dies bedeutet nicht, dass die kleinen Leute, sobald sie sich verbal auch nur halbwegs gut ausdrücken können, beginnen, dieses an uns beobachtete Verhalten selbst anzuwenden. Sie beobachten erst einmal und irgendwann werden sie selbst entsprechend handeln. Was wir dabei tun können ist, ihnen ein positives Beispiel zu sein. Wir können sie dazu motivieren, sich zu bedanken, wenn sie etwas bekommen, um etwas zu bitten, wenn sie etwas haben wollen usw. indem wir ihnen sagen, was wir von ihnen erwarten. Was wir allerdings nicht tun sollten ist, sie zu drängen oder gar für mangelnde Höflichkeit zu bestrafen.

Jedes Kind braucht seine Zeit.

Manche Kinder haben weniger Schwierigkeiten damit, etwa laut zu grüßen, als andere. Viele Kinder verstummen regelrecht, wenn sie angesprochen werden oder wenn sie das Gefühl haben, es wird von ihnen erwartet, dass sie etwas (Bestimmtes) sagen sollen. Dabei ist es oftmals weder Schüchternheit noch Angst oder Eigensinnigkeit, die die kleinen Menschen vom Reden abhalten. Vielmehr geht es darum, dass manche Kinder länger brauchen, ausgiebiger beobachten müssen, um sich mit Situationen und Menschen „anzufreunden“. Gerade besonders aufdringliche Menschen wie die redselige Nachbarin von nebenan oder die liebe Urstrumpftante, die die Kleinen mit tausend Fragen überhäufen, sie ungefragt in die Wangen kneifen, weil sie so süß sind usw. haben es da oft sehr schwer, wirklich Zugang zu den Kindern zu finden. Bei näherer Betrachtung ist dies auch vollkommen nachvollziehbar. Auch ich möchte nicht von der netten Nachbarin angetatscht werden.

Die kindlichen Grenzen achten.

Kinder haben, wie wir Erwachsenen auch, ihre persönlichen Grenzen. Sie haben das Recht darauf, sich erst einmal ausreichend ein Bild der Person bzw. Situation machen zu dürfen, ehe sie entscheiden, ob sie sich öffnen wollen oder eben nicht. Wenn die lästige Nachbarin das Kind verbal überhäuft -„Ja hallo, wie geht´s dir denn? Na, du bist aber wieder groß geworden!Wo gehst du denn hin? Warst du im Kindergarten heute? Na, warum sagst denn nix??“ – und es dabei vielleicht auch noch am Kopf tätschelt oder ähnliches, dann ist es doch kein Wunder, dass das Kind verstummt!

Ich habe es schon oft erlebt: Kinder öffnen sich, wenn man ihnen die Freiheit gibt, selbst zu entscheiden. Wenn ich dem Kind zeige, ich bin da und du kannst jederzeit zu mir kommen, so wird es viel eher bereit sein, sich zu öffnen, als wenn ich es mit Fragen zuschütte, ihm nicht von der Seite weiche und mich ihm sonst wie aufdränge.

Kinder brauchen Zeit. Sie wollen selbst entscheiden, wen sie wann an sich heran lassen. Überschreitet man ihre Grenzen immer wieder, indem man sie dazu anhält, dass sie mit Leuten sprechen, von denen sie sich überrollt fühlen oder bei denen sie sich (noch) nicht sicher genug fühlen, so zwingt man sie, ihre eigenen Grenzen zu missachten. Auf Dauer wird dadurch die kindliche Integrität verletzt.

Ein Gleichgewicht finden.

Wichtig erscheint mir daher, dass wir unseren Kindern ein gutes Vorbild sind und ihre persönlichen Grenzen respektieren und achten. Wir können sie auf ein Bitte und Danke hinweisen, wenn sie von uns etwas wollen. Wir können ihnen erklären, wann wir andere grüßen oder was wir in verschiedenen Situationen sagen, um die Höflichkeit zu wahren und das Miteinander zu ermöglichen. Noch besser als alles Erklären und Reden ist aber – wie so oft in der Erziehung – unsere Vorbildwirkung. Was wir tun und wie wir selbst uns verhalten ist Maßstab für das Verhalten unserer Kinder.

Und wenn sie dazu bereit sind, werden sie dieses Verhalten auch selbst in die Tat umsetzen.

Wie sag ich´s der aufdringlichen Nachbarin?

Ich als Mama komme immer wieder in Situationen, in denen meine kleinen Männer verstummen. Anfangs tat ich mir sehr schwer damit. „Warum redet er denn nix, ist er schüchtern?“ ist ein sehr beliebter Satz von Menschen wie der aufdringlichen Nachbarin. Während ich früher nicht wusste, was ich darauf sagen sollte, ist meine Antwort jetzt meist kurz und klar: „Nein, er braucht halt einfach seine Zeit.“ Manchmal füge ich dann auch noch ein „Und das ist auch ganz normal.“ hinzu, in die Richtung meines Sohnes gewandt.

Wenn meine kleinen Männer nicht reden wollen, übernehme ich das halt in solchen Situationen für sie. Dann sag ich eben „Danke“ für das Zuckerl, das sie bekommen, oder beantworte die Fragen, die an meine Kinder gerichtet sind an ihrer Stelle. Es ist nicht immer einfach, Verständnis und Geduld zu haben, den kleinen Leuten Zeit zu geben. Aber wir sollten ihre Grenzen akzeptieren. Sie reden eben dann, wenn es für sie passt. Das ist auch völlig in Ordnung so, eigentlich.

 

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Tamara_Schrift

 

 

 

 


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3 Tipps, wie du mehr Achtsamkeit in deinen Alltag bringst!

20150418_150240.jpgWenn du meinen Blog verfolgst, wirst du schon erkannt haben, dass Achtsamkeit für mich einen großen Stellenwert hat – im Leben generell, aber gerade auch im Alltag mit Kindern. Achtsam den gegenwärtigen Moment leben zu können, ist DIE Grundvoraussetzung für Glück. Deswegen möchte ich dir heute ein paar Tipps in diese Richtung geben.

Wer kennt das nicht? Die Aufgaben des täglichen Lebens mit Kindern sind vielschichtig, komplex und erfordern nicht nur enormes Organisationstalent, Management und ein hohes Maß an Flexibilität (um uns jederzeit auf die aktuellen Umstände und auftauchenden Schwierigkeiten einzustellen), sondern – und ganz besonders – auch viel Energie und Kraft.

Der Schlüssel liegt im Moment

Wenn wir also nicht sorgfältig mit unseren Energiereserven umgehen, kann es schnell passieren, dass wir überfordert sind und wir nur noch auf Sparflamme laufen.Unter solchen Voraussetzungen jedoch bleiben die Gelassenheit und Geduld, die wir im Umgang mit unseren kleinen Leuten so dringend brauchen, auf der Strecke. Wir werden ungeduldig, gereizt, neigen zu Überreaktionen und tun uns schwer damit, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, das da wäre: das Hier und Jetzt. Dieser Moment.

Denn wenn wir genauer darüber nachdenken, dann besteht das Leben ja nur aus einer Aneinanderreihung von Momenten. Die Vergangenheit ist vorbei und kann nicht mehr geändert werden, die Zukunft ist noch weit weg und ebenso wenig beeinflussbar. Alles, was wir also haben, ist das JETZT. Und genau darauf sollten wir uns, so oft es geht, konzentrieren.

Auch ein kleiner Schritt zeigt seine Wirkung!

Das bedeutet nicht, dass wir andauernd präsent sind oder sein müssen. Das ist auch gar nicht möglich. Aber je öfter wir es schaffen, einzelne Momente einzufangen, sie festzuhalten und ganz da zu sein, je mehr wir Achtsamkeit in unser Leben bringen, desto intensiver wird sie uns beeinflussen. Das kann schon mit einem kleinen Ritual täglich beginnen, das keinen extra Zeitaufwand bedeutet, und kann bis hin zu Meditation reichen, die unseren Geist befreit und reinigt.

Seitdem ich begonnen habe, Achtsamkeit in mein Leben zu bringen, spüre ich die Veränderung. Manchmal gelingt es mir besser, dann wiederum habe ich Phasen, in denen es mir schwer fällt, präsent zu sein. Aber – und ich denke, darauf kommt es letztlich an – ich bin zumindest in kleinen Dosen hier und da und auch in einigen festen Ritualen, die ich inzwischen habe, achtsamer und präsenter.

3 Tipps, wie du mehr Achtsamkeit in dein Leben bringen kannst

1 Dein Kind als Anker

Als ich damit begonnen habe, Achtsamkeit zu üben, tat ich zunächst einmal nur eines: wann immer ich Momente zur Verfügung hatte, in denen ich mich voll und ganz meinem Sohn widmen konnte, nutzte ich diese dazu, meine Gedanken abzuschalten und mich ganz dem Augenblick hinzugeben. Ich beobachtete meinen kleinen Mann, war ganz bei ihm, versetzte mich in seine aktuelle Gefühls- und Erlebniswelt und stellte meine eigenen Probleme, Sorgen und Gedanken in den Hintergrund. Ich lachte mit meinem Kind, freute mich mit ihm, versuchte die Welt mit seinen Augen zu sehen.

Diese Momente waren und sind für mich vollkommen. In ihnen spüre ich reines Glück. Auch heute noch versuche ich solche Momente zu genießen und aufzusaugen. Mit Kindern Zeit zu verbringen, ermöglicht uns durchaus, achtsam zu sein. Wenn wir all die Aufgaben des Alltags mal kurz beiseite schieben können und uns auf den Moment einlassen, ist das pure Achtsamkeit, die noch dazu die Beziehung zu unseren Kindern stärkt, die Nähe erzeugt.

2 Dankbar sein

Wir neigen dazu, uns stets auf das zu konzentrieren, was vielleicht noch besser laufen könnte. Ständig haben wir Ziele, Pläne und Träume, die wir verfolgen und von denen wir uns erhoffen, dass sie uns das große Glück vor die Füße legen. Leider vergessen wir dabei allzu oft, dankbar für das zu sein, was wir bereits haben.

Ich habe mir ein kleines Dankbarkeitsritual angewöhnt, das ich jeden Abend mit meinen Kindern ausführe:

Nach der Gute-Nacht-Geschichte werfen wir noch einmal einen Blick auf den vergangenen Tag, indem wir darüber sprechen, was wir gemacht haben und was davon uns besonders gut gefallen hat. Wir bedanken uns für den Tag und für die schönen Momente, die er uns gebracht hat. Auf diese Weise schließen wir gemeinsam den Tag ab, bringen ihn zu einem guten Ende und üben uns in Dankbarkeit, die eine der Grundvoraussetzungen dafür ist, glücklich sein zu können.

Erst wenn wir dankbar sind für das, was wir haben und sind, können wir wirklich glücklich sein. Solange wir nur nach den „Sternen“ greifen, verpassen wir das wahre Glück, das im Hier und Jetzt liegt.

Wenn du möchtest, kannst du auch beispielsweise einmal die Woche aufschreiben, wofür du selbst in letzter Zeit dankbar warst. Nimm dir vor, an einem fixen Tag in der Woche deine persönliche Dankesliste zu machen. Du wirst sehen, es tut gut!

3 Atmen

Wenn du einen Schritt weiter gehen möchtest, dann versuche zumindest zehn Minuten täglich Ruhe zu finden, um dich ganz deiner Atmung hinzugeben.

Leg dich hin oder setze dich auf einen Stuhl und beobachte deinen Atem. Konzentriere dich auf deine Ein- und Ausatmung und erkunde, wie sich dabei dein Bauch hebt und senkt, wie die Luft durch deine Nase strömt und sich deine Brust füllt. Du beobachtest deine Atmung als würdest du dir selbst von außen zusehen, ohne sie verändern zu wollen. Du nimmst sie wahr, bewertest sie jedoch nicht (z.B. indem du denkst „ich atme zu schnell/zu flach/zu hektisch“ etc.).

Auftauchende Gedanken nimmst du wahr, schiebst sie jedoch ohne Bewertung einfach beiseite. Du kannst etwa, wenn du merkst, dass ein Gedanke auftaucht oder du abgedriftet bist, diesen Gedanken einfach kurz benennen („Denken“ oder „Gedanke“) und lässt ihn sogleich weiter ziehen. Ich stelle mir meistens vor, die Gedanken ziehen weiter wie Wolken am Himmel oder sie werden wie von Scheibenwischern einfach weg gewischt. Dann konzentrierst du dich wieder auf deinen Atem.

Viele Menschen denken, dass sie beim Meditieren keine Gedanken mehr haben dürfen. Dies gelingt vielleicht buddhistischen Mönchen, aber ist nicht das absolute Ziel, das es für dich zu erreichen gilt. Gedanken kommen immer wieder hoch, das gilt es zu akzeptieren – unser Gehirn lässt sich nicht einfach so abdrehen. Wichtig ist nur, dass wir sie neutral wahrnehmen und zur Seite schieben, ohne ihnen eine Wertung aufs Auge zu drücken wie z.B. „jetzt hab ich schon wieder gedacht“ oder „heute kann ich einfach nicht abschalten“ etc. Einfach wegschieben und wieder aufs Atmen konzentrieren.

Probier es doch mal aus 🙂

… und wenn du Lust hast, schreib mir über deine Erfahrungen!

Alles Liebe,

Deine

Tamara_Schrift

 

Ist mein Kind hochsensibel?

Hast du die Vermutung, dass dein Kind hochsensibel sein könnte?

Möchtest du herausfinden, ob dein Kind über diesen Wesenszug verfügt?

Mach den Test!

Test nach Elaine N. Aron: Ist mein Kind hochsensibel?

Test nach Rolf Sellin: Ist mein Kind hochsensibel?

Bist du unsicher, wie du dein Kind in seiner Hochsensibilität annehmen kannst? Ergeben sich Schwierigkeiten für euer Miteinander? Fühlst du dich hilflos, weißt nicht mehr weiter im Umgang mit deinem Kind?

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Tamara_Schrift

Das Indianerzelt

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Urlaub auf dem Land bei der Uroma ist Abenteuer pur für meine kleinen Männer. Sie können die Haustür aufmachen und in den riesigen Garten stürmen, den ehemaligen Stall des 300 Jahre alten Bauernhofes erkunden, das viele Holz, das überall herumliegt, weil die Uroma es zum Heizen und teilweise auch zum Kochen braucht, für diverse Spiele wie Aufeinandertürmen, Schlichten, in Kisten Packen und Herumtragen uvm. verwenden. Sie finden ständig irgendein Utensil, das erkundet und in seinen vielen Funktionen ausgiebig getestet werden will. So kann ein simples Stück Seil die Kinder einen ganzen Vormittag lang beschäftigen. Der kleine Bruder zieht es umher wie eine Nachziehente, der große Bruder knotet es überall fest, baut damit Fallen und fesselt seinen kleinen Bruder oder den Papa. Ein Besen wird zum Reiten benutzt, die zahlreichen Pflanzen und Blumen der Uroma mit Liebe und Ausdauer gegossen. Zum Glück ist es gerade sehr heiß und Wasser von pflanzlicher Seite überaus erwünscht.

Als wir an einem Nachmittag vom Badeteich zurückkommen, klagt mein kleiner dennoch über Langeweile. Auch wenn er es im ersten Moment nicht annehmen kann, versichere ich ihm, dass es durchaus gut ist, sich mal zu langweilen. Nachdem er einige Minuten missmutig seiner Langweile frönt, hat er offenbar einen Geistesblitz. Wie aus heiterem Himmel packt ihn die Kreativität und er beginnt, ein Indianerzelt zu bauen. Sein Papa hilft ihm dabei, die Holzstöcke oben zusammenzubinden und die Decke zu befestigen, alles andere macht mein Sohnemann selbst.

Ich staune wieder einmal, wie kreativ und euphorisch Kinder sein können, wenn sie etwas von sich aus tun, aus eigenem Antrieb und mit Ideen, die aus ihren kleinen Köpfen entwachsen, ohne irgendeinen äußeren Einfluss. Die Freude, die dabei entsteht, ist unermesslich und echt.

Ich habe den Moment, mein Kind bei diesem erfüllenden Erleben beobachten zu dürfen, einfach nur genossen und mich von seiner Freude anstecken lassen.

Einer der vielen wunderschönen kleinen Momente mit meinen Kindern, den ich achtsam und dankbar mit ihnen teilen durfte.

Kommt dann eh kein Böser??

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Mein kleiner Mann liebt Geschichten von Räubern, Gespenstern, Monstern, Hexen und Helden. Er spielt gerne den Batman oder lässt seine Ritter die Burg gegen Eindringlinge verteidigen, bringt als Polizist die „Bösen“ ins Gefängnis und wenn es brennt, dann kommt er als Feuerwehrmann zum Einsatz.

Kinder beginnen mit ca. drei Jahren, sich intensiv mit ihrer eigenen Phantasie zu beschäftigen, sie zu entwickeln und stetig zu erweitern. Märchen und andere Geschichten, die magische Inhalte vermitteln und dabei noch genügend Spielraum lassen für eigene Phantasien, gewinnen nun an Bedeutung. Das Spielverhalten des Kindes verändert sich – so werden Rollenspiele wichtig, um Szenen aus dem Alltag oder aus Geschichten immer wieder „durchzuspielen“ und neu aufzurollen, und zwar so lange, bis das Kind sie vollständig verarbeiten konnte.

Diese magische Phase, die bis ins zehnte Lebensjahr hinein andauert, ist eine Zeit der Phantasie, der Magie und Zauberei. Monster und Gespenster werden als real erlebt, auch wenn es sie nur in Geschichten gibt. Rationales Beschwichtigen damit verbundener Gefühle ist ebenso unwirksam wie unangebracht. Es hilft dem Kind nicht, gesagt zu bekommen, dass es diese Monster nicht gibt. Tatsache ist, das Kind erlebt sie als existierend – ob nun in der Realität oder nur in seiner Phantasie macht dabei keinen allzu großen Unterschied.

Die kindlichen Ängste ernst nehmen

Es ist also wichtig, dem Kind zu vermitteln, dass wir es ernst nehmen. Die Monster mögen zwar nicht real sein, die Ängste des Kindes jedoch sind es. Was zählt ist also, sie anzuerkennen und ihnen Raum zu geben.

Wenn das Kind von einem Monster oder ähnlichem spricht, kann es helfen, genauer nachzufragen: wie sieht es aus? Wie groß ist es? Welche Farbe hat es? Was macht es denn?

Auf diese Weise erfährt das Kind, dass es ernst genommen wird. Gleichzeitig werden viele Ängste kleiner, indem man ihnen einen Namen oder ein Gesicht gibt. Wir können das Kind auch dazu ermuntern, dass es sein Monster malt, wenn das verbale Beschreiben vielleicht schwer fällt.

Was wir jedoch vermeiden sollten ist, kindliche Ängste  mit Aussagen wie „da ist doch kein Monster“, „ist doch nicht schlimm“ oder ähnlichem abzutun.

Monsterfresserpuppe und Bösen-Falle

Es ist schon eine Weile her, dass ich mit meinem kleinen Mann zusammen eine Monsterfresserpuppe gebastelt habe. Sie liegt immer in seinem Bett und frisst – wie der Name schon sagt – alle Monster auf, die sich nächtens ins Kinderzimmer wagen.

Bei einem Gespräch mit ihm neulich erfuhr ich, dass es „die Bösen“ sind, die ihm zur Zeit am meisten zu schaffen machen – konkret: Diebe, Einbrecher und Räuber, die in unsere Wohnung eindringen könnten. Also haben wir gemeinsam überlegt und schließlich eine Falle gebaut: wir haben eine Schuhschachtel verziert, ein Loch in den Deckel geschnitten und mein Sohn hat noch einen Zettel drauf geschrieben: „Liebe Böse, hier habt ihr schönes Essen“ – ein Lockruf sozusagen 🙂

Dann noch einen Stein mit einem selbst erfundenen Zauberspruch belegt, in die Kiste gelegt – zusammen mit einer Decke aus Filz, denn wir wollen ja nicht, dass die Bösen es allzu ungemütlich haben und ein paar Süßigkeiten – und fertig war die Falle! Ach ja, zur Erklärung für alle, denen das Prinzip der Falle unbekannt ist: durch den Zauberstein werden die „Bösen“ klein wie eine Kartoffel und in die Kiste gezaubert, wo sie dann gefangen sind. Am nächsten Morgen können sie dann wieder in die Natur gelassen werden, denn – wie mein kleiner Mann feststellte – „die kommen dann nicht wieder“.

Kindern ihren eigenen Weg zur Angstbewältigung zugestehen

Wir können Kindern dabei helfen, ihre Ängste durchzustehen, sie dabei begleiten und bei Bedarf Trost spenden. Allerdings ist es auch wichtig Vertrauen in sie zu haben. Kinder finden ihren Weg, mit Ängsten fertig zu werden, auch wenn wir diesen oft nicht (gleich) verstehen können. So wie ein Kind seinen Kuschelhasen überall hin mitschleppt, wird ein anderes Kind zeitweilig einen imaginären Begleiter erfinden, wieder ein anderes braucht dafür den Schnuller noch ein Weilchen länger. Die Arten der Kinder, mit ihren Ängsten umzugehen, sind vielfältig und wertvoll. Deshalb sollten wir ihnen vertrauen und ihnen ihre eigenen Mittel und Wege lassen.

Fazit: Die Ängste von Kindern immer ernst nehmen. Vertrauen in die Kinder haben, sie dabei begleiten und ihnen ihren eigenen Weg mit ihrer Angst umzugehen, zugestehen.

Eure

Tamara_Schrift

Ich kann nicht schlafen!

Birgit von Mutti´s Nähkästchen hat uns Familienbloggerinnen in ihrer Rubrik #fragmama dazu aufgerufen, etwas zum Thema Schlafen beizusteuern. Dem möchte ich hiermit gerne nachkommen.


 

20130617_141906Schlafen ist ja so eine Sache, wenn man Kinder hat. Bei meinem ersten Sohn kriegte ich ein Jahr lang kaum ein Auge zu, alle ein bis zwei Stunden – beim kleinsten Schnupfen auch gern öfter – wurden mein Mann und ich geweckt. Ich zum Stillen. Er zum Rumtragen oder Bauch massieren. Durchgeschlafen hat der kleine Mann dann mit drei Jahren. Heute ist er fünf und das abendliche Einschlafen ist problemlos. Bei seinem kleinen Bruder lief es schlaftechnisch von Anfang an deutlich besser.

Sie schlafen inzwischen zusammen im Stockbett und wir haben seit jeher ein festes Abendritual: Erst geht es ab ins Bad zwecks nötiger Hygienemaßnahmen. Dann Pyjama anziehen und Gute Nacht Geschichten aussuchen. Anschließend liest Papa den beiden im Bett noch vor, danach kommt meist Mama, um noch mit beiden Jungs zu „beten“. Wir nennen es so, aber in Wahrheit ist es mehr ein Dankbarkeitsritual: wir lassen den Tag Revue passieren, erinnern uns gemeinsam an schöne Momente oder erzählen uns davon, wenn wir sie nicht gemeinsam erlebt haben, sind dankbar für sie und für unser Leben generell. Danach wird das Licht ausgemacht und die Tür bleibt offen, damit das Licht von draußen hinein leuchtet.

Bis auf Ausnahmen (wenn mein kleinster Mann nochmal nach uns ruft) funktioniert das in der Regel sehr gut. Ich denke, es ist wichtig, dass die Schlafsituation für alle passt – also für das Kind, aber auch für die Eltern. Ich kann nicht schlafen, wenn ein rotierendes Kind neben, auf und über mir liegt. Ein Familienbett kommt daher für mich nicht in Frage. Meine Kinder bekommen aber auf anderem Weg die Zuneigung und Nähe, die ihnen die Sicherheit gibt, vertrauensvoll einschlafen zu können. Es gibt, wie immer, kein Patentrezept. Wir können nur individuell entscheiden, was das Kind braucht, um in einen entspannten Schlaf zu finden.


 

Wie geht es euch mit diesem Thema? Habt ihr Schwierigkeiten, Tipps oder wollt ihr einfach erzählen, wie es bei euch läuft? Ich freu mich auf eure Antworten!

Eure

Tamara_Schrift

 

Wie wird man zum Attentäter? Der Versuch einer pädagogischen Herangehensweise.

Ich frage mich immer wieder, was einen Menschen zu solch schrecklichen Taten bewegt wie dem Attentat in Paris. Was geht in ihnen vor, wie sind sie dazu fähig, einen Schalter im Kopf umzulegen, um das Leid und den Tod anderer Menschen nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern sogar bewusst herbeizuführen?

Es handelt sich bei diesen Attentätern in der Regel um sehr junge Männer, die alles aufgegeben haben, um für eine große Terrororganisation zu kämpfen, zu töten und selbst ihr eigenes Leben zu opfern. Ich denke, das Hauptproblem liegt darin, dass diese Menschen nichts haben, was sie erst aufgeben müssten. Es sind junge Männer, die aus zerrütteten und armen Familienverhältnissen kommen, ohne Perspektive, ohne Sinn im Leben. Sie hatten nie etwas, haben nichts und sehen auch keinen Ausweg aus diesem miserablen Leben. Dann gibt es aber radikale, terroristische Gruppierungen, die zumindest eines versprechen können: Wir machen dich zu einem „Helden“. Mit uns kannst du es allen zeigen.

Denn das ist das einzige, was diesen Männern noch bleibt: Rache zu nehmen für das eigene misslungene Leben, für das eigene Versagen.

Ich habe vor zehn Jahren meine Diplomarbeit zum Thema „Schulamok und Friedenserziehung“ geschrieben und was sich dabei als wesentlichste Komponente hinsichtlich der Ursachen für Schulamok herausstellte, war vor allem folgendes: das Aufwachsen in einer Familie, die den Betreffenden nicht ausreichend ein Gefühl von Geborgenheit und Nähe vermitteln konnte (auch wenn nach außen hin alles „normal“ wirkte) und (daraus resultierend) soziale Probleme mit Gleichaltrigen, was in der Regel zu sozialem Rückzug führte und in weiterer Folge zu Rache- und Allmachtsphantasien. Die jungen Amokläufer sehen für sich keinen Sinn mehr im Leben, doch sie wollen nicht nur einfach still und leise von der Bildfläche verschwinden, sondern ihren eigenen Suizid damit „krönen“, dass sie andere Menschen mit in den Tod nehmen. So bekommen sie zumindest dieses eine Mal die Aufmerksamkeit, nach der sie sich ihr Leben lang gesehnt haben.

Traurig.

Dass so viele unschuldige Menschen ihr Leben dafür bezahlen müssen, dass andere sich für ihr eigenes verschandeltes Leben rächen können, ist schrecklich traurig.

Dass es (immer noch) so viele junge Menschen gibt, die nicht nur aus schlimmen Familienverhältnissen kommen, sondern denen der Staat, in dem sie leben, auch keine Perspektive bietet, dass es für sie jemals besser werden könnte, ist beschämend.

Leider gibt es viele Eltern, die ihren Kindern – aus welchen Gründen auch immer – keine glückliche Kindheit bieten können. Viele haben es selbst nicht anders erlebt und geben ihre eigenen Erfahrungen ihren Kindern weiter, oft sind die Umstände problematisch, manchmal liegt es schlichtweg daran, dass die Kinder zu wenig von dem bekommen, was sie wirklich brauchen oder zu viel von dem, was sie nicht brauchen. Die Aufgabe eines Staates sollte es sein, solche Missstände zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Ich habe selbst viereinhalb Jahre in Brüssel gelebt und bin ein oder zwei Mal durch die berüchtigte Gegend „Molenbeek“ mit dem Bus gefahren. Ich muss ehrlich sagen, alleine würde ich mich dort nicht aus dem Bus steigen trauen. Dieser Stadtteil ist völlig heruntergekommen, die Häuser sind riesige Baracken mit fehlenden, mit Holz vernagelten oder sonstwie kaputten Fenstern. Es ist schmutzig, trist und farblos. Wie das Leben derer, die hier wohnen. Hierher führen immer wieder Spuren von Attentätern. Zufall? Ich denke nicht.

Wenn wir den Terror bekämpfen wollen, reicht es nicht aus, Terrororganisationen zu bekämpfen. Vielmehr sollten wir daran arbeiten, jungen Leuten, die es aufgrund ihrer Herkunft schon schwer genug im Leben haben, Perspektiven zu geben. Etwas, was ihnen Hoffnung gibt, dass sie es schaffen können, etwas aus ihrem Leben zu machen. Denn wenn wir es nicht schaffen, dann macht es eben Al-Qaida, der IS oder wie immer sie sich nennen wollen.

 

Im Gedenken an all die Opfer von Attentaten weltweit.

 

Tamara Jungbauer