Der leise Tod des Schnullers – wie wir ihn dann doch noch los wurden, ganz von allein!

Der „Nulli“, wie er von meinem kleinsten Mann genannt wurde, war bis vor Kurzem noch eine liebe Gewohnheit, die er scheinbar nicht mehr loswerden wollte. Doch Neulich kam es dann ganz plötzlich doch ganz anders. Ohne Stress. Ganz von allein. 

Mein kleinster Mann ist drei Jahre alt. Er hatte von Anfang an einen Schnuller, vorwiegend zum Schlafen. Er war kein „Dauernuckler“, aber in gewissen Situationen, in denen er sich selbst beruhigen musste, und im Bett war der Nuckel einfach wichtig.

Projekt „Schnullibaum“

Seine Kindergartenbetreuerin machte letztes Jahr einen Vorschlag, der mir gefiel und den ich ausprobieren wollte. Sie riet mir, einen bestimmten Baum oder eine Pflanze auszuwählen, an der mein Sohn jene Schnuller, auf die er verzichten wollte, mit einer Schnur befestigen sollte, um sie „anderen Babys zu schenken“, die ihn noch dringender brauchten. Über Nacht würden diese dann „geholt“ (sprich: Mama vergräbt sie tief unten im Mülleimer). Das taten wir dann auch und mein Sohn hing euphorisch nach und nach all seine Schnuller an die Pflanze. Es hatten sich ja so einige angesammelt, also ging das Spielchen eine Weile so.

Beim letzten Schnuller allerdings verging meinem Kleinsten die Lust und er beschloss, dass die anderen Babys bereits genug abbekommen hatten. „Das ist meiner.“, stellte er fest und damit war die Diskussion für ihn beendet.

Der letzte „Nulli“

Dieser letzte Schnuller blieb uns im vergangenen Jahr treu erhalten. Er war schon abgewetzt, im wahrsten Sinne des Wortes: ausgelutscht, vergilbt und am Ende hatte er auch schon ein kleines Loch im Sauger. Aber mein Sohn behandelte ihn wie einen kostbaren Schatz. Wenn man ihn fragte, ob er ihn wirklich noch brauche, sagte er fest entschlossen „Ja!“ und basta.

Nebenbei machten wir aber auch klar, dass wir keinen neuen Schnuller mehr anschafften. Der letzte Schnuller war und blieb der letzte, das war ihm bewusst. Er passte entsprechend gut auf ihn auf.

Wir drängten ihn nicht, seinen „Nulli“ endlich wegzuwerfen. Immer wieder mal fragten wir nach, ob er ihn wirklich noch brauche, wenn er ihn mal wieder irgendwo verloren hatte und verzweifelt suchte. Immer wieder fand er ihn (oder wir taten es) und er war darüber selig. Ihm diesen „Schatz“ einfach wegzunehmen wäre niemals in Frage gekommen.

Verloren – wiedergefunden – wieder verloren

Als er dann neulich abends seinen Schnuller nicht fand und mein Mann das Suchen irgendwann aufgegeben hatte (ich war an diesem Abend gerade nicht da), schlief er dann problemlos ohne ihn ein. Am nächsten Morgen fand er ihn dann doch wieder und nuckelte gleich nachträglich drauf los. Als er ihn dann kurz darauf wieder suchte und ich ihn schließlich fand, beschloss ich, ein wenig nachzuhelfen. Ich versteckte ihn an einem sicheren Ort und bis zum Schlafengehen abends war er vergessen. Als wir ihn dann abends wieder nicht „fanden“, schlief er ein weiteres Mal problemlos ohne ihn.

Und dann ist er gestorben…

Das war für mich Zeichen genug, dass er bereit ist, seinen „Nulli“ loszuwerden. Am nächsten Tag sagte er abends zu mir: „Der Nulli ist weg, den finden wir nicht mehr.“ Als ich daraufhin sagte „Ja, der war auch schon sehr, sehr alt. Das war ein richtiger Opa – Schnuller.“, mussten wir beide lachen.

„Ja, der hat schon ein Loch gehabt.“, gab mein Sohn zu Bedenken.

„Genau. Bestimmt hat er sich irgendwie davon geschlichen, der wollte nicht mehr genuckelt werden. Viel zu alt war der schon.“, sagte ich.

Er: „Ja, der war gaaaanz alt. Der ist sicher schon gestorben.“

Ich: „Mhm..und was machen wir da jetzt?“

Er: „Jetzt lassen wir ihn in Ruhe.“

Kinder lösen ihre Probleme selbst

Das ist eines von jenen Erlebnissen, die mich immer wieder faszinieren und begeistern. Kinder nehmen sich die Zeit, die sie brauchen, wenn wir sie lassen. Sie machen sich ihre eigenen Gedanken, wenn wir ihnen nicht unsere aufdrängen.

Mein Sohn ließ seinen Schnuller alt werden, um ihn dann eines natürlichen Todes sterben zu lassen. Das konnte er akzeptieren, damit konnte er letztlich leben. Dadurch wurde der Abschied möglich.

Eine lieb gewordene Gewohnheit loszuwerden, ist für uns alle schwer. Gerade Kinder brauchen ihre Zeit und wenn wir darauf vertrauen, dass sie zu gegebenem Zeitpunkt – eben zu ihrer Zeit – das tun, was zu tun ist, dann werden sie es auch machen. In ihrem Tempo.

Was sie von uns brauchen, ist Geduld, Verständnis und Zeit. Wir können sie begleiten, ihnen Anregungen geben und letztlich auch ein bisschen nachhelfen, wenn der Zeitpunkt da ist. Am wichtigsten jedoch ist unser Vertauen in sie. Damit schaffen sie alles.

Hast du Fragen oder möchtest du deine Erlebnisse teilen? Dann schreib mir doch, ich freu mich!

Deine

Tamara_Schrift

 

Mein Kind ist jetzt ein Schulkind – Zeit zum Loslassen

Ich werde wieder ein Stück weit weniger gebraucht von meinem Kind. Ich trete als Elternteil immer mehr in den Hintergrund, während immer mehr andere Menschen Anteil am Leben meines Kindes haben. Das tut weh.

Doch auch wenn wir Eltern immer wieder dieses Stechen im Herzen, das flaue Gefühl in der Magengegend verspüren, wenn sich unser Kind wieder einen weiteren Schritt von uns entfernt, so ist dies völlig normal und natürlich. Wichtig dabei ist nur, dass wir trotz des Abschiedsschmerzes bereit sind, loszulassen. Auch wenn es weh tut.

Mein Gastbeitrag für die Webseite besser-bilden.de befasst sich mit dem Thema Schuleintritt. Wenn das Kind in die Schule kommt, so bedeutet dies, dass es wieder ein Stück weit selbständiger geworden ist. Es sich einen weiteren Schritt von uns weg bewegt, geradeaus in Richtung Unabhängigkeit. Das ist schön, so soll es ja schließlich sein. Es tut aber auch weh. Den Eltern oft noch mehr als den Kindern. Warum dies so ist, könnt ihr hier nachlesen.


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Eingewöhnung Kindergarten

20150319_115643Irgendwann kommt für die meisten Eltern der Punkt, an dem sie ihr Kind in Krippe oder Kindergarten geben wollen. Die Eingewöhnung verursacht vielen Erziehungsberechtigten im Vorhinein Bauchschmerzen, zumal sie oftmals nicht abschätzen können, ob ihr Kind sich schnell wohlfühlen wird in der Betreuungseinrichtung oder ob mit vielen Tränen und Herzschmerz zu rechnen ist. Meist sind es die Mütter, die auch selbst ein bisschen wehmütig sind, wenn sie ihren kleinen Schatz in fremde Hände geben und denen schon allein bei der Vorstellung einer tränenreichen Abschiedsszene das Herz bricht.

Wie können wir uns auf die Eingewöhnung vorbereiten?

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es nicht einfach ist, loszulassen. Speziell beim ersten Mal habe ich mir Sorgen gemacht, wie mein kleiner Mann wohl mit der Situation umgehen wird, erstmals ohne Mama und Papa in unbekannter Umgebung, mit ihm fremden Menschen allein gelassen zu sein. Die erste Eingewöhnung meines kleinen Mannes fand in einer Krippe in Brüssel statt als er knapp zwei Jahre alt war. Die Betreuerin sagte beim Anmeldungsgespräch einen Satz, der bei mir hängen blieb und den ich für sehr wertvoll halte: „Sie müssen selbst überzeugt sein, dass die Krippe das Richtige ist für Ihren Sohn und durchwegs positiv dazu eingestellt sein, ihm vermitteln wie schön es hier sein wird.“

Ich habe inzwischen vier Eingewöhnungen mit meinen Jungs gemacht und bin davon überzeugt, dass es das Um und Auf ist, dass wir Eltern (speziell der Elternteil, der die Eingewöhnung mitmacht) uns absolut sicher sein sollten, dass die Betreuungseinrichtung, für die wir uns entschieden haben, gut ist für unser Kind und wir wollen, dass es fortan dahin geht. Mit dieser Einstellung strahlen wir eine Sicherheit aus, die unserem Kind das vertrauensvolle Gefühl vermittelt: es ist gut.

Das Kind selbst sollte natürlich auch in Gesprächen auf die Eingewöhnung vorbereitet werden. Bestenfalls hat es schon vorher die Möglichkeit, sich den Kindergarten einmal anzusehen, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Auch können wir im Vorhinein so genau wie möglich erzählen, was im Kindergarten alles gemacht wird und ihn dem Kind so schmackhaft wie möglich machen. Schließlich ist es dort ja unglaublich lustig, weil man mit anderen Kindern spielen, völlig neue Spielsachen ausprobieren kann und am Ende kommt Mama oder Papa wieder, um die kleine Frau/den kleinen Mann abzuholen!

Die Kinder sind im Vorhinein meist voller Vorfreude, manchmal mischt sich zu der Freude auch ein wenig Angst vor dem Unbekannten, oft können sich die Kleinsten aber auch noch gar keine konkrete Vorstellung von dem machen, was sie da erwartet. In jedem Fall ist aber unsere Sicherheit und positive Einstellung zum Projekt Eingewöhnung die beste Basis für ein gutes Gelingen!

Wenn es soweit ist…

Wir haben also unser Kind bestens auf den Tag vorbereitet, der dann da irgendwann kommt. Und dann ist es soweit. Mit kribbeligem Bauch nehmen wir unser Kind an der Hand und sind irgendwie, mehr oder weniger, gespannt, wie es laufen wird.

Anfangs sind wir im Normalfall ja mit dabei, wenn unser Kind die Gruppe und die Betreuerinnen kennenlernt, beobachtet und sich mehr oder weniger schnell heranwagt, selbst mitzuspielen. Was in dieser Phase besonders wichtig ist: wir Eltern sind zwar mit dabei, bleiben aber dezent im Hintergrund. Am besten ist es, wir bleiben am Rande sitzen, halten uns zurück, sind einfach nur anwesend. Wenn das Kind zu uns kommt, sind wir da. Wenn es kuscheln möchte, kuscheln wir es. Wenn es uns etwas zeigen möchte, sehen wir hin. Wenn es unsere Hand für einen Moment halten möchte, halten wir sie. Wir sind da und lassen dem Kind Zeit. Denn das ist es, was es jetzt braucht: Zeit, um Vertrauen zu finden in die neue Umgebung, die anderen Kinder, die Betreuerinnen.

Bei meinem kleinen Mann lief die erste Eingewöhnung (in Brüssel) leider nicht so schonend. Am ersten Tag war mein großer Mann mit ihm gemeinsam da, am zweiten blieb er dann schon kurz alleine, am fünften Tag war er schon 3 Stunden da. Das war die Eingewöhnung für alle neuen Kinder, ohne individuelle Unterschiede. Mir brach damals mein Herz, weil ich wusste, wie sehr er immer weinte. Kurze Zeit später zogen wir zurück nach Wien und dort kam er dann bald in einen neuen Kindergarten, wo die Eingewöhnung schonender ablief. Am besten ging es dann aber in seinem derzeitigen Kindergarten, wo man wirklich auf seine Bedürfnisse einging und ihm die Zeit gab, die er brauchte.

Es ist nicht nur unsinnig, sondern auch unfair, von unseren kleinen Leuten zu verlangen, dass sie sich sofort wohlfühlen. Sie kennen ja in der Regel weder die Räumlichkeiten, noch die Bezugspersonen, die sich dort um sie kümmern sollen, die anderen Kinder sind ihnen unbekannt und sie sehen und fühlen noch dazu mehr oder weniger stark, dass Mama oder Papa sich früher oder später aus dem Staub machen wollen. Bei meinem kleinsten Mann war das sehr stark der Fall. Er ist generell ein sehr offenes, fröhliches Kerlchen, hat ein großes Grundvertrauen in die Welt und ich dachte, dass er sich einfach nur freuen würde, in einem Raum mit neuen Spielsachen und anderen Kindern drauf los spielen zu können. Doch er spürte ganz genau, dass ich die Absicht hatte, ihn irgendwann allein da zu lassen. So dauerte es ein paar Tage, bis er sich überhaupt traute, von meiner Seite zu weichen und etwa zwei Wochen, bis er richtig spielte. Er kam in der gesamten Eingewöhnungszeit immer wieder zu mir, setzte sich auf meinen Schoss oder hielt meine Hand. Ich versuchte aktiv, ihm meine Rückversicherung zu geben: ein „alles ist gut“. Und darauf zu vertrauen, dass er sich genau die Zeit nimmt, die er braucht. Nach einem Monat war die Eingewöhnung abgeschlossen und er blühte auf, freute sich immer riesig, morgens in den Kindergarten gehen zu dürfen. Von seiner anfänglichen Unsicherheit war nichts mehr zu erkennen.

Es ist wichtig, dass wir dem Kind keinen Druck auferlegen. Natürlich müssen viele Eltern ab einem bestimmten Zeitpunkt wieder beiderseits arbeiten gehen, nicht immer ist ein Elternteil ohnehin noch zuhause, wenn das Kind in den Kindergarten kommt. Doch auch wenn dem so ist, kann man die Eingewöhnung meistens so planen, dass ausreichend Zeit bleibt bis zum Wiedereinstieg ins Berufsleben. Ein bis zwei Monate sollten meiner Erfahrung nach eingeplant werden, um jeglichen zeitlichen Druck zu vermeiden.

Wie verhalte ich mich konkret während der Eingewöhnung?

Wie schon erwähnt, ist es zunächst einmal wichtig, sich selbst so weit als möglich zurück zu nehmen. Das Kind soll sein neues Umfeld selbständig entdecken lernen, sich auf die Betreuerinnen einlassen und die Erfahrung machen, dass sie die Ansprechpersonen sind, solange das Kind sich hier befindet. Wir spielen hier nicht mit unserem Kind (natürlich können wir, wenn es uns ein Spielzeug bringt, es uns ansehen oder etwas dazu sagen, aber wir gehen nicht im Raum umher und beschäftigen uns mit dem Kind), wenn es etwas braucht, ist es sinnvoll, auf das Betreuungspersonal zu verweisen (z.B.: „Du hast Durst? Vielleicht gibt dir ja Bettina ein Glas Wasser zu trinken?“ oder „Du möchtest mit der Eisenbahn spielen? Bestimmt möchte Elisabeth dir dabei helfen! Ich bleibe hier sitzen und sehe dir zu.“).

Sobald unser Kind sich ein wenig an die neue Umgebung gewöhnt hat, wird uns das Betreuungspersonal in der Regel bitten, für eine gewisse Zeit den Raum zu verlassen. Anfangs ein paar Minuten, und je nachdem wie es dem Kind damit geht (inwiefern es sich von der Betreuerin trösten lässt usw.), wird die Zeit, in der wir rausgehen, mehr oder weniger schnell gesteigert. Besonders wichtig ist hier, dass wir niemals den Raum verlassen sollten, ohne uns von unserem Kind verabschiedet zu haben! Manche Menschen denken, dass es für das Kind weniger schmerzhaft ist, wenn Mama oder Papa einfach plötzlich weg sind, doch das Gegenteil ist der Fall. Das Kind wird in seinem Vertrauen zutiefst erschüttert, wenn es plötzlich merkt: Mama/Papa ist weg! Es wird dann in Zukunft umso schwieriger werden, das Kind zurück zu lassen, denn es hat ja gelernt, dass es jederzeit passieren kann, dass seine Eltern einfach weg sind. Verabschieden ist ein absolutes Muss, auch wenn es bedeutet, dass unser Kind zu weinen beginnt, uns mit flehendem Blick ansieht und sich an uns klammern möchte. Diese Momente schmerzen, ohne Frage. Sie sind aber notwendig, denn nur wenn das Kind Abschied nimmt, versteht es, dass Mama/Papa jetzt weg ist und kann in weiterer Folge lernen, Mama/Papa kommt aber auch jedesmal wieder.

Denn das ist es, worum es im Grunde geht: das Kind muss lernen, dass wir wieder kommen. Es ist zwar für eine gewisse Zeit alleine hier, aber Mama und Papa kommen wieder, um es abzuholen. Immer.

Dementsprechend wichtig ist es auch, dass wir unsere Versprechen einhalten, wenn es ums Abholen geht. Wenn ich meinem Kind verspreche, dass ich es direkt nach dem Mittagessen abhole, so muss ich dies auch tun. Andernfalls begehe ich einen Vertrauensbruch, der das Kind enorm verunsichert.

Wenn ich wieder zurück komme, begrüße ich mein Kind auch wieder klar und deutlich und sage ihm, ich bin wieder hier. Bei dir. Alles ist gut. Wenn es weint, tröste ich es. Drücke es, kuschle es… was immer es eben gerade braucht.

Es gibt natürlich auch Kinder, die einfach größere Schwierigkeiten damit haben, ihre Eltern loszulassen. Mein kleiner Mann etwa ist eines davon. Er ist generell ängstlicher als mein kleinster Mann und so war die Eingewöhnung in den Kindergarten auch immer etwas langwieriger. Leider musste er innerhalb von einem Jahr gleich dreimal eingewöhnt werden, erst weil wir das Land verließen und dann nochmal, weil der zweite Kindergarten unseren Vorstellungen widersprach. Beim dritten Mal hatte er natürlich schon hinreichend die Erfahrung gemacht, dass ich immer wieder komme, um ihn abzuholen. Dennoch klammerte er sich an mich und wich nicht von meiner Seite. Wenn sich die Betreuerin näherte, drehte er sich demonstrativ zur Seite. Ich kenne meinen Sohn und ich wusste zu diesem Zeitpunkt, dass er sich nicht öffnen kann, solange ich mit im Raum bin. Daher sagte ich irgendwann zur Betreuerin, dass ich denke, es wäre besser, ich würde vor der Tür warten. So machten wir es auch und es war wie ich vermutet hatte: er weinte für einige Sekunden, als ich hinaus ging, ließ sich aber sofort von der Betreuerin trösten und war nun auch bereit, sich von ihr mit der Umgebung vertraut machen zu lassen. Was ich daraus gelernt habe: es ist wichtig, auf sein Herz zu hören. Ich als Mutter kenne meine Kinder am besten und weiß, was ich ihnen zumuten kann und was ihnen gut tut. Meine Kinder lieben heute beide den Kindergarten, es gab bis heute bei meinem kleinen Mann keinen einzigen Morgen, an dem er sich geweigert hätte, in den Kindergarten zu gehen. Bei meinem kleinsten Mann auch nicht, aber da ist es ja auch noch nicht so lange.

Die Eingewöhnungsphase ist sehr heikel. Diese erste Trennung von den Eltern, die Erfahrung, alleine gelassen zu werden, sollte so sanft wie möglich erfolgen und es sollten immer die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Kindes mit berücksichtigt werden. Manche Kinder brauchen etwas länger, andere finden sich sehr schnell mit der neuen Situation zurecht. Es gibt auch Kinder, die anfangs nicht weinen und scheinbar keinen Trennungsschmerz erleiden. Oftmals zeigt sich bei diesen Kindern aber nach ein paar Wochen langsam doch die Verarbeitung des Trennungsschmerzes, indem sie dann plötzlich beim Abschiednehmen traurig sind oder nicht in den Kindergarten gehen wollen, weil es eben bei ihnen etwas länger gedauert hat, die Trennung aufzuarbeiten.

Jedes Kind kann eingewöhnt werden. Wichtig ist nur das Wie. Dann spielt das Wann eine untergeordnete Rolle. Ob ein Kind ein Jahr oder zwei Jahre alt ist, ist nicht so wichtig. Rund um den zweiten Geburtstag interessieren sich Kinder vermehrt für andere Altersgenossen und soziales Spielen rückt langsam in den Vordergrund. Dann ist es sicher sinnvoll, dass Kinder außerfamiliär betreut und dadurch mit neuen Reizen, Herausforderungen, Menschen konfrontiert werden als sie dies zu Hause erhalten.

Ich fasse noch einmal zusammen, worauf es bei einer gelingenden Eingewöhnung ankommt:

  • Positive Einstellung der Eltern zum Kindergarten/zur Krippe
  • Vermeidung von zeitlichem Druck
  • Dem Kind die Zeit geben, die es braucht
  • Da sein, gleichzeitig loslassen
  • Abschied nehmen
  • Trösten, zuversichern: alles ist gut.

In diesem Sinne: gutes Gelingen! 🙂


Tamara Jungbauer