Der leise Tod des Schnullers – wie wir ihn dann doch noch los wurden, ganz von allein!

Der „Nulli“, wie er von meinem kleinsten Mann genannt wurde, war bis vor Kurzem noch eine liebe Gewohnheit, die er scheinbar nicht mehr loswerden wollte. Doch Neulich kam es dann ganz plötzlich doch ganz anders. Ohne Stress. Ganz von allein. 

Mein kleinster Mann ist drei Jahre alt. Er hatte von Anfang an einen Schnuller, vorwiegend zum Schlafen. Er war kein „Dauernuckler“, aber in gewissen Situationen, in denen er sich selbst beruhigen musste, und im Bett war der Nuckel einfach wichtig.

Projekt „Schnullibaum“

Seine Kindergartenbetreuerin machte letztes Jahr einen Vorschlag, der mir gefiel und den ich ausprobieren wollte. Sie riet mir, einen bestimmten Baum oder eine Pflanze auszuwählen, an der mein Sohn jene Schnuller, auf die er verzichten wollte, mit einer Schnur befestigen sollte, um sie „anderen Babys zu schenken“, die ihn noch dringender brauchten. Über Nacht würden diese dann „geholt“ (sprich: Mama vergräbt sie tief unten im Mülleimer). Das taten wir dann auch und mein Sohn hing euphorisch nach und nach all seine Schnuller an die Pflanze. Es hatten sich ja so einige angesammelt, also ging das Spielchen eine Weile so.

Beim letzten Schnuller allerdings verging meinem Kleinsten die Lust und er beschloss, dass die anderen Babys bereits genug abbekommen hatten. „Das ist meiner.“, stellte er fest und damit war die Diskussion für ihn beendet.

Der letzte „Nulli“

Dieser letzte Schnuller blieb uns im vergangenen Jahr treu erhalten. Er war schon abgewetzt, im wahrsten Sinne des Wortes: ausgelutscht, vergilbt und am Ende hatte er auch schon ein kleines Loch im Sauger. Aber mein Sohn behandelte ihn wie einen kostbaren Schatz. Wenn man ihn fragte, ob er ihn wirklich noch brauche, sagte er fest entschlossen „Ja!“ und basta.

Nebenbei machten wir aber auch klar, dass wir keinen neuen Schnuller mehr anschafften. Der letzte Schnuller war und blieb der letzte, das war ihm bewusst. Er passte entsprechend gut auf ihn auf.

Wir drängten ihn nicht, seinen „Nulli“ endlich wegzuwerfen. Immer wieder mal fragten wir nach, ob er ihn wirklich noch brauche, wenn er ihn mal wieder irgendwo verloren hatte und verzweifelt suchte. Immer wieder fand er ihn (oder wir taten es) und er war darüber selig. Ihm diesen „Schatz“ einfach wegzunehmen wäre niemals in Frage gekommen.

Verloren – wiedergefunden – wieder verloren

Als er dann neulich abends seinen Schnuller nicht fand und mein Mann das Suchen irgendwann aufgegeben hatte (ich war an diesem Abend gerade nicht da), schlief er dann problemlos ohne ihn ein. Am nächsten Morgen fand er ihn dann doch wieder und nuckelte gleich nachträglich drauf los. Als er ihn dann kurz darauf wieder suchte und ich ihn schließlich fand, beschloss ich, ein wenig nachzuhelfen. Ich versteckte ihn an einem sicheren Ort und bis zum Schlafengehen abends war er vergessen. Als wir ihn dann abends wieder nicht „fanden“, schlief er ein weiteres Mal problemlos ohne ihn.

Und dann ist er gestorben…

Das war für mich Zeichen genug, dass er bereit ist, seinen „Nulli“ loszuwerden. Am nächsten Tag sagte er abends zu mir: „Der Nulli ist weg, den finden wir nicht mehr.“ Als ich daraufhin sagte „Ja, der war auch schon sehr, sehr alt. Das war ein richtiger Opa – Schnuller.“, mussten wir beide lachen.

„Ja, der hat schon ein Loch gehabt.“, gab mein Sohn zu Bedenken.

„Genau. Bestimmt hat er sich irgendwie davon geschlichen, der wollte nicht mehr genuckelt werden. Viel zu alt war der schon.“, sagte ich.

Er: „Ja, der war gaaaanz alt. Der ist sicher schon gestorben.“

Ich: „Mhm..und was machen wir da jetzt?“

Er: „Jetzt lassen wir ihn in Ruhe.“

Kinder lösen ihre Probleme selbst

Das ist eines von jenen Erlebnissen, die mich immer wieder faszinieren und begeistern. Kinder nehmen sich die Zeit, die sie brauchen, wenn wir sie lassen. Sie machen sich ihre eigenen Gedanken, wenn wir ihnen nicht unsere aufdrängen.

Mein Sohn ließ seinen Schnuller alt werden, um ihn dann eines natürlichen Todes sterben zu lassen. Das konnte er akzeptieren, damit konnte er letztlich leben. Dadurch wurde der Abschied möglich.

Eine lieb gewordene Gewohnheit loszuwerden, ist für uns alle schwer. Gerade Kinder brauchen ihre Zeit und wenn wir darauf vertrauen, dass sie zu gegebenem Zeitpunkt – eben zu ihrer Zeit – das tun, was zu tun ist, dann werden sie es auch machen. In ihrem Tempo.

Was sie von uns brauchen, ist Geduld, Verständnis und Zeit. Wir können sie begleiten, ihnen Anregungen geben und letztlich auch ein bisschen nachhelfen, wenn der Zeitpunkt da ist. Am wichtigsten jedoch ist unser Vertauen in sie. Damit schaffen sie alles.

Hast du Fragen oder möchtest du deine Erlebnisse teilen? Dann schreib mir doch, ich freu mich!

Deine

Tamara_Schrift

 

„Brav hat er gegessen!“ – wenn traditionelle und moderne Erziehungsansichten aufeinander prallen

Hands of generations

Neulich war ich mit meinen Männern am Land, um die Uroma der kleinen Leute zu besuchen. Es ist jedes Mal wieder eine spannende Herausforderung für mich, die traditionell durch die Kriegs- und Nachkriegszeit geprägte Einstellung der Uroma mitzuerleben und mit ihr umzugehen. 

Mein großer Mann meint, sie hätte sich eh schon „gebessert“, sie halte sich schon viel mehr zurück als zu der Zeit, in der er noch Kind war. Dennoch: sie lässt immer noch oft genug erkennen, was sie für richtig und falsch hält in Sachen Kindererziehung. Und dass sich ihre Meinung nicht mit unserer deckt, wissen wohl beide Seiten.

„Sei brav und iss deinen Teller auf.“

Dieser Satz tut mir gleich doppelt weh. Einerseits weil er generell den Eindruck vermittelt, dass es darum geht, „brav“ zu sein, sprich: zu tun, was die großen Leute sagen, zu gehorchen, um geliebt zu werden. Andererseits weil das Kind damit aufgefordert ist, aufzuessen – unabhängig vom eigenen Hunger- und Sättigungsgefühl.

Dass die Uroma seinem kleinen Bruder verbal applaudierte, weil der „so brav“ seine Palatschinke gegessen hatte, forderte meinen kleinen Mann heraus. So nahm er sich noch eine vierte Palatschinke (obwohl er vorher schon sagte, er sei fertig) die er dann auch beim besten Willen nicht mehr aufessen konnte, nur um die alte Dame zu erfreuen.

Es schmerzt mir in der Seele, wenn ich sehe, was meine Kinder tun, um die urgroßmütterliche Anerkennung zu erhalten. Kinder haben unglaublich feine Antennen, sie merken sofort, was „von ihnen erwartet“ wird und wollen nur zu gern diese Erwartungen erfüllen.

„Zu meiner Zeit hätt´s das nicht gegeben!“

Die Uroma ist natürlich auch der Meinung, Kinder müssten bei Tisch sitzen bleiben bis alle fertig gegessen haben (bei uns zuhause dürfen die kleinen Leute aufstehen, wenn sie beide fertig sind), sie haben sich „gut zu benehmen“, wenn sie sich verletzen, dann „hätten sie besser aufpassen sollen“, auf Weinen ohne „ersichtlichen Grund“ reagiert sie mit Worten wie „na is ja nix, bist ja ein großer Bub, musst ja ned weinen“. Dass ein Kind beim Haare schneiden nicht still sitzen bleiben möchte, kann sie nicht nachvollziehen; dass ein Kind nicht verstehen kann, warum es bei einer Pflanze Blätter abrupfen darf, dies aber bei einer anderen uromaliche Schimpftiraden auslöst, ist ihr schleierhaft.

Und dass von Männern jeglichen Alters keinerlei Hilfe im Haushalt erwartet wird, weil die Frauen für diesen Bereich zuständig sind, versteht sich von selbst. Ganz nebenbei bemerkt.

Die Uroma denkt eben: ein Kind muss „sich benehmen“, und aus.

Woher das kommt, ist bei näherer Betrachtung nicht weiter verwunderlich. Sie ist in der Zwischenkriegszeit geboren, hat den zweiten Weltkrieg mit allem drum und dran miterlebt. Zu dieser Zeit ging es dem Regime vor allem um eines: die Menschen sollten der Führung blind gehorchen. Nachdenken, in Frage stellen, Kritisieren oder Aufbegehren waren nicht erwünscht. Nebenbei gab es nicht genügend zu essen, man musste an allen Ecken und Enden sparen, die Existenz vieler Menschen war gefährdet, die Stimmung von Angst geprägt. Dies alles spiegelte sich natürlich auch in der Kindererziehung wider.

 

Die Eltern hatten das Sagen, die Kinder nicht zu hinterfragen, sondern schlicht zu befolgen. Die Bedürfnisse der kleinen Leute wurden nicht groß beachtet. Gefühle waren fehl am Platz – die Menschen mussten lernen, hart zu werden. Anders hätten sie ihr Schicksal wohl nicht verkraften können. Kinder sollten vor allem eines: nach außen hin „anständiges Benehmen“ an den Tag legen, um vorzeigbar zu sein. Sie mussten Befehle befolgen, mit anpacken und viel zu viel Verantwortung übernehmen. Kinder, die in einer derartigen Umwelt aufwachsen, lernen von klein auf, dass ihre Bedürfnisse nicht zählen, dass emotionale Härte und Strenge wichtig sind zum Überleben und „brav“ zu sein die einzige Möglichkeit ist, ein Stückchen Anerkennung zu bekommen. Die Erwachsenen wiederum machten sich ihre Kinder gefügig, was hätten sie auch anderes tun können, aufgrund der äußeren Umstände? Als diese Kinder dann erwachsen wurden, war es für sie selbstverständlich, diese Werte auch ihren Kindern weiterzugeben, siehe Uroma.

Erst die folgende Generation fing langsam an, dies in Frage zu stellen (Stichwort: „68er“) und spürte erstmals den Wunsch, es anders zu machen. Aber die traditionellen Werte blitzen auch heute noch in vielen Familienstrukturen auf. Auch meine Eltern vertreten sie noch in vielerlei Hinsicht, ich bin mit vielen Anschauungen aus der „guten alten Zeit“ aufgewachsen, wurde dadurch „geprägt“. Erst seit meinem Studium wurde ich mir dessen bewusst, dass es auch Alternativen gibt und ich habe angefangen, mich moderneren Sichtweisen zuzuwenden, die weit mehr meinen eigenen Vorstellungen von Erziehung entsprechen. Auch ich habe dabei immer wieder gemerkt (bzw. merke es manchmal immer noch), dass es nicht immer einfach ist, aus alten Mustern, mit denen man selbst aufgewachsen ist, auszubrechen.

 

Wir können uns heute nicht anmaßen, über die Menschen zu urteilen, die in einer Zeit leben mussten, in der Krieg und Hungersnot herrschten; in der es darum ging, sich anzupassen, um zu überleben. Ich kann die Uroma ja irgendwo verstehen. Kann nachvollziehen, warum sie so denkt, wie sie eben denkt. Ihre Überzeugungen sind total kontrovers zu den meinigen, aber ich respektiere sie trotzdem. Und wenn mir ihre Bemerkungen, die sich an meine Kinder richten, zu weit gehen, schreite ich ein.

Das ist aber nur selten notwendig, denn (meine) Kinder sind nicht dumm. Sie können klar unterscheiden, wer was sagt und wo was gilt. So reicht allein schon ein Blick zwischen meinem kleinen Mann und mir, der zeigt, was wir beide wissen: die Regeln hier sind nicht unsere – zuhause ist es ohnehin anders.

Erziehung heute ist eben anders als damals.

Heute sind wir an einem Punkt angelangt, an dem es ein breites Spektrum von Meinungen und Arten der Kindererziehung gibt. Die meisten von ihnen zielen auf einen respektvollen und liebevollen Umgang mit Kindern ab, stellen die kindlichen Bedürfnisse in den Vordergrund. Eltern sehen sich immer mehr als Begleiter ihrer Kinder. Das Machtgefälle löst sich zunehmend auf. Eltern nutzen ihre von Natur aus gegebene Macht über das Kind nicht mehr dazu, es zu blindem Gehorsam zu erziehen. Auch Kinder dürfen heute „mitreden“, was lange Zeit nicht erlaubt war.

Eine negative Folge des breiten Spektrums an Erziehungsmethoden ist jedoch die Orientierungslosigkeit vieler Eltern. Früher war allen klar, wie ein Kind erzogen werden muss. Das „gute Benehmen“ war oberstes Ziel der Kindererziehung. Heute gibt es unglaublich viele unterschiedliche Methoden und Meinungen, die akzeptiert sind und sich in vielen Bereichen oft sehr ähnlich sind, manchmal aber auch in komplett gegensätzliche Richtungen tendieren. Sich in diesem „Erziehungsdschungel“ seine eigene Sicherheit in Bezug auf die Art und Weise, wie man sein Kind erziehen möchte, zu bewahren bzw. eine solche zu finden, ist für viele Eltern schwierig.

Was mich aber in meiner Meinung, dass es sinnvoll ist, die traditionelle Erziehung durch modernere Sichtweisen zu ersetzen, bekräftigt hat, ist das Ergebnis. Ich möchte keine Kinder, die blind gehorchen und das Gefühl haben, sie werden geliebt, wenn sie sich gut benehmen. Kinder, die in ihrem Erwachsenenleben noch mit den Folgen ihrer Erziehung zu kämpfen haben. Ich möchte meinen Kindern vielmehr eine Mutter sein, die ihre Bedürfnisse erkennt und bestmöglich auf sie eingeht. Ich will meinen Kindern die Sicherheit vermitteln, geliebt zu werden –bedingungslos. Es wäre schön, wenn sie später einmal sagen können: meine Eltern sind ein gutes Vorbild, so möchte ich es bei meinen Kindern auch machen. Zumindest im Großen und Ganzen.

Wie gesagt, ich respektiere auch die Sichtweise von Uroma und Co. Aber warum sollten wir nicht aus den Fehlern der früheren Generationen lernen und neue Wege einschlagen?

Wieder zurück daheim erstaunte mich mein kleiner Mann dann wieder einmal. Als wir mit dem Abendessen fertig waren und sein kleiner Bruder etwas auf dem Teller übrig gelassen hatte, sagte er plötzlich mit breitem Grinsen „Na, da hat er aber heute NICHT BRAV gegessen!“. Er hatte ganz offenbar verstanden, dass die Ansichten der Uroma nicht unsere sind, ohne dass wir es ihm groß erklären hatten müssen. Und wir alle mussten herzhaft über seine Aussage lachen…

 

Foto: Fotalia

Text: Tamara Jungbauer


„Mit diesem Beitrag nehme ich am Eltern Blog Award 2016 teil: www.scoyo.de/eltern/scoyo-lieblinge/blog-award/eltern-blog-award-bewerben.“

 

 

„Mama, ich mag dir was erzählen!“ – wie wir unser Abendritual entwickelt haben und warum es für uns nicht mehr wegzudenken ist.

schlafenEs gab Zeiten, da war das Einschlafen meines ersten Sohnes mit viel Zeit und Geduld verbunden. Letztere zu behalten, war nicht immer einfach. Heute ist er 5 und mein kleinster Mann 3 und ich liebe unser abendliches Zu-Bett-geh-Ritual!

Ich habe von Anfang an darauf geachtet, Regelmäßigkeit und viel Geborgenheit in das abendliche Zu-Bett-geh-Ritual zu bringen. Als sie noch klein waren, versuchten wir die Abfolge der hygienischen Maßnahmen, das Pyjama-anziehen, verbunden mit Massagen und Liedern zu gestalten. Je älter unsere Kinder wurden, desto wichtiger wurden die allabendlichen Geschichten.

Feste Abläufe geben Halt und Sicherheit.

Auch heute noch haben wir unsere festen Abläufe, wenn es abends heißt: „Schlafenszeit!“ Wir putzen die Zähne, waschen die Kinder, dann ziehen sie ihre Pyjamas an und suchen Bücher aus. Meist liest Papa die Geschichten vor, während sie zu dritt im (inzwischen recht engen) unteren Teil des Stockbettes liegen.

„Mama, wir wollen beten!“

Nach dem Lesen „beten“ wir. Wir nennen es so obwohl es kein Beten im eigentlichen Sinne ist. Wir lassen unseren Tag Revue passieren, sprechen über die Erlebnisse, die wir hatten, und sagen Worte der Dankbarkeit. Ich mache dies mit den Kindern einzeln, weil sie das so möchten. Während mein kleinster Mann mit wenigen Worten und viel Kuscheln zufrieden den Tag beendet, braucht mein kleiner Mann im Moment besonders viel Gespräch vor dem Schlafen.

Abendliche Gespräche stärken unsere Beziehung.

Er möchte wissen, was ich gemacht habe, um mir anschließend zu erzählen, was er erlebt hat. Meist kommen dabei Geschichten und Gedanken zutage, die wir uns während des Tages so nicht erzählen können. Vor dem Schlafen fühlen wir uns einander ganz nah und verbunden. Geheimnisse werden auf diese Weise vertrauensvoll geteilt und am Ende gleitet mein Sohn glücklich ins Land der Träume und ich ebenso glücklich hinaus ins Wohnzimmer. Manchmal stelle ich dann erst fest, dass ich gerade eine halbe Stunde mit meinem Sohn geplaudert habe. Dabei fühlte es sich nicht halb so lang an…

Ich möchte unser Abendritual nicht missen und kann nur allen Eltern dazu raten, ein – ganz individuelles, für sie und ihre Kinder – passendes zu entwickeln. Es bereichert alle Beteiligten, gibt den Kindern Geborgenheit stärkt ihr Vertrauen und die Beziehung zueinander. 

 

Alles Liebe,

Deine

Tamara_Schrift

 

 

 

 

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Deine

Tamara_Schrift

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Liebe Mamas!Pregnant

Heute möchte ich mit euch einen Text aus Khalil Gibrans „Der Prophet“ teilen, den ich persönlich sehr berührend finde. Er passt, wie ich finde, sehr gut zu einer achtsamen und bindungsorientierten Form der Erziehung und Eltern-Kind-Beziehung, die das Kind als individuelles Wesen mit eigenen Bedürfnissen, Gedanken und Werten schätzt und respektiert.  ♥

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter

der Sehnsucht des Lebens

nach sich selbst.

Sie kommen durch euch,

aber sie sind nicht von euch,

und auch wenn sie bei euch sind, gehören sie euch nicht.

Ihr könnt ihnen eure Liebe geben,

aber nicht eure Gedanken,

weil sie ihre eigenen Gedanken haben.

Ihr könnt ihren Körpern eine Behausung geben,

aber nicht ihren Seelen,

weil ihre Seelen im Haus von  morgen wohnen,

welches ihr nicht betreten könnt,

noch nicht einmal in euren Träumen.

Ihr könnt versuchen,

wie sie zu sein,

aber versucht nicht sie euch anzugleichen,

das Leben geht nicht rückwärts,

noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen,

von denen eure Kinder

als lebende Pfeile abgeschossen werden.

Der Bogenschütze sieht das Ziel

auf dem Pfad der Unendlichkeit,

und Er biegt euch mit Seiner Kraft,

damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Möge das Gebogenwerden

in des Schützen Hand

Freude in euch auslösen.

So wie Er den fliegenden Pfeil liebt,

so liebt Er auch den Bogen,

der fest steht.

Eure

Tamara_Schrift

Das Sterben der Hummel

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Neulich am Spielplatz fiel meinen kleinen Männern eine am Boden liegende Hummel auf, die sich seltsam bewegte. Erst rotierte sie wie betrunken im Kreis, dann wurden ihre Bewegungen langsamer, bis sie schließlich auf dem Rücken liegend verendete. Dieser ganze Prozess des Sterbens dauerte etwa 40 Minuten, in denen wir zu dritt daneben saßen, beobachteten und redeten.

Mein kleiner Mann dachte zuerst, die Hummel ruhe sich nur aus. Wahrscheinlich sei sie müde und hier sei ihre Couch, auf der sie sich zum Ausruhen hingelegt habe, meinte er. Mein kleinster Mann war ebenso fasziniert von dem, was er sah und hörte, redete seinem großen Bruder alles nach und suchte bei mir immer wieder Bestätigung für seine Annahmen. „Ist die Biene verletzt?“, wollte er immer wieder wissen. (Dass es sich hierbei um eine Hummel und weder um eine Biene, noch um eine Wespe handelte, war ein Irrtum, der sich durch die gesamte Konversation durchzog.)

Ich erklärte, dass die Hummel wohl verletzt oder krank sei, es ihr nicht gut gehe.

„Die Biene beißt!“, schrie mein Kleinster. Ihn hatte nur zwei Tage zuvor eine Hummel in den Fuß gebissen.

„Das ist eine Hummel!“, schrie darauf sein Bruder. „Die Biene beißt nicht, die sticht!“

Mein kleiner Mann wurde vor mehreren Wochen von einer Biene gestochen, auch diese schmerzvolle Erinnerung ist nicht vergessen. Er hat seitdem großen Respekt vor Bienen und allen fliegenden Tierchen, die so ähnlich wie Bienen aussehen. „Die sind böse, stimmt´s Mama?“ sagt er daher. „Nein, Bienen sind nicht böse.“, antworte ich. „Sie haben einfach Angst und dann stechen sie. Stell dir mal vor, wie groß wir in ihren Augen sind. Würden wir auf solche Riesen treffen, würden wir auch stechen, wenn wir könnten.“ Das leuchtet ein, Verständnis ist in seinem Gesicht zu erkennen.

Nebenher werden die Bewegungen der Hummel immer langsamer, nur noch an ihrem Körper ist eine schwache Atembewegung zu erkennen.

„Nicht draufsteigen!“ wird zwischendurch immer wieder von einem der beiden Jungs gebrüllt, was den jeweils anderen, der das Stückchen Wiese gerade zu durchqueren versucht, nervös nach der Hummel schauen und mitten im Gehen aufhüpfen lässt. Beide wissen: wir töten keine Tiere, sei es auch noch so ein kleines Insekt. Draufsteigen ist also Tabu.

Als es mit der Hummel sichtlich zu Ende geht, sind wir drei automatisch demütig ruhig und schauen zu. Schließlich stellen wir ihren Tod fest. „Das war schon eine Oma Hummel“, erklärt der Große dem Kleinen. „Die war schon alt.“

Als das Tierchen regungslos liegen bleibt, kommt mir eine Idee. „Wollen wir die Hummel jetzt begraben?“

Die Jungs sind begeistert dabei und so graben wir ein kleines Loch in die Kieselsteine, ich lege die Hummel hinein und wir schütten das Loch wieder zu. Ein winziger Ast mit einem Blatt dient als Kreuz. Ich spreche ein paar Abschiedworte und erkläre: „Jetzt ist sie im Hummel-Himmel.“

Daraufhin will mein Großer wissen, was den ein solcher sei und wieso man da hinkommt. Ich beantworte seine Fragen so gut ich kann, merke dabei aber auch, wie schwer es mir fällt, zu erklären. Es gibt also einen Himmel, wo wir nach dem Tod hinkommen. Gott ist auch da. Was macht er da? Warum werden wir dann begraben? Ist Gott in der Kirche gestorben? (Mein kleiner Mann weiß, dass es in der Kirche einen gewissen Mann am Kreuz gibt und hat daraus seine eigenen Schlüsse gezogen) Was macht Gott im Himmel? Fressen die Hummel jetzt die Ameisen?“ Fragen über Fragen ergeben sich in weiterer Folge und so philosophiere ich mit meinem 4jährigen Sohn über „Gott und die Welt“…

Dieses Erlebnis mag vielleicht klein und unbedeutend erscheinen. Ich habe dabei aber sehr viel Nähe zu meinen Kindern gespürt, wir waren alle drei voll und ganz hier, miteinander, haben gemeinsam erlebt. Es war ein schönes Gefühl. Die freudigen Gesichter meiner Kinder haben mein eigenes Gefühl widergespiegelt.

Diese Situation hat mir wieder gezeigt: wenn man sich auf die Welt der kleinen Leute einlässt, wird man in vielerlei Weise beschenkt!

Kommt dann eh kein Böser??

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Mein kleiner Mann liebt Geschichten von Räubern, Gespenstern, Monstern, Hexen und Helden. Er spielt gerne den Batman oder lässt seine Ritter die Burg gegen Eindringlinge verteidigen, bringt als Polizist die „Bösen“ ins Gefängnis und wenn es brennt, dann kommt er als Feuerwehrmann zum Einsatz.

Kinder beginnen mit ca. drei Jahren, sich intensiv mit ihrer eigenen Phantasie zu beschäftigen, sie zu entwickeln und stetig zu erweitern. Märchen und andere Geschichten, die magische Inhalte vermitteln und dabei noch genügend Spielraum lassen für eigene Phantasien, gewinnen nun an Bedeutung. Das Spielverhalten des Kindes verändert sich – so werden Rollenspiele wichtig, um Szenen aus dem Alltag oder aus Geschichten immer wieder „durchzuspielen“ und neu aufzurollen, und zwar so lange, bis das Kind sie vollständig verarbeiten konnte.

Diese magische Phase, die bis ins zehnte Lebensjahr hinein andauert, ist eine Zeit der Phantasie, der Magie und Zauberei. Monster und Gespenster werden als real erlebt, auch wenn es sie nur in Geschichten gibt. Rationales Beschwichtigen damit verbundener Gefühle ist ebenso unwirksam wie unangebracht. Es hilft dem Kind nicht, gesagt zu bekommen, dass es diese Monster nicht gibt. Tatsache ist, das Kind erlebt sie als existierend – ob nun in der Realität oder nur in seiner Phantasie macht dabei keinen allzu großen Unterschied.

Die kindlichen Ängste ernst nehmen

Es ist also wichtig, dem Kind zu vermitteln, dass wir es ernst nehmen. Die Monster mögen zwar nicht real sein, die Ängste des Kindes jedoch sind es. Was zählt ist also, sie anzuerkennen und ihnen Raum zu geben.

Wenn das Kind von einem Monster oder ähnlichem spricht, kann es helfen, genauer nachzufragen: wie sieht es aus? Wie groß ist es? Welche Farbe hat es? Was macht es denn?

Auf diese Weise erfährt das Kind, dass es ernst genommen wird. Gleichzeitig werden viele Ängste kleiner, indem man ihnen einen Namen oder ein Gesicht gibt. Wir können das Kind auch dazu ermuntern, dass es sein Monster malt, wenn das verbale Beschreiben vielleicht schwer fällt.

Was wir jedoch vermeiden sollten ist, kindliche Ängste  mit Aussagen wie „da ist doch kein Monster“, „ist doch nicht schlimm“ oder ähnlichem abzutun.

Monsterfresserpuppe und Bösen-Falle

Es ist schon eine Weile her, dass ich mit meinem kleinen Mann zusammen eine Monsterfresserpuppe gebastelt habe. Sie liegt immer in seinem Bett und frisst – wie der Name schon sagt – alle Monster auf, die sich nächtens ins Kinderzimmer wagen.

Bei einem Gespräch mit ihm neulich erfuhr ich, dass es „die Bösen“ sind, die ihm zur Zeit am meisten zu schaffen machen – konkret: Diebe, Einbrecher und Räuber, die in unsere Wohnung eindringen könnten. Also haben wir gemeinsam überlegt und schließlich eine Falle gebaut: wir haben eine Schuhschachtel verziert, ein Loch in den Deckel geschnitten und mein Sohn hat noch einen Zettel drauf geschrieben: „Liebe Böse, hier habt ihr schönes Essen“ – ein Lockruf sozusagen 🙂

Dann noch einen Stein mit einem selbst erfundenen Zauberspruch belegt, in die Kiste gelegt – zusammen mit einer Decke aus Filz, denn wir wollen ja nicht, dass die Bösen es allzu ungemütlich haben und ein paar Süßigkeiten – und fertig war die Falle! Ach ja, zur Erklärung für alle, denen das Prinzip der Falle unbekannt ist: durch den Zauberstein werden die „Bösen“ klein wie eine Kartoffel und in die Kiste gezaubert, wo sie dann gefangen sind. Am nächsten Morgen können sie dann wieder in die Natur gelassen werden, denn – wie mein kleiner Mann feststellte – „die kommen dann nicht wieder“.

Kindern ihren eigenen Weg zur Angstbewältigung zugestehen

Wir können Kindern dabei helfen, ihre Ängste durchzustehen, sie dabei begleiten und bei Bedarf Trost spenden. Allerdings ist es auch wichtig Vertrauen in sie zu haben. Kinder finden ihren Weg, mit Ängsten fertig zu werden, auch wenn wir diesen oft nicht (gleich) verstehen können. So wie ein Kind seinen Kuschelhasen überall hin mitschleppt, wird ein anderes Kind zeitweilig einen imaginären Begleiter erfinden, wieder ein anderes braucht dafür den Schnuller noch ein Weilchen länger. Die Arten der Kinder, mit ihren Ängsten umzugehen, sind vielfältig und wertvoll. Deshalb sollten wir ihnen vertrauen und ihnen ihre eigenen Mittel und Wege lassen.

Fazit: Die Ängste von Kindern immer ernst nehmen. Vertrauen in die Kinder haben, sie dabei begleiten und ihnen ihren eigenen Weg mit ihrer Angst umzugehen, zugestehen.

Eure

Tamara_Schrift

Ich kann nicht schlafen!

Birgit von Mutti´s Nähkästchen hat uns Familienbloggerinnen in ihrer Rubrik #fragmama dazu aufgerufen, etwas zum Thema Schlafen beizusteuern. Dem möchte ich hiermit gerne nachkommen.


 

20130617_141906Schlafen ist ja so eine Sache, wenn man Kinder hat. Bei meinem ersten Sohn kriegte ich ein Jahr lang kaum ein Auge zu, alle ein bis zwei Stunden – beim kleinsten Schnupfen auch gern öfter – wurden mein Mann und ich geweckt. Ich zum Stillen. Er zum Rumtragen oder Bauch massieren. Durchgeschlafen hat der kleine Mann dann mit drei Jahren. Heute ist er fünf und das abendliche Einschlafen ist problemlos. Bei seinem kleinen Bruder lief es schlaftechnisch von Anfang an deutlich besser.

Sie schlafen inzwischen zusammen im Stockbett und wir haben seit jeher ein festes Abendritual: Erst geht es ab ins Bad zwecks nötiger Hygienemaßnahmen. Dann Pyjama anziehen und Gute Nacht Geschichten aussuchen. Anschließend liest Papa den beiden im Bett noch vor, danach kommt meist Mama, um noch mit beiden Jungs zu „beten“. Wir nennen es so, aber in Wahrheit ist es mehr ein Dankbarkeitsritual: wir lassen den Tag Revue passieren, erinnern uns gemeinsam an schöne Momente oder erzählen uns davon, wenn wir sie nicht gemeinsam erlebt haben, sind dankbar für sie und für unser Leben generell. Danach wird das Licht ausgemacht und die Tür bleibt offen, damit das Licht von draußen hinein leuchtet.

Bis auf Ausnahmen (wenn mein kleinster Mann nochmal nach uns ruft) funktioniert das in der Regel sehr gut. Ich denke, es ist wichtig, dass die Schlafsituation für alle passt – also für das Kind, aber auch für die Eltern. Ich kann nicht schlafen, wenn ein rotierendes Kind neben, auf und über mir liegt. Ein Familienbett kommt daher für mich nicht in Frage. Meine Kinder bekommen aber auf anderem Weg die Zuneigung und Nähe, die ihnen die Sicherheit gibt, vertrauensvoll einschlafen zu können. Es gibt, wie immer, kein Patentrezept. Wir können nur individuell entscheiden, was das Kind braucht, um in einen entspannten Schlaf zu finden.


 

Wie geht es euch mit diesem Thema? Habt ihr Schwierigkeiten, Tipps oder wollt ihr einfach erzählen, wie es bei euch läuft? Ich freu mich auf eure Antworten!

Eure

Tamara_Schrift

 

Nadine Hilmar: „Da musst du keine Angst haben“

IMG_1315Nadine Hilmar, Betreiberin des Blogs Buntraum und selbst Mama zweier Kinder, ist die heutige Verfasserin des Gastbeitrags zum Thema Ängste unserer Kinder im Zusammenhang mit medizinischen Untersuchungen und Eingriffen. Ein lesenswerter Artikel, der die Thematik sowohl aus der pädagogischen Perspektive als auch aus der Sicht einer liebevollen Mama beschreibt.

Danke, Nadine!


Da musst du keine Angst haben

Unlängst las ich in einem Forum die Sorge einer Mutter, dass ihr Kind – da es nun ja schon größer sei (6) – bei medizinischen Eingriffen und Untersuchungen genau wüsste, was auf es zukäme und wie sie ihm da die Angst davor nehmen könnte. Gedanken, die vermutlich viele von uns kennen. Sorgen, die uns ewig begleiten. Obwohl sie das gar nicht müssten.

Die Antwort auf diese besorgte Frage ist jedoch ganz einfach: Wir können unseren Kindern die Angst nicht nehmen. Weder die vor einer Spritze, noch die vor den Monstern unter dem Bett oder dem lauten Geräusch des Staubsaugers. Ängste sind etwas Natürliches und sie haben auch einen Sinn – sie beschützen uns. Sie sorgen dafür, dass wir in Gefahrensituationen aufmerksam sind und zögern, dass wir uns selbst stoppen und überlegen, was wir tun sollten. Sie fördern ganz natürlich unser lösungsorientiertes Denken – was tue ich nun? Wie schaffe ich meinen Weg durch diese Situation, die mir unheimlich ist? Und sie stärken unser Selbstvertrauen, denn wenn wir es schaffen hier und da unsere Ängste zu überwinden, so zeigt uns das, wozu wir fähig sind. Es stärkt uns in unserem Sein. Von daher ist es absolut wichtig, dass wir akzeptieren, dass Kinder Ängste haben und auch haben sollten. Dass es ihnen hilft und dass wir sie ihnen nicht nehmen dürfen. Was natürlich nicht heißt, dass wir sie damit sich selbst überlassen.

Was Kinder in angstvollen Situationen brauchen ist das, was sie eigentlich immer von uns brauchen: Unterstützung und Begleitung in ihrem Empfinden. „Du hast Angst.“ als Feststellung der Tatsache. Wahrnehmen und Annehmen, was ist. Wir sind oft geneigt zu sagen „Da brauchst du keine Angst zu haben.“ Weil wir wissen, dass unter dem Bett keine bösen Monster lauern. Wissen, dass Fiebermessen oder Abhören beim Arzt nicht wehtun und dass ein Röntgenapparat uns nichts tut. Aber wir müssen endlich lernen zu akzeptieren, dass diese Dinge unangenehm sein können, und dass es allein das ist, was ihnen Angst macht. Ein Stethoskop kann kalt sein, ein Arzt grob und das Fiebermessen im Ohr drücken. Der Raum, in dem wir uns dem riesigen Gerät über uns liegend ergeben müssen, ist kalt und steril. 

Jeder Mensch hat eine andere (Schmerz)Wahrnehmung und einer der der schlimmsten Sprüche der Kindheit lautet wohl: „Jetzt stell dich mal nicht so an!“ 

Was also tun, wenn ein Kind vor einem medizinischen Eingriff Angst hat und diese – auf welche Art auch immer – äußert? Wenn eine OP ansteht oder auch nur eine Impfung? Wie begleite ich, ohne die Angst zu stärken? Wichtig ist, dass wir ehrlich bleiben. „Ja, das kann wehtun. Und du darfst schreien dabei. Denn das ist unangenehm.“ Wenn die Kinder darauf vorbereitet sind, dass es weh tun kann, ist es für sie weniger schlimm, als wenn wir ihnen sagen, sie müssen sich nicht fürchten und am Ende werden sie überrascht von dem, was tatsächlich auf sie zukommt oder was eben doch zwickt, drückt oder kalt ist. Vor allem wenn wir das Personal nicht kennen und nicht wissen, wie sehr sie auf Kinder eingehen, ist es sinnvoll, die Kinder zu warnen, dass die Ärzte oft nicht wissen, was anderen weh tut und dass man ihnen das sagen kann. Im Notfall auch durch Schreien. 

Alle notwendigen Schritte eines Eingriffs können im Vorfeld besprochen werden. Dazu gibt es oft anschauliche Bücher und Arztkoffer. Aber wesentlicher als diese Vorbereitung ist die verständnisvolle und geduldige Begleitung unsererseits. Egal wie lächerlich oder unnötig uns das Schreien eines Kindes beim Gipswechsel oder Pflasterentfernen vorkommt. Es ist sein Empfinden in dem Moment und das wird nicht besser, wenn wir es belächeln oder runterspielen. Es gibt Menschen, die gehen problemlos, sogar gern zum Zahnarzt und es gibt Menschen, die fürchten sich davor. Und selbst wenn sie wollten, so können sie diese Angst nicht einfach ablegen. Egal wie oft ihnen jemand sagt, das sei doch alles gar nicht so schlimm.

Im Übrigen gilt all das auch für Babys und Kleinstkinder. Nur, weil sie sich nicht so in ihrer Angst artikulieren können, wie größere Kinder das tun, bedeutet das nicht, dass sie keine Ängste haben und dass sie nicht verstehen. Auch sie sollten auf eine Untersuchung genauso gut vorbereitet und währenddessen mit Worten und der Haltung, dass ihre Gefühle angenommen sind, begleitet werden. Denn je eher sie für ihre Emotionen und Gefühle Worte bekommen, umso besser können sie diese später selbst verwenden, um sich uns gegenüber zu äußern, aber auch, um selbst zu verstehen, was mit ihnen geschieht. Denn die Angst, gar nicht erst zu wissen, was ihnen bevorsteht, wenn sie eine Arztpraxis, ein Krankenhaus betreten werden, wenn die Eltern unentspannt und gestresst wirken, wenn sie nicht erklärt bekommen, was gerade im Ohr bohrt, was im Oberschenkel so piekst oder was kalt auf ihrem Bauch hin und her fährt, wie ein Ultraschallgerät das tut, ist für sie schlimmer, als die Unannehmlichkeiten, die es verursacht. 

Es mag uns schwer fallen, unseren Kindern ihre Ängste nicht nehmen zu können. Das ist ein natürlicher Instinkt, der in uns schlummert. Aber wenn wir verstehen, dass wir ihnen damit helfen, dass wir sie auf diese Art und Weise unterstützen und stärken, wird es uns bald viel natürlicher erscheinen und wir werden sehen, wie sehr sich dadurch die Beziehung zu unserem Kind intensiviert und nähert. 

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Text und Fotos: Nadine Hilmar