Warum ich meinen Kindern niemals sage „Hau zurück!“

Bestimmt kennst auch du Situationen wie diese nur zu gut: dein Kind kommt weinend auf dich zugelaufen und beschwert sich über ein anderes Kind, das es an den Haaren gezogen, geschubst, getreten, geschlagen oder sonst wie unschön behandelt hat. Natürlich klopft sofort der elterliche Beschützerinstinkt an deine Herzenstür, der Vergeltung für die körperlichen und seelischen Verletzungen deines geliebten kleinen Schatzes einfordern möchte. „Hau zurück!“ scheint da oft ein elterlicher Reflex zu sein. Warum ich meinen Kindern diesen Rat jedoch nicht mit auf den Weg gebe, hat gute Gründe, wie ich finde.

Natürlich möchte ich, dass sich meine Kinder gegen Ungerechtigkeiten wehren, sich verteidigen können und sich nicht alles gefallen lassen. Mir geht es nur um die Art und Weise, wie sie lernen, sich zu wehren. Ich persönlich möchte nicht, dass meine Söhne ihre Fäuste einsetzen, um ihren Standpunkt klar zu machen.

Wehren oder abwehren?

Es gibt für mich einen grundlegenden Unterschied zwischen den Begriffen „sich wehren“ und „abwehren“. Wenn ich Schläge, Tritte oder sonstige Angriffe auf meine Person instinktiv abwehre, um möglichst nicht verletzt zu werden, ist das eine völlig natürliche Reaktion.

Wenn ich hingegen den anderen aktiv haue, also nicht als natürliche Reaktion der Abwehr, sondern weil ich meinem Gegenüber zeigen möchte, dass ich „das auch kann“, dann wehre ich mich mehr oder weniger präventiv bzw. im Nachhinein. Nicht um mich unmittelbar instinktiv zu schützen, sondern ganz bewusst. Im juristischen Sinne würde ein solches Verhalten doch auch nicht als Notwehr durchgehen!!?!

„Hau zurück!“, aber fang nicht selbst an?!?

Wenn ich Gewalt generell ablehne, so bedeutet das doch auch, dass ich nicht möchte, dass mein Kind andere schlägt. Warum sollte es dann in Ordnung sein, dass mein Kind zurück schlägt? Macht das „zurück“ die Handlung an sich akzeptabel? Für mich nicht. Schlagen geht nicht – egal ob der eine anfängt oder die andere!

Nicht zurück zu hauen heißt nicht, dass man schwächer ist. 

Ganz im Gegenteil. Wenn mein Sohn zu mir kommt und sich darüber beklagt, dass ein anderes Kind ihn geschlagen hat, dann erkläre ihm, dass er klar und deutlich sagen soll, dass er das nicht möchte und das Kind damit aufhören soll. Wenn es das nicht tut, steht es meinem Sohn frei, sich aus der Situation zurück zu ziehen, Abstand zu nehmen. Mein 5Jähriger kann sich auf diese Weise im Kindergarten sehr gut abgrenzen. Er geht generell Kindern, die schlagen, aus dem Weg und sucht die Nähe zu anderen. So würde ich das selbst auch tun. Wenn Erwachsene ihre „Fäuste sprechen lassen“, finden wir das inakzeptabel. Dies bei Kindern zu fördern, erscheint dagegen Vielen als völlig normal.

Rangeleien, Balgen, Raufen fallen in eine andere Kategorie.

Ich möchte betonen, dass ich kindliche Raufereien und Rangeleien in eine andere Kategorie einordne. Dabei geht es ja um natürliches Kräftemessen, Körperkontakt und ähnliches, bei dem alle Beteiligten einverstanden sind und gleichermaßen profitieren.

Ich möchte, dass meine Kinder sich mit Worten zu wehren wissen, nicht mit Gewalt. Deshalb bekommen sie von mir niemals den Rat „Hau zurück!“ mit auf den Weg.

Wir wehren uns, aber wir schlagen nicht. 

 

Alles Liebe,

Deine

Tamara_Schrift

 

 

 

 

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Liebe Mamas!Pregnant

Heute möchte ich mit euch einen Text aus Khalil Gibrans „Der Prophet“ teilen, den ich persönlich sehr berührend finde. Er passt, wie ich finde, sehr gut zu einer achtsamen und bindungsorientierten Form der Erziehung und Eltern-Kind-Beziehung, die das Kind als individuelles Wesen mit eigenen Bedürfnissen, Gedanken und Werten schätzt und respektiert.  ♥

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter

der Sehnsucht des Lebens

nach sich selbst.

Sie kommen durch euch,

aber sie sind nicht von euch,

und auch wenn sie bei euch sind, gehören sie euch nicht.

Ihr könnt ihnen eure Liebe geben,

aber nicht eure Gedanken,

weil sie ihre eigenen Gedanken haben.

Ihr könnt ihren Körpern eine Behausung geben,

aber nicht ihren Seelen,

weil ihre Seelen im Haus von  morgen wohnen,

welches ihr nicht betreten könnt,

noch nicht einmal in euren Träumen.

Ihr könnt versuchen,

wie sie zu sein,

aber versucht nicht sie euch anzugleichen,

das Leben geht nicht rückwärts,

noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen,

von denen eure Kinder

als lebende Pfeile abgeschossen werden.

Der Bogenschütze sieht das Ziel

auf dem Pfad der Unendlichkeit,

und Er biegt euch mit Seiner Kraft,

damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Möge das Gebogenwerden

in des Schützen Hand

Freude in euch auslösen.

So wie Er den fliegenden Pfeil liebt,

so liebt Er auch den Bogen,

der fest steht.

Eure

Tamara_Schrift

Das Sterben der Hummel

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Neulich am Spielplatz fiel meinen kleinen Männern eine am Boden liegende Hummel auf, die sich seltsam bewegte. Erst rotierte sie wie betrunken im Kreis, dann wurden ihre Bewegungen langsamer, bis sie schließlich auf dem Rücken liegend verendete. Dieser ganze Prozess des Sterbens dauerte etwa 40 Minuten, in denen wir zu dritt daneben saßen, beobachteten und redeten.

Mein kleiner Mann dachte zuerst, die Hummel ruhe sich nur aus. Wahrscheinlich sei sie müde und hier sei ihre Couch, auf der sie sich zum Ausruhen hingelegt habe, meinte er. Mein kleinster Mann war ebenso fasziniert von dem, was er sah und hörte, redete seinem großen Bruder alles nach und suchte bei mir immer wieder Bestätigung für seine Annahmen. „Ist die Biene verletzt?“, wollte er immer wieder wissen. (Dass es sich hierbei um eine Hummel und weder um eine Biene, noch um eine Wespe handelte, war ein Irrtum, der sich durch die gesamte Konversation durchzog.)

Ich erklärte, dass die Hummel wohl verletzt oder krank sei, es ihr nicht gut gehe.

„Die Biene beißt!“, schrie mein Kleinster. Ihn hatte nur zwei Tage zuvor eine Hummel in den Fuß gebissen.

„Das ist eine Hummel!“, schrie darauf sein Bruder. „Die Biene beißt nicht, die sticht!“

Mein kleiner Mann wurde vor mehreren Wochen von einer Biene gestochen, auch diese schmerzvolle Erinnerung ist nicht vergessen. Er hat seitdem großen Respekt vor Bienen und allen fliegenden Tierchen, die so ähnlich wie Bienen aussehen. „Die sind böse, stimmt´s Mama?“ sagt er daher. „Nein, Bienen sind nicht böse.“, antworte ich. „Sie haben einfach Angst und dann stechen sie. Stell dir mal vor, wie groß wir in ihren Augen sind. Würden wir auf solche Riesen treffen, würden wir auch stechen, wenn wir könnten.“ Das leuchtet ein, Verständnis ist in seinem Gesicht zu erkennen.

Nebenher werden die Bewegungen der Hummel immer langsamer, nur noch an ihrem Körper ist eine schwache Atembewegung zu erkennen.

„Nicht draufsteigen!“ wird zwischendurch immer wieder von einem der beiden Jungs gebrüllt, was den jeweils anderen, der das Stückchen Wiese gerade zu durchqueren versucht, nervös nach der Hummel schauen und mitten im Gehen aufhüpfen lässt. Beide wissen: wir töten keine Tiere, sei es auch noch so ein kleines Insekt. Draufsteigen ist also Tabu.

Als es mit der Hummel sichtlich zu Ende geht, sind wir drei automatisch demütig ruhig und schauen zu. Schließlich stellen wir ihren Tod fest. „Das war schon eine Oma Hummel“, erklärt der Große dem Kleinen. „Die war schon alt.“

Als das Tierchen regungslos liegen bleibt, kommt mir eine Idee. „Wollen wir die Hummel jetzt begraben?“

Die Jungs sind begeistert dabei und so graben wir ein kleines Loch in die Kieselsteine, ich lege die Hummel hinein und wir schütten das Loch wieder zu. Ein winziger Ast mit einem Blatt dient als Kreuz. Ich spreche ein paar Abschiedworte und erkläre: „Jetzt ist sie im Hummel-Himmel.“

Daraufhin will mein Großer wissen, was den ein solcher sei und wieso man da hinkommt. Ich beantworte seine Fragen so gut ich kann, merke dabei aber auch, wie schwer es mir fällt, zu erklären. Es gibt also einen Himmel, wo wir nach dem Tod hinkommen. Gott ist auch da. Was macht er da? Warum werden wir dann begraben? Ist Gott in der Kirche gestorben? (Mein kleiner Mann weiß, dass es in der Kirche einen gewissen Mann am Kreuz gibt und hat daraus seine eigenen Schlüsse gezogen) Was macht Gott im Himmel? Fressen die Hummel jetzt die Ameisen?“ Fragen über Fragen ergeben sich in weiterer Folge und so philosophiere ich mit meinem 4jährigen Sohn über „Gott und die Welt“…

Dieses Erlebnis mag vielleicht klein und unbedeutend erscheinen. Ich habe dabei aber sehr viel Nähe zu meinen Kindern gespürt, wir waren alle drei voll und ganz hier, miteinander, haben gemeinsam erlebt. Es war ein schönes Gefühl. Die freudigen Gesichter meiner Kinder haben mein eigenes Gefühl widergespiegelt.

Diese Situation hat mir wieder gezeigt: wenn man sich auf die Welt der kleinen Leute einlässt, wird man in vielerlei Weise beschenkt!

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Starttermin der Online Beratung ist das Datum des Zahlungseingangs.

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Ich freu mich auf ein Kennenlernen!

Vom Einfluss traumatischer Kindheitserlebnisse auf unsere Gesundheit

Bildergebnis für sorgenpuppeEs ist also inzwischen auch medizinisch erwiesen: Traumatische Kindheitserlebnisse wie körperlicher oder sexueller Missbrauch, Gewalt in der Familie, psychische Gewalt, psychische oder physische Vernachlässigung, Drogenmissbrauch der Eltern, Psychische Erkrankung der Eltern u.ä. haben nachhaltige Auswirkungen auf unsere gesamte Gesundheit. Und zwar für unser ganzes weiteres Leben.

So werden beispielsweise die Neigung zu Depressionen/psychischen Erkrankungen, ADHS, Drogenmissbrauch, Herz-Kreislauferkrankungen, Neigung zu Selbstmord, Krebs und noch viele weitere Erkrankungen bis hin zu Veränderungen in unserer DNA Struktur, mit traumatischen Erlebnissen in der Kindheit assoziiert. Diese medizinische Erkenntnis ist hilfreich, wenn es um die Diagnose und Therapie von Erkrankungen geht. Speziell im Kindesalter kann bei entsprechender Diagnostik und Behandlung sehr viel abgefangen und verbessert bzw geheilt werden. Leider ist die Medizin noch nicht so weit, diese Erkenntnisse in die Praxis um- und dort einzusetzen. Vielleicht sind wir aber zumindest langsam am Weg dahin. Es wäre uns und unseren Nachfahren zu wünschen.

Die amerikanische Kinderärztin und Forscherin Nadine Burke Harris hat zu diesem Thema einen sehr interessanten Vortrag gehalten, den du dir hier ansehen kannst. Es lohnt sich, reinzuschauen!

Tamara Jungbauer

Auch Kinder haben Rechte!

Im März 2015 wurde in Österreich ein Beschluss erlassen, der die uneingeschränkte Geltung der Kinderrechtskonvention der UN ermöglicht:

Karmasin: „Uneingeschränkte Geltung der Kinderrechtekonvention in Österreich ist richtiger Schritt“

Wien (OTS) – Mit dem heutigen Beschluss des Ministerrats zur Zurückziehung der Vorbehalte zu den Art 13, 15 und 17 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes stellt die Bundesregierung die Weichen für die uneingeschränkte Geltung der Kinderrechtekonvention in Österreich.

„In zu vielen Ländern der Welt werden Kinderrechte immer noch nicht als das angesehen was sie sind: unverhandelbare Menschenrechte. Es gibt 2,2 Milliarden Kinder auf der Welt, also 2,2 Milliarden gute Gründe, uns für die Umsetzung der Kinderrechte einzusetzen. Daher freue ich mich besonders, dass Österreich nun alle Vorbehalte zurückgezogen und somit die uneingeschränkte Geltung der UN-Kinderrechtekonvention eingeführt hat“, verkündete Familien- und Jugendministerin Sophie Karmasin.

Die bei der Ratifikation der Kinderrechtskonvention abgegebenen Vorbehalte im Jahr 1992 bezogen sich auf die Meinungsfreiheit des Kindes sowie die Informations-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit. Die heute beschlossene Zurückziehung der Vorbehalte stellt ein erstes Ergebnis des im Jahr 2012 eingerichteten Kinderrechte-Monitoring-Prozesses dar und ist ein entscheidender Schritt zur umfassenden Implementierung der Kinderrechtekonvention in Österreich, wie vom UN-Kinderrechteausschuss in Genf wiederholt gefordert.

Mit der Zurücknahme der Vorbehalte wird nicht nur den wiederholten Empfehlungen des UN-Kinderrechtsausschusses, sondern auch dem evolutiv-dynamischen Charakter der Menschenrechte in Österreich Rechnung getragen. Dem entspricht auch die international vielbeachtete Verankerung der zentralen Grundsätze der Kinderrechtekonvention im Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern vom 20. Jänner 2011.

Verfassungsgesetzlich verankert sind darin insbesondere das Recht auf eine gewaltfreie Kindheit (Art. 5), das Recht des Kindes auf angemessene Beteiligung und Berücksichtigung seiner Meinung in seinen eigenen Angelegenheiten und das für die gesamte Rechts- und Sozialordnung geltende Kindeswohlvorrangigkeitsprinzip (Art. 1).

Damit die in Gesetzen verbrieften Rechte nicht nur auf dem Papier stehen, sondern real Wirkung im Leben junger Menschen zeigen, ist in der allgemeinen Öffentlichkeit auch ein entsprechendes Bewusstsein für die Achtung der Persönlichkeitsrechte von Kindern und für ihren Schutz vor Übergriffen und Gewalt zu schaffen. „Ich möchte mit Bewusstseinsbildung darauf aufmerksam machen, dass wir zu gewaltfreier Erziehung in Österreich kommen. Jede und jeder von uns kann dazu beitragen – allein in dem er hinschaut anstatt wegzuschauen. Denn Gewalt darf niemals Teil der Erziehung sein. Die sogenannte „g’sunde Watschn“ ist niemals gesund sondern immer nur falsch und abzulehnen!“ betonte Karmasin abschließend.

(gefunden auf http://www.kinderrechte.gv.at/)

Diese Änderung ist gut und richtig. Kinder haben Rechte. Beispielsweise ein Recht auf Zuwendung, Respekt und seelisches Wohlbefinden. Denn diese Aspekte sind für das kindliche Überleben und die kindliche Entwicklung nach Remo H. Largo sogar NOCH wichtiger als das Stillen der rein körperlichen Bedürfnisse wie jenes nach Nahrung.

Kinder haben das Recht darauf, ohne Gewalt aufzuwachsen. Gewalt fängt dabei nicht erst bei Schlägen, Tritten oder sexuellem Missbrauch an. Wie Karmasin richtig sagt, ist auch schon die berüchtigte „g´sunde Watsch´n“ oder der „Klaps auf den Po“ eine Gewalthandlung und folglich abzulehnen (siehe auch Gewaltfreie Erziehung).

Es kann gar nicht oft genug betont werden. Gewalt hat in der Erziehung nichts zu suchen!!! Jeder Erwachsene, der Gewalt an einem Kind ausübt, macht sich strafbar! Leider gibt es noch keine exakte gesetzliche Abgrenzung, die bereits „kleinere“ Gewalthandlungen klar mit einschließt. Ich denke, und hoffe, auch das wird irgendwann geändert werden.

Das Problem ist heute immer noch, dass die Gesellschaft zumindest solche „kleineren“ Gewalthandlungen akzeptiert. Klar – jemand, der sein Kind quer über den Spielplatz prügelt, ist völlig unakzeptabel. Das zumindest sieht der Großteil der Erwachsenen inzwischen ein. Aber so eine kleine Ohrfeige, die schadet ja nicht… denken leider immer noch viele Menschen.

Noch vor ein, zwei Generationen war Gewalt in der Kindererziehung noch vollkommen akzeptiert. Kinder hatten zu gehorchen und die Eltern hatten die absolute Macht, was sie auch schlagkräftig demonstrierten. Inzwischen ist man sich zumindest in den Erziehungswissenschaften zum Glück weitgehend einig darüber, dass Gewalt dem Kind schadet und daher gänzlich abzulehnen ist. Viele unterschiedliche Richtungen vertreten heute diesen Standpunkt. Und dennoch gibt es immer noch viele Menschen, die an der „g´sunden Watsch´n“ festhalten.

Warum ist das so? 

Um dies zu verstehen, muss man weiter zurück gehen. Die Generationen vor uns wurden noch geschlagen und haben wiederum ihre eigenen Kinder geschlagen. Gewalttätiges Verhalten wird von Generation zu Generation weiter gegeben. Wer Gewalt erlebt, wird entweder selbstdestruktiv (also schadet sich selbst, indem er die seelischen Verletzungen verbirgt und mehr oder weniger gut damit fertig wird) oder wird selbst gewalttätig. Dass daher die Gewalt inzwischen in der Kindererziehung „ausgemerzt“ worden wäre, ist einfach unmöglich. Zu tief sind die Wurzeln, zu frisch immer noch die Wunden.

Wie aber lässt sich das elterliche Gewaltverhalten beeinflussen?

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich niemanden verurteile. Wie gesagt: Gewaltverhalten ist „erlernt“, also jemand, der sein Kind schlägt, hat es selbst so vorgelebt bekommen und wurde dadurch geprägt. In dieser Hinsicht sind die Täter immer gleichzeitig auch Opfer.

ABER: ich denke auch, dass Erwachsene – im Gegensatz zu Kindern! – die ausgereifte Fähigkeit besitzen, ihr aktuelles Verhalten zu reflektieren. Wir können uns bewusst machen, dass unser Verhalten nicht richtig ist. Immerhin wird heutzutage kaum jemand behaupten können, noch nie davon gehört zu haben, dass Gewalt Kindern nachhaltigen Schaden zufügt. Es ist also notwendig, sich selbst die eigenen Fehler bewusst zu machen und einzugestehen. Dies ist der erste und wohl wichtigste Schritt. Denn sobald dieser getan ist, ist auch die Bereitschaft zu Veränderung gegeben. Und dann kann man etwas tun, ggf. Hilfe in Anspruch nehmen und an sich arbeiten.

Leider sind viele Menschen (noch) nicht dazu bereit, sich ihre Fehler einzugestehen. Wenn ich Eltern höre, die behaupten, dass ihre Kinder ihnen „auf der Nase herumtanzen“, sie „vom Ungehorsam ihrer Kinder genug haben“ oder ähnliche Aussagen, so wird daraus eines ersichtlich: diese Eltern schieben die Verantwortung, die eigentlich bei ihnen liegt, auf ihre Kinder! Kinder werden nicht „böse“ geboren, sind nicht „ungehorsam“, weil sie uns Eltern quälen wollen. Kein Kind „reizt“ seine Eltern aus Bösartigkeit!! Es liegt IMMER in den Händen der Eltern, wie ein Kind sich verhält. Jedes Kind wird immer wieder mal Grenzen seines Verhaltens austesten, das ist gut und wichtig für ihre Entwicklung. Aber sie tun es nicht, weil sie uns Eltern den letzten Nerv rauben wollen.

Damit möchte ich nicht den Eltern die Schuld zuschieben für ihr eigenes Verhalten. Vieles, was unsere Kinder von uns lernen (und sie lernen ja bekanntlich in den ersten Lebensjahren fast ausschließlich durch Beobachtung), vermitteln wir ihnen unbewusst. Durch die Art und Weise beispielsweise, wie wir mit anderen Menschen umgehen. Eltern sind sich also vieler ihrer Verhaltensweisen nicht einmal selbst bewusst.

Doch wenn ich mein Kind schlage, verletze ich es nicht nur körperlich und seelisch, sondern ich vermittle ihm dadurch gleichzeitig immer auch: Gewalt ist in Ordnung. Egal, ob ich verbal versuche, etwas anderes rüberzubringen. Die indirekte Message sitzt. Wenn ich von meinem Kind respektvoll behandelt werden möchte, so muss ich zuerst ihm Respekt zollen. Erwarte ich, dass mein Kind sich anderen Menschen gegenüber höflich und liebenswürdig verhält, so liegt es zuerst an mir, ihm dieses Verhalten vorzuleben. Insofern tragen wir Eltern also auch die Verantwortung für das Verhalten unserer Kinder.

Ich finde es fürchterlich traurig, wenn ich mitbekomme, wie manche Eltern ihre Kinder behandeln, die Schuld einzig beim Kind suchen und blind sind für ihre eigenen Fehler.

Ich bin keine Über-Mama, das habe ich nie behauptet. Ich habe auch meine Fehler, und ich stehe zu ihnen. Ich versuche meinen Kindern ein gutes Vorbild zu sein. Gewalt lehne ich strikt ab – auch die sogenannte „g´sunde Watsch´n“. Ob ich eine gute Mutter bin, können nur meine Söhne beurteilen. Aber ich denke, ich bin gut genug. Ich übernehme meine Verantwortung und versuche, meinen Kindern eine glückliche Kindheit zu ermöglichen, auf die sie mit Freude zurückblicken können, wenn sie selbst erwachsen sind.

Ich bin der Meinung, dass alle Eltern das Beste für ihre Kinder wollen. Doch das Beste zu wollen und dieses Beste in ein entsprechendes (Erziehungs-) Verhalten umzusetzen sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Es geht mir nicht darum, mit dem Finger auf Eltern zu zeigen oder jemanden zu verurteilen. Alle Eltern lieben ihre Kinder. Doch nicht alle können diese Liebe in der Form zum Ausdruck bringen, die gesund für das Kind ist.

 

 Tamara Jungbauer

Gewaltfreie Erziehung

2015-08-03 18.05.54Ich hatte vor einiger Zeit ein Erlebnis am Kinderspielplatz, das mich sehr betroffen gemacht hat: Ein etwa einjähriger Zwerg spielte in einem Meer aus kleinen Kieselsteinen, die den gesamten Spielbereich abgrenzen. Immer wieder nahm er zwischendurch mal einen Stein in den Mund (in diesem Alter ja irrsinnig reizvoll), woraufhin die Mutter ihn diesem natürlich jedesmal wieder aus dem Mund holte. Nach mehrmaligem Stein-in-den-Mund und Stein-wieder-aus-dem-Mund-holen drohte sie dem Kleinen schließlich mit den Worten „Lass die Steine jetzt, oder willst du wieder was auf den Popo bekommen?“. Diese Aussage konnte ich kaum glauben. Eine junge Mama, die ich öfters sehe, weil sie bei uns in der Wohnanlage wohnt, und die eigentlich immer einen entspannten, liebevollen Eindruck macht, droht ihrem Kind Schläge an?! Natürlich ist es gefährlich, wenn ein Kind diese, in einer zum Ersticken idealen Größe, Kieselsteine in den Mund nimmt. Und natürlich muss man sie ihm wieder rausholen und mit klaren Worten zu verstehen geben, dass es die Steine nicht in den Mund nehmen soll. Aber eben mit Worten, nicht mit körperlicher Züchtigung.

Dieses Erlebnis hat mir wieder bewusst gemacht, dass (körperliche) Gewalt an Kindern leider immer noch oft praktiziert wird und offenbar von vielen Eltern als normal gesehen wird. Warum das nicht sein darf, darauf möchte ich an dieser Stelle nun genauer eingehen.

Der Duden beschreibt Gewalt als Macht, Befugnis, das Recht und die Mittel, über jemanden, etwas zu bestimmen, zu herrschen.

Aus dieser Definition wird bereits deutlich: Gewalt hat immer etwas mit Macht zu tun. Derjenige, der Gewalt an einer anderen Person ausübt, demonstriert damit seine Macht (über die andere Person und im speziellen Fall: über das Kind). Jeder Erwachsene, der Gewalt an einem Kind ausübt, nutzt seine Machtposition auf schlimmste Weise. Das Kind ist uns Erwachsenen völlig ausgeliefert. Es ist auf uns angewiesen, ohne uns nicht lebensfähig. Wir Erwachsenen sind also schon von Natur aus in einer gewissen Machtposition, dem Kind gegenüber.

 Gewaltausübung an einem Kind ist ein Armutszeugnis.

Eine Machtdemonstration in Form von Gewalt ist also nicht nur nicht notwendig (weil die Macht ja eindeutig beim Erwachsenen liegt), sondern auch noch ein Zeichen völliger Hilflosigkeit und ein großes Armutszeugnis für den Macht-ausübenden. Wer sich nicht anders zu helfen weiß, als ein Kind zu schlagen oder auf sonstige Weise zu misshandeln, braucht in Wahrheit selbst dringend Hilfe. Das Kind muss mit den Auswirkungen der Hilflosigkeit des Erwachsenen leben: die Folgen, die es zu tragen hat, sind oft schwerwiegend und kennzeichnen es für den Rest seines Lebens.

Wir Eltern haben das Recht und die Pflicht, das Kind zu pflegen und zu erziehen. Es liegt ein sogenannter staatlicher Erziehungsauftrag vor – der Staat wacht über die Ausübung dieser elterlichen Pflicht. Er kann gegebenenfalls eingreifen, sofern Eltern dieser Pflicht nicht gebührend nachkommen. Das Recht des Kindes ist es, gewaltfrei aufwachsen zu dürfen.


Die große Frage in diesem Zusammenhang lautet nun aber: wo fängt Gewalt an?

Bei Gewalt denken wir als erstes unweigerlich an körperliche Gewalt wie Schläge. Diese sind aber nur eine Form unter vielen:

  1. Körperliche Gewalt:

Hierzu zählen alle Formen von Misshandlungen wie Schlagen, an den Haaren Ziehen, Schütteln, Stoßen, Treten, Boxen, (mit Zigaretten) Verbrennen, mit Gegenständen Attackieren, aber auch leichtere Formen wie der berüchtigte Klaps auf den Po oder die Ohrfeige, an den Ohren Ziehen, Zwicken oder Festhalten usw.

  1. Psychische Gewalt:

Es dreht sich hierbei um sämtliche Handlungen, die das Opfer seelisch und emotional schädigen.

Psychische Gewalt ist die häufigste Gewaltform, der Kinder ausgesetzt sind. Sie ist gleichzeitig schwerer festzustellen als die körperliche Gewalt, da sie keine nach außen erkennbaren Narben hinterlässt.

Das Bundesministerium für Familie und Jugend definiert psychische Gewalt an Kindern folgendermaßen (die nachfolgenden Gewaltdefinitionen des Österreichischen Bundesministeriums für Familie und Jugend wurden von dessen Internetseite übernommen):

„Psychische Gewalt ist …

  • wenn Kindern mutwillig Angst gemacht wird.
  • wenn Kinder eingeschüchtert, ausgegrenzt, isoliert werden.
  • wenn Kinder verspottet werden oder der Verspottung Preis gegeben werden.
  • wenn Kinder missachtet und entwertet werden.
  • wenn Kinder klein gemacht, klein gehalten und abgewertet werden.
  • wenn Kinder gezielt entmutigt werden.
  • wenn Kinder mit Druck und Unterdrückung erzogen werden.
  • wenn Kindern keine Grenzen gesetzt werden.
  • wenn Eltern ihren Kindern Orientierung verweigern und sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kindern entziehen.
  • wenn Strafe zu einem Zeitpunkt vollzogen wird, wo das Kind gar nicht mehr weiß, was es getan hat, und die Strafe nicht als Konsequenz seiner Handlungen erkennen kann.
  • wenn Kinder das tun müssen, was ihre Eltern immer gerne getan hätten, wenn Kindern sozusagen das Leben der Eltern auferlegt wird.
  • wenn Gefühle der Hilflosigkeit und schutzlosen Preisgabe ausgelöst werden und es zu einer Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses des Kindes kommt.
  • wenn Kinder als Spielball der Interessen des jeweiligen Elternteils z.B. im Zuge einer Scheidung missbraucht werden,
  • wenn also das Kindeswohl vorsätzlich und bewusst vorgeschützt wird, um eigene Interessen durchzusetzen oder zu fördern.
  • wenn Kinder Loyalitätskonflikten zwischen den Eltern ausgesetzt werden.
  • wenn den Eltern das Verhalten des Kindes wichtiger als seine Person ist.
  • leise. Sie ist nicht laut. Sie ist nicht spektakulär, aber sie ist langhaltig, sie ist ausdauernd, und sie ist nachwirkend.

Psychische Gewalt ist weiters …

  • immer dort, wo Angst als Erziehungsmittel eingesetzt wird.
  • nicht nur Vernachlässigung, es kann auch ein Übermaß an erstickender Liebe sein.
  • viel schwieriger zu erkennen als körperliche Gewalt, da sie am Körper keine sichtbaren Narben hinterlässt.
  • so schwer fassbar, da sie individuell erlebt wird und ihre Wirkung von außen oft nicht erkennbar und einschätzbar ist.
  • subjektiv zu verstehen und zu betrachten; das subjektive Erleben des Kindes, sein emotionales, existenzielles Empfinden steht im Vordergrund.
  • ein „unangenehmes“ Thema, da dieses Phänomen schwer fassbar ist, sich nicht genau definieren lassen „will“, sich wissenschaftlicher Analyse entzieht und uns zur Auseinandersetzung mit vielen Themen zwingt, auf die wir gar nicht so gerne hinschauen.

Psychische Gewalt …

  • wird durch alle Handlungen und Unterlassungen von Eltern und Bezugspersonen hervorgerufen, die Kinder ängstigen, überfordern, ihnen das Gefühl der eigenen Wertlosigkeit übermitteln und sie in ihrer psychischen und/oder körperlichen Entwicklung beeinträchtigen können.
  • „passiert“ oftmals eigentlich ohne böse Absicht.
  • wird unterschiedlich aufgefasst; was dem einen noch Spaß macht, kann für den oder die andere schon Verletzung, Abwertung, Verwundung bedeuten.
  • kann dadurch entstehen, dass die Eltern den Druck, dem sie in der Gesellschaft, Arbeit etc. ausgesetzt sind, an ihre Kinder weitergeben.
  • kann auch durch gut gemeinte Hilfsangebote ausgeübt werden.
  • entsteht und besteht dort, wo Kinder und Jugendliche einer Dynamik von „zu viel“ oder „zu wenig“ ausgesetzt sind und die existenziellen Bedürfnisse der Kinder keinen Platz haben.
  • manifestiert sich dort, wo Kinder bei für sie schwierigen Erfahrungen/ Erlebnissen keine Sprache bzw. keine Ausdrucksform finden können oder dürfen.
  • tritt nicht nur alleine auf, sondern zumeist auch als „stille Schwester“ aller anderen Gewaltformen.“
  1. Sexueller Missbrauch

Vom Österreichischen Bundesministerium für Familie und Jugend wird dieser folgendermaßen definiert:

„Sexueller Missbrauch von Kindern ist …

  • … wenn Erwachsene oder ältere Jugendliche sich bewusst und absichtlich am Körper eines Kindes befriedigen oder sich von einem Kind befriedigen lassen.
  • … immer gewaltsames Eindringen in die Psyche und/oder den Körper eines Kindes, durch Blicke, Bemerkungen, Gegenstände oder Körperteile.
  • … in erster Linie körperliche und psychische Gewalt und dient als Mittel, um Macht und Überlegenheit zu gewinnen.
  • … die Befriedigung der Bedürfnisse nach Macht, Anerkennung, Körperkontakt und Sexualität auf Kosten eines oder einer Schwächeren.
  • … ein Missbrauch des Vertrauens der Kinder: Nur durch das Vertrauen und den Schutz, den Kinder genießen, können sie sich entfalten. So wird sexueller Missbrauch auch zu einer schweren Gefährdung für die Entwicklung des Kindes.

Sexueller Missbrauch beginnt …

  • … wenn Erwachsene absichtlich Situationen herbeiführen, planen oder ihre Machtposition missbrauchen, um sich sexuell zu erregen.
  • … mit einer nicht altersgemäßen Aufklärung über Sexualität.
  • … bei der „fachmännischen Beurteilung“ der körperlichen Entwicklung eines Kindes.
  • … mit der Beobachtung eines Kindes beim Ausziehen, Baden, Waschen (Voyeurismus).
  • … mit dem Zeigen der eigenen Genitalien (Exhibitionismus).

Sexueller Missbrauch geht bis …

  • … zum Zeigen pornographischer Abbildungen oder Videos.
  • … zu sexualisierten Küssen.
  • … zum Masturbieren in Anwesenheit eines Kindes.
  • … zum Berühren oder Manipulieren der Genitalien des Kindes.
  • … zum Zwingen eines Kindes, die Genitalien des Erwachsenen zu berühren.
  • … zum Reiben des Penis am Körper eines Kindes.
  • … zum Eindringen in Scheide/After des Kindes mit Finger(n), Penis oder Fremdkörpern.
  • … zu Pornographie mit Kindern und Jugendlichen sowie Kinderprostitution.“

Wie sich aus den jeweiligen Beschreibungen erkennen lässt, sind die einzelnen Bereiche nicht immer klar voneinander zu trennen, oft wird Gewalt gleich auf mehreren Ebenen ausgeübt. Ein Kind, das sexuell missbraucht wird, wird dabei auch seelisch und psychisch, sowie meist auch körperlich misshandelt. Ein Kind, das geschlagen wird, erfährt dadurch unweigerlich auch seelisches Leid.

Gewalt beginnt aber, wie oben ersichtlich, nicht erst bei Prügel oder Vergewaltigungen. Sie setzt viel früher an, und wird leider von außen oft erst viel zu spät erkannt.

Viele Formen von Gewalt sind aber auch gesellschaftlich akzeptiert, wenn nicht gar gefördert. So denken heute immer noch viele Eltern, dass ein Klaps auf den Po oder eine Ohrfeige dem Kind keinen Schaden zufügen.

„Eine „Watsch´n“ hat ja schließlich noch niemandem geschadet.“

Das ist, so unglaublich es klingt, tatsächlich immer noch die Meinung vieler erwachsener Menschen. Oft auch solcher, die es besser wissen müssten, weil sie es am eigenen Leib erlebt haben. In vielen Fällen übernehmen Menschen, die als Kinder geschlagen wurden, dieses Verhalten ihrer Eltern leider und werden selbst Eltern, die wiederum ihre eigenen Kinder schlagen. Ein in der Kindheit erlerntes Verhaltensmuster ist eben meist schwer zu verändern2015-08-03 18.05.54. Ein Ausbruch aus der Gewaltspirale kann erst dann gelingen, wenn die Betreffenden sich des Musters bewusst werden und es aktiv ändern wollen. Das sind dann Menschen, die beschließen, anders zu sein als ihre Eltern und den Kreis zu durchbrechen.

 Eines ist sicher: Gewalt wirkt sich negativ auf das Kind aus.

Ich habe bereits mehrfach betont, dass Gewalt das Kind schädigt, welche Folgen aber kann Gewalt denn konkret mit sich bringen?

Es lässt sich (nach Kiwus und Körner) grundsätzlich zwischen Kurz- und Langzeitfolgen unterscheiden:

  • Kurzzeitfolgen

Bei körperlicher Gewalt kommt es meist zu äußeren Merkmalen wie Blutergüssen, Kratzern, Narben, Beulen, Verbrennungen etc.).

Psychische Gewalt zeigt sich oft in Form von Entwicklungsrückständen und psychosomatischen Symptomen.

Sexueller Missbrauch äußert sich etwa durch altersinadäquates, sexualisiertes Verhalten oder durch Verletzungen im Genital- bzw. Analbereich.

  • Langzeitfolgen

Diese äußern sich im Erwachsenenalter durch verschiedenste Störungsbilder, wobei Frauen eher internalisierte Störungen (Angststörungen, Depressionen, Essstörungen, autoaggressives Verhalten) aufweisen, Männer hingegen eher zu Störungen im Sozialverhalten (Aggression, Substanzmissbrauch etc.) neigen.

Nicht zu vernachlässigen sind obendrein die Folgen partnerschaftlicher Gewalt auf ein Kind. Oft treten Kindesmisshandlungen in Zusammenhang mit Partnergewalt auf, dabei kann sich jedoch schon allein das Miterleben von Gewalt zwischen den Eltern negativ auf die Entwicklung eines Kindes auswirken.

Gewalt in jeglicher Form fügt dem Kind Schaden zu!

Nicht immer ist Eltern bewusst, dass sie ihrem Kind Gewalt antun. Oftmals ist gewalttätiges Handeln auch nicht als solches klar erkennbar. Vieles, was in den Bereich psychischer Gewalt fällt, wird von liebenden Eltern ohne jegliche böse Absicht getan. Vieles wird unreflektiert gesagt oder getan, oft ist man von seinen eigenen Emotionen und Verhaltensmustern derart gesteuert, dass man selbst nur schwer oder gar nicht sieht, was man falsch macht.

Wenn wir manchmal laut werden und unser Kind anschreien, so sind wir uns selbst vielleicht gar nicht im Klaren darüber, dass es sich hierbei um eine Form von Gewalt handelt.

Es kommt natürlich auch oft darauf an, wie etwas aufgefasst und wie insgesamt miteinander umgegangen wird. Ein Kind, das generell viel Zuwendung und Wertschätzung erfährt, wird den Umstand, dass seine Eltern ab und zu ihre Stimme erheben, anders (nämlich weit besser) verarbeiten als ein Kind, das geschlagen und zudem noch ständig angeschrien wird.

Dennoch: wir Eltern müssen uns darüber im Klaren sein, dass die Art und Weise, wie wir unser Kind behandeln, sich in dessen Entwicklung und Verhalten widerspiegeln wird. Wir sind die Erwachsenen, in deren Händen das Schicksal der Kinder liegt. Gewalt (jeglicher Form) ist eine abzulehnende Erziehungsmaßnahme, wenn wir unser Kind lieben und wertschätzen wollen.


Tamara Jungbauer