Der leise Tod des Schnullers – wie wir ihn dann doch noch los wurden, ganz von allein!

Der „Nulli“, wie er von meinem kleinsten Mann genannt wurde, war bis vor Kurzem noch eine liebe Gewohnheit, die er scheinbar nicht mehr loswerden wollte. Doch Neulich kam es dann ganz plötzlich doch ganz anders. Ohne Stress. Ganz von allein. 

Mein kleinster Mann ist drei Jahre alt. Er hatte von Anfang an einen Schnuller, vorwiegend zum Schlafen. Er war kein „Dauernuckler“, aber in gewissen Situationen, in denen er sich selbst beruhigen musste, und im Bett war der Nuckel einfach wichtig.

Projekt „Schnullibaum“

Seine Kindergartenbetreuerin machte letztes Jahr einen Vorschlag, der mir gefiel und den ich ausprobieren wollte. Sie riet mir, einen bestimmten Baum oder eine Pflanze auszuwählen, an der mein Sohn jene Schnuller, auf die er verzichten wollte, mit einer Schnur befestigen sollte, um sie „anderen Babys zu schenken“, die ihn noch dringender brauchten. Über Nacht würden diese dann „geholt“ (sprich: Mama vergräbt sie tief unten im Mülleimer). Das taten wir dann auch und mein Sohn hing euphorisch nach und nach all seine Schnuller an die Pflanze. Es hatten sich ja so einige angesammelt, also ging das Spielchen eine Weile so.

Beim letzten Schnuller allerdings verging meinem Kleinsten die Lust und er beschloss, dass die anderen Babys bereits genug abbekommen hatten. „Das ist meiner.“, stellte er fest und damit war die Diskussion für ihn beendet.

Der letzte „Nulli“

Dieser letzte Schnuller blieb uns im vergangenen Jahr treu erhalten. Er war schon abgewetzt, im wahrsten Sinne des Wortes: ausgelutscht, vergilbt und am Ende hatte er auch schon ein kleines Loch im Sauger. Aber mein Sohn behandelte ihn wie einen kostbaren Schatz. Wenn man ihn fragte, ob er ihn wirklich noch brauche, sagte er fest entschlossen „Ja!“ und basta.

Nebenbei machten wir aber auch klar, dass wir keinen neuen Schnuller mehr anschafften. Der letzte Schnuller war und blieb der letzte, das war ihm bewusst. Er passte entsprechend gut auf ihn auf.

Wir drängten ihn nicht, seinen „Nulli“ endlich wegzuwerfen. Immer wieder mal fragten wir nach, ob er ihn wirklich noch brauche, wenn er ihn mal wieder irgendwo verloren hatte und verzweifelt suchte. Immer wieder fand er ihn (oder wir taten es) und er war darüber selig. Ihm diesen „Schatz“ einfach wegzunehmen wäre niemals in Frage gekommen.

Verloren – wiedergefunden – wieder verloren

Als er dann neulich abends seinen Schnuller nicht fand und mein Mann das Suchen irgendwann aufgegeben hatte (ich war an diesem Abend gerade nicht da), schlief er dann problemlos ohne ihn ein. Am nächsten Morgen fand er ihn dann doch wieder und nuckelte gleich nachträglich drauf los. Als er ihn dann kurz darauf wieder suchte und ich ihn schließlich fand, beschloss ich, ein wenig nachzuhelfen. Ich versteckte ihn an einem sicheren Ort und bis zum Schlafengehen abends war er vergessen. Als wir ihn dann abends wieder nicht „fanden“, schlief er ein weiteres Mal problemlos ohne ihn.

Und dann ist er gestorben…

Das war für mich Zeichen genug, dass er bereit ist, seinen „Nulli“ loszuwerden. Am nächsten Tag sagte er abends zu mir: „Der Nulli ist weg, den finden wir nicht mehr.“ Als ich daraufhin sagte „Ja, der war auch schon sehr, sehr alt. Das war ein richtiger Opa – Schnuller.“, mussten wir beide lachen.

„Ja, der hat schon ein Loch gehabt.“, gab mein Sohn zu Bedenken.

„Genau. Bestimmt hat er sich irgendwie davon geschlichen, der wollte nicht mehr genuckelt werden. Viel zu alt war der schon.“, sagte ich.

Er: „Ja, der war gaaaanz alt. Der ist sicher schon gestorben.“

Ich: „Mhm..und was machen wir da jetzt?“

Er: „Jetzt lassen wir ihn in Ruhe.“

Kinder lösen ihre Probleme selbst

Das ist eines von jenen Erlebnissen, die mich immer wieder faszinieren und begeistern. Kinder nehmen sich die Zeit, die sie brauchen, wenn wir sie lassen. Sie machen sich ihre eigenen Gedanken, wenn wir ihnen nicht unsere aufdrängen.

Mein Sohn ließ seinen Schnuller alt werden, um ihn dann eines natürlichen Todes sterben zu lassen. Das konnte er akzeptieren, damit konnte er letztlich leben. Dadurch wurde der Abschied möglich.

Eine lieb gewordene Gewohnheit loszuwerden, ist für uns alle schwer. Gerade Kinder brauchen ihre Zeit und wenn wir darauf vertrauen, dass sie zu gegebenem Zeitpunkt – eben zu ihrer Zeit – das tun, was zu tun ist, dann werden sie es auch machen. In ihrem Tempo.

Was sie von uns brauchen, ist Geduld, Verständnis und Zeit. Wir können sie begleiten, ihnen Anregungen geben und letztlich auch ein bisschen nachhelfen, wenn der Zeitpunkt da ist. Am wichtigsten jedoch ist unser Vertauen in sie. Damit schaffen sie alles.

Hast du Fragen oder möchtest du deine Erlebnisse teilen? Dann schreib mir doch, ich freu mich!

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Tamara_Schrift

 

„Sag schön`Guten Tag´!“ – warum du dein Kind nicht zu „Höflichkeiten“ drängen solltest!

Es gibt sie immer wieder und bei jedem Kind: Situationen, in denen wir Eltern das Gefühl haben, unser Kind sollte doch bitte etwas sagen: „Guten Tag“, „Auf Wiedersehen“, „Bitte“ oder „Danke“ zum Beispiel. Es gehört sich doch schließlich so, oder? Wenn wir der redefreudigen Nachbarin begegnen, sollte doch auch unser Kind zumindest ein Wort des Grußes über die plötzlich zusammengepressten Lippen bringen, der Höflichkeit halber? Aber ist dem wirklich so oder überschreiten wir dabei nicht eine Grenze, die wesentlich bedeutsamer ist als jene gesellschaftlichen Vorgaben: nämlich die persönliche Grenze unseres Kindes?

Wir alle sind als Kind selbst darauf hingewiesen worden: sag schön bitte und danke, sei höflich und grüße immer freundlich. Das gehört sich einfach so. Natürlich ist es nicht von der Hand zu weisen: Höflichkeit ist eine gesellschaftliche Grundregel. Höfliche Umgangsformen machen soziales Miteinander nicht nur angenehmer, sondern überhaupt erst möglich. Demzufolge ist es auch wichtig, dass wir unseren Kindern möglichst früh diese Regeln vermitteln, damit sie lernen, was in verschiedenen Situationen von ihnen gesellschaftlich erwartet wird.

Motivieren ja, drängen nein.

Kleine Kinder lernen großteils durch Beobachtung. Das heißt, so wie wir uns in den unterschiedlichsten Situationen verhalten, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen, hat Einfluss auf das Verhalten unserer Kinder. Wenn wir respektvoll mit anderen umgehen, höflich und freundlich sind, werden auch unsere Kinder zu höflichen Menschen heranwachsen.

Dies bedeutet nicht, dass die kleinen Leute, sobald sie sich verbal auch nur halbwegs gut ausdrücken können, beginnen, dieses an uns beobachtete Verhalten selbst anzuwenden. Sie beobachten erst einmal und irgendwann werden sie selbst entsprechend handeln. Was wir dabei tun können ist, ihnen ein positives Beispiel zu sein. Wir können sie dazu motivieren, sich zu bedanken, wenn sie etwas bekommen, um etwas zu bitten, wenn sie etwas haben wollen usw. indem wir ihnen sagen, was wir von ihnen erwarten. Was wir allerdings nicht tun sollten ist, sie zu drängen oder gar für mangelnde Höflichkeit zu bestrafen.

Jedes Kind braucht seine Zeit.

Manche Kinder haben weniger Schwierigkeiten damit, etwa laut zu grüßen, als andere. Viele Kinder verstummen regelrecht, wenn sie angesprochen werden oder wenn sie das Gefühl haben, es wird von ihnen erwartet, dass sie etwas (Bestimmtes) sagen sollen. Dabei ist es oftmals weder Schüchternheit noch Angst oder Eigensinnigkeit, die die kleinen Menschen vom Reden abhalten. Vielmehr geht es darum, dass manche Kinder länger brauchen, ausgiebiger beobachten müssen, um sich mit Situationen und Menschen „anzufreunden“. Gerade besonders aufdringliche Menschen wie die redselige Nachbarin von nebenan oder die liebe Urstrumpftante, die die Kleinen mit tausend Fragen überhäufen, sie ungefragt in die Wangen kneifen, weil sie so süß sind usw. haben es da oft sehr schwer, wirklich Zugang zu den Kindern zu finden. Bei näherer Betrachtung ist dies auch vollkommen nachvollziehbar. Auch ich möchte nicht von der netten Nachbarin angetatscht werden.

Die kindlichen Grenzen achten.

Kinder haben, wie wir Erwachsenen auch, ihre persönlichen Grenzen. Sie haben das Recht darauf, sich erst einmal ausreichend ein Bild der Person bzw. Situation machen zu dürfen, ehe sie entscheiden, ob sie sich öffnen wollen oder eben nicht. Wenn die lästige Nachbarin das Kind verbal überhäuft -„Ja hallo, wie geht´s dir denn? Na, du bist aber wieder groß geworden!Wo gehst du denn hin? Warst du im Kindergarten heute? Na, warum sagst denn nix??“ – und es dabei vielleicht auch noch am Kopf tätschelt oder ähnliches, dann ist es doch kein Wunder, dass das Kind verstummt!

Ich habe es schon oft erlebt: Kinder öffnen sich, wenn man ihnen die Freiheit gibt, selbst zu entscheiden. Wenn ich dem Kind zeige, ich bin da und du kannst jederzeit zu mir kommen, so wird es viel eher bereit sein, sich zu öffnen, als wenn ich es mit Fragen zuschütte, ihm nicht von der Seite weiche und mich ihm sonst wie aufdränge.

Kinder brauchen Zeit. Sie wollen selbst entscheiden, wen sie wann an sich heran lassen. Überschreitet man ihre Grenzen immer wieder, indem man sie dazu anhält, dass sie mit Leuten sprechen, von denen sie sich überrollt fühlen oder bei denen sie sich (noch) nicht sicher genug fühlen, so zwingt man sie, ihre eigenen Grenzen zu missachten. Auf Dauer wird dadurch die kindliche Integrität verletzt.

Ein Gleichgewicht finden.

Wichtig erscheint mir daher, dass wir unseren Kindern ein gutes Vorbild sind und ihre persönlichen Grenzen respektieren und achten. Wir können sie auf ein Bitte und Danke hinweisen, wenn sie von uns etwas wollen. Wir können ihnen erklären, wann wir andere grüßen oder was wir in verschiedenen Situationen sagen, um die Höflichkeit zu wahren und das Miteinander zu ermöglichen. Noch besser als alles Erklären und Reden ist aber – wie so oft in der Erziehung – unsere Vorbildwirkung. Was wir tun und wie wir selbst uns verhalten ist Maßstab für das Verhalten unserer Kinder.

Und wenn sie dazu bereit sind, werden sie dieses Verhalten auch selbst in die Tat umsetzen.

Wie sag ich´s der aufdringlichen Nachbarin?

Ich als Mama komme immer wieder in Situationen, in denen meine kleinen Männer verstummen. Anfangs tat ich mir sehr schwer damit. „Warum redet er denn nix, ist er schüchtern?“ ist ein sehr beliebter Satz von Menschen wie der aufdringlichen Nachbarin. Während ich früher nicht wusste, was ich darauf sagen sollte, ist meine Antwort jetzt meist kurz und klar: „Nein, er braucht halt einfach seine Zeit.“ Manchmal füge ich dann auch noch ein „Und das ist auch ganz normal.“ hinzu, in die Richtung meines Sohnes gewandt.

Wenn meine kleinen Männer nicht reden wollen, übernehme ich das halt in solchen Situationen für sie. Dann sag ich eben „Danke“ für das Zuckerl, das sie bekommen, oder beantworte die Fragen, die an meine Kinder gerichtet sind an ihrer Stelle. Es ist nicht immer einfach, Verständnis und Geduld zu haben, den kleinen Leuten Zeit zu geben. Aber wir sollten ihre Grenzen akzeptieren. Sie reden eben dann, wenn es für sie passt. Das ist auch völlig in Ordnung so, eigentlich.

 

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3 Tipps, wie du mehr Achtsamkeit in deinen Alltag bringst!

20150418_150240.jpgWenn du meinen Blog verfolgst, wirst du schon erkannt haben, dass Achtsamkeit für mich einen großen Stellenwert hat – im Leben generell, aber gerade auch im Alltag mit Kindern. Achtsam den gegenwärtigen Moment leben zu können, ist DIE Grundvoraussetzung für Glück. Deswegen möchte ich dir heute ein paar Tipps in diese Richtung geben.

Wer kennt das nicht? Die Aufgaben des täglichen Lebens mit Kindern sind vielschichtig, komplex und erfordern nicht nur enormes Organisationstalent, Management und ein hohes Maß an Flexibilität (um uns jederzeit auf die aktuellen Umstände und auftauchenden Schwierigkeiten einzustellen), sondern – und ganz besonders – auch viel Energie und Kraft.

Der Schlüssel liegt im Moment

Wenn wir also nicht sorgfältig mit unseren Energiereserven umgehen, kann es schnell passieren, dass wir überfordert sind und wir nur noch auf Sparflamme laufen.Unter solchen Voraussetzungen jedoch bleiben die Gelassenheit und Geduld, die wir im Umgang mit unseren kleinen Leuten so dringend brauchen, auf der Strecke. Wir werden ungeduldig, gereizt, neigen zu Überreaktionen und tun uns schwer damit, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, das da wäre: das Hier und Jetzt. Dieser Moment.

Denn wenn wir genauer darüber nachdenken, dann besteht das Leben ja nur aus einer Aneinanderreihung von Momenten. Die Vergangenheit ist vorbei und kann nicht mehr geändert werden, die Zukunft ist noch weit weg und ebenso wenig beeinflussbar. Alles, was wir also haben, ist das JETZT. Und genau darauf sollten wir uns, so oft es geht, konzentrieren.

Auch ein kleiner Schritt zeigt seine Wirkung!

Das bedeutet nicht, dass wir andauernd präsent sind oder sein müssen. Das ist auch gar nicht möglich. Aber je öfter wir es schaffen, einzelne Momente einzufangen, sie festzuhalten und ganz da zu sein, je mehr wir Achtsamkeit in unser Leben bringen, desto intensiver wird sie uns beeinflussen. Das kann schon mit einem kleinen Ritual täglich beginnen, das keinen extra Zeitaufwand bedeutet, und kann bis hin zu Meditation reichen, die unseren Geist befreit und reinigt.

Seitdem ich begonnen habe, Achtsamkeit in mein Leben zu bringen, spüre ich die Veränderung. Manchmal gelingt es mir besser, dann wiederum habe ich Phasen, in denen es mir schwer fällt, präsent zu sein. Aber – und ich denke, darauf kommt es letztlich an – ich bin zumindest in kleinen Dosen hier und da und auch in einigen festen Ritualen, die ich inzwischen habe, achtsamer und präsenter.

3 Tipps, wie du mehr Achtsamkeit in dein Leben bringen kannst

1 Dein Kind als Anker

Als ich damit begonnen habe, Achtsamkeit zu üben, tat ich zunächst einmal nur eines: wann immer ich Momente zur Verfügung hatte, in denen ich mich voll und ganz meinem Sohn widmen konnte, nutzte ich diese dazu, meine Gedanken abzuschalten und mich ganz dem Augenblick hinzugeben. Ich beobachtete meinen kleinen Mann, war ganz bei ihm, versetzte mich in seine aktuelle Gefühls- und Erlebniswelt und stellte meine eigenen Probleme, Sorgen und Gedanken in den Hintergrund. Ich lachte mit meinem Kind, freute mich mit ihm, versuchte die Welt mit seinen Augen zu sehen.

Diese Momente waren und sind für mich vollkommen. In ihnen spüre ich reines Glück. Auch heute noch versuche ich solche Momente zu genießen und aufzusaugen. Mit Kindern Zeit zu verbringen, ermöglicht uns durchaus, achtsam zu sein. Wenn wir all die Aufgaben des Alltags mal kurz beiseite schieben können und uns auf den Moment einlassen, ist das pure Achtsamkeit, die noch dazu die Beziehung zu unseren Kindern stärkt, die Nähe erzeugt.

2 Dankbar sein

Wir neigen dazu, uns stets auf das zu konzentrieren, was vielleicht noch besser laufen könnte. Ständig haben wir Ziele, Pläne und Träume, die wir verfolgen und von denen wir uns erhoffen, dass sie uns das große Glück vor die Füße legen. Leider vergessen wir dabei allzu oft, dankbar für das zu sein, was wir bereits haben.

Ich habe mir ein kleines Dankbarkeitsritual angewöhnt, das ich jeden Abend mit meinen Kindern ausführe:

Nach der Gute-Nacht-Geschichte werfen wir noch einmal einen Blick auf den vergangenen Tag, indem wir darüber sprechen, was wir gemacht haben und was davon uns besonders gut gefallen hat. Wir bedanken uns für den Tag und für die schönen Momente, die er uns gebracht hat. Auf diese Weise schließen wir gemeinsam den Tag ab, bringen ihn zu einem guten Ende und üben uns in Dankbarkeit, die eine der Grundvoraussetzungen dafür ist, glücklich sein zu können.

Erst wenn wir dankbar sind für das, was wir haben und sind, können wir wirklich glücklich sein. Solange wir nur nach den „Sternen“ greifen, verpassen wir das wahre Glück, das im Hier und Jetzt liegt.

Wenn du möchtest, kannst du auch beispielsweise einmal die Woche aufschreiben, wofür du selbst in letzter Zeit dankbar warst. Nimm dir vor, an einem fixen Tag in der Woche deine persönliche Dankesliste zu machen. Du wirst sehen, es tut gut!

3 Atmen

Wenn du einen Schritt weiter gehen möchtest, dann versuche zumindest zehn Minuten täglich Ruhe zu finden, um dich ganz deiner Atmung hinzugeben.

Leg dich hin oder setze dich auf einen Stuhl und beobachte deinen Atem. Konzentriere dich auf deine Ein- und Ausatmung und erkunde, wie sich dabei dein Bauch hebt und senkt, wie die Luft durch deine Nase strömt und sich deine Brust füllt. Du beobachtest deine Atmung als würdest du dir selbst von außen zusehen, ohne sie verändern zu wollen. Du nimmst sie wahr, bewertest sie jedoch nicht (z.B. indem du denkst „ich atme zu schnell/zu flach/zu hektisch“ etc.).

Auftauchende Gedanken nimmst du wahr, schiebst sie jedoch ohne Bewertung einfach beiseite. Du kannst etwa, wenn du merkst, dass ein Gedanke auftaucht oder du abgedriftet bist, diesen Gedanken einfach kurz benennen („Denken“ oder „Gedanke“) und lässt ihn sogleich weiter ziehen. Ich stelle mir meistens vor, die Gedanken ziehen weiter wie Wolken am Himmel oder sie werden wie von Scheibenwischern einfach weg gewischt. Dann konzentrierst du dich wieder auf deinen Atem.

Viele Menschen denken, dass sie beim Meditieren keine Gedanken mehr haben dürfen. Dies gelingt vielleicht buddhistischen Mönchen, aber ist nicht das absolute Ziel, das es für dich zu erreichen gilt. Gedanken kommen immer wieder hoch, das gilt es zu akzeptieren – unser Gehirn lässt sich nicht einfach so abdrehen. Wichtig ist nur, dass wir sie neutral wahrnehmen und zur Seite schieben, ohne ihnen eine Wertung aufs Auge zu drücken wie z.B. „jetzt hab ich schon wieder gedacht“ oder „heute kann ich einfach nicht abschalten“ etc. Einfach wegschieben und wieder aufs Atmen konzentrieren.

Probier es doch mal aus 🙂

… und wenn du Lust hast, schreib mir über deine Erfahrungen!

Alles Liebe,

Deine

Tamara_Schrift

 

Ist mein Kind hochsensibel?

Hast du die Vermutung, dass dein Kind hochsensibel sein könnte?

Möchtest du herausfinden, ob dein Kind über diesen Wesenszug verfügt?

Mach den Test!

Test nach Elaine N. Aron: Ist mein Kind hochsensibel?

Test nach Rolf Sellin: Ist mein Kind hochsensibel?

Bist du unsicher, wie du dein Kind in seiner Hochsensibilität annehmen kannst? Ergeben sich Schwierigkeiten für euer Miteinander? Fühlst du dich hilflos, weißt nicht mehr weiter im Umgang mit deinem Kind?

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Deine

Tamara_Schrift

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Liebe Mamas!Pregnant

Heute möchte ich mit euch einen Text aus Khalil Gibrans „Der Prophet“ teilen, den ich persönlich sehr berührend finde. Er passt, wie ich finde, sehr gut zu einer achtsamen und bindungsorientierten Form der Erziehung und Eltern-Kind-Beziehung, die das Kind als individuelles Wesen mit eigenen Bedürfnissen, Gedanken und Werten schätzt und respektiert.  ♥

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter

der Sehnsucht des Lebens

nach sich selbst.

Sie kommen durch euch,

aber sie sind nicht von euch,

und auch wenn sie bei euch sind, gehören sie euch nicht.

Ihr könnt ihnen eure Liebe geben,

aber nicht eure Gedanken,

weil sie ihre eigenen Gedanken haben.

Ihr könnt ihren Körpern eine Behausung geben,

aber nicht ihren Seelen,

weil ihre Seelen im Haus von  morgen wohnen,

welches ihr nicht betreten könnt,

noch nicht einmal in euren Träumen.

Ihr könnt versuchen,

wie sie zu sein,

aber versucht nicht sie euch anzugleichen,

das Leben geht nicht rückwärts,

noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen,

von denen eure Kinder

als lebende Pfeile abgeschossen werden.

Der Bogenschütze sieht das Ziel

auf dem Pfad der Unendlichkeit,

und Er biegt euch mit Seiner Kraft,

damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Möge das Gebogenwerden

in des Schützen Hand

Freude in euch auslösen.

So wie Er den fliegenden Pfeil liebt,

so liebt Er auch den Bogen,

der fest steht.

Eure

Tamara_Schrift

Die frühkindliche Entwicklung

P1010620Jedes Kind bringt von Natur aus ein individuelles Repertoire an Genen mit, die nicht nur sein ganz spezielles (mit keinem anderen Menschen vergleichbares) Aussehen bestimmen, sondern auch seine ihm eigene Persönlichkeit. Während das eine Kind temperamentvoll, und extrovertiert ist, wird ein anderes ruhig und eher introvertiert geboren. Die Veranlagung ist also die Grundvoraussetzung, die das Kind mitbringt, um überhaupt erst entstehen zu können.

Die zweite Seite der Medaille macht die Umwelt aus, und hier im Besonderen die Eltern als primäre Bezugspersonen.

Veranlagung und Umwelt stehen in engem Zusammenhang.

Wir Eltern können uns nicht allein auf die Veranlagung berufen, wenn es um Erziehung geht. Ein Kind, das von Natur aus sehr impulsiv ist, braucht umso mehr die liebevolle Unterstützung seiner Eltern, um zu lernen, seine Gefühle in die richtigen Bahnen zu lenken.

Es gilt also, zu unterscheiden und abzuwägen: Persönlichkeitsmerkmale sind veranlagt, sie machen das Wesen des Kindes aus, das wir nicht verändern wollen (und können). Die Art und Weise aber, wie sich unser Kind in bestimmten Situationen verhalten soll, lernt es durch uns.

Wir Eltern schaffen für unser Kind die Umgebung, in der es seine Eigenschaften und Fähigkeiten möglichst gut entfalten kann. Körperliches und psychisches Wohlbefinden sind hierfür wesentliche Voraussetzungen, ebenso wie die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können.

Ein Kind, dessen körperliche Bedürfnisse ebenso wie das Grundbedürfnis nach Nähe und Zuwendung zuverlässig gestillt werden, und das in der Entwicklung seiner Selbständigkeit ausreichend gefördert wird, kann sich optimal entwickeln.

Einflussfaktoren für die kindliche Entwicklung

Laut einer wissenschaftlichen Studie der amerikanischen Entwicklungspsychologin Emmy Werner aus den 1970er Jahren können sich folgende Faktoren auf die Entwicklung eines Kindes auswirken:

1. Risikofaktoren zum Zeitpunkt der Geburt:

  • Chronische Armut
  • Geringer Bildungsgrad der Mutter
  • Perinatale (=um die Geburt herum) Komplikationen
  • Entwicklungsverzögerungen
  • Genetische Anomalien
  • Psychologische Auffälligkeiten der Eltern

 2. Belastungsfaktoren:

  • Längere Trennung von den Eltern im 1. Lebensjahr
  • Erkrankung der Eltern
  • Behindertes Geschwisterkind
  • Abwesenheit des Vaters
  • Scheidung/Trennung der Eltern
  • Außerfamiliäre Unterbringung
  • Bei Mädchen: Schwangerschaft in der Adoleszenz

3. Protektive Faktoren:

  • Erstgeborenes Kind
  • Hohe Aktivität des Säuglings
  • Positives Sozialverhalten
  • Fähigkeit zur Selbsthilfe
  • Gute Kommunikation7
  • Ausgeprägte Interessen
  • Selbstkontrolle
  • Positives Selbstkonzept

4. Umgebung:

  • Viel Zuwendung
  • Positive Eltern-Kind-Beziehung
  • Weitere Bezugspersonen
  • Freunde
  • Geregelter und strukturierter Haushalt
  • Zusammenhalt in der Familie
  • Hilfe und Rat bei Bedarf (v.a. in der Adoleszenz)

Die eben genannten Einflussfaktoren können sich entsprechend positiv oder negativ auf die Entwicklung eines Kindes auswirken. In der Studie von Emmy Werner wurde auch festgestellt, dass manche Kinder sich trotz vielfältiger Risiko- und Belastungsfaktoren positiv entwickeln, was auf eine in diesen Personen vorhandene Resilienz zurückzuführen ist. Manche Menschen sind trotz widrigster Umstände nicht unterzukriegen, sie schaffen es unter schlimmsten Bedingungen, positiv und stark zu bleiben, und immer wieder aufzustehen, um aus negativen Erfahrungen zu wachsen. Sie sind regelrechte „Stehaufmännchen“ und scheinbar durch nichts kleinzukriegen. So kann es passieren, dass ein Kind, das etwa in chronischer Armut bei alkoholkranken Eltern in liebloser Umgebung als eines von zehn Kindern aufwächst, sich dennoch positiv entwickelt. Vielleicht weil es eine Tante oder eine andere zusätzliche Bezugsperson hat, die es auffängt und ihm eine ausreichende Stütze ist, um nicht im Elend zu versinken. Oder weil es ganz einfach die Fähigkeit besitzt, immer wieder in sich selbst die Kraft zu finden, das Beste aus seiner Situation heraus zu holen.

In der Regel aber verhält es sich doch so, dass das Zusammenspielen ungünstiger Bedingungen die Entwicklung eines Kindes negativ beeinflusst.

Die Pubertät, also die Phase zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr, ist eine besonders anfällige Zeit für Manifestationen psychotischer und neurotischer Erkrankungen, die oftmals erst später, im Erwachsenenleben, zum Ausdruck kommen.

In dieser Phase stehen die Jugendlichen vor der schwierigen Aufgabe, sich selbst neu zu finden und zu definieren, sie sind innerlich zerrüttet und müssen herausfinden, was ihr „Ich“ ausmacht, sich hierfür auch von den Eltern lösen. Gleichzeitig blühen die Hormone auf und sie müssen auch mit der Veränderung ihres Körpers umzugehen lernen. Es kommt einfach vieles zusammen – eine sehr schwierige und problembehaftete Zeit, aus der es gilt, möglichst unbeschadet hervorzutreten. Dies gelingt wohl am besten, wenn bereits von Anfang an möglichst günstige, positive Faktoren für eine entsprechend optimale frühkindliche Entwicklung gegeben waren.

Sind die Voraussetzungen für eine gesunde frühkindliche Entwicklung vorhanden, so ist damit auch eine optimale Basis für die gesamte weitere Entwicklung des Kindes geschaffen.

Ein Kind also, das sich bereits von Anfang an optimal entwickeln konnte, wird auch die Pubertät viel eher unbeschadet überstehen als ein Kind, dem es an dieser positiven Voraussetzung mangelt. Ein Kind, das sich nicht positiv entwickeln konnte und zusätzlich vielleicht noch die genetische Veranlagung zu einer psychischen Erkrankung mitbringt, wird in weiterer Folge mit höherer Wahrscheinlichkeit später psychisch erkranken als ein Kind, das sich (trotz vorhandener genetischer Veranlagung) positiv entwickeln konnte.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass eine möglichst positive Entwicklung in den ersten Lebensjahren das Fundament für das gesamte weitere Leben bildet. Was wir hier verabsäumen, lässt sich später nur schwer wieder gerade biegen. Ich behaupte nicht, dass Fehler A in den ersten drei Lebensjahren zu Störung XY im Erwachsenenalter führt. Ich möchte auch nicht den Druck, alles richtig zu machen, den wir Eltern ohnehin schon verspüren, unnötig erhöhen. Aber durch Bewusstwerden, WIE wichtig die ersten Lebensjahre eines Kindes sind und wie es sich in dieser Zeit entwickeln kann und soll, können wir unseren Blickwinkel im Alltag vielleicht doch ein wenig verändern. Möglicherweise fällt es uns mit diesem Hintergrundwissen doch das eine oder andere Mal leichter, innerlich auf Distanz zu gehen und mit dem dadurch gewonnen Abstand wieder besser auf unser Kind eingehen zu können.

Zum besseren Verständnis der kindlichen Entwicklung gehe ich an dieser Stelle auf einige Entwicklungstheorien ein.

Die Entwicklung des Selbst nach Daniel Stern:

Das auftauchende Selbst/die Welt der Gefühle (0 – 2. Monat):

Zu Beginn wird durch die Motorik und die Aktivität wahrgenommen, mit dem Ziel einer Verbesserung der Interaktion. Der Säugling möchte stimuliert werden, er bildet Muster und Erfahrungen. Das zentrale Entwicklungsthema in dieser Phase ist die Schaffung einer grundsätzlichen Ordnung in der Wahrnehmung und im Empfinden des Säuglings. Er erlebt sich als getrennt von der Umwelt, bekommt ein erstes Gefühl von Regelmäßigkeit und Ordnung. Wörter sind noch egal, wichtig aber ist deren Klang und Melodie.

Das Kern-Selbst/die Welt der direkten Kontakte (2. – 6. Monat):

Die zentrale Aufgabe in dieser Phase ist die spezifische, interpersonale Bezogenheit zu den primären Bezugspersonen herzustellen und ein aktives Gefühl der Gemeinsamkeit mit ihnen zu erleben. So kann das Gefühl des fortwährenden Seins erfahren werden. Das Gedächtnis ist bereits sehr aktiv. Die Erfahrung der Nachahmung lässt eine gewisse Gleichheit mit dem Gegenüber erkennen, wobei mit unterschiedlichen Gegenübern unterschiedliche Interaktionen möglich sind.

Zentrales Entwicklungsthema: das Kind erlebt sich bereits auch selbst als handelnd.

Das subjektive Selbst/die Welt der Gedanken (6. – 18. Monat):

Der Säugling entdeckt, dass er ein eigenes Seelenleben hat und dass das auch auf andere zutrifft. Das zentrale Entwicklungsthema dieser Zeit ist die Entdeckung, dass es seine Gedanken und Gefühle potentiell mit einem anderen Menschen teilen kann.

Das verbale oder narrative Selbst/die Welt der Wörter (18. – 30. Monat):

Der Erwerb der Sprache wird eingebunden, dadurch erlangt das Kind die Fähigkeit, das Selbst zum Objekt der Reflexion zu machen. Zentrales Entwicklungsthema: das Kind kann durch die Sprache über Dinge kommunizieren, die nicht da sind.

Die kindliche Entwicklung aus tiefenpsychologischer Sicht

Während Stern sein Augenmerk auf die Entwicklung des Selbst legte, zeigen die Entwicklungsphasen aus tiefenpsychologischer Sicht die kindliche Entwicklung aus einem anderen Blickwinkel. Sigmund Freud unterschied fünf Phasen der psychosexuellen Entwicklung, die jeweils durch bestimmte Entwicklungsschritte gekennzeichnet sind. In weiterer Folge ging er davon aus, dass ein verfehlter Entwicklungsschritt spezifische Folgen (im Erwachsenenalter) mit sich bringen würde.

Die fünf Phasen der psychosexuellen Entwicklung nach Freud:

 1. Orale Phase (erstes Lebensjahr)

In dieser Phase dreht sich alles um den oralen Lustgewinn. Das Kind nimmt jeden Gegenstand erst einmal ausgiebig in den Mund, um ihn zu erforschen und verstehen zu lernen. Es nuckelt an seiner Hand oder am Schnuller, um sich selbst zu beruhigen, hat generell ein sehr großes Saugbedürfnis.

Das Kind baut in dieser Phase Vertrauen auf. Ein Verfehlen dieses Entwicklungsschrittes erzeugt tiefes Misstrauen, was unter anderem Nährboden für primären Narzissmus sein kann.

2. Anale Phase (1-3 Jahre)

Hier findet das Kind durch Ausscheidung seiner Exkremente und schließlich durch deren Zurückhaltung Befriedigung. Das Thema Sauberkeit findet Einzug und ist vorherrschend, das soziale Miteinander und damit verbunden die Konfliktfähigkeit rücken in den Vordergrund. Das Kind lernt erstmals Autonomie.

Ein verfehlter Entwicklungsschritt, etwa durch Fehlverhalten der Eltern bei der Sauberkeitserziehung, kann das tiefe Gefühl von Zweifel oder Scham entstehen lassen.

Geiz, Pedanterie oder übertriebener Ordnungssinn können mögliche Folgen eines in dieser Phase verfehlten Entwicklungsergebnisses sein.

 3. Ödipale Phase (3-5 Jahre)

In dieser Phase richtet sich die Aufmerksamkeit des Kindes verstärkt auf den eigenen Körper. Das Kind lernt, Initiative zu übernehmen. Seine Triebwünsche äußern sich in der Regel im Begehren des gegengeschlechtlichen Elternteiles, wobei sich das Kind am gleichgeschlechtlichen Elternteil orientiert, um die Geschlechterrolle übernehmen zu können.

Bleibt dieser Konflikt bestehen, so spricht man vom sogenannten Ödipus Komplex. Das Kind (bzw. später der Erwachsene) kann sich nicht ausreichend vom geliebten Elternteil lösen. Hier können Schuldgefühle entstehen und Probleme hinsichtlich der eigenen Geschlechterrolle oder Identifizierung mit dem anderen Geschlecht bis hin zur Liebesunfähigkeit.

 4. Latenzperiode (6-11 Jahre)

Hier geht es vor allem um den Erwerb verschiedener Fähigkeiten, um Leistung und Fleiß. Das Kind definiert sich vorwiegend über das, was es lernt.

Nicht überwundene Schwierigkeiten in dieser Phase können zu Minderwertigkeitsgefühlen führen.

5. Genitale Phase (12-18 Jahre)

Sexualität gerät in den Mittelpunkt. Sie wird auf außerfamiliäre Personen gerichtet und dient erstmals nicht mehr ausschließlich zur Lustgewinnung, sondern auch der Fortpflanzung. Die eigene Identität zu finden, ist ebenfalls wichtiges Thema.

Ein verfehlter Entwicklungsschritt in dieser Periode kann u.a. zu Identitätsverlust führen.


Eine weitere Entwicklungstheorie stammt von Erik Erikson, die eine Weiterführung von Freuds Phasentheorie ist. Sie besteht nunmehr aus acht Stufen und beinhaltet eine soziale Dimension. Erikson unterteilt die kindliche (bzw. menschliche) Entwicklung in folgende Abschnitte:

  1. Urvertrauen vs. Urmisstrauen (erstes Lebensjahr):

In dieser Phase ist die Zuverlässigkeit und Qualität der primären Bezugsperson zentral, um ein grundlegendes Gefühl des Vertrauens aufzubauen (Urvertrauen). Dies gelingt, wenn die Bedürfnisse des Säuglings nach Nahrung, Fürsorge und Zuwendung regelmäßig erfüllt werden. Andernfalls entsteht ein zugrundeliegendes Gefühl von Misstrauen.

Ein solches Misstrauen kann in weiterer Folge chronische Trauerzustände, Depression und Rückzug auf sich selbst nach sich ziehen.

Wichtige Sozialpartner: Mutter (als primäre Bezugsperson).

  1. Autonomie vs. Scham (2. und 3. Lebensjahr):

Die Lösung von der primären Bezugsperson wird durch neue Fähigkeiten des Gehens, Sprechens und der Stuhlkontrolle ermöglicht. Das Kind erlangt dadurch Autonomie.

Wird in dieser Zeit der kindliche Wille permanent gebrochen, so führt dies zu Scham und Selbstzweifel und verhindert die Entwicklung von Autonomie und Selbstkontrolle.

Wichtige Sozialpartner: Eltern.

  1. Initiative vs. Schuldgefühle (3-6 Jahre):

In dieser Phase kommt es zur systematischen Erkundung der Realität. Dadurch lernt das Kind Initiative und Selbständigkeit zu erwerben. Es muss dabei lernen, dass einige Dinge nicht erlaubt sind, weil Interessen der Familienmitglieder betroffen sind. Der eindringenden Initiative folgt die Schuldangst – diesen Konflikt kann das Kind lösen, indem es sich mit der betreffenden Person identifiziert. Idealrollen werden ausprobiert.

Bei unzureichender Lösung dieses Konflikts kann es später u.a. zu Übergewissenhaftigkeit oder Schuldkomplexen kommen.

Wichtige Sozialpartner: Familie.

  1. Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl (6-12 Jahre):

Im Alter von 6 bis 7 Jahren lernt das Kind sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule, sich selbst nützlich zu machen und dadurch Anerkennung zu gewinnen. Das Kind lernt den Zusammenhang zwischen Ausdauer und Erfolg. Wird dieser ausgeprägte Werksinn des Kindes nicht ausreichend gefördert, entsteht ein Gefühl von Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit.

Ein Ungleichgewicht zwischen beiden Polen kann zu Arbeitsscheu aufgrund von Versagensängsten, verabsolutiertem Pflichtgefühl oder Arbeitsversessenheit führen.

Wichtige Sozialpartner: Lehrer, Peers.

  1. Identität vs. Identitätsdiffusion (12 – 20 Jahre):

Im Zentrum dieser Phase steht die Identitätsproblematik. Alle vorausgehenden Stufen lieferten die Elemente, die jetzt zusammen vereint werden müssen: Vertrauen, Autonomie, Initiative und Fleiß.

Der Jugendliche muss seine Identität finden und sich hierfür von den Eltern lösen und gleichzeitig in den sozialen Gruppen verschiedene Identitäten ausprobieren.

Gelingt die Identitätsfindung nicht (ausreichend), so kann es später zu Problemen wie ewiger Pubertät, Ruhelosigkeit oder voreiliger Begeisterungsfähigkeit für große Veränderungen kommen.

Wichtige Sozialpartner: die Peer Gruppen.

  1. Intimität vs. Isolierung (20 – 40 Jahre):

Der junge Erwachsene muss intime Beziehungen und enge Freundschaften entwickeln, um nicht in die Isolation zu geraten.

Dies gelingt dann, wenn davor die eigene Identität geklärt wurde. Am wichtigsten sind Liebesbeziehungen, die auf Bindung und geteilter Identität beruhen. Bei fehlender Ich – Identität kommt es häufig zu Angst vor intimen Beziehungen und vor Bindungen.

Nichtgelingen führt zu Isolierung und zur sozialen Distanzierung.

Wichtige Sozialpartner: Ehepartner/Lebensgefährten, enge Freunde.

  1. Generativität vs. Selbstabsorption (40 – 65 Jahre):

Hier geht es generell um das Interesse an der Erzeugung und Erziehung der nächsten Generation. Elternschaft ist das wichtigste Ereignis in dieser Periode.

Ein volles Gelingen ist nicht immer möglich bzw. relativ. Es kann zu Gefühlen drohender Stagnation führen, wenn man Grenzen der eigenen Generativität zu spüren bekommt.

Wichtige Sozialpartner: Ehepartner/Lebensgefährte, Kinder.

  1. Integrität vs. Verzweiflung (ab 65 Jahren):

Im höheren Alter geht es vor allem darum, sein eigenes bisheriges Leben zu akzeptieren und als bedeutungsvoll anzusehen. Letztlich muss auch die Endlichkeit des eigenen Lebens (aufgrund des nahenden Todes) akzeptiert werden.

Wo diese Integrität nicht gelingt, kann es zu Abscheu vor anderen Menschen als auch vor sich selbst und seiner eigenen Geschichtlichkeit kommen. Enttäuschung und Verzweiflung sind dann vorherrschende Gefühle.

Diese beiden Entwicklungstheorien aus der Tiefenpsychologie veranschaulichen die vorherrschenden Themen der einzelnen Altersabschnitte. Sind wir Eltern und Erzieher uns der jeweiligen Entwicklungsphase bewusst, so können wir auch entsprechend einfühlsamer mit dem Kind umgehen.

Das Kind hat, wie sich unschwer erkennen lässt, laufend bestimmte Aufgaben zu meistern, um sich weiter entwickeln zu können. Es tut dies aus eigenem Antrieb heraus, braucht aber unseren Rückhalt und Unterstützung. Mit dem Verfehlen eines Entwicklungsschrittes kann es zu Problemen kommen, die sich möglicherweise auch erst viel später zeigen können. Ich betone an dieser Stelle noch einmal: es kann zu Störungen kommen.

Am Ende zählt das „Gesamtpaket“

Es spielen immer viele verschiedene Faktoren zusammen. Wenn die Ausgangsbedingungen für ein Kind ungünstig sind, weil es beispielsweise in eine lieblose Familie hineingeboren wird, und es kommen in weiterer Folge noch zusätzliche belastende Faktoren hinzu wie etwa Scheidung der Eltern und Fehlen einer stabilen Bezugsperson, so wird es für das betreffende Kind denkbar schwer sein, sich gesund und optimal zu entwickeln. Angefangen in der frühen Kindheit, über die Pubertät bis hin ins Erwachsenenalter.

Wir Eltern haben die Pflicht, die Bedingungen für eine möglichst positive Entwicklung unserer Kinder zu schaffen. Die Möglichkeiten, die wir dabei haben, sind natürlich individuell verschieden. Unsere soziale Herkunft, also die eigene Kindheit und Umgebung, in der wir aufgewachsen sind, die Erziehung, die wir genossen haben, bisherige Erfahrungen in unserem Leben, die Verhältnisse, Beziehungen und Strukturen, in denen wir heute leben… all das nimmt Einfluss darauf, wie wir mit unseren Kindern umgehen und sie erziehen. Nicht alle Faktoren sind beeinfluss- und veränderbar. Wie uns unsere Eltern als Kinder behandelt haben, können wir nicht ändern. Wenn wir etwa alleinerziehend sind und mit einem geringen Einkommen haushalten müssen, dabei oft überlastet sind und daher nicht entsprechend auf unsere Kinder eingehen können, so sind dies Faktoren, die sich oft nur schwer beeinflussen lassen. Wir können aber, den Umständen entsprechend, so weit als möglich ideale Bedingungen dafür schaffen und uns entsprechende Unterstützung von außen holen, damit sich unsere Kinder zu körperlich und psychisch gesunden Menschen entwickeln dürfen. Das sind wir ihnen schuldig und diese Aufgabe kann uns niemand sonst abnehmen.

Die Entwicklung unserer Kinder liegt in unseren Händen.

Tamara_Schrift

Gewaltfreie Erziehung

2015-08-03 18.05.54Ich hatte vor einiger Zeit ein Erlebnis am Kinderspielplatz, das mich sehr betroffen gemacht hat: Ein etwa einjähriger Zwerg spielte in einem Meer aus kleinen Kieselsteinen, die den gesamten Spielbereich abgrenzen. Immer wieder nahm er zwischendurch mal einen Stein in den Mund (in diesem Alter ja irrsinnig reizvoll), woraufhin die Mutter ihn diesem natürlich jedesmal wieder aus dem Mund holte. Nach mehrmaligem Stein-in-den-Mund und Stein-wieder-aus-dem-Mund-holen drohte sie dem Kleinen schließlich mit den Worten „Lass die Steine jetzt, oder willst du wieder was auf den Popo bekommen?“. Diese Aussage konnte ich kaum glauben. Eine junge Mama, die ich öfters sehe, weil sie bei uns in der Wohnanlage wohnt, und die eigentlich immer einen entspannten, liebevollen Eindruck macht, droht ihrem Kind Schläge an?! Natürlich ist es gefährlich, wenn ein Kind diese, in einer zum Ersticken idealen Größe, Kieselsteine in den Mund nimmt. Und natürlich muss man sie ihm wieder rausholen und mit klaren Worten zu verstehen geben, dass es die Steine nicht in den Mund nehmen soll. Aber eben mit Worten, nicht mit körperlicher Züchtigung.

Dieses Erlebnis hat mir wieder bewusst gemacht, dass (körperliche) Gewalt an Kindern leider immer noch oft praktiziert wird und offenbar von vielen Eltern als normal gesehen wird. Warum das nicht sein darf, darauf möchte ich an dieser Stelle nun genauer eingehen.

Der Duden beschreibt Gewalt als Macht, Befugnis, das Recht und die Mittel, über jemanden, etwas zu bestimmen, zu herrschen.

Aus dieser Definition wird bereits deutlich: Gewalt hat immer etwas mit Macht zu tun. Derjenige, der Gewalt an einer anderen Person ausübt, demonstriert damit seine Macht (über die andere Person und im speziellen Fall: über das Kind). Jeder Erwachsene, der Gewalt an einem Kind ausübt, nutzt seine Machtposition auf schlimmste Weise. Das Kind ist uns Erwachsenen völlig ausgeliefert. Es ist auf uns angewiesen, ohne uns nicht lebensfähig. Wir Erwachsenen sind also schon von Natur aus in einer gewissen Machtposition, dem Kind gegenüber.

 Gewaltausübung an einem Kind ist ein Armutszeugnis.

Eine Machtdemonstration in Form von Gewalt ist also nicht nur nicht notwendig (weil die Macht ja eindeutig beim Erwachsenen liegt), sondern auch noch ein Zeichen völliger Hilflosigkeit und ein großes Armutszeugnis für den Macht-ausübenden. Wer sich nicht anders zu helfen weiß, als ein Kind zu schlagen oder auf sonstige Weise zu misshandeln, braucht in Wahrheit selbst dringend Hilfe. Das Kind muss mit den Auswirkungen der Hilflosigkeit des Erwachsenen leben: die Folgen, die es zu tragen hat, sind oft schwerwiegend und kennzeichnen es für den Rest seines Lebens.

Wir Eltern haben das Recht und die Pflicht, das Kind zu pflegen und zu erziehen. Es liegt ein sogenannter staatlicher Erziehungsauftrag vor – der Staat wacht über die Ausübung dieser elterlichen Pflicht. Er kann gegebenenfalls eingreifen, sofern Eltern dieser Pflicht nicht gebührend nachkommen. Das Recht des Kindes ist es, gewaltfrei aufwachsen zu dürfen.


Die große Frage in diesem Zusammenhang lautet nun aber: wo fängt Gewalt an?

Bei Gewalt denken wir als erstes unweigerlich an körperliche Gewalt wie Schläge. Diese sind aber nur eine Form unter vielen:

  1. Körperliche Gewalt:

Hierzu zählen alle Formen von Misshandlungen wie Schlagen, an den Haaren Ziehen, Schütteln, Stoßen, Treten, Boxen, (mit Zigaretten) Verbrennen, mit Gegenständen Attackieren, aber auch leichtere Formen wie der berüchtigte Klaps auf den Po oder die Ohrfeige, an den Ohren Ziehen, Zwicken oder Festhalten usw.

  1. Psychische Gewalt:

Es dreht sich hierbei um sämtliche Handlungen, die das Opfer seelisch und emotional schädigen.

Psychische Gewalt ist die häufigste Gewaltform, der Kinder ausgesetzt sind. Sie ist gleichzeitig schwerer festzustellen als die körperliche Gewalt, da sie keine nach außen erkennbaren Narben hinterlässt.

Das Bundesministerium für Familie und Jugend definiert psychische Gewalt an Kindern folgendermaßen (die nachfolgenden Gewaltdefinitionen des Österreichischen Bundesministeriums für Familie und Jugend wurden von dessen Internetseite übernommen):

„Psychische Gewalt ist …

  • wenn Kindern mutwillig Angst gemacht wird.
  • wenn Kinder eingeschüchtert, ausgegrenzt, isoliert werden.
  • wenn Kinder verspottet werden oder der Verspottung Preis gegeben werden.
  • wenn Kinder missachtet und entwertet werden.
  • wenn Kinder klein gemacht, klein gehalten und abgewertet werden.
  • wenn Kinder gezielt entmutigt werden.
  • wenn Kinder mit Druck und Unterdrückung erzogen werden.
  • wenn Kindern keine Grenzen gesetzt werden.
  • wenn Eltern ihren Kindern Orientierung verweigern und sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kindern entziehen.
  • wenn Strafe zu einem Zeitpunkt vollzogen wird, wo das Kind gar nicht mehr weiß, was es getan hat, und die Strafe nicht als Konsequenz seiner Handlungen erkennen kann.
  • wenn Kinder das tun müssen, was ihre Eltern immer gerne getan hätten, wenn Kindern sozusagen das Leben der Eltern auferlegt wird.
  • wenn Gefühle der Hilflosigkeit und schutzlosen Preisgabe ausgelöst werden und es zu einer Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses des Kindes kommt.
  • wenn Kinder als Spielball der Interessen des jeweiligen Elternteils z.B. im Zuge einer Scheidung missbraucht werden,
  • wenn also das Kindeswohl vorsätzlich und bewusst vorgeschützt wird, um eigene Interessen durchzusetzen oder zu fördern.
  • wenn Kinder Loyalitätskonflikten zwischen den Eltern ausgesetzt werden.
  • wenn den Eltern das Verhalten des Kindes wichtiger als seine Person ist.
  • leise. Sie ist nicht laut. Sie ist nicht spektakulär, aber sie ist langhaltig, sie ist ausdauernd, und sie ist nachwirkend.

Psychische Gewalt ist weiters …

  • immer dort, wo Angst als Erziehungsmittel eingesetzt wird.
  • nicht nur Vernachlässigung, es kann auch ein Übermaß an erstickender Liebe sein.
  • viel schwieriger zu erkennen als körperliche Gewalt, da sie am Körper keine sichtbaren Narben hinterlässt.
  • so schwer fassbar, da sie individuell erlebt wird und ihre Wirkung von außen oft nicht erkennbar und einschätzbar ist.
  • subjektiv zu verstehen und zu betrachten; das subjektive Erleben des Kindes, sein emotionales, existenzielles Empfinden steht im Vordergrund.
  • ein „unangenehmes“ Thema, da dieses Phänomen schwer fassbar ist, sich nicht genau definieren lassen „will“, sich wissenschaftlicher Analyse entzieht und uns zur Auseinandersetzung mit vielen Themen zwingt, auf die wir gar nicht so gerne hinschauen.

Psychische Gewalt …

  • wird durch alle Handlungen und Unterlassungen von Eltern und Bezugspersonen hervorgerufen, die Kinder ängstigen, überfordern, ihnen das Gefühl der eigenen Wertlosigkeit übermitteln und sie in ihrer psychischen und/oder körperlichen Entwicklung beeinträchtigen können.
  • „passiert“ oftmals eigentlich ohne böse Absicht.
  • wird unterschiedlich aufgefasst; was dem einen noch Spaß macht, kann für den oder die andere schon Verletzung, Abwertung, Verwundung bedeuten.
  • kann dadurch entstehen, dass die Eltern den Druck, dem sie in der Gesellschaft, Arbeit etc. ausgesetzt sind, an ihre Kinder weitergeben.
  • kann auch durch gut gemeinte Hilfsangebote ausgeübt werden.
  • entsteht und besteht dort, wo Kinder und Jugendliche einer Dynamik von „zu viel“ oder „zu wenig“ ausgesetzt sind und die existenziellen Bedürfnisse der Kinder keinen Platz haben.
  • manifestiert sich dort, wo Kinder bei für sie schwierigen Erfahrungen/ Erlebnissen keine Sprache bzw. keine Ausdrucksform finden können oder dürfen.
  • tritt nicht nur alleine auf, sondern zumeist auch als „stille Schwester“ aller anderen Gewaltformen.“
  1. Sexueller Missbrauch

Vom Österreichischen Bundesministerium für Familie und Jugend wird dieser folgendermaßen definiert:

„Sexueller Missbrauch von Kindern ist …

  • … wenn Erwachsene oder ältere Jugendliche sich bewusst und absichtlich am Körper eines Kindes befriedigen oder sich von einem Kind befriedigen lassen.
  • … immer gewaltsames Eindringen in die Psyche und/oder den Körper eines Kindes, durch Blicke, Bemerkungen, Gegenstände oder Körperteile.
  • … in erster Linie körperliche und psychische Gewalt und dient als Mittel, um Macht und Überlegenheit zu gewinnen.
  • … die Befriedigung der Bedürfnisse nach Macht, Anerkennung, Körperkontakt und Sexualität auf Kosten eines oder einer Schwächeren.
  • … ein Missbrauch des Vertrauens der Kinder: Nur durch das Vertrauen und den Schutz, den Kinder genießen, können sie sich entfalten. So wird sexueller Missbrauch auch zu einer schweren Gefährdung für die Entwicklung des Kindes.

Sexueller Missbrauch beginnt …

  • … wenn Erwachsene absichtlich Situationen herbeiführen, planen oder ihre Machtposition missbrauchen, um sich sexuell zu erregen.
  • … mit einer nicht altersgemäßen Aufklärung über Sexualität.
  • … bei der „fachmännischen Beurteilung“ der körperlichen Entwicklung eines Kindes.
  • … mit der Beobachtung eines Kindes beim Ausziehen, Baden, Waschen (Voyeurismus).
  • … mit dem Zeigen der eigenen Genitalien (Exhibitionismus).

Sexueller Missbrauch geht bis …

  • … zum Zeigen pornographischer Abbildungen oder Videos.
  • … zu sexualisierten Küssen.
  • … zum Masturbieren in Anwesenheit eines Kindes.
  • … zum Berühren oder Manipulieren der Genitalien des Kindes.
  • … zum Zwingen eines Kindes, die Genitalien des Erwachsenen zu berühren.
  • … zum Reiben des Penis am Körper eines Kindes.
  • … zum Eindringen in Scheide/After des Kindes mit Finger(n), Penis oder Fremdkörpern.
  • … zu Pornographie mit Kindern und Jugendlichen sowie Kinderprostitution.“

Wie sich aus den jeweiligen Beschreibungen erkennen lässt, sind die einzelnen Bereiche nicht immer klar voneinander zu trennen, oft wird Gewalt gleich auf mehreren Ebenen ausgeübt. Ein Kind, das sexuell missbraucht wird, wird dabei auch seelisch und psychisch, sowie meist auch körperlich misshandelt. Ein Kind, das geschlagen wird, erfährt dadurch unweigerlich auch seelisches Leid.

Gewalt beginnt aber, wie oben ersichtlich, nicht erst bei Prügel oder Vergewaltigungen. Sie setzt viel früher an, und wird leider von außen oft erst viel zu spät erkannt.

Viele Formen von Gewalt sind aber auch gesellschaftlich akzeptiert, wenn nicht gar gefördert. So denken heute immer noch viele Eltern, dass ein Klaps auf den Po oder eine Ohrfeige dem Kind keinen Schaden zufügen.

„Eine „Watsch´n“ hat ja schließlich noch niemandem geschadet.“

Das ist, so unglaublich es klingt, tatsächlich immer noch die Meinung vieler erwachsener Menschen. Oft auch solcher, die es besser wissen müssten, weil sie es am eigenen Leib erlebt haben. In vielen Fällen übernehmen Menschen, die als Kinder geschlagen wurden, dieses Verhalten ihrer Eltern leider und werden selbst Eltern, die wiederum ihre eigenen Kinder schlagen. Ein in der Kindheit erlerntes Verhaltensmuster ist eben meist schwer zu verändern2015-08-03 18.05.54. Ein Ausbruch aus der Gewaltspirale kann erst dann gelingen, wenn die Betreffenden sich des Musters bewusst werden und es aktiv ändern wollen. Das sind dann Menschen, die beschließen, anders zu sein als ihre Eltern und den Kreis zu durchbrechen.

 Eines ist sicher: Gewalt wirkt sich negativ auf das Kind aus.

Ich habe bereits mehrfach betont, dass Gewalt das Kind schädigt, welche Folgen aber kann Gewalt denn konkret mit sich bringen?

Es lässt sich (nach Kiwus und Körner) grundsätzlich zwischen Kurz- und Langzeitfolgen unterscheiden:

  • Kurzzeitfolgen

Bei körperlicher Gewalt kommt es meist zu äußeren Merkmalen wie Blutergüssen, Kratzern, Narben, Beulen, Verbrennungen etc.).

Psychische Gewalt zeigt sich oft in Form von Entwicklungsrückständen und psychosomatischen Symptomen.

Sexueller Missbrauch äußert sich etwa durch altersinadäquates, sexualisiertes Verhalten oder durch Verletzungen im Genital- bzw. Analbereich.

  • Langzeitfolgen

Diese äußern sich im Erwachsenenalter durch verschiedenste Störungsbilder, wobei Frauen eher internalisierte Störungen (Angststörungen, Depressionen, Essstörungen, autoaggressives Verhalten) aufweisen, Männer hingegen eher zu Störungen im Sozialverhalten (Aggression, Substanzmissbrauch etc.) neigen.

Nicht zu vernachlässigen sind obendrein die Folgen partnerschaftlicher Gewalt auf ein Kind. Oft treten Kindesmisshandlungen in Zusammenhang mit Partnergewalt auf, dabei kann sich jedoch schon allein das Miterleben von Gewalt zwischen den Eltern negativ auf die Entwicklung eines Kindes auswirken.

Gewalt in jeglicher Form fügt dem Kind Schaden zu!

Nicht immer ist Eltern bewusst, dass sie ihrem Kind Gewalt antun. Oftmals ist gewalttätiges Handeln auch nicht als solches klar erkennbar. Vieles, was in den Bereich psychischer Gewalt fällt, wird von liebenden Eltern ohne jegliche böse Absicht getan. Vieles wird unreflektiert gesagt oder getan, oft ist man von seinen eigenen Emotionen und Verhaltensmustern derart gesteuert, dass man selbst nur schwer oder gar nicht sieht, was man falsch macht.

Wenn wir manchmal laut werden und unser Kind anschreien, so sind wir uns selbst vielleicht gar nicht im Klaren darüber, dass es sich hierbei um eine Form von Gewalt handelt.

Es kommt natürlich auch oft darauf an, wie etwas aufgefasst und wie insgesamt miteinander umgegangen wird. Ein Kind, das generell viel Zuwendung und Wertschätzung erfährt, wird den Umstand, dass seine Eltern ab und zu ihre Stimme erheben, anders (nämlich weit besser) verarbeiten als ein Kind, das geschlagen und zudem noch ständig angeschrien wird.

Dennoch: wir Eltern müssen uns darüber im Klaren sein, dass die Art und Weise, wie wir unser Kind behandeln, sich in dessen Entwicklung und Verhalten widerspiegeln wird. Wir sind die Erwachsenen, in deren Händen das Schicksal der Kinder liegt. Gewalt (jeglicher Form) ist eine abzulehnende Erziehungsmaßnahme, wenn wir unser Kind lieben und wertschätzen wollen.


Tamara Jungbauer