Keine Erziehung ist auch keine Lösung – vom Dschungel der Erziehungsstile und dem Druck, alles richtig zu machen.

Erziehung ist ein Prozess, der sich stetig weiter entwickelt. Er findet in der Beziehung zwischen Eltern und Kind statt. Es ist also eigentlich gar nicht möglich, nicht zu erziehen. Doch wie diese Erziehung genau aussehen soll, darüber scheiden sich heute wirklich viele Geister. Eltern haben es so schwer wie noch nie, sich darüber klar zu werden, wie sie ihr Kind denn nun erziehen wollen.

Doch erst mal zur Begriffsklärung.

Für mich bedeutet Erziehung zunächst einmal Arbeit an mir, als Mutter, selbst. Um meinem Kind meine eigenen Werte vermitteln und weitergeben zu können, muss ich mir erst einmal selbst darüber im Klaren sein, welche Werte und Normen für mich gelten und wo meine persönlichen Grenzen liegen.

Wir als Eltern lernen, wenn wir in Beziehung zu unserem Kind treten, auch viel über uns selbst, überdenken und definieren zum Teil unsere Anschauungen und Verhaltensweisen neu, reflektieren unser Handeln, lernen unsere eigenen Grenzen immer wieder neu kennen. Wir wachsen sozusagen mit unserem Kind mit.

In diesem Erziehungsprozess, der ja in Wahrheit nichts anderes ist als ein wechselseitiger Lernprozess, haben wir Eltern jederzeit die Möglichkeit zu Reflexion und Veränderung. Wir Eltern lernen mit dem Elternsein stetig dazu. Dass es dabei neben den vielen schönen Momenten des Elterndaseins auch immer wieder zu Unsicherheiten, Hilflosigkeit und dem Gefühl, komplett zu versagen, kommen kann, ist also vollkommen natürlich. Wir sind schließlich nicht perfekt. Fehler gehören dazu, wir sollen und dürfen sie machen. Dies anzunehmen, nimmt uns sehr viel Druck von den elterlichen Schultern.

Autoritär? Antiautoritär? Laissez-faire? Montessori? Waldorf? Pikler? Ohne Gewalt! Partnerschaftlich? Oder doch so wie Herr Juul meint: als „Leitwolf“?  Was ist denn nun „richtig“?

Es gibt inzwischen so viele unterschiedliche Meinungen und Richtungen zum Thema Erziehung, dass einem schwindlig werden könnte. Während noch vor rund 100 Jahren jeder wusste, was mit „Erziehung“ gemeint ist und wie eine solche auszusehen hat, haben sich in den letzten Jahrzehnten unzählige Strömungen entwickelt. Das ist einerseits sehr gut, denn wir sind uns ja heute darüber im Klaren, dass die Erziehung zu striktem Gehorsam eben nicht das ist, was Kindern eine gesunde Entwicklung ermöglicht.

Andererseits bewirken diese vielen unterschiedlichen und zum Teil sehr kontroversen Richtungen auch, dass viele Eltern verunsichert sind und Angst haben, etwas so grundlegend falsch zu machen, dass sie ihrem Kind dauerhaft ernsten Schaden zufügen könnten.

Manche Expertinnen und Experten meinen, Kindern Grenzen zu setzen wäre wichtig, andere legen das Thema Grenzen so aus, als wären diese an sich ein autoritäres Mittel, um sich Kinder untertan zu machen. Es gibt auch Expertinnen, die beim Begriff „Grenze“ aufschreien, aber bei genauerer Betrachtung selbst für ebensolche Grenzen eintreten, diese Tatsache eben nur anders benennen. Dies zu überblicken und zu erkennen, ist für Laien nicht immer einfach.

So werden Montessoris (ohne Frage gute) Ansätze teilweise solcherart in die Praxis umgesetzt, dass die Kinderzimmer der Kleinsten schon mit Fördermaterial vollgefüllt werden, was bei genauerer Betrachtung eigentlich dem Grundgedanken Montessoris erst recht widerspricht: nämlich das Kind nicht zu „überfördern“, sondern es sich seinem Tempo und Bedarf entsprechend einfach entwickeln zu lassen.

Ohne Frage meinen es die Betreffenden nur gut – aber wohl aus dem Hintergrund heraus, dass sie unter dem Druck, es besonders gut machen zu wollen, es dann doch übertreiben.

Eine weitere Entwicklung, die mich persönlich regelrecht verärgert ist die, dass Lob heutzutage gern generell verteufelt wird- ohne dabei zu berücksichtigen, dass Kinder Individuen mit unterschiedlichen Bedürfnissen sind. Viele hochsensitiven Kinder beispielsweise brauchen vermehrt Lob und Bestätigung, weil sie von Natur aus dazu neigen, an sich selbst zu zweifeln. Wenn deren Eltern sich davon „überzeugen“ lassen, dass zu viel Lob generell mehr schadet als nutzt und sie deshalb ihr Lob zu sehr einschränken, kann dies also dem Wohl ihres hochsensitiven Kindes letztlich erst recht abträglich sein.

Manche sogenannten Expertinnen und Experten in Erziehungssachen gehen sogar so weit, zu behaupten, wir bräuchten eine Ent-ziehung von der Er-ziehung. Das halte ich persönlich für unsinnig bis gefährlich.

Ich sehe immer mehr Eltern, die sich kaum noch trauen, ihrem kleinen Schatz gegenüber ein klares „Nein“ auszusprechen.

Mütter, die lieber nachgeben, um ihr Kind in dem jeweiligen Moment nicht zu enttäuschen, als dass sie eine Grenze setzen, die dem kindlichen Wohl letztendlich sehr zugute kommen würde. Ich sehe der heutigen Entwicklung, die „weg von der Erziehung“ geht, mit großer Skepsis und Sorge entgegen.

Meiner Ansicht nach ist Erziehung eine natürliche Notwendigkeit. Wie bereits erwähnt, können wir gar nicht nicht erziehen. Erziehung bedeutet für mich auch, dass wir Eltern unseren Teil der Verantwortung übernehmen – nämlich in allen Belangen, in denen das Kind noch auf unsere Erfahrung und Fürsorge angewiesen ist.

Ent-ziehen wir uns dieser Verantwortung, so werden aus unseren Kindern verunsicherte, tyrannische und letztlich hilflose kleine Wesen, die sich in weiterer Folge zu narzißtischen, egoistischen Erwachsenen mit geringem Selbstwert entwickeln. Chronische Überforderung durch ein zu hohes Maß an Verantwortung wirkt sich negativ auf Kinder aus.

Deswegen bereitet mir der heutige Trend zur partnerschaftlichen Erziehung Bauchschmerzen.

Wenn wir unsere Kinder als „Partner“ behandeln, so rauben wir ihnen ihre Kindheit. Wir entziehen uns dadurch unserer Verantwortung und legen diese dem Kind auf. Es soll Entscheidungen treffen, für die es noch gar nicht reif ist. Das überfordert es dauerhaft, was seiner aktuellen und zukünftigen gesunden Entwicklung abträglich ist.

Den Druck, perfekt zu sein, loslassen.

Der englische Psychoanalytiker und Kinderarzt Donald Winnicott prägte Anfang des 20. Jahrhunderts den Begriff der sogenannten „good enough mother“, also der „ausreichend guten Mutter“. Damit ist gemeint, dass Kinder keine perfekte Mutter (respektive Vater) brauchen, sondern eine Mutter, die „ausreichend gut“ ist, um die Bedürfnisse ihres Kindes zu befriedigen. Nur so kann es, laut Winnicott, dem Kind zum gegebenen Zeitpunkt auch gelingen, sich auf natürliche Weise von seiner Mutter abzulösen, um die von ihm zu erfüllenden Aufgaben selbst bewältigen zu können.

Anstatt uns an irgendwelche vorgefertigten Erziehungsstile anzupassen und kategorische Regeln zu befolgen, die angeblich bei jedem Kind wirken, sollten wir also diesen Druck, perfekte Eltern sein zu wollen, los- und uns lieber auf unser Kind einlassen. 

Die Welt, in der wir leben, ist bekanntlich nicht perfekt. Wir Eltern sind es auch nicht und sollen es auch nicht sein wollen. Echt und greifbar zu sein, Fehler zu machen und zu selbigen zu stehen – das ist viel besser als „perfekt“ zu sein. Wichtig ist, dass wir authentisch bleiben und das, was wir von unseren Kindern erwarten, auch selbst vorleben. So, wie wir wollen, dass unsere Kinder sich verhalten, sollten wir es zuerst selbst tun!

Was sagt der Bauch?

Eine wesentliche Rolle in der Erziehung und somit in der Eltern-Kind-Beziehung spielt meiner Meinung nach, die Intuition. Heute fällt es vielen Eltern schwer, Zugang zu selbiger zu finden. Wir sind ständig von anderen Menschen umgeben, die alle irgendwelche, oft festgesetzten, Meinungen haben und diese gerne kundtun.

Sobald ein Kind da ist, wird man als Mutter oder Vater regelrecht bombardiert mit den Meinungen anderer (zumeist) Eltern. Doch nicht jeder, der selbst Kinder hat, ist allein deshalb automatisch Experte in Sachen Kindererziehung. Jemand, der die eigenen Erfahrungen direkt auf die Erziehung eines anderen Kindes umlegt, bestätigt damit nur, dass er in Wahrheit wenig Ahnung von der Materie hat.

Ich habe im Laufe meines Mamadaseins gelernt, Ratschläge und Meinungen in Bezug auf das Thema Kindererziehung sehr bewusst zu filtern. Ich nehme das, was ich als richtig, gut oder sinnvoll erachte, für mich mit – all das, was aber nicht mit meiner eigenen Meinung oder meinem Bauchgefühl vereinbar ist, lasse ich einfach so stehen.

Ich picke mir sozusagen von überall die Rosinen für meine eigene Erziehungsweise heraus.

Doch genau darum geht es auch bei der Intuition: sich eben nicht ständig durch andere Meinungen oder Aussagen verunsichern zu lassen. Wenn wir stattdessen lernen, wieder mehr auf unser Bauchgefühl zu hören, so werden wir nicht nur unabhängig von den Meinungen anderer Menschen, sondern gewinnen auch mehr Sicherheit in Hinblick auf die Art und Weise, wie wir unser Kind erziehen wollen. Und wir tun automatisch auch das jeweils „Richtige“ – oder besser gesagt: das, wofür wir uns dann entscheiden, kann nicht grundsätzlich falsch sein!

Mein Fazit: Intuition und Authentizität anstelle rigider Erziehungsstile

Ich sehe so viele Eltern, die sich angesichts dieser Flut an Erziehungsströmungen kaum noch zurecht finden, die sich verirren und beeinflusst fühlen durch all diese Meinungen, die in tausend Richtungen tendieren und allesamt behaupten, „es“ zu wissen.

Pickt euch eure Rosinen aus dem Kuchen!

Ich selbst habe schon aufgrund meiner Ausbildung viel zum Thema Erziehung gelesen und gehört und manche Richtungen für mich als eher sinnvoll auserkoren, während ich andere, meinen eigenen Anschauungen zuwider laufende Strömungen für mich ausschließe.

Ich persönlich finde, dass Maria Montessori, Jesper Juul, Rebecca Wild, Remo H. Largo, Jan Uwe Rogge und noch einige andere herausragende Pädagoginnen und Pädagogen mehr in vielen Standpunkten sehr vertretbare Ansätze bringen. Meine Erziehungsweise ist durch viele ihrer Gedanken beeinflusst. Wohlgemerkt: beeinflusst, aber nicht bestimmt.

Ich warne Eltern heute davor, sich zu sehr auf die Meinung irgendwelcher Ratgeber oder Experten zu fokussieren.

Nicht alles, was Herr Juul oder Frau Montessori und all ihre Vertreter sag(t)en, können wir 1:1 auf die Erziehung unseres Kindes umlegen. Dies ist weder sinnvoll noch möglich, denn sowohl wir Eltern als auch unsere Kinder sind individuelle Wesen mit eigenen Persönlichkeitsstrukturen, Erfahrungen und Anschauungen. Uns zu sehr auf irgendwelche vorgefertigten Erziehungsstile zu beschränken, widerspricht unserer Natur, macht uns zu Marionetten einer künstlichen Erziehung, die letztendlich nichts oder kaum mehr etwas mit kindgerecht und bindungsorientiert zu tun hat.

Stattdessen ist es meiner Ansicht nach wichtig, dass wir auf unser Bauchgefühl vertrauen, unserem Herzen folgen und dabei menschliche Vorbilder bleiben, die greifbar sind, zu ihren Fehlern stehen und ihre Kinder mit Respekt behandeln. Bei Unsicherheiten ist es sinnvoller, sich an eine Expertin bzw. einen Experten zu wenden, die oder der die Familie persönlich beraten und begleiten und damit auf die Personen individuell eingehen kann anstatt Ratgeber und vorgefertigte Meinungen zu befolgen, die kategorisch denken (müssen) und niemals für alle Eltern und deren Kinder gelten können.

Alles Liebe,

Deine

Tamara_Schrift

 

FKK am Wasserspielplatz – „Mama, was macht der Mann da??“

20160813_163013Heute möchte ich eine kleine Anekdote aus dem – manchmal wahrhaft irren – Familienalltag mit euch teilen 🙂 Neulich war ich nämlich mit meinen Männern am Wasserspielplatz. Das Wetter war perfekt – nicht zu heiß und nicht zu kalt – und obwohl es ein Samstag war, hielt sich die Besucherzahl stark in Grenzen. Eine Familie jedoch fiel dann doch so sehr aus dem Rahmen, dass mir beinahe zwanzig andere Besucher stattdessen lieber gewesen wären. Doch erst mal alles der Reihe nach.

Meine Männer waren gerade dabei, den Spielplatz zu entdecken und ich hatte endlich mal ein paar Minuten für mich. Ich beobachtete das Bild, das sich mir darbot, schnupperte an der frischen Luft und begab mich in die Waagrechte, um den Moment vollkommen auszukosten. Da hörte ich plötzlich einen Satz, der meiner Entspannung ein abruptes Ende setzte.

Läusealarm!

„Ich muss dann bald heim, ich hab noch einen Berg Wäsche zu waschen wegen all der Läuse und Wurmeier und dem ganzen Zeugs…“ Ich drehte mich in die Richtung, aus der ich die Stimme vernommen hatte. Der Satz kam von einer Mutter, die mit ihrem Mann, ihren drei Kindern und einer Freundin mit deren Kind hier waren. Zwei der Kinder spielten gerade in unmittelbarer Umgebung  meiner Jungs und kurz darauf gesellte sich auch noch der Vater mit dem Kleinsten (was für ein prächtiger Lockenkopf!) auf das Boot zu meinen Jungs. Nun ja, meine Entspannung wich einer kleinen Unruhe. Läuse? Wurmeier? Bitte nicht!!!

Als ich etwas später dann mit meinen Söhnen auf besagtem Boot stand, hörte ich die Frau am Telefon noch berichten, dass sie einem ihrer Kinder die Haare abgeschert hatte wegen der Läuse (ja, der kleine Glatzkopf spielte die ganze Zeit mit meinen Kindern oder zumindest rund um sie herum).

Ich beruhigte mich damit, dass Läuse ja in der Regel nur durch sehr nahen Körperkontakt und meines Wissens nach auch nicht übers Wasser übertragbar waren. Ich muss hinzufügen, wir hatten letztes Jahr über den Kindergarten einmal Läuse abbekommen und dieses Erlebnis reicht mir einmal im Leben. Nur damit du meine aufkeimende Panik nachvollziehen kannst 😉

Einmal waschen bitte!

Die Familie war dann schließlich dabei, langsam aufzubrechen. Frau Mutter ruft noch schnell ihre zwei Ältesten zusammen mit den Worten „Kommt, gehen wir uns noch schnell waschen, bevor wir gehen!“ Ich dachte, sie würde die Duschen anzielen, aber da tänzelte sie schon – einzig mit einem Bikinihöschen bekleidet – an mir vorbei und ließ sich in das ca. 20 cm hohe eiskalte Wasser des Spielplatzes fallen, ribbelte sich einmal schnell über ihren unbekleideten Körper und war wieder draußen. Ihre Kinder taten es ihr gleich.

Ich muss dazu sagen: gleich daneben gibt es offene Duschen, die ideal für solche körperlichen Reinigungen sind. Noch dazu hatten sie ihre Decken direkt neben den Duschen aufgelegt, also übersehen haben konnte sie sie auf keinen Fall. Aber ok, ich dachte mir eben meinen Teil und widmete mich wieder meiner selbst.

Und dann kam es noch dicker…

Mama, Freundin und alle ihnen eigenen Kinder waren bereits gereinigt und aus dem Spielplatz draußen, als der Familienvater plötzlich in Richtung Wasser spazierte. Ganz gemütlich in seiner Badehose und mit Handtuch um die Schulter. Ich ahnte schon, was gleich passierte. Aber es kam noch besser.

Herr Papa zog sich nun in aller Seelenruhe aus – wie gesagt: bis dahin war er zumindest noch in Badehose – und setzte sich gänzlich nackt ins Eiswasser, so als würde er seine private Badewanne besteigen. Ich und alle anderen Besucher konnten nicht anders als mit offenen Mündern auf diese skurrile Szene zu starren. Es war ähnlich  einem schrecklichen Unfall, bei dem man einfach nicht wegschauen kann…

„Bitte, wos is´n mit dem los?“

Einen Augenblick später hörte ich hinter mir zwei in Uniformen bekleidete Radfahrer ankommen, die diese sich uns allen darbietende Szene auch nicht fassen konnten. Sie bremsten sich ein und stürmten den Spielplatz, gingen sofort zu dem Vater und stellten ihn zur Rede.

Ich muss dazu sagen: die Situation stellte sich ihnen natürlich noch um einiges drastischer dar, denn der Mann war völlig alleine, seine Familie war ja schon längst über alle Berge und so war alles, was die Uniformierten sahen ein Nackter im Kinderbecken.

„Sind ja eh keine Kinder mehr da!“

Der Mann tat mir dann fast schon ein bisschen leid, denn er hatte ja wirklich enormes Pech, dass gerade in dem Moment, als er es sich so richtig gemütlich im Kinderbecken machen wollte, diese Parkwächter vorbei kamen. Seine Behauptung, dass gar keine Kinder mehr da seien, war wohl reine Notwehr. Mit gesenktem Haupt und blitzschnell bekleidet verließ er sogleich den Spielplatz.

„Mama, was macht der Mann da?“

Angesichts der Situation – ein (nackter) Mann, den alle Leute anstarren und der dann auch noch von zwei Männern in Uniform (für Kinder natürlich sofort als Polizisten eingestuft) laut und verärgert des Platzes verwiesen wird – waren natürlich meine Kinder sehr neugierig und wollten wissen, was da los ist.

Mein kleiner Mann fragte nach, aber mir fiel es wirklich schwer, ihm eine passende Antwort zu geben, da ich schließlich vor Lachen weinend da stand und nicht fassen konnte, wie absurd das Leben manchmal sein kann :-)))

Habt ihr auch schon ähnlich skurrile Situationen mit euren Zwergen gemeinsam erlebt? Dann schickt mir eure Anekdoten doch, verlinkt sie hier oder auf meiner Facebook Seite!! Ich freu mich auf lustige Geschichten 🙂

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Eure

Tamara_Schrift

Ist mein Kind hochsensibel?

Hast du die Vermutung, dass dein Kind hochsensibel sein könnte?

Möchtest du herausfinden, ob dein Kind über diesen Wesenszug verfügt?

Mach den Test!

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Button_Anfrage

 

Deine

Tamara_Schrift

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Liebe Mamas!Pregnant

Heute möchte ich mit euch einen Text aus Khalil Gibrans „Der Prophet“ teilen, den ich persönlich sehr berührend finde. Er passt, wie ich finde, sehr gut zu einer achtsamen und bindungsorientierten Form der Erziehung und Eltern-Kind-Beziehung, die das Kind als individuelles Wesen mit eigenen Bedürfnissen, Gedanken und Werten schätzt und respektiert.  ♥

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter

der Sehnsucht des Lebens

nach sich selbst.

Sie kommen durch euch,

aber sie sind nicht von euch,

und auch wenn sie bei euch sind, gehören sie euch nicht.

Ihr könnt ihnen eure Liebe geben,

aber nicht eure Gedanken,

weil sie ihre eigenen Gedanken haben.

Ihr könnt ihren Körpern eine Behausung geben,

aber nicht ihren Seelen,

weil ihre Seelen im Haus von  morgen wohnen,

welches ihr nicht betreten könnt,

noch nicht einmal in euren Träumen.

Ihr könnt versuchen,

wie sie zu sein,

aber versucht nicht sie euch anzugleichen,

das Leben geht nicht rückwärts,

noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen,

von denen eure Kinder

als lebende Pfeile abgeschossen werden.

Der Bogenschütze sieht das Ziel

auf dem Pfad der Unendlichkeit,

und Er biegt euch mit Seiner Kraft,

damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Möge das Gebogenwerden

in des Schützen Hand

Freude in euch auslösen.

So wie Er den fliegenden Pfeil liebt,

so liebt Er auch den Bogen,

der fest steht.

Eure

Tamara_Schrift

Das Sterben der Hummel

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Neulich am Spielplatz fiel meinen kleinen Männern eine am Boden liegende Hummel auf, die sich seltsam bewegte. Erst rotierte sie wie betrunken im Kreis, dann wurden ihre Bewegungen langsamer, bis sie schließlich auf dem Rücken liegend verendete. Dieser ganze Prozess des Sterbens dauerte etwa 40 Minuten, in denen wir zu dritt daneben saßen, beobachteten und redeten.

Mein kleiner Mann dachte zuerst, die Hummel ruhe sich nur aus. Wahrscheinlich sei sie müde und hier sei ihre Couch, auf der sie sich zum Ausruhen hingelegt habe, meinte er. Mein kleinster Mann war ebenso fasziniert von dem, was er sah und hörte, redete seinem großen Bruder alles nach und suchte bei mir immer wieder Bestätigung für seine Annahmen. „Ist die Biene verletzt?“, wollte er immer wieder wissen. (Dass es sich hierbei um eine Hummel und weder um eine Biene, noch um eine Wespe handelte, war ein Irrtum, der sich durch die gesamte Konversation durchzog.)

Ich erklärte, dass die Hummel wohl verletzt oder krank sei, es ihr nicht gut gehe.

„Die Biene beißt!“, schrie mein Kleinster. Ihn hatte nur zwei Tage zuvor eine Hummel in den Fuß gebissen.

„Das ist eine Hummel!“, schrie darauf sein Bruder. „Die Biene beißt nicht, die sticht!“

Mein kleiner Mann wurde vor mehreren Wochen von einer Biene gestochen, auch diese schmerzvolle Erinnerung ist nicht vergessen. Er hat seitdem großen Respekt vor Bienen und allen fliegenden Tierchen, die so ähnlich wie Bienen aussehen. „Die sind böse, stimmt´s Mama?“ sagt er daher. „Nein, Bienen sind nicht böse.“, antworte ich. „Sie haben einfach Angst und dann stechen sie. Stell dir mal vor, wie groß wir in ihren Augen sind. Würden wir auf solche Riesen treffen, würden wir auch stechen, wenn wir könnten.“ Das leuchtet ein, Verständnis ist in seinem Gesicht zu erkennen.

Nebenher werden die Bewegungen der Hummel immer langsamer, nur noch an ihrem Körper ist eine schwache Atembewegung zu erkennen.

„Nicht draufsteigen!“ wird zwischendurch immer wieder von einem der beiden Jungs gebrüllt, was den jeweils anderen, der das Stückchen Wiese gerade zu durchqueren versucht, nervös nach der Hummel schauen und mitten im Gehen aufhüpfen lässt. Beide wissen: wir töten keine Tiere, sei es auch noch so ein kleines Insekt. Draufsteigen ist also Tabu.

Als es mit der Hummel sichtlich zu Ende geht, sind wir drei automatisch demütig ruhig und schauen zu. Schließlich stellen wir ihren Tod fest. „Das war schon eine Oma Hummel“, erklärt der Große dem Kleinen. „Die war schon alt.“

Als das Tierchen regungslos liegen bleibt, kommt mir eine Idee. „Wollen wir die Hummel jetzt begraben?“

Die Jungs sind begeistert dabei und so graben wir ein kleines Loch in die Kieselsteine, ich lege die Hummel hinein und wir schütten das Loch wieder zu. Ein winziger Ast mit einem Blatt dient als Kreuz. Ich spreche ein paar Abschiedworte und erkläre: „Jetzt ist sie im Hummel-Himmel.“

Daraufhin will mein Großer wissen, was den ein solcher sei und wieso man da hinkommt. Ich beantworte seine Fragen so gut ich kann, merke dabei aber auch, wie schwer es mir fällt, zu erklären. Es gibt also einen Himmel, wo wir nach dem Tod hinkommen. Gott ist auch da. Was macht er da? Warum werden wir dann begraben? Ist Gott in der Kirche gestorben? (Mein kleiner Mann weiß, dass es in der Kirche einen gewissen Mann am Kreuz gibt und hat daraus seine eigenen Schlüsse gezogen) Was macht Gott im Himmel? Fressen die Hummel jetzt die Ameisen?“ Fragen über Fragen ergeben sich in weiterer Folge und so philosophiere ich mit meinem 4jährigen Sohn über „Gott und die Welt“…

Dieses Erlebnis mag vielleicht klein und unbedeutend erscheinen. Ich habe dabei aber sehr viel Nähe zu meinen Kindern gespürt, wir waren alle drei voll und ganz hier, miteinander, haben gemeinsam erlebt. Es war ein schönes Gefühl. Die freudigen Gesichter meiner Kinder haben mein eigenes Gefühl widergespiegelt.

Diese Situation hat mir wieder gezeigt: wenn man sich auf die Welt der kleinen Leute einlässt, wird man in vielerlei Weise beschenkt!

Kommt dann eh kein Böser??

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Mein kleiner Mann liebt Geschichten von Räubern, Gespenstern, Monstern, Hexen und Helden. Er spielt gerne den Batman oder lässt seine Ritter die Burg gegen Eindringlinge verteidigen, bringt als Polizist die „Bösen“ ins Gefängnis und wenn es brennt, dann kommt er als Feuerwehrmann zum Einsatz.

Kinder beginnen mit ca. drei Jahren, sich intensiv mit ihrer eigenen Phantasie zu beschäftigen, sie zu entwickeln und stetig zu erweitern. Märchen und andere Geschichten, die magische Inhalte vermitteln und dabei noch genügend Spielraum lassen für eigene Phantasien, gewinnen nun an Bedeutung. Das Spielverhalten des Kindes verändert sich – so werden Rollenspiele wichtig, um Szenen aus dem Alltag oder aus Geschichten immer wieder „durchzuspielen“ und neu aufzurollen, und zwar so lange, bis das Kind sie vollständig verarbeiten konnte.

Diese magische Phase, die bis ins zehnte Lebensjahr hinein andauert, ist eine Zeit der Phantasie, der Magie und Zauberei. Monster und Gespenster werden als real erlebt, auch wenn es sie nur in Geschichten gibt. Rationales Beschwichtigen damit verbundener Gefühle ist ebenso unwirksam wie unangebracht. Es hilft dem Kind nicht, gesagt zu bekommen, dass es diese Monster nicht gibt. Tatsache ist, das Kind erlebt sie als existierend – ob nun in der Realität oder nur in seiner Phantasie macht dabei keinen allzu großen Unterschied.

Die kindlichen Ängste ernst nehmen

Es ist also wichtig, dem Kind zu vermitteln, dass wir es ernst nehmen. Die Monster mögen zwar nicht real sein, die Ängste des Kindes jedoch sind es. Was zählt ist also, sie anzuerkennen und ihnen Raum zu geben.

Wenn das Kind von einem Monster oder ähnlichem spricht, kann es helfen, genauer nachzufragen: wie sieht es aus? Wie groß ist es? Welche Farbe hat es? Was macht es denn?

Auf diese Weise erfährt das Kind, dass es ernst genommen wird. Gleichzeitig werden viele Ängste kleiner, indem man ihnen einen Namen oder ein Gesicht gibt. Wir können das Kind auch dazu ermuntern, dass es sein Monster malt, wenn das verbale Beschreiben vielleicht schwer fällt.

Was wir jedoch vermeiden sollten ist, kindliche Ängste  mit Aussagen wie „da ist doch kein Monster“, „ist doch nicht schlimm“ oder ähnlichem abzutun.

Monsterfresserpuppe und Bösen-Falle

Es ist schon eine Weile her, dass ich mit meinem kleinen Mann zusammen eine Monsterfresserpuppe gebastelt habe. Sie liegt immer in seinem Bett und frisst – wie der Name schon sagt – alle Monster auf, die sich nächtens ins Kinderzimmer wagen.

Bei einem Gespräch mit ihm neulich erfuhr ich, dass es „die Bösen“ sind, die ihm zur Zeit am meisten zu schaffen machen – konkret: Diebe, Einbrecher und Räuber, die in unsere Wohnung eindringen könnten. Also haben wir gemeinsam überlegt und schließlich eine Falle gebaut: wir haben eine Schuhschachtel verziert, ein Loch in den Deckel geschnitten und mein Sohn hat noch einen Zettel drauf geschrieben: „Liebe Böse, hier habt ihr schönes Essen“ – ein Lockruf sozusagen 🙂

Dann noch einen Stein mit einem selbst erfundenen Zauberspruch belegt, in die Kiste gelegt – zusammen mit einer Decke aus Filz, denn wir wollen ja nicht, dass die Bösen es allzu ungemütlich haben und ein paar Süßigkeiten – und fertig war die Falle! Ach ja, zur Erklärung für alle, denen das Prinzip der Falle unbekannt ist: durch den Zauberstein werden die „Bösen“ klein wie eine Kartoffel und in die Kiste gezaubert, wo sie dann gefangen sind. Am nächsten Morgen können sie dann wieder in die Natur gelassen werden, denn – wie mein kleiner Mann feststellte – „die kommen dann nicht wieder“.

Kindern ihren eigenen Weg zur Angstbewältigung zugestehen

Wir können Kindern dabei helfen, ihre Ängste durchzustehen, sie dabei begleiten und bei Bedarf Trost spenden. Allerdings ist es auch wichtig Vertrauen in sie zu haben. Kinder finden ihren Weg, mit Ängsten fertig zu werden, auch wenn wir diesen oft nicht (gleich) verstehen können. So wie ein Kind seinen Kuschelhasen überall hin mitschleppt, wird ein anderes Kind zeitweilig einen imaginären Begleiter erfinden, wieder ein anderes braucht dafür den Schnuller noch ein Weilchen länger. Die Arten der Kinder, mit ihren Ängsten umzugehen, sind vielfältig und wertvoll. Deshalb sollten wir ihnen vertrauen und ihnen ihre eigenen Mittel und Wege lassen.

Fazit: Die Ängste von Kindern immer ernst nehmen. Vertrauen in die Kinder haben, sie dabei begleiten und ihnen ihren eigenen Weg mit ihrer Angst umzugehen, zugestehen.

Eure

Tamara_Schrift

Vom Einfluss traumatischer Kindheitserlebnisse auf unsere Gesundheit

Bildergebnis für sorgenpuppeEs ist also inzwischen auch medizinisch erwiesen: Traumatische Kindheitserlebnisse wie körperlicher oder sexueller Missbrauch, Gewalt in der Familie, psychische Gewalt, psychische oder physische Vernachlässigung, Drogenmissbrauch der Eltern, Psychische Erkrankung der Eltern u.ä. haben nachhaltige Auswirkungen auf unsere gesamte Gesundheit. Und zwar für unser ganzes weiteres Leben.

So werden beispielsweise die Neigung zu Depressionen/psychischen Erkrankungen, ADHS, Drogenmissbrauch, Herz-Kreislauferkrankungen, Neigung zu Selbstmord, Krebs und noch viele weitere Erkrankungen bis hin zu Veränderungen in unserer DNA Struktur, mit traumatischen Erlebnissen in der Kindheit assoziiert. Diese medizinische Erkenntnis ist hilfreich, wenn es um die Diagnose und Therapie von Erkrankungen geht. Speziell im Kindesalter kann bei entsprechender Diagnostik und Behandlung sehr viel abgefangen und verbessert bzw geheilt werden. Leider ist die Medizin noch nicht so weit, diese Erkenntnisse in die Praxis um- und dort einzusetzen. Vielleicht sind wir aber zumindest langsam am Weg dahin. Es wäre uns und unseren Nachfahren zu wünschen.

Die amerikanische Kinderärztin und Forscherin Nadine Burke Harris hat zu diesem Thema einen sehr interessanten Vortrag gehalten, den du dir hier ansehen kannst. Es lohnt sich, reinzuschauen!

Tamara Jungbauer