Hochsensitivität – was ist das?

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Hochsensitvität – was ist das?

Der Begriff der Hochsensitivität oder Hochsensibilität wurde von der amerikanischen Psychologin und Universitätsprofessorin Elaine N. Aron geprägt. Sie gilt als wichtige Pionierin auf diesem Gebiet, ist selbst hochsensibel und erforschte dieses Thema jahrelang, ehe sie 1996 ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse in dem Buch „The Highly Sensitive Person“ zusammenfasste. Seitdem wurde dieses in 70 verschiedene Sprachen übersetzt und gilt inzwischen als Standardwerk zu dem Thema.

Zu allererst: Hochsensitivität ist keine Krankheit!

Hochsensibilität und Hochsensitivität beschreiben ein und denselben Wesenszug. Ich bevorzuge generell den Begriff der Hochsensitivität, weil der Gedanke an eine erhöhte Sensibilität oft negativ besetzt ist. Jemand, der sehr sensibel ist, gilt oft als „überempfindlich“, schnell beleidigt, wird von der Gesellschaft als „Sensibelchen“ abgestempelt. Wenn wir von einer erhöhten Sensitivität sprechen, wird der Fokus jedoch automatisch mehr dahin gerichtet, wo er auch hingehört: auf die verstärkte Sinneswahrnehmung.

Es handelt sich hierbei nicht um eine psychische Störung, sondern um ein erweitertes Charaktermerkmal, ein spezifisches Temperament, das bei Betroffenen angeboren ist und das mit jedem anderen Wesenszug, mit jedem Grad von Intelligenz und Begabungen verbunden sein kann.

Hochsensible Personen (auch HSP nach der englischen Bezeichnung „highly sensitive person“ genannt) nehmen mehr Reize auf als weniger sensible Menschen, und zwar intensiver und mit einer wesentlich größeren inneren Beteiligung. HSP denken und fühlen ausgeprägter, verfügen über eine stärkere Wahrnehmungsfähigkeit und bringen meist von Natur aus ein deutlich höheres Maß an Empathie mit als weniger oder normal sensible Personen.

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Erhöhte Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit

Nach Aron haben HSP die angeborene Neigung, ihre Umgebung und die damit verbundenen inneren und äußeren Reize deutlicher wahrzunehmen und gründlich nachzudenken, ehe sie handeln. Sie sind zudem meist mitfühlend, klug, intuitiv, kreativ, umsichtig und gewissenhaft. Oft machen diese Menschen einen scheuen und furchtsamen Eindruck, gelten oft als leicht erregbar und „zu sensibel“.

Eine bessere Wahrnehmung bedeutet nicht zwangsläufig, schärfere Sinne zu haben. Vielmehr ist es so, dass das hochsensible Gehirn Informationen wesentlich gründlicher verarbeitet. Hochsensible Individuen verfügen außerdem generell über schnellere Reflexe, sind schmerzempfindlicher und reagieren stärker auf Medikamente und Genussmittel. Sie leiden häufiger unter Allergien.

HSP neigen zum Grübeln, denken alles erst gründlich durch, ehe sie Entscheidungen treffen (was sie oft als entscheidungsschwach aussehen lässt). Sie reflektieren übermäßig über sich selbst und ihre Umwelt, verbrauchen viel Energie dafür, sich ihrer eigenen Gefühle klar zu werden und sich in die Gefühle und Gedanken ihrer Umgebung hineinzuversetzen.

Hochsensible Individuen empfinden ihre hohe Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit oftmals als sehr belastend. Das Leben für HSP ist oft viel anstrengender, weil kaum ein Filter besteht zwischen Innen und Außen, also zwischen eigener Wahrnehmung und Umwelt.

Hochsensitiv ist nicht gleichbedeutend mit introvertiert und schüchtern

Hochsensitivität betrifft ein Drittel der Menschheit. Der Anteil der Frauen und Männer ist dabei gleich. Etwa 70% aller HSP sind introvertiert, die restlichen 30% extrovertiert. Hochsensitivität mit Introvertiertheit oder Schüchternheit gleichzusetzen, ist also falsch.

Hochsensibilität bringt oft „Nebenwirkungen“ mit sich, die einen Zusammenhang mit Introvertiertheit und Schüchternheit nahe legen. Wenn Hochsensible Kinder (HSK) sich überwiegend unverstanden fühlen und dazu gezwungen sehen, sich den Erwartungen ihrer Umgebung unterzuordnen und dabei ihre eigenen Gefühle zu unterdrücken, so ist die Wahrscheinlichkeit jedoch hoch, dass aus diesen Kindern ängstliche, schüchterne, depressive Menschen werden. Derartige psychische und seelische Erkrankungen sind dann jedoch die Folge einer solchen Unterdrückung des eigenen Wesens und nicht „Symptom“ der Hochsensibilität selbst.

Während introvertierte HSP eher Probleme im sozialen Bereich haben, erfolgt die Überstimulation bei extrovertierten HSP generell vermehrt sachbezogen (also durch zu viele bestehende Projekte).

Die vier Kriterien für Hochsensitivität nach Brigitte Schorr

  1. Schmale Komfortzone

Die Komfortzone ist jener Bereich, der sich zwischen Langeweile und Überstimulation befindet, der sogenannte „Wohlfühlbereich“. Dieser ist bei HSP sehr schmal, d.h. dass sich diese Menschen schnell langweilen, gleichzeitig aber auch schnell überreizt sind. Dies führt nicht selten zu Wechselhaftigkeit, was auch für die Umgebung anstrengend sein kann.

  1. Neigung zur Überstimulation

Überstimulation ist jener Zustand, in dem einem alles zu viel wird. Folgeerscheinungen sind oftmals Nervosität und Fahrigkeit, Gereiztheit und Ungehalten-sein. Überstimulation schwächt!

  1. Langes Nachhallen

Alles, was HSP erleben, wirkt lange nach. Gesprächsfetzen können so lange immer wieder durchgekaut werden, bis sie vollständig verarbeitet wurden. Das eigene Verhalten wird ebenfalls ständig überprüft.

  1. Stark ausgeprägte individuelle Wahrnehmungsfähigkeit

Jede HSP kann etwas anderes besonders stark wahrnehmen und auch die Intensität der Empfindung ist individuell unterschiedlich ausgeprägt.

Die vier Indikatoren für Hochsensibilität nach Elaine N. Aron

  1. Sinnes-Sensibilität

HSP verfügen über eine breitere, intensivere und differenziertere Wahrnehmung der Sinne. Sie haben generell ein stärkeres Gefühl für ihren Körper.

  1. Emotionalität

Betroffene haben intensivere Gefühle (sowohl die schönen als auch die unschönen), die auch länger „nachhallen“ und eine höhere Empathiefähigkeit.

  1. Leichte Übererregbarkeit

HSP überreizen schneller.

  1. Verarbeitungstiefe

Sie verfügen über ein vernetzteres, tieferes, übergreifenderes Denken.

Um von Hochsensibilität sprechen zu können, müssen nach Aron alle vier Indikatoren vorliegen.

Gefahr der Überreizung

HSP nehmen, wie bereits erwähnt, die Reize ihrer Umwelt sehr intensiv wahr. Die Verarbeitung selbiger kostet Betroffene viel Energie, weshalb diese Menschen generell schneller müde sind. Das Gehirn arbeitet auf Hochtouren, um all die auf es einströmenden Reize in ihrer Intensität angemessen verarbeiten zu können.

Aus diesem Grund kann es bei HSP schnell zu einer Überreizung kommen. Zu viele Reize gleichzeitig überanstrengen die Betroffenen und führen beispielsweise zu Erschöpfung, Gereiztheit, Launenhaftigkeit, Nervosität, Unruhe. HSP daher auch verstärkt zu einem Burnout als weniger sensible Menschen. Ihre Energien sind einfach rascher aufgebraucht.

Auf der anderen Seite ist Überstimulation als subjektives Gefühl des „zu viel“ auch ein Hilfsmittel. Wenn die HSP lernt, die ersten körperlichen Anzeichen einer Überstimulation zu erkennen, kann sie bei rechtzeitigem Einlenken drohende Eskalationen verhindern.

Bedeutung von Ruhezeiten 

Um eine Erschöpfung zu vermeiden, ist es daher von größter Bedeutung, sich selbst Auszeiten zu erlauben, sich Zeiten für Rückzug und Erholung zu nehmen. Nur so können die leeren Energietanks wieder aufgefüllt werden.

Der ausgeprägte Bedarf nach Ruhezeiten führt oft dazu, dass die Betreffenden sich von Zeit zu Zeit vor sozialen Kontakten zurückziehen, sich isolieren, um wieder ganz in Kontakt mit sich selbst zu kommen und neue Kraft zu schöpfen. Dies ist notwendig und richtig, da andernfalls durch chronische Erschöpfung neben einem Burnout auch zahlreiche psychische und physische Erkrankungen die Folge sein können.

Annahme statt Anpassung

HSP müssen lernen, wann sie ihre Sinne „herunter schalten“ sollten, wie sie innerlich auf Distanz gehen und wie sie diesen Wesenszug positiv in ihr Leben integrieren können.

Oft passen sich HSP´s zu sehr an die Erwartungen und Vorstellungen ihrer Umgebung an und vernachlässigen dabei ihre eigenen Bedürfnisse. Dies kann so weit führen, dass die Betreffenden nur noch tun, was (sie glauben, dass) von ihnen erwartet wird, um wertgeschätzt zu werden, und nicht einmal mehr selbst wissen, wer sie wirklich sind. Sie sind dann im Extremfall nur noch ein Abbild dessen, was sie glauben sein zu müssen.

Erst wenn wir Hochsensibilität als Gabe annehmen können, fällt es uns zunehmend leichter, mit all ihren negativen Auswirkungen umzugehen. Dies gilt sowohl für HSP´s als auch für deren weniger sensible Mitmenschen.

Tamara_Schrift

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Bilder: Fotalia 

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